Fröhlich am Freitag: Kunden an die Macht - und Shitstorm lohnt sich doch
Wer hätte nach den Erfahrungen mit Sim City im Ernst geglaubt, dass für Die Sims 4 jemals ein Offline-Modus vorgesehen war? Eben. Trotzdem wird es einen solchen geben. Warum? Weil der Sim-City-Shitstorm Früchte getragen hat. Gleiches gilt für die Korrekturen bei der Xbox One. Shitstorm lohnt sich, findet PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich in ihrer Kolumne zum Wochenende.
Fröhlich am Freitag: Kunden an die Macht - und Shitstorm lohnt sich doch (1)
Kaum mehr als eine gute Woche hat es gedauert, bis Microsoft nach der E3 eingelenkt hat: Die Xbox One muss sich nicht mehr alle 24 Stunden ins Netz einklinken, die DRM-Restriktionen wurden abgeschafft, die Weitergabe von Spielen ist möglich und der Region-Lock ist ebenfalls passé. Seit dieser Woche ist klar: Inzwischen dürfen Indie-Studios sogar direkt ihre Spiele veröffentlichen, man braucht dafür keinen zertifizierten "Publisher" mehr.
Alles Dinge, von denen man lange nicht für möglich gehalten hätte, dass ein XXL-Konzern von den Ausmaßen eines Microsoft überhaupt in der Lage ist, so kurzfristig zu reagieren. All die schönen Pläne, die in jahrelanger Vorbereitung in Redmond ausbaldowert wurden, haben sich quasi über Nacht erledigt.
Nehmen wir für eineinhalb Sekunden an, die ursprünglichen Online-Only-Bestrebungen von Microsoft seien ausschließlich im besten Interesse der Kunden gewesen (und nicht aus purem "Wär das geil, wenn wir..."-Egoismus entstanden). Selbst dann wäre es schlichtweg nicht gelungen, diese Vorteile so deutlich herauszustellen, dass potenzielle Konsolen-Käufer sagen: Jupp, klingt prima, gute Idee.
Hätte Microsoft in all diesen Punkten nicht nachgesteuert - der "Konsolen-Krieg" mit Sonys Playstation 4 wäre schon vorbei gewesen, ehe die ersten größeren Schlachten überhaupt geschlagen worden wären. Mich würde es auch nicht wundern, wenn es rund um die Gamescom noch Bewegung beim Preis gäbe: Aktuell trennen Xbox One und Playstation 4 immer noch satte 100 Euro, in etwa der Gegenwert von zwei neuen Spielen. Zumindest ein attraktives Bundle mit einem Launch-Spiel wird in jedem Fall drin sein.
Was lernen wir daraus? Wie auch beim Offline-Modus von Sims 4 zeigt der Fall Xbox One: Protest wirkt. Einschränkend formuliert: KANN wirken.
Denn derjenige, der etwas verkaufen will, muss immer für sich entscheiden: Bin ich von dem überzeugt, was ich da tue? Oder haben meine Kunden möglicherweise doch recht? Bei der Ankündigung von Diablo 3 vor gut fünf Jahren gab es beispielsweise riesige Proteste: Das Action-Rollenspiel sei viel zu bunt, die Fans forderten ein Re-Design. Gebracht hat es nix, Blizzard blieb bei seiner Haltung.
In vielen anderen Fällen wurde hingegen auf die Proteststürme reagiert. In Erinnerung ist zum Beispiel noch der Battlefield-3-Skandal aus dem Oktober 2011, als die EA-Downloadplattform Origin im Verdacht stand, heimlich persönliche Daten des Users abzusaugen (und das lange vor PRISM). Umherkursierende Screenshots aus der Abteilung "Hey, guckt mal, das Programm greift ja auf meine Steuererklärung zu!" sorgten für zusätzliche Panik. Hinzu kam eine EULA, deren Lizenzvereinbarungen zumindest in der ursprünglichen Form nicht konform waren mit den hiesigen Bestimmungen. Am Ende sah sich der EA-Deutschland-Chef Olaf Coenen veranlasst, einen offenen Brief zu formulieren. Seine Botschaft: "Origin ist keine Spyware".
Oder nehmen wir die DSL-Flatrate-Drosselungspläne der Telekom, die dem Magenta-Riesen den wenig schmeichelhaften Beinamen "Drosselkom" beibrachten. Auch hier hat die Telekom zuletzt zumindest ein bisschen eingelenkt und gibt sich reumütig ("Wir haben verstanden").
Foren-Einträge, Twitter, Facebook, News-Meldungen, Amazon-Bewertungen, Verbraucherzentralen, Petitionen - so klein jedes abgesetzte Posting auch sein mag, in der Summe können sich daraus Lawinen entwickeln. Redaktionen und Magazine wirken dabei wie ein Verstärker. Und eins sicher: Mindestens die Produkt Manager, die PR-Abteilungen, das Marketing, zuvorderst natürlich die Entwickler - all diese Menschen starren mit Argusaugen auf die Stimmung im Netz. Denn es geht hier um Geld, enorm viel Geld. Im Falle der Xbox One muss der Microsoft-Vertrieb dafür sorgen, möglichst viele Konsolen an den Einzelhandel vorzuverkaufen. Die Einschränkungen gegenüber Sonys Playstation 4 und das negative Feedback der Spielefans waren einfach eine zu große Bürde, um den ursprünglich eingeschlagenen Weg stur weiterzuverfolgen.
Für mich zeigen die Beispiele der vergangenen Tage, Wochen und Monate vor allem eines: Die Kunden haben mehr Macht, als man geheimhin glauben möchte - sie müssen dies nur deutlich zeigen und hartnäckig dran bleiben. Denn so ein Shitstorm birgt immer auch die Gefahr, dass er als Sturm im Wasserglas endet: ein bisschen Empörung hier, etwas Entrüstung dort, aber im Grunde ändert sich nix.
Ein schönes Wochenende wünscht euch
Petra

Und wo wäre da jetzt genau der Unterschied zur "ehemaligen" Xbox One gewesen???
Und die meisten Leute haben überhaupt keine Qual dabei, Steam zu nutzen, das halte ich nach wie vor für ein Gerücht. Die meisten praktisch veranlagten Leute sind mit Steam völlig zufrieden und akzeptieren es mitlerweile so, wie es ist. Nur Prinzipienreiter können sich nicht damit abfinden, aber das ist ja überall so, nicht nur im Spielemarkt.... :-P
Ganz einfach:
Was würde sich ändern, wenn Steam von heute auf morgen einfach bei jedem "Kauf" statt Kauf "lebenslange Miete" hinschreiben würde?
Für dich als Konsment: gar nichts. Denn das ist es heute schon und jeder weiß es. Nur wird trotzdem noch überall getan, als würde man einen Gegenstand kaufen, also "Eigentum" (im napoleonischen Sinne) erwerben und es wird davon ausgegangen, dass man auch das Recht darauf hätte. Ich frage mich: warum nimmst du denn an, dass du ein Recht darauf hättest? Gibt es da irgendein Naturgesetz, das das so vorschreibt?
Für mich ist ein Spiel, das ich auf Steam kaufe, ein "Download-to-Rent", nur dass das Spiele dann - im Gegensatz zu der 48 Begrenzung beim Video-on-Demand - praktisch ungebrenzt nutzbar ist. Warum ist das für Video-on-Demand erlaubt und für Spiele nicht?
Wäre es denn erlaubt, wenn Steam eine 10-jährige Begrenzung, oder eine 30-jährige Begrenzung einführen würde? Wäre es dann ein "legaler Dienst"?
Ja, aber du unterstellst mir dadurch etwas, nur weil du meine Meinung nicht teilst, anstatt im Detail auf meine Beiträge einzugehen. Das finde ich nicht korrekt, sorry. :-|
Nein, ich hab dich doch gar nicht angegriffen, sondern eher gefragt, ob es so ist: "Du bist also Befürworter von Gängelungen und Restriktionen?".. ;-) Falls es anders rüberkommen ist, dann entschuldige.