Dungeon Keeper für iOS und Android: Wenn Free2Play den Spielspaß killt
Wer Dungeon Keeper liebt, der muss jetzt tapfer sein: EA hat aus dem zeitlosen Bullfrog-Klassiker ein ödes Free2Play-Spiel gebastelt, das meilenweit verfehlt, was Dungeon Keeper einst so großartig machte. Statt motivierendem Basisbau und witziger Monster-Pflege gibt's hier zähe Kerkerverwaltung, die nur ein Ziel verfolgt: dem Spieler das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir haben uns die ersten Stunden in dem Spiel angesehen und sind schwer enttäuscht.
Misslungene Free2Play-Titel gibt es mehr als genug. Solche, die den Spieler mit Miktrotransaktionen nerven, die unnötig viel Zeit verschlingen, die banale Features hinter nervigen Kostenschranken verstecken. Und dann gibt es auch einige tolle Ausnahmen - faire, motivierende Free2Play-Titel, die den Spieler, sein Geld und seine Zeit wertschätzen. Doch zu diesen Ausnahmen zählt Dungeon Keeper leider nicht, im Gegenteil. Das Spiel ist nicht nur um ein dreistes Bezahlmodell herumgestrickt, es trägt auch einen großen Namen vor sich her: Dungeon Keeper, das war mal herrlich kreative PC-Strategie, ein Highlight der Kult-Spieleschmiede Bullfrog. Kein Wunder also, dass die Fans jahrelang flehten, der Publisher EA möge doch endlich wieder einen neuen Serienteil entwickeln lassen.
Ach, hätte man besser nichts gesagt! Denn etwa 15 Jahre nach Dungeon Keeper 2 hat EA Mythic (Warhammer Online) tatsächlich einen neuen Teil abgeliefert. Das Ergebnis hört auf den einfachen Namen Dungeon Keeper, ein Online-Ableger, der speziell für Tablets designt wurde. Eine PC-Version ist nicht geplant, das Spiel ist nur für iPad und Android-Tablets erhältlich. Und es ist Free2-Play, also gratis. Genau da liegt das Problem.
Spielspaßkiller Free2Play
Quelle: Electronic Arts
Monster kommen nicht mehr von alleine in den Dungeon. Stattdessen bestellt man sie einfach gegen Spielgold beim Dungeon-Herz nach.
Bevor man ins Spiel gelangt, muss man erst mal mehreren Datenschutzerklärungen zustimmen - das Spiel greift im Hintergrund nämlich ordentlich Informationen ab. Hat man sich damit abgefunden, präsentiert sich Dungeon Keeper zunächst in hübsch-vertrauter Manier: Der Grafikstil ist zwar heller und comichafter als früher, doch dafür läuft das Spiel auch auf älteren Android-Tablets noch angenehm flüssig. Dazu sorgt der gelungene Sound für heimeliges Kerker-Feeling: Passend-düstere Musik und ein wunderbar diabolischer englischer Kommentator lassen Erinnerungen an den zweiten Teil der Reihe aufkommen. Doch dann verlieren sich die Gemeinsamkeiten und mit ihnen sagt auch der Spielspaß Lebewohl. Denn noch bevor man das kurze, eng geschnürte Tutorial beendet hat, zeigen sich schon die Schwächen im Spieldesign: Einfach alles in Dungeon Keeper verschlingt viel zu viel Zeit! Es sei denn, man beschleunigt den Spielablauf mit seltenen grünen Edelsteinen. Diese Edelsteine sind die Premium-Währung von Dungeon Keeper, man kann sie umständlich (und extrem zeitaufwändig) verdienen, oder aber man kauft sie einfach. Gegen echtes Geld, versteht sich. Mikrotransaktionen schockieren im Jahre 2014 zwar niemanden mehr, doch in Dungeon Keeper braucht man wahre Unmengen dieser Edelsteine, um überhaupt etwas vom Spiel zu haben.
Quelle: Electronic Arts
Zumindest optisch kommt das Spiel dem Original recht nahe, auch wenn der Grafikstil viel heller und comichafter ausfällt.
