The Banner Saga im Test: Fantasy-Roman der Extraklasse

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The Banner Saga im Test: Interaktiver Fantasy-Roman der Extraklasse
Quelle: PC Games

Nordische Mythen, taktische Rundenkämpfe, knifflige Entscheidungen und hervorragend gezeichnete Charaktere: Das Kickstarter-Rollenspiel The Banner Saga ist die erste dicke Überraschung des Jahres 2014. Unser Test zur Mischung aus Mass Effect, The Walking Dead und klassischen Text-Adventures verrät alle Details und das Video-Review zeigt ausführliche Spielszenen aus dem modernen 2D-Klassiker.

"Die Götter sind tot."

Kann ein Fantasy-Roman spannender, düsterer, hoffnungsloser beginnen? Kann ein Spiel? Es ist dieser Satz, der den Beginn von The Banner Saga markiert und der einen Fingerzeig darauf gibt, welchen Weg die Geschichte des Rollenspiels in den folgenden acht bis zehn Stunden einschlagen wird. The Banner Saga erzählt eine einzigartige Handlung aus einer fiktiven Welt, stark inspiriert von nordischen Mythen und Sagen: Jahrhundertelang haben Riesen (genannt Varl) und Menschen in einem unbehaglichen Frieden zusammengelebt, unterbrochen von Perioden des Krieges gegeneinander und gegen die ominösen Dredge, steinerne Krieger aus dem eisigen Norden des Kontinents. Jetzt, zu Beginn von The Banner Saga, drängen die Dredge wieder in die zivilisierten Lande. Doch befinden sie sich auf einem neuerlichen Eroberungsfeldzug oder treibt sie eine andere, finsterere Kraft vor sich her? Ist ihr Marsch (ihre Flucht?) aus dem Norden nur eine Begleiterscheinung eines weitaus größeren Problems: Die Sonne geht nicht mehr unter, ein untrügliches Zeichen des Weltuntergangs. Oder? In The Banner Saga findet ihr es heraus - die exzellent erzählte Geschichte um Menschen, Varl und Dredge ist einer der größten Stärken dieses Rollenspiels, das mehr interaktiver Roman als PC-Spiel ist und in unserem Test auf ganzer Linie überzeugen kann.


Erfolgsgeschichte Kickstarter

Die Dialogzeilen sind kurz und prägnant gehalten, zeichnen aber in Rekordzeit ein interessantes Bild eurer Heldentruppe. Quelle: PC Games Die Dialogzeilen sind kurz und prägnant gehalten, zeichnen aber in Rekordzeit ein interessantes Bild eurer Heldentruppe. Rund 21 Monate ist es her, dass die Kickstarter-Aktion von The Banner Saga erfolgreich zu Ende ging. Die Entwicklung des Rollenspiels wurde von über 20.000 Unterstützern finanziert, statt der veranschlagten 100.000 Dollar kam mehr als die siebenfache Menge zusammen. Entwickler Stoic Studio hat dieses Geld gut genutzt: Das Erstlingswerk ehemaliger Bioware-Mitarbeiter wirkt von der ersten Minute wie auf Hochglanz poliert und sehr durchdacht. Die Steuerung ist komplett mausbasiert, die Leertaste und die Zifferntasten erlauben schnelle Navigation durch Textfenster und Dialoge und alle Bugs, auf die wir während des Tests stießen, wurden bereits vor Release per Patch unserer Testversion ausgebügelt. Alles schön und gut und angenehm, aber was uns vom Fleck weg begeistert hat, sind ohne Zweifel die Dialoge und die handelnden Figuren von The Banner Saga.

Der Spieler schlüpft abwechselnd in die Rolle mehrerer vordefinierter Protagonisten (eine Charaktererstellung gibt's nicht), hauptsächlich dreht sich jedoch alles um zwei Gruppen: Ein Heer der Varl eskortiert den Prinzen des Menschenreiches auf einer diplomatischen Mission in die Hauptstadt der Riesen und eine Gruppe Flüchtlinge wird von sich ausbreitenden Dredge aus ihrem Dorf am anderen Ende der Welt vertrieben. Die Pfade der beiden Gruppen kreuzen sich im Spielverlauf und beim Kapitelwechsel springt das Spiel mehrmals zwischen den Perspektiven der beiden hin und her - meistens nach einem besonders dramatischen Moment, einem typischen Cliffhanger, wie man ihn vom Episoden-Ende beliebter Fernsehserien oder dem Kapitel-Abschluss eines guten Buches kennt.

