Remember Me im Test - Spannend und atmosphärisch, aber mit einigen Macken

14
Test Uwe Hönig - Redakteur Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Ehrgeizige Sci-Fi aus Frankreich: Kluge Gedankenspielerei oder ein Action-Adventure zum Vergessen? Ein neuer Entwickler debütiert mit einem fesselnden Zukunftsabenteuer, das aber einige Macken und Mängel hat. Welche das sind und ob sich Remember Me dennoch für euch eignet, verrät euch unser Test.

Gute Spiele beginnen mit guten Ideen und so eine hatte Dontnod Entertainment. Für ihr Erstlingswerk Remember Me hat sich das französische Newcomer-Team nämlich eine Menge vorgenommen: ein Action-Adventure mit origineller Cyberpunk- Story, guter Grafik, filmartiger Inszenierung und flotten Nahkämpfen, dazu Akrobatik, Schleichen und Rätseleinlagen. Ehrgeizige Ziele, die große Erwartungen weckten – leider werden nicht alle davon erfüllt.

Paris im Jahr 2084. Eine Zukunft, in der die Bevölkerung unter ihrem Fortschritt ächzt, in der ein Firmengigant namens Memorize das menschliche Wesen zum Konsumgut vermarktet hat. Sogenannte Gedankenjäger können die Erinnerungen von Menschen nämlich mit futuristischen Apparaten abzapfen, manipulieren, rauben oder löschen. Auch Nilin, Heldin des Spiels, ist eine solche Jägerin – sie erwacht zu Beginn ohne ihre eigenen Erinnerungen in einer schaurigen Anstalt von Memorize. Wieso sie dort ist, wer in ihrem Geist herumgepfuscht hat und warum Paris mehr und mehr von einer Art geisteskranker Zombies überrannt wird – quälende Fragen, auf die Nilin Antworten finden soll.

Was als spannendes Rätsel beginnt, entpuppt sich als unausgegorene Sci-Fi-Story, die häufig über ihre eigenen Ansprüchen stolpert. So fällt es schwer, sich mit der unnahbaren Nilin zu identifizieren: Sie verprügelt Feinde, klettert lässig an Häuserfassaden entlang, bricht in Gefängnisse ein, jagt böse Firmenbosse und legt die halbe Stadt in Schutt und Asche – schön inszeniert, doch ihre Motivation bleibt dabei kaum nachvollziehbar. Zudem steckt die Handlung voller Logiklöcher und wird so sprunghaft erzählt, dass der rote Faden oft auf der Strecke bleibt. Mehrmals muss Nilin in die Psyche bestimmter Nebencharaktere eindringen und deren Erinnerungen manipulieren. Diese Abschnitte funktionieren wie kleine Filme, die man beliebig vor- und zurückspulen kann, um so Details abzuändern. Beispielsweise muss Nilin die Erinnerung an eine Autofahrt verfremden, sodass die Szene in einem tragischen Unfall endet, um der Fahrerin auf diese Weise Schuldgefühle einzuimpfen. Originell und gut inszeniert! Spielerisch sind diese Momente jedoch banal, da man nicht mehr tut, als den Film an manchen Stellen zu pausieren und vorgegebene Hotspots zu aktivieren.

Auch wenn die Story schwächelt, rettet die prächtige Kulisse viel Atmosphäre: Neo-Paris ist ein sehenswerter Ort mit detailverliebten Gassen, toller Architektur, stimmungsvoller Beleuchtung und so manchem Panorama, das gerahmt auch einen prima Wandschmuck abgeben würde. Passend zum Look wird die finstere Zukunftsvision von einem guten Soundtrack untermalt, der geschickt orchestrale Klänge mit elektronischen Einflüssen vermixt. Die storylastige Inszenierung hat jedoch ihren Preis: streng lineares Leveldesign. Sammelbare Upgrades sind rar gesät, Zusatzaufgaben, Seitenpfade oder Wahlfreiheit sucht man vergebens. Auch die vielen Kletterpartien durch die Pariser Häuserschluchten laufen wie auf Autopilot ab, denn ein Zielanzeiger gibt immer vor, wann der Spieler an welche Stelle springen muss.

Diese strenge Spielerführung ist jedoch nötig, da die Kamera beim Kraxeln meist feste Winkel einnimmt. Das sorgt zwar für schöne, filmartige Momente, macht präzise Sprünge aber fast unmöglich. Bei Fußmärschen darf man die Kamera natürlich selbst bewegen, doch da hängt sie vor allem in Innenräumen zu nah an der Spielfigur dran und muss dann von Hand nachjustiert werden. Besonders in Kämpfen kann das nerven, da Nilin es oft mit mehreren Gegnern zu tun hat – schlimmstenfalls sieht man einen Angreifer zu spät, weil die Kamera wieder nicht den richtigen Bildausschnitt getroffen hat.

Remember Me im Test: Das atmosphärische Action-Adventure leidet unter einigen Macken. (11) Quelle: Capcom Remember Me im Test: Das atmosphärische Action-Adventure leidet unter einigen Macken. (11) Hat man sich aber erst mal daran gewöhnt, gehen die Gefechte ordentlich von der Hand. In den Grundzügen erinnert das Nahkampfsystem an das von Arkham City, allerdings ohne dessen Tiefgang zu erreichen. Neben akrobatischen Ausweichmanövern und einer Gedankenknarre beherrscht Nilin nämlich nur zwei Basisattacken: Schläge und Tritte. Diese reiht man zu vier simplen Kombo-Attacken aneinander. Aktives Blocken, Würfe oder Konter gibt's schlichtweg nicht, darum werden die Gefechte auf Dauer etwas eintönig. Einzige Besonderheit: der Kombo-Editor, in dem man den Angriffsserien verschiedene Farben zuweist, die für unterschiedliche Effekte stehen. Je nach Färbung kann ein Tritt oder Hieb dann etwa Schaden anrichten, Lebenspunkte auffüllen oder den Cooldown für Nilins wichtige Spezialfähigkeiten verkürzen. Letztere werten die Kämpfe deutlich auf, da man dank ihnen ganze Gegnergruppen wegsprengen oder besonders viel Schaden austeilen kann – das verleiht den Prügeleien einen Hauch von Taktik.

Mehrmals im Spiel muss Nilin sich an Wachdrohnen vorbeischleichen. Da diese Stellen aber stets kinderleicht ausfallen, kommt dabei keine Spannung auf. Oft müssen auch kleine Rätsel gelöst werden, darunter simple Schiebeaufgaben, Schalterknobeleien – und zwei knackige Texträtsel. Eines von denen hat gegen Spielende jedoch arg unter der deutschen Übersetzung gelitten, die clever konstruierte Aufgabe gerät so unnötig schwer. Daher: Wer an der Stelle nicht weiter weiß, sollte die Sprache (per Steam) auf Englisch stellen, das hilft.

Remember Me im Test: Das atmosphärische Action-Adventure leidet unter einigen Macken. (6) Remember Me im Test: Das atmosphärische Action-Adventure leidet unter einigen Macken. (6) Überhaupt ist die deutsche Fassung trotz einiger engagierter Sprecher nicht ganz rund geraten: Manche Formulierungen wirken unglücklich, einige Figuren (etwa Nilins Auftraggeber Edge) sind mäßig besetzt, zudem ist das Gesprochene oft nicht lippensynchron und wirkt abgelesen. Die englische Fassung ist deutlich besser gelungen. Mit acht bis zehn Stunden ist die Spielzeit für ein lineares Action- Adventure noch fair bemessen. Der Wiederspielwert hält sich jedoch in Grenzen, nach dem Abspann hat man alles gesehen, was Remember Me zu bieten hat: ein ebenso holpriges wie ambitioniertes Action-Adventure mit vielen guten Ideen. Hoffentlich werden weitere folgen – dann aber in besserer Umsetzung.

Meinungen

Bildergalerie

Wertung zu Remember Me (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Remember Me (PS3)

Wertung:

7.5 /10
Pro & Contra
Anfangs vielversprechende Handlung mit cooler GrundideeNeo-Paris als fantastisch designte SpielumgebungSolider Mix aus Action, Klettern und StorytellingHochwertige Inszenierung, stimmungsvoller SoundtrackSimple, aber originell gemachte Erinnerungssequenzen
Streng linearer Spielablauf mit beengten LevelsStory wird zunehmend unlogisch und schwer nachvollziehbar.Solides, aber zu schlicht geratenes KampfsystemAnspruchsloses Klettern, banale SchleicheinlagenHäufige Kameraprobleme in allen SpielbereichenMaussteuerung in Menüs und bei der Zielauswahl ungenauDeutsche Übersetzung und Synchronisation mit Schwächen
14
    • Kommentare (14)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von StephanReis Spiele-Novize/Novizin
        linear wie ein Streichholz LOL
      • Von StephanReis Spiele-Novize/Novizin
        linear wie ein Streichholz LOL
      • Von MichaelG Mitglied
        Eins vorab: Mir gefallen sowohl Metro wie auch Remember me. Zudem sind beide nicht miteinander vergleichbar. Da eher würde ich noch ein Metro mit Stalker vergleichen wollen.

        Der Punkt an Remember me ist, daß das Spiel in gewissen Punkten an unterschiedliche Filme erinnert (Total Recall, Matrix was den hinteren "Nackenanschluß" betrifft, eine Prise Deus Ex schwirrt aber auch durch den Raum. Dazu ein stellenweise ein Architekturdesign mit Art Deco Anklängen, das man auch bei Bioshock hätte finden können. Das ganze ist aber so subtil und gut mit der Idee vermischt, daß ich nicht von Ideenraub würde sprechen wollen.

        Remember me bietet eine frische Idee. Sicher nicht in allen Belangen perfekt umgesetzt, etwas zu kurz aber wesentlich besser als der gefühlte 10 Mionste Aufguß anderer Storyideen.

        Ich hoffe daß Remember me beim Verkauf erfolgreich genug ist, daß man einen Nachfolger angeht.

        Das Szenario um die Metro fand ich schon in Gluchowskys Romanen genial (Metro 2033, Metro 2034). Die Spielumsetzung fand ich ebenso spitze, ärgere mich nur, daß beide Spiele a) arg kurz geraten sind und man b) bei den Interaktionen zu wenig Möglichkeiten besitzt. Ansonsten ist auch dieses Szenario für mich sehr gelungen.
      • Von candymanXXL Spiele-Novize/Novizin
        Zitat
        ähm ja ne is klar, ein Klassicher Fanboy, schreibt was von Unprofessionell weil man sagt dass sein lieblingsspiel nicht gut ist, und weil man Fanboy ist muss man auch nicht auf den Test eingehen und die Kritikpunkte widerlegen
        Deine Beobachtungsgabe ist erstaunlich. Deine Analysen pregnant, knackig und präzise. Bist Du Therapeut?

        Erstens bin ich mit fast 50 sicher kein Boy mehr und zweitens ist es einfach so, das Dir Metro besser gefällt und mir eben Remember me. Ich habe meine Meinung gesagt und Du Deine und das wars. PUNKT!

        Jeder soll für sich entscheiden. Ich spiele seit Duke Nukem (DOS Game) und ich hab wirklich hunderte Games gespielt und jeder hat so seine Favoriten. Das ist auch gut so, denn sonst würden wir alle nur COD usw. spielen.
        Jedoch unterscheiden wir uns grundsätzlich. Ich würde Dich nie als FANBOY bezeichnen, nur weil Dir etwas anders mehr zusagt als mir.
        Es gibt ja auch Leute, die für ein Bild hunderdtausende Euros ausgeben und ich würd es mir nicht mal aufs Scheisshaus hängen.:-$
        Ich weis, das es schwierig ist, aber trotzdem kann man sich neutraler verhalten und auch neutraler bewerten.