Ein paar Beispiele: Wie in den früheren Dungeon Keeper-Spielen muss man das Erdreich Block für Block markieren, damit Dienerkreaturen - die Imps - herangeflitzt kommen, die so neue Gänge und Räume in den Untergrund buddeln. Das dauert normalerweise nur ein paar Sekunden. Allerdings gibt es auch Blöcke, die sehr viel mehr Bauzeit verschlingen, nämlich vier Stunden. Und wer das schon heftig findet, der wird seinen Augen nicht trauen, wenn ein Imp einen Edelstein-Block abtragen will - das kostet nämlich satte 24 Stunden! Wer auf die irre Wartezeit keinen Bock hat, der muss Edelsteine ausgeben, um den Vorgang zu beschleunigen - das kostet dann gleich mal 250 Steine. Das ist viel zu viel! Denn Edelsteine sind sauteuer: 500 Edelsteine kosten im Shop bereits 4,49 Euro. Für 1.200 Steine werden 8,99 Euro fällig. Und wer 14.000 Steine kaufen will (laut Ingame-Shop das beste Preis-Leistungs-Verhältnis) muss knapp 90 Euro auf den Tisch legen. 90 Euro! Natürlich: Es gibt durchaus die Möglichkeit, Edelsteine auch spielend zu verdienen, etwa über Erfolge. Doch das ist wenig mehr als Augenwischerei - die ersten Achievements ("Erledige Aufgabe X drei Mal") bringen gerade mal 5 läppische Steinchen pro Erfolg.
Zäher Einstieg
Quelle: Electronic Arts
Räume lassen sich nicht mehr Feld für Feld anlegen, die Größe der Bauwerke ist diesmal streng vorgegeben. Wer den langwierigen Bau beschleunigen will, muss dafür Edelsteine bezahlen.
Da braucht man sich nichts vormachen, ohne Edelsteine geht's auf Dauer nicht. Noch ein Beispiel: Anfangs hat man nur zwei Imps zur Verfügung. Wer mehr Arbeiter haben will, muss dafür - na, wer hat's erraten? - natürlich Edelsteine ausgeben. 800 Stück kostet der dritte Imp. So viel Klunker hat man zunächst aber einfach nicht, es sei denn, man kauft sich direkt ein Edelsteinpaket im Shop. Wer zurecht darauf verzichtet, der verbringt die ersten Spielstunden also nur mit zwei Imps, was bedeutet, dass man immer nur zwei Bau- oder Upgrade-Aufträge vergeben kann. Wer gleichzeitig noch ein drittes Gebäude errichten lassen will, muss lange warten - oder Edelsteine ausgeben, klar.
All diese Hürden bremsen den Spielfluss nicht einfach aus, sie bringen ihn buchstäblich zum Erliegen. Und zwar nicht in den fortgeschrittenen Endphasen des Spiels, sondern bereits kurz nach dem Tutorial. Dass viele Free2Play-Spiele besonders zu Beginn großzügig und flott daherkommen, um den Spieler mit Erfolgserlebnissen anzulocken, hat gute Gründe - doch Dungeon Keeper macht sich gar nicht erst die Mühe, diesen Schein eines gemütlichen Gratisspiels aufzubauen. Es lässt den Spieler vielmehr sofort wissen: Ohne Moneten kommst du hier nicht weit. Ist das nun ehrlich oder dreist?
Was vom Original noch übrig blieb
Lässt man die gierigen In-App-Käufe mal außer Acht, bleibt ein kleines Aufbau-Spiel, das nur noch wenig mit dem ursprünglichen Dungeon Keeper gemein hat. Der Basisbau wurde vereinfacht und die Bedürfnisse der Kreaturen spielen (zumindest in den ersten Spielstunden) überhaupt keine Rolle. Musste man früher noch Schlafräume und Hühnerfarmen errichten, um Kreaturen bei Laune zu halten, marschieren die Viecher nun einfach automatisch in einen vorgegebenen Raum - dort hocken sie rum und warten auf Angreifer. Denn Dungeon Keeper bedient sich kräftig einiger Elemente, die man aus Clash of Clans oder Tower Defense kennt: Andere Spieler können unseren Dungeon überfallen und uns Monster ins Haus schicken. Ihr Ziel: Das Dungeon-Herz, wie früher schon das Zentrum unseres Kerkers.
Quelle: Electronic Arts
In Raids hat man kaum Kontrolle, Gebäude schießen automatisch auf Monster.
