State of Decay: Gedanken zu einem Überraschungs-Hit - was taugt das Zombie-Sandbox-Spiel?

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Special Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Mehr als eine halbe Million Verkäufe, ordentliche Wertungen, große Zukunftspläne - State of Decay kam für viele Spieler wie aus dem Nichts. PC-Games-Redakteur Felix Schütz hat das Zombie-Sandbox-Spiel auf Xbox 360 durchgespielt und berichtet, warum State of Decay vieles falsch macht - und seinen Erfolg trotzdem absolut verdient.

Microsoft hat's neulich durchgesagt: State of Decay hat sich bislang mehr als 500.000 Mal verkauft. Eine halbe Million Verkäufe. Binnen weniger Wochen. Das ist 'ne Hausnummer! State of Decay ist damit das bislang schnellstverkaufteste Spiel über Xbox Live – sogar noch vor Minecraft. Bemerkenswert für ein Spiel, das vor ein paar Wochen kaum jemand auf seinem Radar hatte, das ohne schwülstige PR-Kampagnen und teure Werbung auskam. Und da bald eine PC-Version erscheinen wird, dürften der Verkaufserfolg so schnell nicht abreißen. Aber ist der auch verdient? Beim Spielen merke ich: ja und nein. Vor allem aber: ja. State of Decay ist weder genial noch ein Pflichtkauf, – aber es ist so ambitioniert, auf einem so guten Wege, dass man es zwar nicht unbedingt lieben muss, aber doch zumindest kennen sollte.

Aller Anfang ist zäh

State of Decay beginnt ziemlich mies. Es wirft mich ohne Einführung direkt ins Spiel, genauer: mitten in eine Zombie-Horde. Eben noch auf "Neues Spiel beginnen" gedrückt, schon muss ich irgendwelchen Untoten den Schädel einschlagen. Kein Intro, keine Erklärung, einfach loshauen. Ich seufze – auf ein Metzgerspiel habe ich gerade eigentlich keine Lust. Während ich mich noch über den Einstieg wundere, legt State of Decay schon mal unbeeindruckt los – mit einem Kampfsystem, das kaum hakeliger sein könnte. Gemeinsam mit einem NPC-Begleiter dresche ich auf die X-Taste, eine Tutorial-Einblendung will es so. Meine Spielfigur folgt der Eingabe, hämmert ungelenk auf die untoten Gegner ein. Wirklich taktisch oder anspruchsvoll ist das nicht, außerdem wirken viele Animationen unsauber und abgehackt – kein guter Ersteindruck. Ziel im Nahkampf ist es stets, einen Zombie lange genug auf den Boden zu prügeln. Erst dann lässt meine Spielfigur einen heftig inszenierten Finishing Move vom Stapel – dieser letzte Angriff, ob nun trampelnd, mit einer Axt oder mit dem Knie, geht immer gegen den Kopf. State of Decay ist ungeschnitten, Hirnmasse, Schädelstückchen, das volle Splatter-Programm. Nur für erwachsene Spieler, richtig so. Das hakelig spielbare Einstiegsgemetzel dämpft meine Erwartungen irgendwo unter die 70er-Wertungsgrenze. Ein Irrtum, wie ich später noch festellen soll. Denn State of Decay hat viel mehr zu bieten als ein ungenaues Kampfsystem.

