Expeditions: Conquistador im Test: Spanische Eroberung mit Tiefgang
Ab in den Urwald: In Expeditions: Conquistador treffen taktisch anspruchsvolle Kämpfe und gelungene Rollenspiel-Elemente auf eine schwache Präsentation und nervige Kleinigkeiten.
Heute reist man in die Dominikanische Republik, um dort Karibik-Urlaub zu erleben. Im 16. Jahrhundert sah das anders aus. Angelockt vom Gold herrschten spanische Eroberer auf der Insel, knechteten und versklavten die Ureinwohner. In diese ernste Thematik versetzt euch Expeditions: Conquistador.
Die Entwickler Logic Artists setzen auf eine Mischung aus Rundenstrategie und Rollenspiel. Ihr als Hauptfigur führt eine Expeditionsgruppe an, die sich aus zehn Mitgliedern zusammensetzt. Dabei erforscht ihr rundenweise die grafisch schlicht inszenierte Inselwelt im Stile von Heroes of Might & Magic. Sobald eure recht knapp gehaltenen Bewegungspunkte aufgebraucht sind, müsst ihr ein Lager aufschlagen. Ihr verteilt Aufgaben wie jagen, patrouillieren, Kräuter sammeln und handwerken an eure Crew. Die Expeditionsmitglieder besitzen jeweils unterschiedliche Stärken und Schwächen, sodass ihr beim Gruppenmanagement ein geschicktes Händchen beweisen müsst.
Das geht schon bei der Zusammenstellung eurer Truppe los: Doktoren sind schwach im Kampf, heilen aber Wunden und Vergiftungen. Jäger sind Fernkämpfer und für die Nahrungssuche wichtig. Gelehrte erschaffen Gegenstände wie Zelte oder stellen Medizin her. Scouts und Soldaten bilden das militärische Rückgrat. Um im Dschungel auf Dauer zu überleben, benötigt ihr daher eine gut gemischte Gruppe. Entsprechende Hinweise, inwieweit eure Charakterauswahl nun effektiv ist oder nicht, gibt es nicht.
Quests erhaltet ihr in Siedlungen, dort lässt sich auch Handel treiben. Die Aufgaben führen euch kreuz und quer über die Insel und Sie bestreiten dabei immer wieder rundenbasierte Gefechte. Auch das erinnert an Heroes of Might & Magic – die Schlachtfelder sind kleine, schachbrettartige Areale, in denen ihr maximal sechs Kämpfer antreten lasst. Im Verlauf der zwei Kampagnen (Hispaniola und Mexiko) lockern viele Dialoge und Zufallsereignisse das Spielgeschehen auf. Dann seid ihr als Expeditionsleiter gefordert, denn ihr müsst Entscheidungen treffen. Diese wirken sich unterschiedlich stark auf eure Begleiter aus. Friedlich gesinnte Mitglieder reagieren etwa empört, wenn ihr eine Aufgabe gewaltsam löst. Aggressiven Begleitern hingegen imponiert ein solches Verhalten. Spielerisch geht Expedition: Conquistador voll in Ordnung. Schade sind die schwache technische Präsentation und der fehlende Feinschliff in Sachen Balancing und Kamerasteuerung.

Ja, der Einstieg ist nicht einfach. Aber Rundenstrategie spricht jetzt auch nicht unbedingt den üblichen Actionfan an, sondern eher Leute, die sich mit derartigen Spielen schon auskennen. Daher ist die fehlende Hilfe zu Beginn auch weniger dramatisch. Nach ein wenig Trial und Error bekommt man das schon ganz gut hin (es gibt in den GOG Foren übrigens auch einen recht guten Guide für Einsteiger).
Ansonsten ist das Spiel für old-school RPG- und Rundentaktikfans große Klasse. Es ist in einem unverbrauchten Setting angesiedelt, es hat gute Innovationen, es spielt sich schön anspruchsvoll, aber nicht zu schwer (Schwierigkeitsgrad ist detailliert einstellbar) und es ist motivierend. Der Kritikpunkt der schlechten Kameraführung ist für mich nicht nachvollziehbar, da sich diese sowohl auf der Weltkarte als auch im Gefecht frei drehen lässt. Auch die angeblich extrem kurze Bewegungsreichreite pro Zug kan ich so nicht bestätigen. Es hängt vielmehr extrem davon ab, auf welchem Untergrund man sich befindet. So ist man auf Straßen/Wegen z.B. sehr viel schneller unterwegs als in der Wildnis. Außerdem lässt sich die Bewegungsreichweite durch Upgrades (Karren) verbessern. Imo macht es auch Sinn, dass man oft lagern muss und in der Wildnis nur schwer vorankommt, weil das die Immersion fördert, dass man auch tatsächlich eine langwierige und beschwerliche Expedition in den Urwald anführt.
Die positiven Punkte von Stefan kann ich alle so bestätigen, ohne wenn und aber.
Kurz gesagt: wenn es ein Spiel schafft, mich für Stunden an den Bildschirm zu fesseln, ohne dass ich die Lust am Spiel verliere, dann muss es es sehr vieles richtig machen. Ich persönlich würde das Spiel deutlich über der 80% Marke ansiedeln und kann es nur jedem Freund von oldschool Taktikrollenspielen empfehlen. :)
Ich hab es schon durchgespielt. Ich fand es ziemlich spaßig. Nur eigentlich, wenn man den Dreh erstmal raus hat, auch recht einfach.
EDIT:
Ach sorry, du hast geschrieben "ab wann".^^
Das weiß ich nicht, ob das überhaupt noch kommt. Ich dachte das war abhängig von den Strech-Goals bei Kickstarter.