Hänsel & Gretel - Hexenjäger in der Filmkritik: Wenn Hollywood Grimm-Märchen zerstört

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Special Sven Huber - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen

Die Gebrüder Grimm, treue Begleiter glücklicher Kindertage. Nahezu jeder kennt die Märchenklassiker, die Mama und Papa früher vor dem Einschlafen vorgelesen haben. Von Schneewittchen über Rotkäppchen bis hin zu Hänsel und Gretel. Letzteres wurde nun wieder aus der Märchenkiste gekramt und mit einer Hollywood-Neuauflage bedacht. Gamezone-Autor Sven Huber hat sie im Kino gesehen.

Sicher kennen die meisten von euch die Geschichte von Hänsel und Gretel noch aus der Kindheit. Zwei arme kleine Kinder vom Vater wegen akuter Geld- und Lebensmittelknappheit, und mangels damaliger Hartz IV-Unterstützung, im tiefen Wald ausgesetzt, dort von einer fiesen Hexe mit merkwürdigen Essgewohnheiten aufgegriffen. Hänsel wird gemästet mit allerlei Süßigkeiten und Gretel muss im Haushalt schuften. Das Ende vom Lied: Die Hexe wird verarscht und im eigenen Ofen knackig zum Braten verarbeitet...Tim Mälzer hätte seine helle Freude. Die Kinder kehren glücklich heim und das Märchen endet mit der klassischen Phrase: ...und wenn sie nicht gestorben sind...

Schön und gut, aber wie geht es mit den beiden weiter? Immerhin dürften die Kinder schwer traumatisiert sein und die Super-Nanny wurde erst Jahrhunderte später von RTL erfunden. Der Film des Norweges Tommy Wirkola greift genau diese Frage auf. Moment, Tommy Wirkola? Wer ist das denn? Gute Frage. Die Vita dieses Regisseurs ist bislang ausgesprochen kurz und vermutlich kennen lediglich Genrefreunde einen Titel: Dead Snow, eine launige Splatterkomödie mit Nazizombies. Dieser unbekannte Regisseur nimmt sich nun also des deutschen Märchenguts an und zeigt uns, wie die Geschichte von Hänsel & Gretel weitergeht. Seit dem 28.2. dürfen wir im Kino nun die Hollywood-Version Hänsel & Gretel: Hexenjäger erleben.

Nachdem die beiden also nun die Hexe gegrillt haben, passiert genau das was passieren muss. Die Kids werden zu gefeierten Hexenjägern und machen es sich zur Lebensaufgabe, das dämonische Weibsvolk auszurotten. Die Tatsache, dass die beiden gegen Hexenzauber und Flüche immun sind, kommt dabei recht gelegen. Das alleine würde aber wohl kaum eine der Teufelsbuhlen beeindrucken. Dementsprechend verfügen die beiden über ein stattliches Arsenal an Schnellfeuerarmbrüsten, Schrotflintenbuchsen, mittelalterlichen Gatlingguns und zusammenfaltbaren Sniper-Gewehren.

Da wohl die meisten Literaturfreunde nun bereits am keuchen im Todeskampf an der Tischkante hängen, dürfte auch klar sein für wen der Film gedacht ist. Wirkola präsentiert hier keine moderne Märchenhommage wie zuletzt Tarsem Singh mit Spieglein Spieglein sondern eine völlig überdrehte Fantasyschlachtplatte im Stile eines Van Helsing, Brothers Grimm oder Solomon Kane. Jeremy Renner, zuletzt gesehen als Shield-Superagent Hawkeye oder CIA-Kampfmaschine im neusten Teil der Bourne-Reihe, gibt den taffen Hänsel. Gretel wird verkörpert durch eine niedliche Gemma Arterton, Genrefreunden bekannt als Bondgirl oder kratzbürstige Prinzessin in der Videospielverfilmung Prince of Persia. Als große Nemesis tritt Famke Janssen auf, die den meisten wohl als Jean Grey in den X-Men-Filmen bekannt sein dürfte.

Leider nur blasses Eyecandy...Gretel Quelle: Paramount Pictures Leider nur blasses Eyecandy...Gretel Im Prinzip also kein schlechter Cast, sollte man meinen. Während Renner wenigstens noch mit ein paar coolen Onelinern punkten kann, bleibt Arterton lediglich blasser Eye-Candy und ein Versuch, pubertierenden Nerds eine neue Vorlage für feuchte Träume zu bieten. Janssen, als fiese Oberhexe, schwankt zwischen purer Pflichterfüllung und (zugegeben witzigem) Overacting. Jedoch möchte man in beinah jeder ihrer Szenen laut rufen: "Holt Professor X, Dark Phoenix spinnt wieder rum". Ein Stigma welches Sie wohl nicht so schnell wieder los wird solange sie in ähnlich gelagerten Filmen auftritt.

