Kolumne: Sony lockt die Indies - je kleiner das Studio, desto größer die Innovation?

6
Kolumne Petra Fröhlich Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Minecraft: Figur auf Pferd
Quelle: Mojang

Playstation-Chef Jack Tretton singt ein Loblied auf Indie-Entwickler: Die nächsten Spielbergs der Spielebranche kämen aus diesem Bereich. Denn für wirklich innovative Spiele bräuchte man keine Hundertschaften an Entwicklern und Millionen von Dollar. Aber warum ist das so, fragt sich PC-Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich.

Kolumne: Sony lockt die Indies - je kleiner das Studio, desto größer die Innovation? Wie viele Spiele-Designer fallen euch namentlich ein? Sid Meier, Chris Roberts, Richard Garriott, Peter Molyneux, Shigeru Miyamoto, klar. Dann Will Wright, Tim Schafer, Ron Gilbert, Hideo Kojima und Warren Spector natürlich. Außerdem ein Al Lowe, vielleicht eine Roberta Williams. Was haben all diese Persönlichkeiten gemeinsam? Sie sind seit mindestens 20 Jahren im Geschäft und haben zumindest ihre ersten Spiele fast im Alleingang entwickelt. Nicht selten prangte der Name des Designers in großen Lettern auf den Packungen oder war gar Teil des Spielenamens, siehe Sid Meier's Civilization.

Und wer ist in den vergangenen Jahren dazu gekommen? Notch mit Minecraft, okay. Aber wer weiß schon, wer das Spieldesign von Call of Duty, Assassin's Creed, Need for Speed, Sim City oder Watch Dogs federführend verantwortet? Meist wird ein Executive Producer oder Studiochef vorgeschoben, der dann stellvertretend fürs Team spricht und Presse und Fans mit präzise vorformulierten Details versorgt.

Und genau hier liegt der Hund begraben: In den 80ern und 90ern beschränkte sich die Arbeitsteilung bei der Spieleentwicklung auf "Einer programmiert, einer macht die Grafik, und die Musik spielt der Nachbar auf der Bontempi-Orgel ein". Gut, das ist zwar minimal vereinfacht, aber im Grunde entstanden so Spiele wie Die Siedler oder Rollercoaster Tycoon. Doch das ist lange her. Wer sich heute die Credits großer Titel wie The Last of Us, Starcraft 2 oder Skyrim ansieht, sitzt minutenlang vor dem Monitor. Allein die Danksagungen für die Animationen oder das Motion-Capturing nehmen mehrere Seiten ein, häufig sind zudem ausgelagerte Studios in Fernost beteiligt.

Die charmanten, häufig innovativen One-Man-Show-Spiele kommen heutzutage aus dem Bereich der Spiele-Apps, etwa ein Tiny Wings, das von einem einzigen Programmierer entwickelt wurde. Und natürlich sind es Indie-Spiele, die häufig von einer kleinen Gruppe wackerer Idealisten zusammengeklöppelt werden und die der Playstation-Manager Tretton hochleben lässt. Aus diesen Reihen kämen demnach die nächsten Steven Spielbergs, also Visionäre, die ihre Träume und Ideen verwirklichen wie einst der junge Regisseur bei E. T. oder Jurassic Park.

Ganz uneigennützig sind derlei Komplimente natürlich nicht, denn im Grunde ist jeder Publisher auf der Suche nach Germany's next Minecraft. Und deshalb müht sich Sony um gesenkte Barrieren, damit kleine Entwicklerbuden schneller und einfacher ihre Spiele im Playstation Network anbieten können. Auch die Spieler profitieren: Indie-Spiele sind meist für ein paar Euro zu haben, ein Fehlkauf ist leichter zu verschmerzen als bei den 60-Euro-Neuheiten.

Es ist offensichtlich: Die Wahrscheinlichkeit für echte Innovation ist bei Indie-Spielen tendenziell immer größer als bei Big-Budget-Produktionen. Denn: Wo Assassin's Creed drauf steht, sollte auch Assassin's Creed drin sein. Deshalb werden etablierte Marken extrem behutsam weiterentwickelt, um das Stammpublikum nicht zu vergrätzen. Die Neuerungen bei großen Serien beschränken sich daher häufig auf eine verbesserte Grafik, größere Spielwelten, mehr Multiplayer-Modi – siehe GTA, siehe Call of Duty, siehe FIFA. Und das ist auch völlig okay so.

Wer mutige Innovationen sucht, so scheint es, muss nach den Perlen im Indie-Riff tauchen - so wie es beispielsweise Peter macht.

Schönen Donnerstag
Petra

Eure Meinung: Was ist euch im Zweifel lieber - spannende Innovationen oder sanft verbesserte, bewährte Spielideen?

Aktuelle Kolumnen:
Warum sich der Kampf für den Offline-Modus von Sim City weiterhin lohnt
Don Mattricks erster Arbeitstag bei Zynga
Wir haben doch keine Zeit - brauchen wir immer größere Spiele?