Technik, die man verkraften muss

Nachladende Texturen, aber auch Popups, Clipping-Fehler und Performance-Einbrüche sind an der Tagesordnung - trotz Cryengine 3. Quelle: PC Games/Microsoft Nachladende Texturen, aber auch Popups, Clipping-Fehler und Performance-Einbrüche sind an der Tagesordnung - trotz Cryengine 3. Ich wandere drauflos, ein Questmarker gibt artig die Richtung an. Es geht durch ein kleines Waldgebiet, Zombies links und rechts, ich prügel sie nieder, mir bleibt ja keine Wahl. Dann kann ich nicht anders - ich bleibe erst mal stehen. Und schüttele den Kopf über die Technik. Arbeitet wirklich die Cryengine 3 in diesem Spiel? Es gibt deutliches Bildzerreißen (Tearing, wird in Kürze rausgepatcht), Performance-Einbrüche, flackernde Kanten, grobpixelige Schatten, matschige Texturen und vor allem jede Menge aufpoppende Objekte. Das ist bitter für die Augen, ganz egal ob man 10, 20 oder 50 Euro für ein Spiel verlangt. Erst auf den zweiten und dritten Blick fallen mir auch Dinge auf, die optisch keinen schlechten Eindruck machen. Zum Beispiel hat's mir die Lichtstimmung angetan: Ich stehe in einem lauschigen Wald, der in warmes Abendrot getaucht ist, wo sich die Sonne freudnlich auf dem See spiegelt. Zufrieden stelle ich dabei fest, dass die Schatten langsam vorbeiwandern, es gibt also einen Tag- und Nachtwechsel - sowas gehört für mich zu einem guten Open-World-Spiel dazu. Außerdem finde ich super, dass ich mich völlig frei bewegen kann – klettern, rennen, springen, schleichen, über Zäune hüpfen oder Leitern raufkraxeln, alles ist möglich, alles funktioniert. Die Programmierer haben also durchaus vieles richtig gemacht. Außerdem gefällt mir die Atmosphäre, trotz der schwachen Grafik – die düstere Musik von Jesper Kyd (was kann der eigentlich nicht?) passt prima zu den realistischen Umgebungsgeräuschen, in denen Vogelgezwitscher und zirpende Grillen für ein überzeugendes Wald-und-Wiese-Feeling sorgen. Wer jedoch bei Matschtexturen, holpriger Performance und ständigen Pop-Ups üblicherweise Tränen vergießt, der dürfte bei State of Decay so bald nicht aus dem Heulen rauskommen. Und das wäre sehr schade, denn hinter der bockigen Technik steckt ein gutes Spiel.

Wer bin ich eigentlich? Ach egal.

Von Aussichtspunkten aus identifiziert ihr wichtige Orte und Objekte in der Umgebung. Jedes Gebäude kann verschiede Beute oder Vorteile bringen. Quelle: PC Games/Microsoft Von Aussichtspunkten aus identifiziert ihr wichtige Orte und Objekte in der Umgebung. Jedes Gebäude kann verschiede Beute oder Vorteile bringen. Mein Held wird mir nicht genauer vorgestellt, die Story ist ohnehin völlig nebensächlich: Ich bin irgendwo in einem US-amerikanischen Stadtwald, in der Nähe ein paar kleinere Siedlungen. Zombies überall, warum weiß keiner so genau. Ist letztendlich aber auch ganz egal – Hauptsache, ich komme von dort weg. State of Decay lebt nicht von seiner Handlung, sondern von seinen vielen Ideen, die es in seine Sandbox packt.

Die erste Spielstunde verbingt State of Decay damit, mir hastig ein paar Grundlagen einzutrichtern. Als ich ein Campingzelt am Wegesrand erkunde, lerne ich etwa, dass ich Rucksäcke, Behälter und Taschen mit gedrückter Y-Taste durchsuche, was anfangs eine halbe Ewigkeit dauert. Wer mag, kann den Prozess beschleunigen – droht dann aber solchen Lärm zu machen, dass Zombies dadurch angelockt werden. Eine coole Idee, die sich später noch häufiger auszahlt: Finde ich zum Beispiel Wecker oder Feuerwerkskracher, kann ich die dazu benutzen, um die Untoten abzulenken – beispielsweise kann ich mir so einen Fluchtweg schaffen oder in Ruhe ein Lager ausräumen.

Ich treffe auf weitere NPCs, die mir neue Aufgaben geben. Ich klettere auf einen Aussichtspunkt, um wichtige Orte in meiner Umgebung auf meiner (praktischen) Karte zu markieren. Dann rette ich eine wehrhafte Überlebende vor einem Zombie-Angriff. Schließlich flüchte ich mit ihr und meinem Kameraden – dazu schnappen wir uns das nächstbeste Auto am Wegesrand. Eigentlich hasse ich Autos. Privat meide ich sie wie die Pest. Aber in State of Decay gefallen mir die Dreckschleudern, weil sie so schön unkompliziert sind. Steige ich ein, folgen meine NPC-Begleiter ohne zu Murren, hocken sich auf den Beifahrersitz, auf die Rückbank oder sie klettern auf die Lagefläche – je nach Modell. Die Fahrphysik ist nicht allzu realistisch, erfüllt aber ihren Zweck: Die Karren fühlen sich unterschiedlich an, lassen sich punktgenau ans Ziel steuern und bringen mich ruckzuck von einem Ort an den nächsten. Da weht fast ein bisschen GTA-Wind durch's Zombiespiel. Ein Jammer nur, dass es keinen Koop-Modus gibt! Zu gern wär ich mit einem Mitspieler durch die (überraschend riesige) Welt gebrettet.