Die Story des Films passt im Prinzip locker auf einen Bierdeckel (hochkant aufgestellt!) und kommt aus dem 08/15-Baukasten für Fantasy-Comic-Videospielfilme. Böse Hexe plant, während einer Mondfinsternis einen Zaubertrank zu brauen der immun gegen Feuer, und damit den Scheiterhaufen, macht. Hänsel und Gretel decken den Plan auf und mischen gepflegt den Hexensabbat auf. Natürlich gibt es auch hier einen lustigen Sidekick und selbstverständlich macht einer der Helden (Hänsel) eine Erfahrung, die ihn dazu bringt sein Handeln zu überdenken und logischerweise gibt es einen Twist, der ein ganz anderes Licht auf alles wirft was man bisher dachte. Das Ganze wird stringent nach Schema F abgespult, ohne wirkliche Längen aber leider auch ohne wirkliche Highlights.

Überraschend ist der teilweise hohe Splatterfaktor bei einer Altersfreigabe von 16 Jahren. Der Soundtrack erinnert stellenweise an eine Mischung von Van Helsing und Sherlock Holmes (mit Robert Downey Jr.). Das Setdesign, ein mittelalterliches Augsburg, entstand komplett in den Babelsberger Filmstudios und verdient durchaus das Prädikat: liebevoll und stimmig. Die Hexen sind teilweise recht kreativ gestaltet, gerade beim Sabbat. Was die 3D-Effekte angeht, ohne die ja mittlerweile nicht einmal mehr ein Zwei-Personen Kammerstück auskommt, sind ebenfalls recht ansehnlich, beschränken sich aber auf die "Klassiker" wie Projektile und Körperteile, die auf den Zuschauer zu fliegen.

Phantasievolles Design beim Hexensabbat Quelle: Paramount Pictures Phantasievolles Design beim Hexensabbat Der Film hat ein großes Problem. Als Märchenhommage ist er zu überdreht und "videogamig" und als Fantasyspektakel zu unspektakulär. Die Dialoge beschränken sich auf Einzeiler, die Charaktere bleiben recht flach, auch wenn versucht wurde ihnen Tiefe zu geben. Die Darsteller agieren zwischen pflichtbewusst und übertrieben. Den Gipfel der Blödheit, wenn ich es mal so nennen darf, schießt der Regisseur aber mit folgendem ab, keine Angst es wird nichts von der Story gespoilert. Recht früh im Film wird gezeigt wie Hänsel sich regelmäßig eine Spritze setzt (die von der Größe eher zu nem Pferd gehört). Erklärt wird das damit, dass er ja als Kind von der Hexe gemästet wurde mit Süßigkeiten vom Pfefferkuchenhaus. Leider hat dies bei ihm eine Krankheit ausgelöst, gegen die er sich nun regelmäßig spritzen muss....ja der geneigte Leser wird es sicher schon erraten haben, was es wohl für eine Krankheit ist. Aber der Regisseur ist dann noch so dummdreist und lässt eine Nebenrolle den Satz sagen: "Ja du hast die Zuckerkrankheit." Spätestens an dieser Stelle ging ein synchrones Klatschgeräusch durch den Kinosaal, erzeugt von ca. 200 Händen die vor 200 Stirne geklatscht wurden. Facepalm, würde der Nerd sagen.

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    • Kommentare (11)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von meekee7 Anwärter/in
        Ja, ich kann die schlechten Kritiken nachvollziehen, ja ich sehe Mängel (teilweise bei den Effekten, teilweise beim Schnitt), ja die Dialoge sind überaus dünn, ja man kann sagen, dass es irgendwie ähm weniger Drehbuch als Story gibt.

        Trotzdem bin ich der Ansicht, dass die meisten Kritiken den Film schlechter machen, als er ist. Teilweise wird er schon als schlechtester Film des Jahres bezeichnet, aber dafür ist es zum einen etwas früh und zum anderen hätte es viel viel schlimmer kommen können. Ich würde sagen, dass der Film insgesamt leicht unterdurchschnittlich, für das Genreniveau leicht überdurchschnittlich ist.

        Die 3D-Effekte waren aber gut eingesetzt und zumindest bei mir hinreichend wirkungsvoll.
        Und die Grundidee ist doch recht originell.
        Und unterhaltsam (wenn man sich mit dem Genre anfreunden kann) war er für mich auch.
      • Von meekee7 Anwärter/in
        Ja, ich kann die schlechten Kritiken nachvollziehen, ja ich sehe Mängel (teilweise bei den Effekten, teilweise beim Schnitt), ja die Dialoge sind überaus dünn, ja man kann sagen, dass es irgendwie ähm weniger Drehbuch als Story gibt.

        Trotzdem bin ich der Ansicht, dass die meisten Kritiken den Film schlechter machen, als er ist. Teilweise wird er schon als schlechtester Film des Jahres bezeichnet, aber dafür ist es zum einen etwas früh und zum anderen hätte es viel viel schlimmer kommen können. Ich würde sagen, dass der Film insgesamt leicht unterdurchschnittlich, für das Genreniveau leicht überdurchschnittlich ist.

        Die 3D-Effekte waren aber gut eingesetzt und zumindest bei mir hinreichend wirkungsvoll.
        Und die Grundidee ist doch recht originell.
        Und unterhaltsam (wenn man sich mit dem Genre anfreunden kann) war er für mich auch.
      • Von JillValentine21 Mitglied
        Also ich fand den Film auch sehr lustig, er hat mich gut unterhalten. Die Aktion war super und die Charaktere auch.. Aber es stimmt der Film hat nur wenig mit dem ursprünglichem Märchen zutun was ich auch gut finde.

        Trotz allerdem fand ich persönlich war die Story sehr vorhersehbar.. Um einmal zwei Beispiele zu nenen und ACHTUNG SPOILER!!!

        Gleich zu Anfang im Knusperhaus als die Hexe dem Hansel einen Zauber entgegen geschleudert hat und dieser keine Wirkung hatte konnte ich mir denken, aha die Mutter der beiden muss eine Hexe sein und deswegen wirkt das nicht und deswegen hat sie die Kinder in den Wald geschickt..

        Der zweite Punkt mit der Rothaarigen Frau die als Hexe verdächtigt wurde aber keine Körperlichen Anzeichen dafür hatte.. Da war mir auch fast klar das muss eine gute Hexe sein..

        Aber der Film ist sehr sehenswert und auch stellenweise etwas lustig.. Kann man sich guten Gewissens anschauen.. Man darf allerdings nicht erwarten das Märchen von Hansel und Gretel erzählt zu bekommen xD
      • Von The_Final Nerd
        Zitat von LouisLoiselle
        Ich fand den Film deutlich unterhaltsamer, als Brothers Grimm, Red Riding Hood, Snowwhite und den ganzen Mist, der die letzten Jahre erschienen ist.
        Die ersten 5 min decken das Märchen ab, ein ganzer Film dazu wäre auch langweilig, da ja jeder die Geschichte kennt. Sie einfach nur kurz in einer Rückblende zu erzählen find ich daher sinnvoller.
        Hirn ausschalten, Popcorn holen und Spass haben. Das funktioniert bei Transformers, es funktioniert bei GI Joe, und es funktioniert auch hier.
        Kann ich nur zustimmen. Ich hab den Film eher zufällig gesehen (Sneak Preview), kannte aber die Trailer und hab einen trashigen Actionfilm im an ein Märchen angelehnten Setting erwartet. Genau das war der Film dann auch, und ich wurde größtenteils recht gut unterhalten. Klar ist der Film weder künstlerisch wertvoll noch hat er viel mit dem Grimm-Märchen zu tun, doch das sollte jedem, der die Trailer gesehen oder sich ein wenig über den Film informiert hat, von vornherein klar sein.
      • Von Silvos Stille/r Leser/in
        Also Herr Huber, ich will ja nicht päpstlicher als der Papst sein, aber wenn man einen Film kritisiert und dann die Literaturvorlage, auf die sich der Film - jedefalls ansatzweise - stützt, falsch zitiert, muss man sich schon die Frage stellen lassen, ob denn die zugrunde gelegte Recherche ausreichend war. Zugegeben, das Märchen "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm ist den Allermeisten allgemein bekannt; dass aber das Ende von "Hänsel und Gretel" das übliche "Und wenn sie nicht gestorben sind..." sein soll, entbehrt jeglicher Grundlage. Bekannt ist, dass sich die Gebrüder Grimm am Ende dieses Märchens ob dessen makaberen Inhalts einen nicht minder makaberen Scherz erlaubt haben: "Mein Märchen ist aus, dort lauft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine große große Pelzkappe daraus machen." (nein, bei dem "lauft" handelt es sich nicht um einen Rechtschreibfehler, vielmehr um die damals übliche Konjugation des Wortes "laufen"). Das erneute recherchebedingte Durchlesen der Literaturvorlage hätte Ihrem ansonsten amüsant geschriebenen Artikel sicher nicht geschadet.
      • Von OldShatterhand Mitglied
        Ich fand den Film deutlich unterhaltsamer, als Brothers Grimm, Red Riding Hood, Snowwhite und den ganzen Mist, der die letzten Jahre erschienen ist.
        Die ersten 5 min decken das Märchen ab, ein ganzer Film dazu wäre auch langweilig, da ja jeder die Geschichte kennt. Sie einfach nur kurz in einer Rückblende zu erzählen find ich daher sinnvoller.
        Hirn ausschalten, Popcorn holen und Spass haben. Das funktioniert bei Transformers, es funktioniert bei GI Joe, und es funktioniert auch hier.
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