Enslaved im Test: Lieblos portiert, 3 Jahre zu spät

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,99 €
Enslaved im Test: Lieblos portiert, 3 Jahre zu spät
Quelle: PC Games

Etwa fünf Minuten Mühe und ein Gamepad sind nötig, um Enslaved auf dem PC zu genießen. Denn die technische Umsetzung ist so lieblos geraten, dass sie viele Spieler anfangs abschrecken dürfte. Wer sich aber durchbeißt und die Startprobleme überwindet, wird mit einem kraftvoll erzählten Abenteuer belohnt, das auch drei Jahre nach seinem Konsolen-Release überzeugen kann.

Enslaved: Odyssey to the West im Test: Wenn ein Spiel mit "Bitte die Konsole nicht abschalten" grüßt, werden PC-Nutzer hellhörig. Droht hier eine weitere lieblose Umsetzung? Leider ja: Enslaved entpuppt sich auf dem Heimrechner als schwache Portierung, in die offensichtlich keine Mühe geflossen ist: Die Optik wurde nicht überarbeitet, Grafikoptionen lassen sich an einer halben Hand abzählen und auch die Steuerung lässt zu wünschen übrig. Darüber kann man sich ärgern. Doch wer es dabei belässt, verpasst ein gutes Spiel, das auch auf dem PC viel Spaß machen kann.

Worauf sich PC-Spieler einstellen müssen

Steuerung: Um Enslaved am PC zu genießen, empfehlen wir ein Gamepad. Mit Maus und Tastatur ist der Titel zwar grundsätzlich spielbar, doch die träge Kamera und manch ungenaue Eingabe haben uns nicht überzeugt. Mit einem Xbox-360-Gamepad (das sich ohnehin für viele PC-Spiele empfiehlt) macht Enslaved aber ähnlich viel Spaß wie auf Xbox 360 oder Playstation 3. Was nicht bedeutet, dass die Steuerung hier perfekt wäre - auf allen Plattformen muss man mit einer störrischen Kameraführung zurechtkommen, die vor allem in Kämpfen manchmal den Überblick erschwert.

Technik: Das Grafikmenü der PC-Fassung ist lächerlich. Hier lässt sich gerade mal die Auflösung einstellen, und selbst das funktioniert nicht: Das Spiel startet ohnehin mit 1280x720 Pixeln, ungeachtet der eigenen Vorgaben. Zum Glück haben findige Spieler bereits eine Notlösung ausgetüftelt und ihre Ergebnisse in den Steam-Foren veröffentlicht. Wer Grafik-Optionen vornehmen will (und dazu raten wir!), der muss dazu eine INI-Datei im Spielverzeichnis editieren. Das ist nicht schwer und mit ein paar Klicks erledigt - wie genau das funktioniert, haben wir hier in einer eigenen Meldung zusammengefasst. Bitte nicht vergessen, vor dem Editieren der BaseEngine.ini eine Sicherungskopie der Datei anzulegen! Weitere Tipps (in englischer Sprache) findet ihr hier im Steam-Forum.

Die spielerisch simplen Akrobatikeinlagen werden oft in tollen Kamerawinkeln einfangen, ohne dass der Spieler dabei frustrierende Abstürze befürchten muss. Quelle: PC Games Die spielerisch simplen Akrobatikeinlagen werden oft in tollen Kamerawinkeln einfangen, ohne dass der Spieler dabei frustrierende Abstürze befürchten muss. Neben der höheren Auflösung empfehlen wir, die unschöne Bewegungsunschärfe abzustellen und dabei gleich die teils sekundenlangen Wartepausen zu verkürzen, die oft nach Cutscenes und Dialogen auftreten. Dazu ändert man diese zwei Zeilen in der BaseEngine.ini:

MotionBlur=True ändern in MotionBlur=False
MotionBlurPause=True ändern in MotionBlurPause=False

Hat man die Auflösung hochgesetzt, die Bewegungsunschärfe abgeschaltet, das Tearing beseitigt und ein paar Detaileinstellungen vorgenommen, bietet Enslaved auch auf dem PC einen hübschen Anblick. Einige Texturen fallen zwar immer noch sehr matschig aus und manche Levelobjekte wirken detailarm, doch stimmungsvoll ist die Grafik trotzdem: Die Figuren besitzen eine gelungene Mimik, beonders der Held ist sehr hübsch animiert und die farbenfrohen, fantasievollen Levels kommen in hohen Auflösungen prima zur Geltung.