        4Players gibt 68%
        Gamestar gibt 81%
        PC Games gibt 72%

        also was nun?
        Also ich kann es empfehlen für Leute, die mal was anderes zocken wollen als die üblichen Titel.
        Im übrigen finde ich, das die Story zwar etwas schräg ist, jedoch am Thema "MENSCH" und seine Wahnvorstellungen mindestens genauso ins Schwarze trifft, wie METRO!
      • Von Enisra Mitglied
        ähm ja ne is klar, ein Klassicher Fanboy, schreibt was von Unprofessionell weil man sagt dass sein lieblingsspiel nicht gut ist, und weil man Fanboy ist muss man auch nicht auf den Test eingehen und die Kritikpunkte widerlegen
        ja schön, es hat eine Innovation, aber dummerweise macht das bei weitem kein gutes Spiel, danach würden viele Spiele besser darstehen die auch irgendein Gimmik haben, aber einfach keinen Spaß machen oder nichts bringen. Das ist wieder dieser schlechte Innovationswahn wo man meint das nur wenn ein Spiel ein Gimmik hat, es gleich 20 Punkte mehr verdienen müsste, nur das dieses Gimmik nicht gut umgesetzt wurde, 5 mal und nur ein fester Plan wie man eine Erinnerung manipulieren kann haben es gekillt.
        Auch ist der Versuch mit dem Metrotest zu kontern so "toll" gelungen wie die Erinnerungsmanipulation, denn dummerweise übersiehst das offensichtlichste was Metro besser macht, Metro erzählt eine packende Geschichte die eben doch wichtiger ist als irgendwelche Innovationen von Gimmiks und vorallem nicht die gleiche ist und damit die Behauptung das es ein Abklatsch sei weil scheinbar man auch das "gleiche" macht wie im ersten Teil als Falsch widerlegt. Außerdem hat Metro immerhin einen Grund Liniear zu sein
      • Von candymanXXL Spiele-Novize/Novizin
        Ich finde Eure Bewertung ziemlich unprofessionell. Endlich gibt es mal ein innovatives Spiel, das eine Abwechslung zu dem übrigen Einheitsbrei ist und Ihr vergebt 72%.
        "Gamestar" bewertet in der Regel kritischer als Ihr, aber selbst die geben über 80%.
        Aufgrund Eurer Bewertung lassen sich viele hier abschrecken und kaufen das Spiel nicht. Also wird es vielleicht wieder floppen und dann kehren wir endlich wieder zur Tagesordung ala´COD zurück. Nur nix Neues zulassen und gleich voll darauf einprügeln.

        Sicher hat das Spiel seine Macken, aber es macht großen Spaß und sieht sehr gut aus. Die einzig wirkliche Macke ist die Kamera, aber soooo schlimm ist es nun auch wieder nicht. (Wer Dark Soul auf PC gespielt hat, der weiß was ein besch.... Konsolenport ist)

        Und eines ist gewiss, es macht um einiges mehr Spaß als Metro Last Light, wo man hier ja 84% vergeben hat. Metro LL ist ein Abklatsch von Teil 1 und wieder das selbe wie gehabt.
        "Remember me" ist erfrischend, schräg, und abgefahren. Teils knackige Rätsel und bei den Kämpfen muß man mit den Kombos taktieren. Sicher, es kann schon vorkommen, das man 5 - 10 Minuten am Stück kämpft und dies auch überleben sollte, aber es kommt kein Frust auf, da die Bosskämpfe teilweise sogar 3 Speicherpunkte haben.

        Desweiteren ist mir ein Rätsel wie manche auf 8 Std. Spielzeit kommen. Nach 8 Stunden war ich bei 64% Fortschritt.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk