Gone Home im Test: Spannendes Experiment in Sachen Storytelling

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Test Florian Stangl - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Im kuriosen Spiele-Experiment Gone Home durchstöbert ihr ein verlassenes Haus. Eigentlich sollte hier eure Familie warten ... stattdessen trefft ihr auf eine außergewöhnlich inszenierte Geschichte und ein Spiel mit einigen Mängeln.

Dieser Indie-Titel kommt mit einer recht kuriosen Grundidee daher: Ihr kommt nach Hause – und keiner ist da. Das ist alles. Dennoch ist die Sache ziemlich reizvoll, denn zum einen ist die Situation eurer Spielfigur sehr speziell, zum anderen müsst ihr im Privatleben anderer Leute schnüffeln, um voranzukommen. Gone Home befriedigt geradezu eure voyeuristischen Triebe, ist dabei aber weniger Adventure als vielmehr interaktive Erzählung – vergleichbar mit Dear Esther.

Ihr spielt die junge Amerikanerin Kaitlin Greenbriar, die in einer stürmischen Juni-Nacht 1995 nach einem Jahr in Europa endlich wieder nach Hause kommt – zu ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester. Familie Greenbriar ist in Kaitlins Abwesenheits ins Anwesen eines verstorbenen Verwandten gezogen. Das riesige Haus ist ihr also ebenso fremd wie euch, dem Spieler. Und obwohl sich Kaitlin via Anrufbeantworter angemeldet hat, findet sie das Haus leer und verschlossen vor. An der Tür hängt eine kryptische, besorgniserregende Nachricht ihrer Schwester Samantha. Das ist alles. Ihr steht auf der Veranda, es stürmt_ – und eure Familie ist verschwunden.

Was nun folgt, ist ein etwa zweistündiges Abenteuer, in dessen Verlauf ihr nichts anderes tut, als euch Zutritt zum Haus zu verschaffen und durch die Hinterlassenschaften von Familie Greenbriar zu stöbern. Das tut ihr komplett aus der Ego-Perspektive und mit nur wenigen Tasten. Per WASD bewegt ihr Kaitlin, mit der Maustaste öffnet ihr Türen oder nehmt Gegenstände in die Hand. Ein Inventar gibt es zwar, es wird allerdings automatisch gefüllt, genauso wie das Journal, in dem die Tagebucheinträge von Kaitlins Schwester Sam gesammelt werden. Die stellen dann auch den wichtigsten Handlungsfaden des Spiels dar und werden in Form eines Audio-Logs abgespielt, während ihr zerknüllte Zettel aus dem Papierkorb fischt, die von Sams Problemen an der neuen Schule zeugen, oder wenn ihr in Sams Zimmer Zeugnisse ihrer ersten großen Liebe findet.

Die Leben der Anderen

Gone Home im Test: Reizvolles Storytelling, aber als Spiel mit Mängeln. (3) Quelle: PC Games Gone Home im Test: Reizvolles Storytelling, aber als Spiel mit Mängeln. (3) Im Spielverlauf gibt es keine klassischen Rätsel, vielmehr stöbert ihr durch das Greenbriar-Anwesen, schaut in Schubläden und Schränke und erfahrt durch Briefe, Quittungen, Notizen und andere Relikte vom Leben der Familie und den Problemen, mit denen jeder zu kämpfen hat. Kaitlins Vater Terrence entpuppt sich als erfolgloser Autor und manch Indiz lässt uns fürchten, dass er in die Fußstapfen seines verrückten Onkels tritt, der dem Anwesen den Ruf einer Psycho-Bude verliehen hat. Mutter Janice hingegen scheint in Kaitlins Abwesenheit eine steile Karriere beim Nationalpark hinzulegen, wie Gratulationsschreiben beweisen. Allerdings gibt es da auch einen Rick in ihrem Leben, mit dem sie auf Konzerte geht. Und vor allem ist da Samantha, deren Spur ihr durch das ganze Haus verfolgt. Anfangs sind euch dabei viele Türen versperrt und ihr findet auch einige Schränke, die mit Zahlenkombinationen gesichert sind. Doch wenn ihr den offensichtlichen Spuren artig folgt, sollte euer Streifzug durch Keller, Dachboden und einige Geheimgänge ohne Probleme verlaufen. Gone Home will euch zu keiner Zeit fordern, sondern euch die Geschichte einer Familie mit ganz menschlichen Problemen erzählen.