Emotionales Endzeit-Abenteuer

Inhaltlich bleibt das Spiel unangetastet, Enslaved präsentiert sich auch am PC als gelungenes Action-Adventure. Entwickler Ninja Theory (Heavenly Sword, DMC: Devil May Cry) inszeniert eine bedrückende Zukunftsvision, in der die Menschheit fast vollständig von Robotern bezwungen und in den Untergrund gedrängt wurde. Der Held Monkey erwacht zu Beginn auf einem Sklaven-Transportschiff, wo er während seiner dramatischen Flucht eine junge Frau namens Trip kennenlernt. Das ungleiche Duo legt einen spektakulären Absturz hin - und nur wenige Minuten später finden sich Trip und Monkey inmitten einer überwucherten Stadtruine wieder. Von mechanischen Killern verfolgt, beginnen die Beiden ihre Reise - zunächst raus aus der Stadt und dann in Sicherheit, wo sie die Maschinen nicht finden können.

Starke Figuren

Obwohl Trip ihn zu Gehorsam zwingt, übernimmt Monkey schnell die Rolle des Beschützers. Nicht immer nachvollziehbar, aber rührend. Quelle: PC Games Obwohl Trip ihn zu Gehorsam zwingt, übernimmt Monkey schnell die Rolle des Beschützers. Nicht immer nachvollziehbar, aber rührend. Zwischen Monkey und Trip entwickelt sich ein herzliches, aber auch schwieriges Verhältnis - denn gleich zu Spielbeginn versklavt Trip ihren Begleiter. Mithilfe eines Helms, der Monkey bei Ungehorsam große Schmerzen zufügt, macht sie den knurrigen Helden gefügig. Immer wieder plagen sie deshalb Gewissensbisse, während Monkey schnell in seine Rolle als unfreiwilliger Beschützer hineinwächst. Die Freundschaft und Vertrautheit, die zwischen den Figuren entsteht, ist ein Highlight von Enslaved - auch wenn Monkeys Wandel vom zornigen Krieger zum edlen Beschützer reichlich schnell vollzogen wird.

Erst gegen Mitte des Spiels kommt mit Pigsy noch eine dritte, ebenso gut geschriebene Figur hinzu. Alle Charaktere besitzen eine ausgefeilte Mimik und wurden aufwendig per Motion-Capture-Verfahren animiert. Kein Geringerer als Andy Serkis hat dafür die Hauptrolle des Monkey übernommen und auch Regie geführt. Kinogängern ist er in seiner Paraderolle als Gollum (Der Herr der Ringe) bekannt, derzeit ist er außerdem als Second Unit Director mit der Hobbit-Filmtrilogie beschäftigt. Serkis' Erfahrung macht sich im Spiel deutlich bemerkbar: Die lippensynchronen Dialoge sind in der englischen Fassung hervorragend vertont; im direkten Vergleich klingt die deutsche Vertonung erwartungsgemäß schwächer, aber immer noch gut. In jedem Fall bleibt die Beziehung zwischen den Figuren durchweg spannend und interessant. Da verzeiht man auch gerne, dass die Handlung im letzten Spieldrittel etwas konfus gerät und das Finale - obwohl originell und unerwartet - auf geteilte Meinungen bei vielen Spielern stieß. Wir empfehlen: Nicht spoilern lassen, sondern selbst erleben!

Hält man die Angriffstaste gedrückt, lädt Monkey einen starken Betäubungsangriff auf. Quelle: PC Games Hält man die Angriffstaste gedrückt, lädt Monkey einen starken Betäubungsangriff auf.

