Marlow Briggs and the Mask of Death im Test: Guter Castlevania-Klon zum kleinen Preis
Überraschung: Mit Marlow Briggs and the Mask of Death ist ein kompetenter Vertreter des Action-Adventure-Genres förmlich aus dem Nichts aufgetaucht. Der PC Games-Test mit Video-Review erklärt, warum das preisgünstige Spiel mit deutlichen Anleihen bei Tomb Raider, Devil May Cry und Dante's Inferno ein echter Geheimtipp ist.
Wer zur Hölle ist eigentlich Marlow Briggs? Die meisten Videospiel-Fans dürften auf diese Frage keine Antwort haben. Sollten sie aber, denn Marlow hat seit dem 20. September 2013 sein eigenes Spiel und steht damit auf einer Stufe mit Sid Meier, Tom Clancy und Michael Jackson. Marlow Briggs and the Mask of Death ist der unheimlich sperrige Titel eines Action-Adventures, dessen Protagonist trotz der prominenten Platzierung im Titel weder ein bekannter Spieldesigner noch ein erfolgreicher Romanautor oder gar ein legendärer Pop-Musiker ist. Nein, Marlow ist Feuerwehrmann. Und außerdem tot. Jedenfalls zu Beginn des Spiels, bevor er von einer magischen Schamanenmaske und dem darin wohnenden Geist eines Azteken wiedererweckt wird: Als Heiliger Krieger, der dem herrlich schmierigen Geschäftsmann und Weltenzerstörer Heng Long die Stirn bieten muss. Ihr habt es vielleicht schon gemerkt: Marlow Briggs (das Spiel, nicht der Held) hat nicht die einfallsreichste Geschichte. Der Plot könnte glatt aus einem miesen Abenteurerfilm der 90er Jahre stammen, der verzweifelt versucht, an den Erfolg von Indiana Jones anzuknüpfen. Der große Unterschied zu einem solchen Machwerk: Die Charaktere des Spiels sind sich der klischeehaften Handlung bewusst, kommentieren sie mit einer gehörigen Portion Ironie und suhlen sich ganz allgemein im betont trashigen Szenario wie die Ferkel im Dreck.
Gute Mischung
Quelle: PC Games
Die Kameraperspektive lässt sich nicht ändern und findet stets einen guten Kompromiss aus Übersichtlichkeit und schönen Bildern.
Marlow Briggs vermengt Spielelemente anderer Titel wie Darksiders, Castlevania: Lords of Shadow, Tomb Raider, Dante's Inferno und DmC: Devil May Cry zu einem vertrauten, aber durchweg unterhaltsamen Mix: Der Held erklimmt Hindernisse, verschiebt Kisten und zieht an Hebeln, um simple Puzzles zu lösen. Er schwingt sich über Abgründe, flieht wie ein bekannter Film-Archäologe vor riesigen Steinkugeln, absolviert Minispiele wie eine Shoot-'em-Up-Einlage aus der Vogelperspektive, besiegt gewaltige Bossgegner durch eine Kombination aus cleverem Ausweichen und unaufdringlichen Quick-Time-Events und vermöbelt vor allem jede Menge tumber KI-Feinde. Nichts davon erreicht die Qualität der Vorbilder, bei denen sich die Entwickler schamlos bedienen. Aber alles ist mindestens solide, wenn nicht gar richtig gut.
Quelle: PC Games
Die Begegnungen mit den riesigen Bossmonstern fallen spektakulär aus.
Geschicklichkeits- und Klettereinlagen wissen mit prächtigen Panoramen und kniffligen Hindernisparcours zu gefallen; die festen Kameraeinstellungen setzen die herrlich abwechslungsreichen Levels, vom verschneiten Berggipfel über den wuchernden Dschungel bis hin zur finsteren Unterwelt, prächtig in Szene, ohne dass die Übersicht verloren geht. Rätsel sind zwar selten und erfordern nur in drei von einem halben Dutzend Fällen ansatzweise echten Grips, lockern den Spielverlauf aber gut auf. Das gilt auch für die Minispiele, die in Marlow Briggs als Herausforderungen bezeichnet werden. Während ein Timer am Bildschirmrand die Zeit stoppt, stürzt ihr in rasanten Fluchtsequenzen steile Berghänge hinab, weicht an Bord einer Lore Hindernissen auf der Strecke aus oder feuert mit einem festen Geschütz auf endlose Hubschrauberhorden. Gerade die Ballersequenzen verlieren auf Dauer aber an Reiz. Gut: Wenn ihr bei einer Herausforderung scheitert (meistens geht es darum, keinen feindlichen Hubschrauber entwischen zu lassen oder alle gelben Symbole während einer Fluchtsequenz einzusammeln), dürft ihr das Level trotzdem fortsetzen, sofern Marlow nicht das Zeitliche gesegnet hat. Herausforderungen lassen sich anschließend separat aus dem Hauptmenü starten, wenn euch der Sinn nach der Highscore-Hatz steht.
Deftiges Gemetzel
Quelle: PC Games
In Kämpfen spratzt es ordentlich, Gliedmaßen fliegen aber keine. Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben.
Bei aller Abwechslung: Kriegerische Auseinandersetzungen mit Polygon-Menschlein, Dämonen und Kriechtieren wie Skorpionen stehen bei Marlow Briggs im Mittelpunkt. Vier Waffen stehen dem Spieler zum (nicht übermäßig brutal dargestellten) Häckseln zur Verfügung, die er ebenso wie vier Zauber (Feuersäule, Erdbeben, Blitzschlag und Eissturm) im Verlauf des Abenteuers erhält. Mit verdienten und abseits des Hauptpfads versteckten Erfahrungspunkten wertet man die Skills auf, am Ende hat man aber ohnehin viel zu viele Punkte und alle Talente voll ausgebaut. Motivierender als dieses künstlich wirkende RPG-Element sind die zahlreichen Angriffs-Combos für die Nahkampfwerkzeuge des Helden: Sense, Doppelsense, Hammer und Kette. Ein separates Combo-Labor erlaubt das Studieren und Lernen der erforderlichen Tastenfolgen.
Zumindest in den unteren beiden von vier Schwierigkeitsgraden ist es aber nur selten nötig, Feinde mit speziellen Schlagkombinationen einzudecken. Meist genügt es, wahllos schwere und leichte Angriffe aneinanderzureihen (Buttonmashing). Wir hätten uns daher nicht nur mehr verschiedene Gegnertypen gewünscht (besonders gegen Ende wiederholen sich die Widersacher ständig), sondern auch unterschiedliche Verhaltensweise der KI-Marionetten, die dem Spieler verschiedene Taktiken abverlangen. Lediglich die Schildträger müssen wir mit einer speziellen Angriffskette ihrer schützenden Deckung berauben. Mit Ausweichrolle, Block-Funktion, fairen Checkpoints und freier Speicherfunktion ist Marlow Briggs für Genre-Kenner zudem ohnehin einen Tick zu leicht.
Quelle: PC Games
Rätsel beschränken sich auf das Verschieben von Kisten und den ein oder anderen zu ziehenden Hebel. Fordernd sieht anders aus!
Frust kommt allenfalls bei den Klettertouren auf, jedenfalls sofern ihr Marlow Briggs am PC mit Maus und Tastatur steuert. Dabei ist die Bedienung grundsätzlich sehr gut an die Bedürfnisse von PC-Spielern angepasst; in den Kämpfen nervt lediglich die Standardbelegung der Schnelltasten für die vier Zauber. Glücklicherweise ist die Steuerung frei belegbar. Durchgehend für Probleme sorgt aber der Doppelsprung, mit dem der Held Abgründe überwindet. Im Test stürzte Marlow bei solchen Hüpfpassagen oftmals in den Tod; mit dem Xbox-360-Gamepad passierte das deutlich seltener. Die Optik punktet mit schönen Landschaften und feinen Lichteffekten, auch wenn dem aufmerksamen Betrachter im Detail grobkörnige Texturen und zuweilen abgehackte Animationen auffallen und das Optionsmenü nur sehr wenige Einstellungsoptionen anbietet. Akustisch überzeugt der Titel mit einem guten Orchester-Soundtrack und professionellen englischen Sprechern, denen der Spaß an den augenzwinkernden Dialogen anzuhören ist. Achtung: Das Spiel bietet lediglich deutsche Untertitel.
Marlow Briggs and the Mask of Death setzt voll auf den Einzelspielermodus, eine Mehrspieleroption ist nicht enthalten. Die Kampagne dauert zwischen sieben und neun Stunden, je nachdem, wie genau man die Levels nach Secrets absucht. Der Umfang erscheint mehr als fair, wenn man den geringen Preis des Spiels in Betracht zieht: Das Action-Adventure kostet gerade mal 14 Euro und ist derzeit ausschließlich als Download über Steam oder den Xbox Live Marktplatz verfügbar.

Die allergrößte Schwäche des Spiels ist die Kamera. Leider war dem Entwickler wohl die Präsentation der Levels wichtiger, als die Funktionalität. Die Kamera dreh und kippt sich alle paar Meter, um das Geschehen perfekt in Szene zu setzen. Daher kommt es leider häufig dazu, dass man z.B. in Sprungpassagen die Abstände nicht korrekt abschätzen kann und man somit ins Leere springt, dass in Kämpfen sich die Gegner außerhalb des Bildschirms befinden usw. Man hat daher leider auch immer die Kamera als steten Gegner.
Einen Blick werd ich riskieren, bei der Masse an Gameplayelementen, ist aber bestimmt für jeden was dabei :D