Um die Angreifer abzuwehren, errichtet man nicht nur Fallen und Türen in den Gängen, auch die Räume verfügen über Verteidigungsmechanismen. Die Werkstatt schleudert beispielsweise automatisch Sägeblätter auf feindliche Monster, die in der Nähe vorbeimarschieren. Es gilt also, den Dungeon so aufzubauen, dass die Gegner möglichst lange, gefährliche Laufwege haben. Und natürlich muss man nicht nur verteidigen, sondern kann auch andere Dungeons angreifen - dann muss man ein paar ausgewählte Monster mit unterschiedlichen Eigenschaften in die feindlichen Tunnel schicken, um so das gegnerische Dungeon-Herz zu zerdeppern. Das erfordert kaum Taktik und bietet nur wenige Möglichkeiten, in den Kampf einzugreifen. Als Belohnung für solche Raids winken Rohstoffe wie Gold und Steine, die man zwar dringend braucht, um neue Gebäude zu bauen, doch neue Juwelen können wir hier nicht erbeuten. Richtige Missionen wie in den Vorgängern oder gar eine Story haben wir übrigens gar nicht erlebt, jedenfalls nicht in den ersten Spielstunden.
Online-Zwang und fragwürdige User-Wertungen
Dungeon Keeper ist ein reines Online-Spiel. Wer keine aktive Internetverbindung hat, kommt auch nicht rein. Das trifft zwar auf viele Mobile-Spiele zu, macht es aber nicht besser. Zumal der Online-Zwang bereits ordentlich Probleme macht, etwa in Form von häufigen Verbindungsabbrüchen. Zeitweise konnten wir uns sogar überhaupt nicht mehr einloggen, stattdessen bekamen wir nur die Fehlermeldung Code 15 angezeigt.
Auch vor diesem Hintergrund erscheint es höchst fragwürdig, dass das Spiel bereits mehr als 48.000 Top-Bewertungen der Spieler im Google-Play-Shop erhalten hat. Sind die Spieler wirklich so zufrieden? Oder hat der Publisher hier vielleicht etwas nachgeholfen?
Fazit: Finger weg!
Keine langen Worte: Diese Free2Play-Umsetzung von Dungeon Keeper ging gründlich daneben, vor allem Fans des Originals werden bitter enttäuscht sein. Wer sich von den langen Wartezeiten nicht abschrecken lässt, kann natürlich trotzdem einen Blick riskieren, immerhin ist das Spiel grundsätzlich kostenlos. Wir raten aber entschieden davon ab, echtes Geld im Ingame-Shop auszugeben - denn damit würde man das völlig falsche Signal an die Entwickler senden. Wer diese Art von Geschäftsmodellen unterstützt, der braucht sich nicht wundern, wenn sie uns auch in Zukunft erhalten bleiben.
Anstatt sich mit der zähen Free2Play-Variante rumzuärgern, empfehlen wir stattdessen lieber nochmal die ersten beiden Teile. Die gibt's schon für ein paar Euro auf GOG.com und laufen recht gut auf heutigen PCs. Grafisch sind beide Titel natürlich völlig veraltet, spielerisch machen sie aber immer noch eine ganz gute Figur.
Dungeon Keeper Gold auf GOG.com
Dungeon Keeper 2 auf GOG.com
Und wer keine Lust auf das alte Zeug hat, der sollte vielleicht das munter abgekupferte War for the Overworld im Auge behalten. Das Kickstarter-Projekt entwickelt sich zwar nur schleppend, doch anhand der Early-Access-Version auf Steam sind zumindest schon gute Ansätze zu erkennen.
Und zuletzt noch ein kleiner Surftipp: Auch unsere Kollegen von Superlevel.de haben Dungeon Keeper (iOS/Android) bereits getestet. Ihr Review ist wunderbar zutreffend und sei hiermit wärmstens empfohlen.
Und was sagt unser Mario dazu?

von beileidsbekundungen hab ich überraschenderweise nix mitbekommen.
und auch von mir wirds keine geben. :-D
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entwickler mythic wurde ziemlich direkt nach der veröffentlichung von ea abgeschossen.
das nachfolge-studio broadsword existiert erstaunlicherweise noch und betreibt offenbar dark age of camelot (das gibts noch?) und ultima online. interessant, war mir gar nicht bekannt.
Ich hab's installiert und finde es nach 3 Wochen immer noch großartig.
Das ist ein für Handys und Tablets adaptiertes, nachgepudertes Spiel mit epischem Vorbild.
Mal ehrlich: Wer Dungeon Keeper in "Old school" spielen will, soll sich einen PC anschaffen.