Apropos gutes Buch: Seine Geschichte, von der wir an dieser Stelle nicht zu viel verraten wollen, vermittelt The Banner Saga dem Spieler fast ausschließlich mittels des geschriebenen Wortes. Sprachausgabe gibt es nur sehr selten, die (englischen) Sprecher überzeugen zu diesen wenigen Gelegenheiten aber vollends. Ansonsten ist aufmerksames Lesen angesagt, besonders in den hervorragend geschriebenen, pointierten Dialogen, in denen man schon mal die Namen der Charaktere wie Rook, Iver, Hakon oder Mogr durcheinander bringen kann. Besonders zu Beginn, denn die Welt von The Banner Saga ist ungemein ausgearbeitet, von der spannenden, nach und nach enthüllten Hintergrundgeschichte der Charaktere bis hin zu den Sagen, die sich um verschiedenste Teile der Spielwelt ranken und die allesamt auf einer riesigen Übersichtskarte zusammengefasst sind. Allein darauf kann sich so manch wissbegieriger Spieler stundenlang mit dem Lernen der Historie der Welt und ihren geografischen Besonderheiten beschäftigen.

Einziger Haken an der an Hintergrundinformationen reichen Welt, den fantastisch ausgearbeiteten Charakteren (wohlige Erinnerungen an stundenlange NPC-Gespräche in Mass Effect kommen unvermeidlich beim Spielen auf), und der wendungsreichen, ungewöhnlichen und bis zum letzten Augenblick spannenden Geschichte: Sie wird derzeit ausschließlich in Englisch präsentiert. Entwickler Stoic diskutiert derzeit noch, ob eine deutsche Übersetzung folgen wird - falls nicht, bleibt zumindest noch die Hoffnung auf eine Fan-Übersetzung aus der treuen Kickstarter-Community.

Seltene animierte Zwischensequenzen treiben die wundervoll erzählte Handlung in rasantem Tempo voran. Quelle: PC Games Seltene animierte Zwischensequenzen treiben die wundervoll erzählte Handlung in rasantem Tempo voran. Nur wer über gute Englischkenntnisse verfügt, kann die hervorragende Story derzeit vollkommen genießen und sich über spannende, atmosphärische Momente freuen. Die unserer Ansicht nach meisterhaft gewebte Erzählung ist 90% aktueller Spiele-Storys meilenweit voraus und findet einen dramatischen Höhepunkt am Ende der gut zehn Stunden langen Kampagne. Dieser ebenso mitreißende wie befriedigende Abschluss dient aber nur als Sprungbrett für die zwei geplanten Nachfolger, die den Plot zu einem noch unbekannten Zeitpunkt vervollständigen und die in The Banner Saga bislang unerforschten Regionen der Weltkarte näher beleuchten sollen. Der Vergleich zum ersten Teil einer Fantasy-Buchreihe drängt sich geradezu auf: The Banner Saga etabliert das Universum, führt interessante Charaktere ein, ohne sie all ihrer Geheimnisse zu berauben, und baut einen klaren Gegenspieler für die Protagonisten auf. Gleichzeitig bleiben nach dem Durchspielen aber noch genug offene Fragen für die Nachfolgebände. Das macht Lust auf mehr!

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  1. Seite 1 The Banner Saga im Test - Sensationell gute Geschichte
  2. Seite 2 The Banner Saga im Test - Entscheidungen und Konsequenzen
  3. Seite 3 The Banner Saga im Test - Funktionales Kampfsystem mit Tiefe
  4. Seite 4 The Banner Saga im Test - Eingeschränkter Charakterausbau
    • Kommentare (62)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Lightbringer667 Spiele-Kenner/in
        Ich bin inzwischen so zur Hälfte durch. Das Highlight des Spiels ist wirklich die Erzählung. Die ist ganz große Klasse und da können sich noch viele andere Entwickler mit viel größerem Budget ne Scheibe abschneiden. Die Banner Saga erreicht mit einfachsten Mitteln eine viel größere Spannung und Tiefe der Erzählung als viele andere Spiele mit aufwendigen Videosequenzen.
        Der Taktik teil ist auch sehr spannend. Nur tatsächlich Schade ist, dass ich nicht vor den Kämpfen speichern kann, so dass ich auch mal verschiedene Herangehensweisen ausprobieren kann. Wenn was schief läuft dann muss ich seit dem letzten Checkpoint / Camp alles neu spielen oder halt mit den Konsequenzen leben. Logisch im Spielzusammenhang und irgendwie auch spannend, aber nimmt dem Taktikpart etwas die Tiefe.
      • Von Lightbringer667 Spiele-Kenner/in
        Ich bin inzwischen so zur Hälfte durch. Das Highlight des Spiels ist wirklich die Erzählung. Die ist ganz große Klasse und da können sich noch viele andere Entwickler mit viel größerem Budget ne Scheibe abschneiden. Die Banner Saga erreicht mit einfachsten Mitteln eine viel größere Spannung und Tiefe der Erzählung als viele andere Spiele mit aufwendigen Videosequenzen.
        Der Taktik teil ist auch sehr spannend. Nur tatsächlich Schade ist, dass ich nicht vor den Kämpfen speichern kann, so dass ich auch mal verschiedene Herangehensweisen ausprobieren kann. Wenn was schief läuft dann muss ich seit dem letzten Checkpoint / Camp alles neu spielen oder halt mit den Konsequenzen leben. Logisch im Spielzusammenhang und irgendwie auch spannend, aber nimmt dem Taktikpart etwas die Tiefe.
      • Von OldShatterhand Mitglied
        Die deutsche Übersetzung wurde jetzt bestätigt, die Entwickler hatten nicht genug Zeit bis Release. Sehr schön

        Quelle: Gamestar
      • Von Triplezer0 Hobby-Spieler/in
        Bisserl viel offtopic hier ;-)

        Ich habs gekauft und fand es sehr gut (insbesondere der soundtrack ist erstklassig) aber mir gefallen eben jene story lastigen spiele sehr gut als abwechslung zu Spielen die mich mit hoher schwierigkeit und/oder anspruchsvollem gameplay fordern.
      • Von Spassbremse Spiele-Professor/in
        Zitat von LordCrash
        Das hängt dann aber tatsächlich davon ab, wie man Toleranz definiert. Im Zusammenhang mit Überzeugungen bedeutet Toleranz imo mehr als ein reines Ertragen (im Sinne von notgedrungen Akzeptieren). Toleranz heißt dann, das ich auch aktiv für das Bestehen usw einstrete.
        Du liegst natürlich auch nicht ganz verkehrt, beides ist zulässig - ich bezog mich auf die "klassische" Definition von Toleranz: etwas zu ertragen, ohne etwas dagegen zu unternehmen (auch wenn das möglich wäre). In der modernen Auffassung ist Dein Ansatz richtig, dort ist der "Toleranz"-Begriff weiter gefasst und ist im Prinzip bedeutungsgleich mit "Akzeptieren". Ich ziehe aber die klassischer(e) Bedeutung vor, weil es imho dadurch leichter ist, entsprechend schärfer zu trennen.

        Zitat
        Ist aber eine philosophische Sache, zumal ich hier eigentlich keine Diskussion über Schwule usw. lostreten wollte. ;-)
        Die inhaltliche Aussage der Beispiele ist ja für die Diskussion völlig irrelevant. :-)
      • Von LordCrash Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Öhm, aber das ist doch eine vollkommen korrekte Aussage, unabhängig vom Inhalt des Beispiels - ich kann doch etwas tolerieren (im Wortsinn: "ertragen"), also akzeptieren, ohne etwas dagegen zu unternehmen, aber dennoch persönlich ablehnen.

        Konkret in meinem Fall: Ich toleriere die "Rundfunkgebühr", aber ich bin dagegen. :-)
        Das hängt dann aber tatsächlich davon ab, wie man Toleranz definiert. Im Zusammenhang mit Überzeugungen bedeutet Toleranz imo mehr als ein reines Ertragen (im Sinne von notgedrungen Akzeptieren). Toleranz heißt dann, das ich auch aktiv für das Bestehen usw einstrete. Ist aber eine philosophische Sache, zumal ich hier eigentlich keine Diskussion über Schwule usw. lostreten wollte. ;-)
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