6
    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Zitat von Astorek
        Dem stimme ich teilweise zu, teilweise aber auch nicht^^. Dazu muss ich etwas ausholen:

        Die bekanntesten Spiele und vorallem AAA-Produktionen werden - so mein Eindruck - mehr und mehr auf Massenkompatibilität ausgerichtet (Ausnahmen bestätigen die Regel, Stichwort Dark Souls). Diverse Entwicklungen in den letzten Jahren sprechen da für sich: Allgemeine Senkung des Schwierigkeitsgrades (" ist das neue "), Fokussierung auf Gameplayelemente der Konkurrenz ("Überall muss Multiplayer rein, auch wenn es nicht passt", "Call of Duty hat Schlauchlevel, brauchen wir auch"), Interaktion auf Belangloses ("Press for Super-Awesome-Animationmove"), Werbung in Zielgruppen-untypischen Bereichen (letztens wurde sogar in - wenn ich mich nicht irre - "Bayern 3" für irgendein Spiel beworben, und der Sender zählt zu den Öffentlich-Rechtlichen Senderanstalten) etc...

        Mein Eindruck ist, dass die Indies aber jene Zielgruppe ansprechen, die in den 80ern und 90ern schon mit Spielen zu tun hatten oder damit aufgewachsen sind. Wie du sagtest, gibts da den einen oder anderen Ausreißer (Minecraft dürfte das bekannteste Beispiel sein - unabhängig davon, was man vom Spiel hält, kann man seinen Erfolg und seine Verbreitung nicht leugnen), aber sonst werden im Indie-Bereich Tugenden gefordert, die in den kommerziellen Schwergewichten kaum Aufmerksamkeit erfahren (und teilweise den angepeilten Zielgruppen widersprechen, was wohl auch der Grund dafür sein dürfte). "Super Meat Boy" und "The Binding of Isaac" sind dafür sehr gute Beispiele, die eher den Ehrgeiz des Spielers wecken und ihm dabei nicht viel schenken - ich habe mit diesen Spielen teilweise mehr Stunden verbracht als mit dem einen oder anderen ach-so-hochgeloben AAA-Titel... "Legend of Grimrock" ist auch eines jener Spiele, die es - um frei aus einem anderen Magazin zu zitieren - laut gängigen Markenregeln in der Spielebranche im 21. Jahrhundert eigentlich nicht geben dürfte. Dennoch hat sich das Spiel dermaßen gut verkauft, dass der Entwickler schon fleißig am Nachfolger bastelt...

        Direkt untergehen werden die Indies ganz sicher nicht; im Gegenteil ist dank Desura und dem Kickstarter-Hype die Branche relativ groß geworden...
        Sehe ich auch so. Beispiel: Mit Project Eternity und Torment bekommt man wieder schöne Party-Rollenspiele alter Schule. Mit Shroud of the Avatar ein neues Ultima. Da glänzen bei älteren Spielern gleich die Augen. :-D
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Zitat von Astorek
        Dem stimme ich teilweise zu, teilweise aber auch nicht^^. Dazu muss ich etwas ausholen:

        Die bekanntesten Spiele und vorallem AAA-Produktionen werden - so mein Eindruck - mehr und mehr auf Massenkompatibilität ausgerichtet (Ausnahmen bestätigen die Regel, Stichwort Dark Souls). Diverse Entwicklungen in den letzten Jahren sprechen da für sich: Allgemeine Senkung des Schwierigkeitsgrades (" ist das neue "), Fokussierung auf Gameplayelemente der Konkurrenz ("Überall muss Multiplayer rein, auch wenn es nicht passt", "Call of Duty hat Schlauchlevel, brauchen wir auch"), Interaktion auf Belangloses ("Press for Super-Awesome-Animationmove"), Werbung in Zielgruppen-untypischen Bereichen (letztens wurde sogar in - wenn ich mich nicht irre - "Bayern 3" für irgendein Spiel beworben, und der Sender zählt zu den Öffentlich-Rechtlichen Senderanstalten) etc...

        Mein Eindruck ist, dass die Indies aber jene Zielgruppe ansprechen, die in den 80ern und 90ern schon mit Spielen zu tun hatten oder damit aufgewachsen sind. Wie du sagtest, gibts da den einen oder anderen Ausreißer (Minecraft dürfte das bekannteste Beispiel sein - unabhängig davon, was man vom Spiel hält, kann man seinen Erfolg und seine Verbreitung nicht leugnen), aber sonst werden im Indie-Bereich Tugenden gefordert, die in den kommerziellen Schwergewichten kaum Aufmerksamkeit erfahren (und teilweise den angepeilten Zielgruppen widersprechen, was wohl auch der Grund dafür sein dürfte). "Super Meat Boy" und "The Binding of Isaac" sind dafür sehr gute Beispiele, die eher den Ehrgeiz des Spielers wecken und ihm dabei nicht viel schenken - ich habe mit diesen Spielen teilweise mehr Stunden verbracht als mit dem einen oder anderen ach-so-hochgeloben AAA-Titel... "Legend of Grimrock" ist auch eines jener Spiele, die es - um frei aus einem anderen Magazin zu zitieren - laut gängigen Markenregeln in der Spielebranche im 21. Jahrhundert eigentlich nicht geben dürfte. Dennoch hat sich das Spiel dermaßen gut verkauft, dass der Entwickler schon fleißig am Nachfolger bastelt...