Das Gameplay: Anspruchslos und frustfrei

Unsichtbare Grenzen: Wenn Monkey auf Balken balanciert, kann er nicht runterfallen - selbst wenn man es versucht. Quelle: PC Games Unsichtbare Grenzen: Wenn Monkey auf Balken balanciert, kann er nicht runterfallen - selbst wenn man es versucht. Enslaved ist ein simples Spiel - linear, zugänglich, schnell kapiert. Als Monkey marschiert man zu Fuß durch die fantasvievoll designten Levels, freies Erkunden ist dabei kaum möglich - der Pfad ist immer klar vorgegeben. Trip folgt dem Helden automatisch und gibt die nächsten Aufgaben und Ziele vor. Sobald die Helden auf Roboter treffen und unter Beschuss geraten, suchen sie sich selbstständig Schutz. Dann kann man Trip anweisen, das Feindfeuer auf sich zu ziehen, während Monkey von Deckung zu Deckung hechtet, um sich schließlich im Nahkampf auf die Gegner zu stürzen. Monkey verprügelt die feindlichen Roboter mit seinem Kampfstab, reiht dabei hübsche Kombos aneinander und zerlegt die Stahl-Viecher schließlich in cool animierten Zeitlupen-Manövern. Das sieht gut aus und spielt sich flott, selbst wenn die Kamera manchmal die Action aus dem Blick verliert.

Monkey verfügt nur über wenige Attacken, doch immerhin kann man sein Repertoire über ein simples Upgrade-System erweitern. Trotzdem werden die Kämpfe auf Dauer etwas eintönig. Quelle: PC Games Monkey verfügt nur über wenige Attacken, doch immerhin kann man sein Repertoire über ein simples Upgrade-System erweitern. Trotzdem werden die Kämpfe auf Dauer etwas eintönig. Abseits der Kampfszenen wird in Enslaved vor allem viel gerannt, gehüpft und gekraxelt. Auch in dieser Hinsicht ist das Spiel sehr simpel geraten: Monkey kann praktisch nie von einer Plattform herunterfallen oder einfach ins Leere springen - unsichtbare Levelgrenzen sorgen dafür, dass der Held schön auf seinem Pfad bleibt. Beim Klettern ist die Route außerdem durch blinkende Objekte streng vorgegeben, an denen Monkey sich festkrallen kann. Hin und wieder fallen auch mal kleine Rätseleinlagen an, die man aber meist in Windeseile gelöst hat, da die nächsten Ziele stets mit Symbolen markiert und klar vorgegeben sind.

Steam-Release inklusive DLC

Enslaved: Odyssey to the West (jetzt kaufen / 17,99 € ) ist auf dem PC als Download über Steam erhältlich und trägt dort den Namenszusatz "Premium Edition". Diese Ausgabe umfasst neben dem Hauptspiel auch die DLC-Erweiterung Pigsy's Perfect 10, die eine eigenständige Nebenhandlung erzählt. Hier spielen nicht Monkey und Trip, sondern der raubeinige Pigsy die Hauptrolle, der auf eigene Spielmechaniken und Kampftechniken setzt. Die drei Stunden umfassende Erweiterung ist nicht für das Verständnis der Hauptgeschichte nötig, stellt aber eine nette Ergänzung dar.

Meinung

Wertung zu Enslaved: Odyssey to the West (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Schön umgesetzte, interessante CharaktereGelungene Endzeit-AtmosphäreSolide Sci-Fi-Geschichte, gefühlvolle DialogeFantasievoll gestaltete UmgebungenSchöner Stil und gute, cineastische PräsentationOrdentliche deutsche, exzellente englische SprecherStimmungsvolle MusikuntermalungDLC im Kaufpreis (20 Euro) enthalten
Sehr lieblose PC-UmsetzungGrafikoptionen lassen sich nur über ini-Eintrag ändernHübsche, aber eintönige KämpfeAnspruchsloses KletternLineare Levels, viele unsichtbare GrenzenGelegentliche KameraproblemeTechnisch angestaubt, matschige TexturenUngenaue Maus-Tastatur-Steuerung (Gamepad empfohlen)
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    • Kommentare (25)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Haggit NPC
        Komische Streifen auf Figuren

        Hallo zusammen!

        Ich weiß, dieser Eintrag ist schon etwas älter, aber ich habe mir im Humble Store Sale dieses Spiel zugelegt und ein kleines Problem: auf den Figuren sind komische Streifen! Ich habe alle Grafikeinstellungen wie beschrieben in der BaseEngine.ini-Datei geändert; in der Hoffnung, es würde damit weggehen und auch, um die Grafik zu verbessern. Leider hat es nicht geholfen. Vielleicht kennt jemand das Problem und weiß, wie man es beheben kann. Es nervt wirklich. Ich habe mal versucht, einen Screenshot anzuhängen, damit ihr mal sehen könnt, was ich meine. Schaut auf seine stramme Brust und ihr seht sehr komische Streifen. In den In-Game-Cutscenes ist es am auffälligsten. Es tritt auch bei anderen Figuren auf. Ich hatte sowas bei keinem Spiel bislang. :/

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      • Von Haggit NPC
        Komische Streifen auf Figuren

        Hallo zusammen!

        Ich weiß, dieser Eintrag ist schon etwas älter, aber ich habe mir im Humble Store Sale dieses Spiel zugelegt und ein kleines Problem: auf den Figuren sind komische Streifen! Ich habe alle Grafikeinstellungen wie beschrieben in der BaseEngine.ini-Datei geändert; in der Hoffnung, es würde damit weggehen und auch, um die Grafik zu verbessern. Leider hat es nicht geholfen. Vielleicht kennt jemand das Problem und weiß, wie man es beheben kann. Es nervt wirklich. Ich habe mal versucht, einen Screenshot anzuhängen, damit ihr mal sehen könnt, was ich meine. Schaut auf seine stramme Brust und ihr seht sehr komische Streifen. In den In-Game-Cutscenes ist es am auffälligsten. Es tritt auch bei anderen Figuren auf. Ich hatte sowas bei keinem Spiel bislang. :/

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      • Von LordCrash Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Kontra: Die Batman Arkham-Spiele lassen sich mit Controller deutlich besser steuern. Killzone hingegen wäre eine Perle auf dem PC mit T+M-Steuerung.
        Das behaupten Leute auch von AC und ich bin völlig anderer Meinung. Third Person Slasher lassen sich nicht per se besser mit Controller steuern, das ist Mumpitz. Wenn dem so ist, dann nur, weil die Entwickler die M+T Steuerung fehlerhaft umgesetzt haben. Das hat aber wiederum nichts mit dem Genre zu tun. Seit man in AC3 z.B. das freie Zielen mit Schusswaffen eingeführt hat an Land und auf See mit Kanonen, ist M+T dem Controller sogar überlegen. Es wundert mich z.B. nicht, dass Controllerspieler den Schiffskampf als schwer ansehen. Mit der Maus ist er eher leicht und wunderbar präzise zu spielen....;)

        @Sauerlandboy
        Ich spiele Platformer teils mit Gamepad teils mit Tastatur, je nach Lust und Laune. Hier ist die Steuerung eigentlich identisch, da das D-pad den Pfeiltasten entspricht. Mit 2D Spielen meinte ich ganz allgemein Spiele, deren Bewegung bzw. Sicht nur auf der Ebene stattfindet, wie z.B. Fifa/PES. Da hier die Maus als Eingabegerät wegfällt, aber trotzdem relativ präzise Bewegungseingaben erforderlich sind, ist der Controller der reinen Tastatureingabe überlegen. ;-)
      • Von Peter Bathge Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Kontra: Die Batman Arkham-Spiele lassen sich mit Controller deutlich besser steuern. Killzone hingegen wäre eine Perle auf dem PC mit T+M-Steuerung.

        Einspruch! Also nicht bei Killzone, da stimme ich dir voll und ganz zu, sondern bei Batman. Die Maussteuerung ist da exzellent. Habe gerade erst wieder Arkham City zum zweiten Mal mit Maus und Tastatur durchgespielt, null Probleme. Gerade in Kämpfen kommen einem die schnellen Richtungswechsel der Kamera per Maus sehr gelegen.
      • Von MichaelG Mitglied
        Zitat von LordCrash
        Das ist aber auch nur deine Meinung. ;-)

        Imo passt M+T zu jedem Genre besser außer zu 2D Spielen.
        Kontra: Die Batman Arkham-Spiele lassen sich mit Controller deutlich besser steuern. Killzone hingegen wäre eine Perle auf dem PC mit T+M-Steuerung.
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von LordCrash
        Imo passt M+T zu jedem Genre besser außer zu 2D Spielen.
        Och nee, noch so einer der klassische Adventures mit nem Controller spielt... :-S

        ;-) :-D
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