Dieses Spiel ist darauf ausgelegt, dass man mit dem handy über Wochen und Monate ein Dungeon pflegt und Monster pimpt, Kampagnen erledigt und Gegner besiegt. Mehr nicht. Wenn die Zeiten da schneller ablaufen, kommt man auch nicht schneller vorran, weil man im Büro sitzt.
Jeder dem das nicht schnell genug geht, hat meiner Meinung nach zu viel Freizeit und sollte sich nen Job suchen!
OK, Kristalle kaufen ist abzocke pur, bei den Preisen. Ich habe die 5€ für einen dritten Imp investiert, dann läuft alles super easy, den Imp kann man sich aber auch über Kristalle kaufen, man muss halt nur erst einmal 2 Wochen buddeln.
Free-to-Play stimmt schon. Spiel super, Daumen hoch!
@EA: Macht die Kristalle 30 Prozent billiger, dann verdient ihr mehr und die Leute (vor allem hier) motzen nicht mehr so viel!
in diesem Sinne
GameOn!
Die Spieletests sind eigentlich reichlich unseriös wenn die, ohne Geld investiert zu haben, schon nach dem ersten Eindruck geschrieben werden. Und es sind so unertschiedliche Spielkonzepte, dass man es einfach nicht mit den Klassikern vergleichen kann. Wenn man schon einen Spieletest machen will dann sollte man es eher mit Genrevertretern vergleichen.
Ich spiele jetzt seit einer Woche und erst so langsam nimmt das ganze Fahrt auf. Man kann alle 10-20 Minuten raiden, je nachdem wieviele Kreaturen man dafür verwendet. Dazwischen wird der Dungeon umgebaut und in der Gilde gechattet. Da ging gestern der Nachmittag schnell rum. Zwei Imps nutze ich für größere Bauaufträge, die im späteren Spielverlauf auch mehrere Tage dauern können, einen halte ich mir für kleinere Sachen frei.
Entfernt vergleichbar ist das vielleicht mit der Art des Levelns in Eve Online. Das kann Wochen und Monate dauern um neue Skills zu bekommen. Bei DK muss man eben warten bis das neue Gebäude steht - oder zahlen wenn man das will.
Wer das Spiel in gewohnter offline Spielgeschwindigkeit zocken will kann mit Leichtigkeit €1.000 ausgeben. Dass man alle Dinge mit Geld beschleunigen kann ist leider sehr offensichtlich, aber wer das wirklich macht ist selber Schuld. Der Zwang es zu tun ist jedenfalls viel kleiner als bei anderen Spielen.
Bei dem Simpsons oder Schlümpfe Spiel muss man sich immer wieder absolut pünktlich einloggen, sonst ist die Ernte verwelkt und muss mit kostenpflichtigen Donuts/Schlumpfbeeren wiederbelebt werden. Manche Gebäude sind überhaupt nur mit Donuts zu bekommen. Bei anderen Spielen (Four Kingdoms und ich glaube Hobbit) können Spieler einem die komplette Basis zerstören, die dann immer wieder neu aufgebaut werden muss. Wenn man da kein Echtgeld investiert ist man wirklich verloren, und laut Bewertungen stecken manche €50-200 im Monat rein.
Bei Dungeon Keeper muss man nach einem Überfall nur ein paar Fallen wieder aufbauen. Bleibt abzuwarten wie sich der Schwierigkeitsgrad entwickelt und wie lange es dauern wird größere Kreaturen zu beschwören.
Wie es Pocket Gamer treffend beschreibt:
What it is, is a well polished Clash of Clans clone with a cartoonishly grim aesthetic and a free-to-play system that certainly isn't the worst I've encountered.
Das beste F2P Erlebnis hatte ich mit dem Tower Defense Spiel "Towers 'n Trolls". Da ist wirklich alles, was Echtgeld kostet, auch mit Spielgeld bezahlbar. Das war zwar mit dem typischen Grinding verbunden, das Spiel selber hat dir aber nie Sachen (ausgenommen des "Story/Kampagnenverlaufs" wegen) vorenthalten oder dich dazu gedrängt, Bares auszugeben.
Das hat mich zB in PvZ2 genervt, wo es gezielt Levels gegeben hat, die dich regelrecht zwingen, deine "Gottkräfte" (Superkräfte, die relativ viel Spielgeld kosten) einzusetzen um dein virtuelles Portmonee zu plündern. Und ungeduldige Spiele zu verleiten, dieses mit Echtgeld aufzustocken. Sowas wirkt sich schon direkt auf den Spielspass aus (wenn man es überhaupt erkennt). :-D