        Direkt untergehen werden die Indies ganz sicher nicht; im Gegenteil ist dank Desura und dem Kickstarter-Hype die Branche relativ groß geworden...
        Sehe ich auch so. Beispiel: Mit Project Eternity und Torment bekommt man wieder schöne Party-Rollenspiele alter Schule. Mit Shroud of the Avatar ein neues Ultima. Da glänzen bei älteren Spielern gleich die Augen. :-D
      • Von Astorek Mitglied
        Zitat von Malifurion
        Ich glaube aber vielmehr, dass Indie Entwickler irgendwann untergehen. Einige von denen kommen vielleicht mal in den großen Studios unter, aber an deren Namen wird sich auch keiner mehr erinnern. Ich finde zwar diese Sparte ganz okay vor allem in Kombination mit Kickstarter, aber große Chancen haben diese Entwickler auch nicht. Innovation hin oder her.
        Dem stimme ich teilweise zu, teilweise aber auch nicht^^. Dazu muss ich etwas ausholen:

        Die bekanntesten Spiele und vorallem AAA-Produktionen werden - so mein Eindruck - mehr und mehr auf Massenkompatibilität ausgerichtet (Ausnahmen bestätigen die Regel, Stichwort Dark Souls). Diverse Entwicklungen in den letzten Jahren sprechen da für sich: Allgemeine Senkung des Schwierigkeitsgrades (" ist das neue "), Fokussierung auf Gameplayelemente der Konkurrenz ("Überall muss Multiplayer rein, auch wenn es nicht passt", "Call of Duty hat Schlauchlevel, brauchen wir auch"), Interaktion auf Belangloses ("Press for Super-Awesome-Animationmove"), Werbung in Zielgruppen-untypischen Bereichen (letztens wurde sogar in - wenn ich mich nicht irre - "Bayern 3" für irgendein Spiel beworben, und der Sender zählt zu den Öffentlich-Rechtlichen Senderanstalten) etc...

        Mein Eindruck ist, dass die Indies aber jene Zielgruppe ansprechen, die in den 80ern und 90ern schon mit Spielen zu tun hatten oder damit aufgewachsen sind. Wie du sagtest, gibts da den einen oder anderen Ausreißer (Minecraft dürfte das bekannteste Beispiel sein - unabhängig davon, was man vom Spiel hält, kann man seinen Erfolg und seine Verbreitung nicht leugnen), aber sonst werden im Indie-Bereich Tugenden gefordert, die in den kommerziellen Schwergewichten kaum Aufmerksamkeit erfahren (und teilweise den angepeilten Zielgruppen widersprechen, was wohl auch der Grund dafür sein dürfte). "Super Meat Boy" und "The Binding of Isaac" sind dafür sehr gute Beispiele, die eher den Ehrgeiz des Spielers wecken und ihm dabei nicht viel schenken - ich habe mit diesen Spielen teilweise mehr Stunden verbracht als mit dem einen oder anderen ach-so-hochgeloben AAA-Titel... "Legend of Grimrock" ist auch eines jener Spiele, die es - um frei aus einem anderen Magazin zu zitieren - laut gängigen Markenregeln in der Spielebranche im 21. Jahrhundert eigentlich nicht geben dürfte. Dennoch hat sich das Spiel dermaßen gut verkauft, dass der Entwickler schon fleißig am Nachfolger bastelt...

        Direkt untergehen werden die Indies ganz sicher nicht; im Gegenteil ist dank Desura und dem Kickstarter-Hype die Branche relativ groß geworden...
      • Von Shadow_Man Mitglied
        "Eure Meinung: Was ist euch im Zweifel lieber - spannende Innovationen oder sanft verbesserte, bewährte Spielideen?"

        Eine gesunde Mischung aus beidem. Ich möchte auf der einen Seite weiter mein PES, weiter mein Elder Scrolls haben, aber auf der anderen Seite auch abgedrehte, durchgeknallte Ideen und dafür sind Indiespiele natürlich sehr gut geeignet.
        Das Wichtigste ist immer, dass es genügend Vielfalt und eine gesunde Mischung aus tradionellen und neuen, innovativen Titeln gibt, dann ist das Ganze kein Problem.
      • Von Malifurion Mitglied
        Schön geschrieben Petra. Ich glaube aber vielmehr, dass Indie Entwickler irgendwann untergehen. Einige von denen kommen vielleicht mal in den großen Studios unter, aber an deren Namen wird sich auch keiner mehr erinnern. Ich finde zwar diese Sparte ganz okay vor allem in Kombination mit Kickstarter, aber große Chancen haben diese Entwickler auch nicht. Innovation hin oder her.
      • Von Gandalf1107 Spiele-Novize/Novizin
        Warum kommt Dr. Jones eigentlich in keinem dieser Indie-Games vor? ;)
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk