The Incredible Adventures of Van Helsing im Test: Überraschungs-Hit mit kleinen Schwächen
The Incredible Adventures of Van Helsing im Test: Wie aus dem Nichts versucht sich das kleine Indie-Studio Neocore Games mit den etablierten Großen des Hack&Slay-Genres zu messen. Hat The Incredible Adventures of Van Helsing das Zeug, Diablo 3 und Torchlight 2 zu schlagen? Unser detaillierter PC Games-Test zum Action-Rollenspiel samt Video klärt auf!
Wer gerne im Mehrspielermodus auf Item- und Monsterjagd geht, der sollte vom Kauf von The Incredible Adventures of Van Helsing vorerst Abstand nehmen: Der Koop-Modus für vier Spieler leidet im Moment noch unter zahlreichen Fehlern. Wer dagegen auf der Suche nach einem rundum gelungenen Einzelspielerabenteuer mit einem kecken NPC-Begleiter, jeder Menge Loot und einem tiefschürfenden Skillsystem ist und dafür nur 15 Euro ausgeben möchte, der ist bei dem überraschend wertigen Indie-Spiel aus dem Hause Neocore Games bestens aufgehoben.
Darum geht's: In The Incredible Adventures of Van Helsing spielt ihr ulkigerweise nicht Van Helsing, sondern dessen Sohn. In dessen Haut klickt ihr an der Seite einer geisterhaften Begleiterin namens Katarina tausende Monster tot. Dabei betrachtet ihr das Geschehen aus der für Hack&Slays üblichen Von-Oben-Sicht. Die ganzen zu meuchelnden Bestien tummeln sich in und um die fiktive osteuropäische Stadt Borgovia herum. Ein wahnsinniger Professor führt dort bösartige Experimente an Werwölfen und anderen Untieren durch, ohne Rücksicht auf Bevölkerung oder Luftschutzbestimmungen zu nehmen.
Info: Kopierschutz
The Incredible Adventures of Van Helsing ist ein Download-Spiel; eine Box-Veröffentlichung ist derzeit nicht geplant. Den Download gibt es exklusiv auf Steam, dementsprechend benötigt ihr ein Steam-Konto und eine Internetverbindung zur Installation. Danach läuft The Incredible Adventures of Van Helsing auch im Offline-Modus.
Das hat uns gefallen
Interessantes Szenario mit schöner Atmosphäre
Quelle: PC Games
The Incredible Adventures of Van Helsing im Test (3)
Borgovia ist ein faszinierender Ort mit einer ganz eigenen Stimmung. Am ehesten erinnert The Incredible Adventures of Van Helsing noch an den Beginn der Industrialisierung, abgemischt mit einem guten Schuss Fantasy: Dampfmaschinen, mechanische Apparaturen und Robotersoldaten existieren Seite an Seite mit magischen Irrlichtern, Vampiren und einer mysteriösen Paralleldimension namens Tinte. Der stets passende Soundtrack (der allerdings ein paar zusätzliche Stücke vertragen könnte) und viel Liebe zum Detail seitens der Entwickler erwecken diese Welt zum Leben. Das einfallsreiche Gegnerdesign beeindruckt ebenso wie viele lustige Anspielungen auf bekannte Bücher, Filme und Spiele, von Per Anhalter durch die Galaxis bis Portal. Die detaillierte 3D-Grafik tut ihr Übriges, auch wenn manche Effekte schwachbrünstig wirken. Dafür überzeugt das Design der (stets gleichen und nicht zufallsgenerierten) Levels mit vielen hübschen Details.
Gut zu steuernde, dynamische Gefechte
Die Kampfmechanik in The Incredible Adventures of Van Helsing ist solide und fehlerlos: Mit den Maustasten lasst ihr Schläge auf Gegner hageln oder schickt einen Kugelhagel aus der Distanz auf die Reise. Die Maustasten lassen sich frei mit erlernten Skills belegen, zur Schnellauswahl taugen die F-Tasten, mit Tab und R wechselt ihr zwischen verschiedenen Talent- und Waffensets, WASD erlaubt fixen Zugriff auf Spezialangriffe und Heil- oder Manatränke. Die zu Beginn noch recht statischen Kämpfe gewinnen schnell an Rasanz, was an vielen Flächenangriffen der Widersacher liegt. Egal ob ein Spinnendämon Stalaktiten von der Decke regnen lässt oder ein als Bossgegner gekennzeichneter Riesenwurm die Erde unter den Füßen des Helden aufwühlt: Farbliche Anzeigen weisen auf bevorstehende AoE-Angriffe (Area of Effect) hin. Vom Spieler wird flinkes Ausweichen verlangt. Ein Gegnertyp verlangt von euch sogar, dass ihr ihn von der Seite oder von hinten angreift, da seine vordere Panzerung extrem dick ausfällt.
Motivierendes Levelsystem
Quelle: PC Games
The Incredible Adventures of Van Helsing im Test (7)
Für besiegte Monster gibt es Erfahrungspunkte, dieses Prinzip ist so alt wie der Genre-Gründervater Diablo. Mit genug Erfahrungspunkten steigt der Spielcharakter ein Level auf, das ist auch in The Incredible Adventures of Van Helsing so. Die Zeit zwischen diesen Levelaufstiegen ist gerade richtig gewählt, der Stufenfortschritt stets Anlass großer Freude. Das liegt auch an den vielfältigen Verbesserungsmöglichkeiten, die sich eurem Charakter bieten. So steigert ihr neben den Attributpunkten auch Van Helsings Fähigkeiten, die in zwei verschiedene Skill-Bäume sowie weitere, gegen Gold erlernbare passive Auren (höherer kritischer Schaden, schnellere Lebenspunkteregeneration, etc.) und aktive Tricks (Heilung, Zeitstopp und so weiter) eingeteilt sind. Beim Levelaufstieg könnt ihr schon mal mehrere Minuten mit der Entscheidung verbringen, wie ihr eure gewonnenen Skillpunkte am besten anlegt – die Auswirkungen sind stets merklich.
Zusätzlich verdient ihr euch in unregelmäßigen Abständen auch noch sogenannte Boni: Einmalige Perks, die euch einen besonders mächtigen passiven Vorteil verleihen, etwa eine zusätzliche Inventarseite, weitere Skillpunkte oder 50 Prozent mehr kritischen Schaden. Mit einmal ausgewählten Boni müsst ihr anschließend leben. Anders sieht die Sache bei den normalen Talenten aus: Eine Respec-Option erlaubt euch jederzeit, Skills gegen eine kleine Gebühr zurückzubilden und mit den zurückgewonnenen Punkten andere Talente auszubauen.
Bergeweise Gegenstände / Komfortables Inventar
Quelle: PC Games
The Incredible Adventures of Van Helsing im Test (1)
Neben Erfahrungspunkte sind magische Rüstungen, Schwerter oder Ringe der wichtigste Belohnungsfaktor in einem Action-Rollenspiel. The Incredible Adventures of Van Helsing schüttet euch mit mächtigen Items zwar nicht derart zu wie das in dieser Hinsicht komplett verrückte Torchlight 2, dennoch findet ihr jede Menge nützlichen Kram. Bereits auf den ersten paar Levelstufen stoßt ihr zudem auf den ein oder anderen einzigartigen Gegenstand. Diese "episch" genannten Items besitzen in The Incredible Adventures of Van Helsing mehrere geheime Boni, die erst aktiv werden, wenn ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllt habt. So muss euer Charakter etwa erst 250 Monster niederstrecken, während er den "Hut des Fuchses" trägt, bevor dieses Kleidungsstück nicht nur Van Helsings Geschicklichkeit, sondern auch seinen Verteidigungswert verbessert.
Alle Gegenstände (auch seltene, epische und Set-Items) lassen sich zusätzlich zu ihren Basiseigenschaften weiter verbessern: Bei NPCs in Lagern dürft ihr die Items nicht nur verzaubern, sondern sie auch mit magischen Essenzen bestücken. Deren Boni sind aber recht langweilig gestaltet und Gegenstände mit Essenzkapazität sind rar gesät. Zudem schlagt ihr euch auch ohne diesen Hokuspokus ganz gut, jedenfalls in den unteren beiden der vier Schwierigkeitsgrade. Erst auf "Hart" und "Heroisch" spielen die Essenzen eine größere Rolle.
Unabhängig vom Schwierigkeitsgrad ist das Ausrüstungs-Management in The Incredible Adventures of Van Helsing hervorragend gelungen: Das Inventar ist geräumig, für überschüssige Ausrüstung steht eine Kiste bereit und zahllose Tastenkürzel sowie intelligente Tooltipps machen den Vergleich verschiedener Ausrüstungsteile zum Kinderspiel. Zudem ist es kinderleicht, Ausrüstung an Katarina weiterzugeben.
Liebenswerte und nützliche NPC-Begleiterin
Quelle: PC Games
The Incredible Adventures of Van Helsing im Test (8)
Katarina wer? Die Geisterdame von adeligem Geschlecht begleitet euch das gesamte Abenteuer über und liefert sich einige denkwürdige Rededuelle mit Van Helsing. Die beiden Charaktere protzen mit guter englischer Sprachausgabe, unentwegt fliegen Sticheleien und gutmütige Scherze zwischen den zwei hin und her – das ist klasse und etwas ganz Neues im Genre!
Katarina spricht aber nicht nur, sie besitzt auch alle Vorteile der Haustiere aus Torchlight 2: Katarina verfügt sowohl über eigene Ausrüstungs-Slots als auch über ein Inventar, in das ihr überzähligen Tand verschieben könnt. Auf Knopfdruck kehrt die Dame selbstständig ins nächste Dorf zurück, verkauft den Krempel und bringt eine zuvor festgelegte Anzahl von Heil- oder Manatränken sowie das erwirtschaftete Gold mit. Dank umfangreicher Verhaltensoptionen bestimmt ihr zudem, ob Katarina Gegner im Nah- oder Fernkampf angreift oder Van Helsing passive Boni beschert. Ihr legt auf Wunsch sogar fest, dass sie automatisch Gold oder Gegenstände einer bestimmten Güte einsammelt. Selbst ein Maximalwert für selbstständig aufgeklaubte Items lässt sich festsetzen! Das ist unheimlich komfortabel und praktisch.
Das ist aber noch nicht alles, denn Katarina sammelt auch noch eigenständig Erfahrung und steigt ebenfalls im Level auf: Auch für eure Begleiterin verteilt ihr Attributs- und Skillpunkte. Ihre Fähigkeiten sind allerdings ausschließlich passiver Natur. Boni auf Van Helsings Angriffsgeschwindigkeit oder Manaregeneration wirken auf den ersten Blick unspektakulär, sind in den höheren Schwierigkeitsstufen aber Gold wert.
Gelungenes Zorn-System
Neocore Games hat sich für sein erstes Action-Rollenspiel eine interessante Mechanik einfallen lassen, um die Gefechte anspruchsvoller als in anderen Hack&Slays zu gestalten: das Zornsystem. Mit jedem erschlagenen Gegner füllt sich die Zornleiste eures Charakters. Diese dritte Ressource neben Lebensenergie und Mana dient dazu, sogenannte Power-Ups zu aktivieren. Jeder Skill verfügt über bis zu drei Power-Ups, die ihr durch Punkteinvestition freischaltet. Im Kampf wählt ihr per Klick oder mit den Zifferntasten die gewünschten Power-Ups aus – der nächste Angriff mit der ausgewählten Fähigkeit erfolgt dann mit diesen Power-Ups, was die Grundfähigkeit immens verstärkt und in deutlich höherem Schaden oder einer kurzen Betäubung aller getroffenen Widersacher resultiert.
Durch bestimmte passive Skills ist es zudem möglich, den Helden bei Verwendung von Zorn-Energie zu heilen, was dem Einsatz der Power-Ups eine taktische Note verleiht. Das einzige Problem an diesem interessanten System: Das Spiel erklärt die Power-Ups und besonders deren Auswahl sowie den Schnellabruf zuvor benutzter Power-Ups per Leertaste nur unzureichend. Da ist die Experimentierfreude des Spielers gefragt!
Guter Umfang zum fairen Preis
Wer The Incredible Adventures of Van Helsing so wie wir komplett durchspielt, alle Nebenquests erledigt und keine Gelegenheit zum Monstermetzeln auslässt, ist gut 15-20 Stunden beschäftigt. Wir waren dabei auf dem dritthöchsten von vier Schwierigkeitsgraden unterwegs. Falls ihr zu der Sorte Spielern gehört, die Wert auf ein möglichst gutes Preis-/Leistungsverhältnis legen, werdet ihr hier gut bedient: The Incredible Adventures of Van Helsing kostet knapp 15 Euro, das sind weniger als ein Euro pro Spielstunde.
Launige Tower-Defense-Einlagen
Im Spielverlauf erhaltet ihr Zugang zu einem unterirdischen Labor in der Kanalisation von Borgovia. Dort dürft ihr ein Labyrinth mit Fallen ausstatten, für die ihr zuvor Generatoren baut, Maschinenteile sucht und Baupläne besorgt. Die ganze Arbeit zahlt sich aus, wenn es daraufhin zwei Mal zu kurzen, aber überaus spaßigen Tower-Defense-Missionen kommt. Dabei gilt es, die Labyrinth-Ausgänge gegen drei Wellen mit jeweils mehreren hunderten Monstern zu verteidigen, die wie in einem Tower-Defense-Spiel auf festen Bahnen in Richtung Ziel voranrücken.
Die lustig designten Fallen wie aufeinander zu fahrende Wände oder im Boden versteckte Fleischwölfe dezimieren die Feindmassen, während ihr mit eurem Charakter hektisch von einem Brandherd zum anderen rennt. Eine wunderbare Idee, die im Spiel für unseren Geschmack aber gerne noch prominenter zum Einsatz hätte kommen können!

Mit Steam only denke ich, gehen ihnen sicherlich einige potentielle Käufer durch die Lappen!
Steht doch im Test ;)
Stand gestern Abend (mit aktuellem Patch v1.1.00b: Ab und zu kann zwar mal eine Partie zustande kommen, aber es gibt jede Menge Lags, Verbindungsabbrüche und seltsame Bugs (Spielfigur reagiert nicht auf Mausklicks, Online-Charakter lässt sich erst gar nicht erstellen). Daher mein Rat: Finger weg vom Koop-Modus, damit hat man zurzeit einfach keinen Spaß.
Wer Lust auf ein gutes Hack n Slay hat, kann zugreifen. Wer hunderte Stunden Items grinden will, liegt falsch.