Geradlinig und technisch veraltet

Gone Home im Test: Reizvolles Storytelling, aber als Spiel mit Mängeln. (7) Quelle: PC Games Gone Home im Test: Reizvolles Storytelling, aber als Spiel mit Mängeln. (7) Es erscheint ein wenig seltsam, wie linear und starr euch der Weg durch das Greenbriar-Anwesen vorgegeben ist. Und auch die Tatsache, dass alle Familienrelikte in chronologischer Reihenfolge auf diesem Weg verteilt sind, wirkt etwas gezwungen. Dennoch hat Gone Home durchaus Unterhaltungswert. Die erzählte Geschichte ist nachvollziehbar und wird sehr gefühlvoll rübergebracht. Obendrein bedient der Titel unsere Lust am Stöbern und dem Entdecken intimer Details anderer Leute. Man fühlt sich fast ein wenig schlecht dabei, wenn man in die Geheimnisse der Familie eindringt. Als schön empfinden wir außerdem das 90er- Jahre-Setting_ – VHS-Kassetten unter dem heimischen Röhrenfernseher und Akte X-Poster in Samanthas Zimmer inklusive. Wer diese Zeiten kennt, wird viel Nostalgie empfinden.

Ein wenig ärgerlich ist da jedoch die recht grobe Optik des Ego-Adventures. Umgebung und Objekte wirken allesamt ein wenig trist und detailarm, die Grafik generell ein gutes Stück veraltet. Dafür stimmt die Soundkulisse mit gefühlvoll vorgelesenen Tagebucheinträgen, stimmungsvollen Instrumentalstücken, 90er-Songs und gelegentlichem Donnergrollen. Gone Home ist eine interaktive Story – eine schöne und durchaus rührende. Ein wirklich gutes Spiel ist es allerdings leider nicht.

Wertung zu Gone Home (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Spannende und angenehm unverbrauchte Grundidee: Ihr müsst ausAngenehm altmodisches 90er-Jahre-SettingGlaubwürdige, menschliche und gefühlvoll erzählte Story, …
… deren Auflösung für uns allerdings ein wenig banal wirkt.Die altmodische Grafik trübt zuweilen die Glaubwürdigkeit und Atmosphäre der Spielerfahrung.
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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von soki NPC
        ich hab mir das mal angeshaut...ich muss zugeben obowhl ich zu beginn nicht sehr begeister favon war, hat es mich echt überzeugt!
      • Von soki NPC
        ich hab mir das mal angeshaut...ich muss zugeben obowhl ich zu beginn nicht sehr begeister favon war, hat es mich echt überzeugt!
      • Von gerreg Anwärter/in
        "Gone Home" ist in meinen Augen ein echtes Meisterwerk! Auf jeden Fall anschauen...

        Ich verfolge Computerspiele seit Anfang an. Jetzt oute ich mich als Mittvierziger ;-) Angefangen von Pong, über Atari2600, Atari 130XE... Meine sehr guten Englischkenntnisse basieren nicht auf Schulunterricht, sondern auf den Infocom-Textadventuren *g* Seit fast 40 Jahren spiele ich Computerspiele, habe eine umfangreiche Sammlung. Mit Bedauern habe ich die Entwicklungen der letzten Jahre verfolgt: Inhaltsleere (Wollte eigentlich "Blutleere" schreiben, aber leider ist das Gegenteil der Fall), Hochglanz-Shooter lassen kaum noch Platz für gute Spiele. Gut im Sinne von mehrdimensional, emotional fesselnd, nachhaltig beeindruckend... Um es mal mit der Literatur zu vergleichen: Es gibt fast nur noch Comics, keine Zauberberge mehr. ;-) Computerspiele können so viel mehr bieten, als das, was momentan den Markt beherrscht. Und "Gone Home" oder "Proteus" zeigen, was alles möglich ist.

        Von Kritikern erhält Gone Home sehr oft Traumnoten, von Spielern oft eine ganz schlechte Bewertung. Dass das Spiel bei vielen Spielern durchfällt, ist sehr bedauerlich, zeigt aber auch, wie unreif, gefühlskalt und weit ab von jeder Empathie diese Generation in einigen Teilen ist. Schade, sehr schade, sie ahnen nicht, was ihnen im Leben entgeht!

        "Gone Home" schafft es, auf engem Raum eine Welt zu kreieren, die stimmiger und interessanter ist, als die meisten Mainstream-Programme. Die drei Stunden Spielzeit haben mir mehr gegeben, als all die vielen Shooter-Tage meiner Gamingvergangenheit zusammen. Die angeblichen technischen Mängel sind keine, die einzelnen Geschichten von Gone Home spielen in der Phantasie, in der Vorstellungskraft des Spielers. Da braucht es keine Supergrafik, Weltliteratur hat auch keine Grafik ;-)

        SPOILERSPOILERSPOILERSPOILERSPOILERSPOILER SPOILERSPOILER

        Für das Gesamtverständnis der Geschichte sind für mich zwei Aspekte wichtig gewesen, die ich erst spät bemerkte: Das der Vater zurück in das Jahr 1963 möchte (Seine Romane handeln von Zeitreise, Kennedy-Mord...) liegt an etwas sehr Persönlichem, an etwas sehr Schlimmen, was ihm genau in diesem Haus passiert ist. Etwas, dass sein Leben, seine Ehe bis Mitte der Neunziger (Spielzeit der Geschichte, von den Autoren extra gewählt, da damals noch "echte" nichtdigitale Kommuniktion über Briefe existierte ;-) ) massiv beeinflusst hat und in dem Jahr des Wohnens in diesem Haus (wieder) massiv in den Vordergrund getreten ist. Er möchte zurück, um zu verhindern, dass das Schlimme mit ihm geschieht!

        Dass die Eltern nicht daheim sind, als die Hauptperson nach Haus kommt, hat ganz nachvollziehbare Gründe: Sie sind auf Therapie und versuchen, ihre Ehe zu retten. Sam haben sie die "Lüge" Anniversary-Urlaub (was es ja so gesehen auch ist) erzählt, um sie nicht zu beunruhigen. So blieb ihnen nur diese Zeit zur Fahrt.

        SPOILERSPOILERSPOILERSPOILERSPOILERSPOILER SPOILERSPOILERSPOILERSPOILERSPOILER ENDE

        Oben habe ich kurz Thomas Mann in's Spiel gebracht. Damit möchte ich den Kommentar auch beenden: "Gone Home" ist für die Tonio Krögers dieser Welt. Für die Hans Hansen gibt es mehr als genug eindimensionale, inhaltsleere Sachen. :D
      • Von Nihiletex Gelegenheitsspieler/in
        Deine zwanghaften Bemühungen lustig zu sein scheitern leider an der Tatsache das sich GH, wenn es getestet wird, eben auch mit anderen Spielen messen lassen muss (Wertungen wären sonst sinnlos).
        Wenn ich mich recht erinnere (es gab mal eine Aufschlüsselung seitens der PCG) stellen Wertungen von ~70% Titel dar, die einem Liebhaber dieses Genres gefallen können, anderen eher nicht. Eine Wertung von 90% hingegen ist Spielen vorbehalten die Genreübergreifend Spaß machen (können), bei ~95% könnte man sogar von Meisterwerken sprechen. GH da einzuordnen, dafür muss man schon extrem verblendet sein.

        Falls dir sowas Spaß macht, np (Darfst ja gerne die Meinung die du anscheinend nur dir zubilligst auch anderen lassen), Serien wie Sturm der Liebe laufen ja auch erfolgreich. Alternativ findest du bestimmt nun einen weiteren Kotaku Artikel von Hernandez, der beschreibt wie böse man ist wenn man GH nicht mag, etwas gegen Indie Spiele, Schwule/Lesben oder flauschige Tiere hat und generell das Spiel ja nicht versteht weil es "Kunst" ist.
      • Von vogelpommes Gelegenheitsspieler/in
        Richtig, weil es hier vor allem nicht um Meinungen sondern "realistische" Einschätzungen geht ob die Story genügend Qualitätseinheiten bietet um dieses Nicht-Spiel welches eine Gefahr für alles was wir kennen und lieben darstellt eine Existenzberechtigung zu verleihen.

        Natürlich hast du Recht wenn du sagst dass so "etwas" niemals auch nur nahe an die Wertungsregionen eines Half-Life 2 reichen darf (dessen Alien-Invasions-Story übrigens höchste Literatur ist), schließlich ist Gone home nichts weiter als ein verstümmelter Ego-Shooter. Ich finde übrigens dass auch Civilization nicht solche Wertungen bekommen dürfte, schließlich ist es weniger "Spiel" als z.B. Bioshock, weil es weniger Geschicklichkeit und Reaktionen erfordert...

        Ich hätte übrigens auch Interesse der Game Police bei zu treten, kannst du da ein gutes Wort für mich einlegen da du da scheinbar ein hohes Tier bist?
      • Von Nihiletex Gelegenheitsspieler/in
        Abgesehen davon das es auch die Entwickler als Video Game bezeichnen: Wenn der einzige Punkt sich das überhaupt zu kaufen die Story ist, dann MUSS sie auch überzeugen. Sie ist auch nicht "alltäglich" sondern trieft fast so vor Klischees wie ein Call of Duty, nur das die Elemente nicht aus einem Kriegsfilm sondern aus irgendwelchen Groschenromanen kommen.
        Vielleicht haben viele der Reviewer einfach schon lange kein Buch mehr gelesen und sind gewohnt alles nur totzuklicken, keine Ahnung (oder die alten Click Adventures sind zu lange her...). Die vielen positiven Reviews (komischerweise meist nur von irgendwelchen Ami Seiten und nicht von den Usern selbst) sind einfach ein schlechter Witz. Während die User es realistisch etwa bei 50% einordnen, gibt die Presse im Durchschnitt Wertungen die besser sind als bei einem Baldurs Gate 1+2, einem HL2 oder einem Civilization. Da muss man sich doch fragen was da falsch läuft.

        Zu Kotaku und ganz besonders zu Hernandez muss man nichts sagen, da reicht schon Google falls sich Unwissende ein Bild machen wollen was von denen zu halten ist.
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