Democracy 3 durchgespielt: Pfiffige Gesellschaftssimulation für Bessermacher
Democracy 3 gewährt tiefe Einblicke in das politische System einer Demokratie - die Politiksimulation von Positech Games ist ein Ausnahmespiel. Jeder kann es besser als die aktuelle Regierung, das ist der übliche Konsens unter den Bürgern eines Landes. Wie schnell man dagegen mit einseitigen Aktionen das fragile gesellschaftliche Gefüge durcheinanderwirbeln kann, lässt Democracy 3 erahnen: Wir haben uns als Ministerpräsident einer demokratisch legitimierten Regierung daran versucht, Gleichheit, Wohlstand und soziale Gerechtigkeit zu schaffen...
Democracy 3 zeigt, wie Politik und Regierung funktionieren: Die pfiffige Gesellschaftssimulation für Bessermacher lässt Spieler im Sessel des Regierungschefs eines demokratischen Landes Platz nehmen und die Geschicke der Bevölkerung lenken. Schnell zeigt sich dabei, wie einseitig wir als Bürger die Arbeit der von uns gewählten Volksvertreter betrachten - und wie kompliziert die Zusammenhänge zwischen einzelnen Themen der Politik wirklich sind, trotz einer stark vereinfachten Darstellungsweise seitens Democracy 3.
Andere Länder, andere Sitten - das gilt auch für Democracy 3. Dem Spieler stehen sechs Länder der westlichen Hemisphäre zur Auswahl, unter anderem Deutschland, Frankreich oder die USA. All diese Länder bringen verschiedene Voraussetzungen und Stärken, aber auch Defizite und Eigenheiten mit. Aufgabe des Spielers ist es nun, Stärken zu nutzen und Schwächen auszugleichen, um das Land zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit zu führen.
Democracy 3 stellt sechs Kernthemen dar, die essentiell für die Entwicklung des Landes und damit die Hauptbaustellen des Spielers sind: Bruttosozialprodukt, Gesamtgesundheit, Bildungsstand, Arbeitslosigkeit, Armut und Verbrechensrate. Bereits hier wird deutlich, wie abhängig und eng verzahnt die Themen sind. Nun müssen Umstände geschaffen werden, die einen günstigen Einfluss auf die sechs nehmen. Dazu ist die Politik unseres Landes in sieben Bereiche gegliedert, beispielsweise Transportwesen, Steuern oder Rechtssystem. Innerhalb dieser Bereich kann der Spieler Budget zuweisen oder kürzen sowie Gesetze erlassen. Realisiert wird dies mittels eines Kabinetts von Ministern. Diese generieren, je nach Loyalität dem Regierungschef gegenüber (sprich: dem Spieler) politische Macht, die für das ändern von Parametern notwendig ist.
Quelle: PC Games
Democracy 3: Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der Wahlanalyse.
Nicht zuletzt hat jede politische Entscheidung eine gewisse Popularität - oder eben auch nicht. Die Einkommensteuer anzuheben ist eine eher unpopuläre Entscheidung, diese Steuer zu senken eine eher populäre. Ganz einfach ist die Sache aber nicht: Denn eine Gesellschaft ist nämlich nicht homogen, sondern besteht aus einer Vielzahl Gruppierungen mit unterschiedlichen Interessen, die mal mit anderen übereinstimmen, bei einem anderen Thema vielleicht aber nicht. Democracy 3 verfügt über 21 solcher Gruppen, und bildet eine Gesellschaft für die Zwecke des Spiels damit ausreichend ab. So gibt es die Kapitalisten, Sozialisten, Liberale, Rentner, Eltern, Jugendliche, Umweltschützer und so weiter und so fort. Beispiel: Wir erhöhen die Mineralölsteuer um einen gewissen Prozentsatz. Damit verärgern wir praktisch alle Gruppen, außer natürlich die Umweltschützer - und besonders sauer stößt dies den Kraftfahrern auf. Diese sind in Summe bedeutend größer als die Umweltschützer, und so gehen dem Spieler Wählerstimmen verloren. Und es ist wichtig für eine Regierung, es sich nicht mit den Wählern zu verscherzen, denn sonst wird am Ende der Legislaturperiode eben eine andere Partei gewählt - was "Game Over" bedeutet.
