Leisure Suit Larry: Reloaded im Test - Für Fans des Originals
Leisure Suit Larry: Reloaded im Test: Disko-Anzug-Träger Larry kehrt zurück nach Lost Wages. Noch immer auf der Suche nach Frauen und noch immer ein Loser. Dafür aber runderneuert. Wir haben die Adventure-Neuauflage getestet und beantworten die Frage, ob Larry an seine alten Tage anknüpfen kann.
Heute wäre Larry Laffer wohl fast schon berechtigt, einen Rentenantrag auszufüllen. Ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Original bringt UIE Entertainment ein Remake der Abenteuer der wohl berühmtesten männlichen Videospiele-Jungfrau heraus. Ursprünglich war der namensgebende Mittvierziger im Disko-Polyester-Anzug das erste Mal 1987 in pixeliger EGA-Auflösung unterwegs, um in Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards wahre Liebe zu suchen. Die Adventure-Serie zeichnete sich durch schlüpfrigen Humor und das ständige Scheitern von Larry aus, die Damen seiner Wahl ins Bett zu bekommen.
Neuer Anstrich für das alte Haus
Die offensichtlichsten Neuerungen beim über Kickstarter finanzierten Remake Leisure Suit Larry: Reloaded sind das frische und farbenfrohe Grafikgewand, tolle Sprachausgabe und ein jazziger Ohrwurm-Soundtrack. Obwohl sich häufig auch die Perspektive bei den Schauplätzen geändert hat, erkennen Spieler des Originals sie sofort wieder. Egal ob Lefty's Bar, das Caesar's Phallus oder der Supermarkt Come-n-go. Dort kauft ihr nicht nur alles andere als diskret ein paar Lümmeltüten, sondern finden auch einen Spielautomaten mit Angry Broads. Spielen dürfen Sie am Automaten nicht. Der Erzähler erklärt augenzwinkernd, dass man sich schon mit der gezeigten Mini-Sequenz eines katapultbeschleunigten Larry, der ein Haus aus Holz und Glasplatten zerdonnert, recht weit aus dem Fenster lehne und hoffe, nicht gleich (von den Angry Birds-Machern) verklagt zu werden.
Das ist der typisch sarkastische Humor, der die Larry- Spiele neben ihren schlüpfrigen Zoten so berühmt gemacht hat und der sich mit Abstrichen auch durch die Neuauflage zieht. Denn interessanterweise weichen die deutschen Untertitel recht häufig von der englischen Sprachausgabe ab. Bei Namen von US-Promis, die dann durch deutsche Fernsehsternchen ersetzt werden, ist das noch nachvollziehbar, bei Witzen mit Bezug auf Religionen aber dann doch eher unverständlich und es wirkt regelrecht übervorsichtig. Ein Attribut, das so ganz und gar nicht zu einem Larry-Spiel passt. Hier wäre weniger "political correctness" mehr (Retro) gewesen.
Erzähler mit Klasse
Quelle: UIG Entertainment
Leisure Suit Larry: Reloaded im Test. (4)
Voll ins Schwarze trifft hingegen der Erzähler, der nahezu jede Aktion von uns – und sei sie auch noch so abgedreht – herrlich trocken und vor Sarkasmus triefend kommentiert. Schon beim Original, bei dem man die Spielfigur noch mittels Pfeiltasten und einzutippenden Wörtern (Textparser) gesteuert hat, erhielt der Spieler auf jede noch so verrückte Handlung ein noch abgefahreneres Feedback. Das wurde im Remake noch weiter auf die Spitze getrieben. Egal, was ihr auch anklickt oder ausprobiert, ein bissiger Kommentar des Erzählers fliegt euch fast immer um die Ohren. Großartig!
Die Grenzen des guten Geschmacks
Allerdings überschreitet Larry: Reloaded mitunter die Grenzen des guten Geschmacks. Wir jedenfalls fanden die detaillierte und bildhafte Beschreibung, wie eingetrocknetes Sekret und Haare aus dem Innenleben eines Vibrators herausquellen, nicht mehr frivol-witzig, sondern eher grenzwertig bis ekelerregend. Dass es eine Gratwanderung ist, einen Klassiker aufzubereiten, gilt nicht nur für den Humor, sondern auch für die Steuerung. Insbesondere hier vermissten wir schmerzlich eine Überarbeitung. So blieben etwa die lästigen Taxifahrten zwischen den Schauplätzen bestehen. Ebenso wie das notwendige Glücksspiel, um das Geld dafür zu erwirtschaften.
Gleiches gilt für die exotischen Anweisungen wie "riechen" bzw. "lecken", "ausziehen" und – überflüssig wie ein Kropf – ein Icon zum Laufen. Selbst wenn man sich witzige Aktionen, wie etwa eine Kloschüssel auszulecken oder Dinge anzupinkeln, einfach spart, artet das Spiel rasch in eine Klick- bzw. Durchscrollorgie der Verben aus – selbst, wenn man das alternative Radialmenü verwendet. Was bleibt, ist ein grafisch schickes, sarkastisches und meist frivol-witziges Adventure, das vor allem Kennern des Klassikers gefallen dürfte. Alle anderen könnten beim Spielen durchaus darüber ins Grübeln kommen, was genau dieses Spiel seinerzeit zu einem solchen gemacht hat. Die kurze Spielzeit, die seichten Rätsel, die wenigen Schauplätze und die dünne Handlung waren es jedenfalls nicht.

Larry war schon Kult damals, aber wirklich zu Ende gespielt habe ich keinen Teil.