Endwar Online angespielt: Originelles Strategiespiel von Ubisoft - gratis, schnell und ohne Installation
Es hat Konsolen-Wurzeln, ein Free2Play-Modell und ist im Browser lauffähig - mit solchen Eckdaten dürfte Endwar Online erst mal keinen guten Stand bei PC-Strategen haben. Und trotzdem raten wir: ausprobieren! Denn bei den Ubisoft Digital Days konnten wir das ungewöhnliche Strategiespiel bereits anspielen - nur um festzustellen, dass wir völlig falsche Erwartungen an das Spiel hatten.
Endwar Online in der Vorschau. Auf dem PC ist Tom Clancy's Endwar vor ein paar Jahren ziemlich untergegangen. Ursprünglich für Konsolen entwickelt, konnte sich das Spiel nur durch ein Feature vom Einheitsbrei abheben – eine Sprachsteuerung, bei der man Einheiten per Mikrofon befehligte. Ironischerweise gibt's dieses Feature nicht mehr in Endwar Online. Und nebenbei wurde auch sonst so ziemlich alles über Bord geworfen, was man noch vom Vorgängerspiel kannte. Abgesehen vom Namen teilt sich Endwar Online im Grunde nur noch eines mit dem ersten Teil – und das ist das Setting: Endwar Online spielt im Jahr 2030, also 10 Jahre nach dem Vorgänger. Die Weltordnung wurde durch einen globalen Krieg auf den Kopf gestellt, der immer noch andauert. Drei Fraktionen kämpfen um die Herrschaft: die Europäische Föderation (EFEC), die Russischen Speznas (SGB) und die US-amerikanische Joint Strike Force (JSF).
Upgrades und RPG-Elemente: Basismanager im Dritten Weltkrieg
Anfangs wählt man eine der drei Fraktionen – wir haben uns beim Anspielen für die europäische Seite entschieden. Unsere Probe-Partie beginnt in einem halb zerstörten Paris, wo wir unser Hauptquartier und unsere Truppen verwalten müssen. Die Entwickler nennen diesen Teil des Spiels die "Manager-Ebene". Mit zuvor erspielten Ressourcen hat man hier die Möglichkeit, neue Technologien und Upgrades zu erforschen. Anstatt einzelne Einheiten einzukaufen, kümmert man sich um sogenannte War Heroes, Kriegshelden. Jeder von ihnen steht für eine kleine Gruppe von Einheiten, beispielsweise Drohnen, Panzer, Luftabwehr-Fahrzeuge oder Bomber.
Insgesamt soll es 9 verschiedene Grundtypen an Einheiten geben, die man dann in zig Variationen nach und nach freispielen kann. Kriegshelden leveln durch gewonnene Missionen auf und können dann über verschiedene Talentbäume weiterentwickelt werden – ähnlich wie in einem Online-Rollenspiel. Aber auch die Einheiten selbst darf man detailliert anpassen: Ein Panzer hat beispielsweise vier Slots für verschiedene Upgrades, etwa für die Panzerung oder Bewaffnung. Diese Upgrades – die Entwickler nennen sie der Einfachheit halber einfach "Items" – liegen in verschiedenen Qualitätsstufen mit verschiedenen Farben (grün, blau, gelb, etc…) vor, auch das erinnert bewusst an MMORPGs. Diese Items bringen der Einheit dann verschiedene, passive Boni – so soll man seine Armee mit der Zeit der eigenen Spielweise anpassen können.
Reichlich Umfang für Solo-Spieler
Quelle: Ubisoft.
Gut zu sehen: Unsere Truppen marschieren auf drei vorgeschriebenen Lanes (mit A, B und C markiert) in Richtung Feindbasis.
Nach der Basisverwaltung geht's auf die schicke Weltkarte, die als frei dreh- und zoombare Weltkugel dargestellt wird. Hier warten mehr als 500 kurze Einsätze, unterteilt in 10 Kapitel, die eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Natürlich ist dabei keine Inszenierung à la Starcraft 2 zu erwarten, Sprachausgabe und Cutscenes sind weit und breit nicht zu sehen, nur ein paar Textfenster treiben die Geschichte voran. Für ein Browsergame geht das in Ordnung. Unsere erste Mission startet erneut in Paris, wo wir die Grundlagen des Spiels lernen - denn auch wenn Endwar Online auf den ersten Blick wie ein C&C aussieht, spielt es sich doch völlig anders.
Das Gameplay: ungewöhnlich und bewusst simpel
Die Entwickler erklären, sie hätten sich von Tower Defense, Kartenspielen und Moba-Titeln inspirieren lassen. Es funktioniert so einfach, dass wir ausschließlich mit der Maus spielen, Tastaturkürzel und dergleichen sind einfach nicht nötig: Auf der linken Seite der Map befindet sich unsere Basis. Von dort gehen drei weiße Linien weg – das sind unsere Lanes, auf denen wir angegriffen werden und auf denen wir unsererseits Einheiten losschicken können. Ist Endwar Online also ein klassisches Echtzeitstrategiespiel? Nö! Basisbau und Einheitenkommandos gibt es nicht, denn alle Truppen bewegen sich nur auf diesen festgelegten Bahnen.
Quelle: Ubisoft.
Jeden Einheitentyp hat mehrere Upgrade-Slots, in die wir verschiedene "Items" unterschiedlicher Qualitätsstufen einsetzen können.
Hier kommen nun die zuvor genannten War Heroes zum Einsatz: Am unteren Bildschirmrand befinden sich die Portraitkarten der Helden – jede von ihnen steht für eine kleine Gruppe bestimmter Einheiten. Als der KI-Gegner mit seinen Truppen anrückt, schicken wir durch Klicks auf die Heldenkarten eigene Panzer, Jeeps und Lufteinheiten aus, um die Angreifer abzuwehren. Nachdem wir einen Kriegshelden aktiviert haben, braucht er nur ein paar Sekunden Aufladezeit, um wieder einsatzfähig zu sein. Beschworenen Einheiten können wir aber keine weiteren Kommandos mehr geben, einen Rückzugsbefehl oder dergleichen gibt es nicht. Einzige Ausnahme sind die Spezialfähigkeiten: Manche Einheitentypen können von Zeit zu Zeit eine besondere Attacke aktivieren, beispielsweise besitzen Hubschrauber gefährliche Langstreckenrakten. Diese Fähigkeiten aktivieren wir einfach, wenn über den Einheiten ein kleines Symbol aufleuchtet. Das war's – mehr Mikro-Management gibt es nicht.
Natürlich haben alle Einheiten Stärken und Schwächen. Hubschrauber sind beispielsweise ideal gegen Panzer, haben aber keine Chance gegen Luftabwehr. Infanterie hingegen sollte man immer dann losschicken, wenn an einer Lane ein sogenannter Uplink steht – das sind Gebäude, die man nur mit Fußtruppen erobern kann und die weitere Kommando-Punkte erzeugen. Sind diese Punkte verbraucht, können wir keine weiteren Einheiten mehr einsetzen. Somit geht es in Endwar Online vor allem darum, die verfügbaren Einheiten in der richtigen Abfolge loszuschicken und immer die richtige Kontereinheit für den Gegner parat zu haben.
PvP und Bezahlmodell
Quelle: Ubisoft.
Mehr Blider aus Tom Clancy's Endwar
Neben der Einzelspielerkampagne wird Endwar Online auch schnelle, unkomplizierte Mehrspielerduelle bieten. Dazu gibt es mehrere umkämpfte Gebiete auf der Weltkugel, die man für seine Fraktion erobern kann. Ein Klick auf ein solches Gebiet startet die Spielersuche, kurz darauf ist man auch schon im Match. Die PvP-Partien laufen ähnlich wie in der Kampagne ab, natürlich stets mit dem Ziel, die feindliche Basis zu zerstören. Als Belohnung erhält man seltene Ressourcen, die man zusammen mit den erspielten Rohstoffen aus der Kampagne benötigt, um neue Upgrades für Heimatbasis und Truppen zu kaufen. Da Endwar Online – wenig überraschend – ein Free2Play-Titel wird, stellt sich natürlich die Frage, ob an sich alle Inhalte auch ohne Geldeinsatz erspielen kann, oder ob es bestimmte Einheiten, Rohstoffe oder Upgrades gibt, die man zwingend kaufen muss. Auf diese Frage hat Ubisoft allerdings noch keine Antwort, die Entwickler erklären, das Bezahlmodell sei noch nicht ganz ausgearbeitet.
Solide 3D-Grafik im Browser
Endwar Online erfordert keine Installation: Alles, was man braucht, ist ein Web-Browser mit Flash-Unterstützung. Man loggt sich mit seinen Zugangsdaten ein und kann dann von überall aus spielen. Was aber nicht heißt, dass das Spiel schlecht ausschaut – die 3D-Grafik kann zwar nicht mit einem Command & Conquer: Generäle (ja, das alte) mithalten, sieht aber trotzdem stimmig aus und läuft zudem butterweich. Da man auch nicht allzu weit an die Action ranzoomen kann, fallen die eher detailarmen Texturen und kantigen Einheitenmodelle ohnehin kaum auf.
Kleine Info am Rande: Endwar Online wird von Ubisoft Shanghai entwickelt. Der Creative Director des Studios heißt Michal Madej – der polnische Branchenveteran trat 2006 erstmals bei CD Projekt in Erscheinung, denn dort spielte er als Chief Designer eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von The Witcher. Später verließ er CD Projekt, arbeitete danach bei verschiedenen Teams und landete schließlich als Creative Director bei Ubisoft Shanghai, wo er unter anderem die Entwicklung von Far Cry 3 unterstützte. Auf den Ubisoft Digital Days ließ Madej es sich nicht nehmen, sein neues Baby Endwar Online höchstpersönlich vorzustellen.

nja, kommt halt drauf an was alles in den Shop wandert
...weiter lesen hilft manchmal!!!
Das ist mir durchaus klar. Ich bezog mich lediglich auf den Vorgänger, der ja laut Artikel mehr oder minder gefloppt ist.
Ironischerweise gibt's dieses Feature nicht mehr in Endwar Online.
...weiter lesen hilft manchmal!!!