Cloud Atlas: Alles nur gecloud oder Wolke 7 für Inception-Fans? Die Filmkritik zur Romanverfilmung mit Tom Hanks und Halle Berry
Tom Hanks, bist du's wirklich? Ach, und der Typ mit dem schütteren Haar und der Knollennase war Hugh Grant? Wer knapp drei Stunden Cloud Atlas hinter sich hat, sollte sich noch die fünf Minuten Abspann gönnen, in denen Regisseur Tom Tykwer (Das Parfüm) und die Wachowski-Geschwister (Matrix) ihre prominente Besetzung enttarnen - und zwar buchstäblich. PC Games hat das Monumental-Epos gesehen.
Wenn Cloud Atlas in zwei, drei Jahren seine Free-TV-Premiere in Deutschland feiert, wird ein Teil der Zuschauer ungefähr bei der ersten Werbepause wegzappen – und nicht zurückkehren. 20 bis 25 Minuten muss man dem Film geben, bis die wesentlichen Figuren eingeführt sind und man sich an den Erzählrhythmus gewöhnt hat. Ab diesem Zeitpunkt swingt's: Weil Cloud Atlas permanent zwischen den sechs Strängen der Geschichte springt, ist das Tempo extrem hoch und es gibt faktisch keine Längen. Wer David Mitchells zugrundeliegenden Roman Der Wolkenatlas nicht gelesen hat, muss sich nicht grämen: Das Regie-/Drehbuch-/Produzenten-Trio Tom Tykwer, Andrew Wachowski und Lana Wachowski hat den 700-Seiten-Wälzer in seine Einzelteile zerlegt, auf die wesentlichen Botschaften eingedampft und dann wieder komplett neu zusammengefügt.
Die sechs Stories und Schicksale umfassen 500 Jahre: Der Zuschauer erlebt…
- …einen jungen Anwalt Mitte des 19. Jahrhunderts, der sich auf einer Schiffsreise mit einem Maori anfreundet.
- … einen Nachwuchskomponisten, der in den 30er Jahren bei einem greisen Genie anheuert, sich aber schließlich mit ihm überwirft.
- … eine Enthüllungsjournalistin, die in den 70ern einer Kernkraftwerks-Verschwörung auf die Spur kommt
- … einem Verleger im Jahr 2012, der erpresst wird und sich in seiner Not an seinen Bruder wendet, der ihn in einem albtraumhaften Seniorenheim einquartiert.
- … den weiblichen Cyborg Sonmi 451, die im Jahr 2144 von einem Rebellen gerettet wird und einem finsteren Geheimnis auf die Spur kommt.
- … einen Ziegenhirten im Jahr 2346, der nach der Apokalypse mit der Botschafterin eines hochtechnisierten Volks anbandelt
Wähnt man sich in einem Moment in einer Szene aus Das fünfte Element, Matrix oder iRobot, wohnt man nur wenige Sekunden später einem Dialog unter Deck des Segelschiffs bei, um sich dann gleich danach zwischen Fönfrisuren und mächtigen Kotletten im San Francisco der Siebziger wiederzufinden. Wie das alles miteinander zusammenhängt, ist faszinierend zu beobachten. Über allem steht der Gedanke, dass jedes Verbrechen und jede gute Tat den Lauf der Dinge beeinflussen – quasi wie bei Zurück in die Zukunft, nur ohne Michael J. Fox und ohne Delorean.
Die Oscar-durchsetzte Topriege Hollywoods wechselt Haupt- und Nebenrollen, Charakter (gut/böse), Hautfarbe, Alter und sogar Geschlecht (überragend: Hugo Weaving als kratzbürstige Altenheim-Aufseherin) im Minutentakt. Neben Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbrent (Professor Slughorn aus den Harry-Potter-Filmen), Susan Sarandon, Hugh Grant, Ben Wishaw und Jim Sturgess (das Pokergenie neben Kevin Spacey aus 21) sind mit Martin Wuttke und Götz Otto auch einige deutsche Mimen im Einsatz – mutmaßlich ein kleines Dankeschön für die schier endlose Liste an Filmfördergeldern. Für einen kurzen Fremdschäm-Moment zumindest im hiesigen Kulturraum sorgt Katy "Walter" Karrenbauer, die so unvermittelt in einer Kneipenschlägerei auftaucht wie weiland Steffi Graf in Otto: Der Außerfriesische.
Abgesehen von einigen etwas dürftig anmutenden Spezialeffekten ist der 170-Minuten-Film eine wahre Augenweide; es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn da nicht zumindest eine Oscar-Nominierung für Kostüm, Maske und den einen oder anderen Mitwirkenden drin ist.
Cloud Atlas - ein Film für Leute, die es noch wochenlang beschäftigt, ob der Inception-Kreisel am Ende umkippt oder nicht. Man hat nach dem Abspann gute Lust, das Werk nochmal anzugucken und die Parallelen zu entschlüsseln – dann aber besser auf BluRay und nicht im Free-TV.
Cloud Atlas ist seit 15. November 2012 in den deutschen Lichtspielhäusern zu sehen.

Habe den Film jetzt auf Blu-Ray gekauft und noch mal angeschaut. Jetzt habe ich auch endlich das meiste verstanden :-D Bin da nicht immer ganz so schnell...
@Herbboy: Ich habe es so verstanden (korrigiert mich wenn ich falsch liege, der Film ist kompliziert): Die Botschafterin hat nur sehr begrenzte Mittel was Technik angeht. Sie wollen Kontakt zu außerplanetarischen Kolonien aufnehmen, da die ja Apokalypse überlebt haben und über genügend Mittel verfügen, um noch weitere Menschen zu versorgen.
Als sie auf dem Berg in dem Gebäude sind finden die beiden viele Zeichen von Sonmi, die ja nun als Göttin verehrt wird von den Hirten im Dorf. Das Licht dass dann ausgesendet wird bedeutet, dass Kontakt eben zu diesen außerplanetarischen Kolonien aufgenommen wurde (und es existieren tatsächlich welche!).
In Filme ab 12 dürfen dann ja sogar 6 Jährige rein, wenn die Eltern dabei sind...muss man nicht verstehen diese Regelungen
Und sobald der Film im 2. WK spielt (wie z.B. Unsre Väter, unsere Mütter werden solche Filme ab FSK 12 freigegeben, wo andere Filme bei gleichem Gewaltgrad eine FSK 18 aufgebrummt bekommen.
Was ich aber an der Story, die am weitesten in der Zukunft spielt, nicht verstanden hab: was ist das genau für eine Station oben auf dem Berg, was hat dieser Strahl zu bedeuten, der nach der Aktivierung in den Himmel schiesst? Und wieso ist die Botschafterin eines hochtechnisierten Volkes darauf angewiesen, die Hilfe eines einfachen Ziegenhirten in Anspruch zu nehmen und mit ihm den Berg raufzuklettern, anstatt einfach irgendein Fluggerät zu nehmen?
In Filme ab 12 dürfen dann ja sogar 6 Jährige rein, wenn die Eltern dabei sind...muss man nicht verstehen diese Regelungen