Aber natürlich hat das Beispiel noch andere Auswirkungen: Für die Haushaltsbilanz hat die Aktion einen positiven Effekt, ebenso für die Umwelt. Dafür wird aber auch der öffentliche Personennahverkehr stärker belastet, was zusätzlichen Subventionierungsbedarf nach sich ziehen kann. Außerdem würde das Bruttosozialprodukt sinken, da auch die Industrie auf Mineralöle angewiesen ist. Es wird deutlich, dass Democracy 3 über viele Variablen verfügt, deren Zusammenhänge aber dankenswerterweise übersichtlich dargestellt werden.
Darüber hinaus müssen in Democracy 3 auch dringliche Entscheidungen in Form kleiner Events getroffen werden: Erlaubt die Regierung die Anwendung von Fracking? Eine Entscheidung zugunsten dieser Technik der Ressourcengewinnung hat einen positiven Effekt auf die Industrie, aber einen negativen auf die Umwelt. Was gut für die Industrie ist, erhöht wiederum das Bruttosozialprodukt und verringert so auch Arbeitslosigkeit und Armut; auf der anderen Seite sinkt die Gesundheit der Bevölkerung und die Umweltverschmutzung nimmt zu. Weitere Beispiele sind das Verbot religiöser Symbole in Schulen und Universitäten, die Vorratsdatenspeicherung oder andere aktuelle Themen, die momentan in vielen Ländern diskutiert werden. So gelingt es Democracy 3, stets am Puls der Zeit zu sein und Dilemmata einer modernen, demokratischen Gesellschaft überzeugend zu transportieren.
Der Einstieg in Democracy3 gestaltet sich zunächst etwas holprig, der Spieler findet dennoch schnell Zugang zum durchgängig logisch und clever aufgebautem Spiel. Detaillierte Tabellen, Diagramme und Trends unterstützen euch bei der Entscheidungsfindung, indem jederzeit abgerufen werden kann, wann welche Entscheidungen bestimmte Auswirkungen auf das Geschehen genommen haben. Ihr müsst also kein Sozialwissenschaftler sein, um das gesellschaftspolitische System und die Auswirkungen seiner Handlungen zu durchschauen.
Democracy 3 ist am 14. Oktober 2013 auf Steam veröffentlicht worden und kostet derzeit 22,99 Euro. Wer gerne mal etwas erfrischend ungewöhnliches und intelligentes spielen möchte und sich nicht vom spartanischen Äußern abschrecken lässt, kann bedenkenlos zugreifen.

wenn mal verfolgt hättest was die sagen, zu Schwulen, Frauen und Ausländern ...
Außerdem, Früher hat man genrell alle andergläubige verbrannt, soll man das immer noch machen? "Früher" ist kein Argument oder entschuldigung
Und mal ehrlich, diese ganze Diskussion um die 5%-Hürde zeigt auch warum es falsch ist jetzt darüber zu reden, nur weil eine zum Glück raus geworfen und eine andere nicht reingelassen wurde
Eher sollte mal die USA ihr antiquarisches Wahlsystem über Bord werfen mit einem effektiven 2 Parteien System
Die meisten machen es aber nicht. Muss man eben auch akzeptieren. Welche Gründe die Wähler auch immer haben.
Theoretisch schon.
In der Praxis stellt die Fünfprozenthürde allerdings ein sehr großes Hindernis für den Neu-Einzug ins Parlament dar. Das ist mit Hinblick auf die Weimarer Republik auch so gewollt. Hinzu kommt, dass die zum Großteil von wenigen, einflussreichen Personen gesteuerten Medien hierzulande sofort Breitseiten auf jede Partei abzuschießen, die droht, diese Hürde zu überwinden. Man muss nur mal sehen, wie reflexhaft gegen Piraten oder AfD angeschrieben wurde. Teils sogar mit den gleichen Argumenten, obwohl die einen eher links und die anderen rechtskonservativ sind.
Natürlich würde das alles in einem Land mit aschließlich gut informierten, intelligenten und gebildeten Wählern keine Rolle spielen, aber so ein Land gibts vielleicht bei Democracy 3, nicht in der Realität...