Bildergalerie

Die Heimatbasis dürft ihr mit verschiedenen Gebäuden upgraden, insofern ihr genügend Baumaterial gesammelt habt. Quelle: PC Games/Microsoft Die Heimatbasis dürft ihr mit verschiedenen Gebäuden upgraden, insofern ihr genügend Baumaterial gesammelt habt.

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  1. Seite 1 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Einstieg und Technik
  2. Seite 2 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Basislager, Rufsystem, Charaktere
  3. Seite 3 State of Decay: Gedanken zum Überraschungs-Hit - Basisbau, Rollenspiel-Elemente
  4. Seite 4 State of Decay: Einschätzung, Online-Zukunft und Geheimtipps
    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Chazer Gelegenheitsspieler/in
        Ich bin schonmal vor einigen Monaten auf die Internet Seite von denen gestoßen, als es noch als Class 3 bezeichnet wurde. Sah damals eigentlich recht vielversprechend aus

        Vielleicht wird mit "Class 3" als Testballon ein ganz guter Multiplayertitel daraus, The War Z lief ja nicht so gut.
      • Von Chazer Gelegenheitsspieler/in
        Ich bin schonmal vor einigen Monaten auf die Internet Seite von denen gestoßen, als es noch als Class 3 bezeichnet wurde. Sah damals eigentlich recht vielversprechend aus

        Vielleicht wird mit "Class 3" als Testballon ein ganz guter Multiplayertitel daraus, The War Z lief ja nicht so gut.
      • Von B1nary Anfänger/in
        Zitat von MichaelG
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.

        Da kann ich Dir nur beipflichten.
        Schon wenn ich den test des Redakteur´s durchlese verlässt mich jegliche Lust ,State of Decay auch nur eine chance zu geben.
        Wenn man schon (frech kopiert & ideen stiehlt) sollte man wenigstens ein besseres ergebnis abliefern als die Leute von denen man klaut.
        In diesem fall hat man sich offensichtlich bei Bohemia ausgetobt und was für gut erachtet wurde einfach kopiert ,aber wie schon erwähnt ist selbst Arma 3 oder auch die (vielleicht bald) erscheinende DayZ Standalone um welten besser.
        Wären da nicht die Cheater & script kiddis die einem trotz dem super cheatschutz aka. battleye jeglichen spass kaputtmachen.
        Für State of Decay fällt mit nur ein : billige Konsolenengine versucht wie DayZ auf dem Pc zu sein und versagt dabei in den königsdisziplinen bravurös.
        Mir kommt so ein abfall nicht auf den pc ,spart euch die Portierung ,danke.
      • Von Faboan Anfänger/in
        zombiespiele werden nie langweilig.das endzeit/apocalypse setting ist immer wieder geil.
        es ist zudem ein paradebeispiel für die lächerlichkeit der spieleindustrie.da kommt einer,haut ne mod für eine in die jahre gekommene militärsimulation raus und muss der industrie damit erstmal zeigen wo der hase langläuft.dann geht das nachmachen ala china fleissig los!

        ich hoffe dass in zukunft mehr crowdfunding-projekte wie star citizen und co an den start gehen und den abschaum der industrie geschickt links liegen lassen.
      • Von Malifurion Mitglied
        Zitat von MichaelG
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.
        Naja, Zombie ist derzeit In. Flaut auch irgendwann mal wieder ab. Aber es gibt halt so Phasen, wo irgendein Genre wieder zurückkehrt. Und diesmal sind es die Untoten. Egal ob im Film (WWZ) oder bei Games (Last of Us, das hier), offenbar ist der Zombie derzeit mehr gefragt als alles andere.
      • Von MichaelG Mitglied
        Hoffentlich überspannen die Publisher den Zombie-Zug nicht. Gefühlt jeden Monat kommen 2-3 Zombie-Spiele heraus. Spiele wie The Walking Dead, The Last of Us und State of Decay sind wirklich gut. Aber bietet das Metier auch weiterhin genügend Stoff für neues ? Ich zweifle da etwas daran.
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