The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs im Test - Atmosphärische Inszenierung, aber zu einfache Rätsel
The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs im Test für PC: Endlich ist auch der dritte und letzte Teil des Episoden-Adventures The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs erschienen. In unserem Test verraten wir, ob sich der Kauf des Abenteuers lohnt.
Test zu The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs: Raben sind scheue und sehr schlaue Vögel. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass sie sogar relativ komplexe Handlungen bereits im Voraus planen können. Kein Wunder, dass sich ein berühmter Meisterdieb, der schon seit Jahren mit seinen spektakulären Raubzügen die Polizei narrte, ausgerechnet diesen Namen gab. Am Tatort hinterließ er immer eine schwarze Feder – bis er Anfang der Sechziger Jahre dann doch vom renommierten Inspektor Legrand geschnappt und erschossen wurde.
Doch 1964 entwendet der angeblich tote Meisterdieb einen unbezahlbaren Edelstein – eines der beiden Augen der Sphinx. Ist der Rabe doch nicht tot? Hat Legrand damals einen falschen Täter erschossen? Oder handelt es sich um einen Nachahmer? Legrand stellt dem Dieb, der es auch auf das zweite Sphinx-Juwel abgesehen hat, eine Falle. Im berühmten Orient-Express übernehmen Sie im ersten Kapitel Die Augen der Sphinx des Episoden-Adventures die Rollen vom einfachen Schweizer Wachtmeister Jakob Anton Zellner und gehen Legrand bei seinen Ermittlungen zur Hand.
Aller Anfang ist leicht
Dem sanften Einstieg und der unorthodox gewählten und etwas blassen Hauptfigur ist es geschuldet, dass man das klassische Point&Click-Adventure The Raven anfangs noch unterschätzt. Die Rätsel sind gerade im Einstiegskapitel sehr simpel. Hier ein Gespräch führen, dort einen Gegenstand einsammelt oder aus drei Gegenständen eine Fackel bauen. Das Spiel nimmt sich die Zeit, die Charaktere ausführlich vorzustellen und euch Gelegenheit zu geben, eure eigenen Schlüsse zu ziehen – oder auch Vorurteile zu wetzen.Das wird in der zweiten Episode noch weiter ausgebaut.
Ist der brillant mit typischem Dialekt vertonte Geiger aus Österreich, der angeblich seit Jahren kurz vor dem Durchbruch steht, wirklich ein verkanntes Talent auf dem Streichinstrument? Oder einfach nur ein Schnorrer, der sich mit dieser Masche im Windschatten der Reichen und Schönen dieser Welt durch ein angenehmes Leben mogelt? Warum ist der Schiffsarzt ständig so nervös? Und wie kann Inspektor Legrand fast zwei Tage lang durcharbeiten, ohne sich eine Pause zu gönnen? The Raven erzählt eine spannende Geschichte, die von Kapitel zu Kapitel interessanter wird und beherrscht ganz nebenbei die Kunst, dass ihr sie euch im Geiste schon selbst fortsetzt. Und dann ein ums andere Mal davon überrascht werdet, wie sie wirklich weitergeht – dort auf eurem Bildschirm.
Geschichte erleben statt Rätsel knacken
Quelle: PC Games
Gespräche laufen in Multiple-Choice-Manier ab, indem ihr die Themen anklickt.
Die Rätsel im Spiel werden auch in den Folgeepisoden nicht viel komplexer und sind gerade für Profis deutlich zu leicht. Wenn man einmal nicht weiter kommt, dann höchstens, weil man wieder einmal einen zu kleinen Hotspot übersehen hat. So geschehen etwa vor dem Museum in Kairo, als wir die Speiche eines Regenschirmes verbiegen mussten, aber nicht die vorgesehene Stelle dafür fanden – auf nur drei relativ unbelebten Bildschirmen wohlgemerkt. So wie dort bestehen die Locations und Rätselketten meist nur aus einer Handvoll Bildschirme und demzufolge ist auch die Anzahl der Inventargegenstände recht übersichtlich. Im Inventar mussten wir im gesamten Spiel nicht einmal scrollen, meist habt ihr nur ein paar Gegenstände im virtuellen Rucksack. Apropos: Die Entwickler haben Wert darauf gelegt, möglichst realistische Rätsel einzubauen und das ist ihnen auch gelungen. In The Raven gibt es keine meterlange Fahnenstange und auch keine Schreibmaschine, die einfach so in eure schmale Hosentasche wandern und an anderer Stelle wieder hervorgezaubert werden. Wenn ihr große Dinge im Spiel benutzen müsst, dann nur an Ort und Stelle.
Adventure-Punkte und Hilfefunktion
Sollte ihr einmal nicht weiterkommen, helfen nicht nur Gespräche mit den anderen Charakteren, sondern häufig auch ein Blick in Zellners Tagebuch, das im Laufe eurer Ermittlungen automatisch vervollständigt wird. Darin dürft ihr euch auch Tipps abholen, die ebenso wie die Nutzung der Hotspot-Anzeige mit sogenannten Adventure-Punkten bezahlt werden. Deren Konto erhöht sich durch gelöste Rätsel wieder, fällt aber nie wirklich einen Bereich, in dem das Weiterspielen selbst bei einem totalen Blackout nicht möglich wäre. Eine nette Idee der Entwickler, wenn gleich die Hinweise eher vage sind und gerade bei konkreten Hängern im Spielfluss nichts nützen. Ein The Inner World mit seiner vorbildlichen stufenweisen Hilfefunktion zeigt, wie es deutlich besser geht.
Charakter, wechsele dich!
Quelle: PC Games
Das Charakterdesign ist sehr gelungen und das Spiel nimmt sich Zeit, die Personen in gut geschriebenen Dialogen ausführlich vorzustellen.
In den Episoden 2 (Wiege der Täuschung) und 3 (Mörder und Raben) kehrt ihr zunächst sowohl an Bord des Orient-Express als auch des Kreuzfahrtschiffes zurück. Diesmal steuert ihr aber nicht Gendarm Zellner, sondern übernehmt die Steuerung von zwei anderen Charakteren und dem Bösewicht höchstpersönlich. Wer die anderen Figuren sind, die ihr dann auch durch die neuen Schauplätze im Museum in Kairo scheuchen dürft, wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Gerade die unerwarteten Wendungen der Geschichte machen den Hauptreiz an The Raven aus, das in der letzten Episode die Handlungsstränge aller Teile zusammenführt und an wieder Dramatik zunimmt, während das zweite Kapitel das schwächste und mit knapp zwei Stunden auch das kürzeste ist.
Der Titel kommt nicht nur für PC und Mac, sondern auch für die Current-Gen-Konsolen Playstation 3 und Xbox 360 und lässt sich daher auch auf dem Rechenknecht gut per Gamepad steuern. Das hat gegenüber Maus und Tastatur auch den Vorteil, dass ihr nicht versehentlich das Inventar aufruft, wenn die Szenen nach unten zu verlassen ist und der Mauszeiger statt auf den Ausgang, die Checkbox des Inventarfensters berührt. Alles in allem ist die Steuerung gelungen, allerdings vermissten wir kleinere Komfortfunktionen wie etwa das Durchscrollen der Inventargegenstände mit der Maus.
Technische Schwächen und Inszenierung
Quelle: PC Games
Die schicke 3D-Grafik ist in den meisten Locations sehr farbenfroh und detailreich.
Etwas mehr technischer Feinschliff hätte den Spiel gut getan. Abgesehen von der wirklich tollen 3D-Grafik mit Echtzeitobjekten und den Charaktermodellen mit hübsch gestalteten Gesichtsanimationen hat Entwickler King Art zwar fünf Mal so viele Animationen wie noch bei The Book of Unwritten Tales eingebaut, aber insbesondere die Zwischensequenzen spiegeln teilweise den technischen Stand von vor einigen Jahren wider. Auch die Wegführung hat kleinere Macken. Ab und an bleiben Figuren kurz irgendwo hängen, laufen auf der Stelle oder führen auch eigentlich für den gewünschten Zweck unnötige Laufanimationen aus. Zudem funktioniert das Verlassen von Bildschirmen per Doppelklick unverständlicherweise nicht bei allen Locations. Dann seid ihr dazu verdammt, den gemächlich dahinwatschelnde Figur immer und immer wieder tatenlos zuzuschauen, wenn ihr ein paar Mal zwischen gleichen Orten hin- und herlaufen müsst. Immerhin sorgen Kameraschwenks für besondere Atmosphäre und verleihen dem Geschehen eine gewisse Dynamik.
Noch etwas mehr versöhnt die Akustik des Spiels. Nicht nur, dass der orchestrale Soundtrack Ohrwurm-Charakter hat, auch die Sounds sind stimmungsvoll und sorgen für eine glaubhafte Umgebungskulisse. Zudem hat Nordic Games auch bei der Besetzung der Sprecher keine Kosten und Mühen geschaut und mit Ronald Nitschke (Tommy Lee Jones), Frank Glaubrecht (Al Pacino, Kevin Coster), Detlef Bierstedt (George Clooney), (Bettina Weiss (Sandra Bullock), Nana Spier (Drew Barrymore, Sarah Michelle Gellar) und vielen anderen deutschen Stimmen von Top-Schauspielern die Creme de la Creme der deutschen Synchronstimmen versammelt, die allesamt beste Leistungen abliefern. Auf Wunsch könnt ihr im Menü auch die ebenfalls sehr gelungene englische Sprachausgabe einstellen. Nett: den Prolog zum Spiel gibt es als App für Android und auch für iOS zum kostenlosen Download.

Frage: The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs sind also alle 3 Episoden in einem, oder ?
Frage: The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs sind also alle 3 Episoden in einem, oder ?
Frage: The Raven: Vermächtnis eines Meisterdiebs sind also alle 3 Episoden in einem, oder ?
Im Fließtext habe ich als Referenz für eine nahezu optimale bessere Hilfefunktion die von The Inner World angeführt, die anfänglich vage Zusammenfassungssätze in mehreren Stufen optional auf konkrete Handlungsanweisungen hinunterbricht. Keiner muss, aber jeder kann sie (so tiefgehend) benutzen, wie er möchte. Optimal. :-)