Das Testament des Sherlock Holmes im Test: Der bisher düsterste Fall für den Meisterdetektiv
Die Entwickler von Frogwares veröffentlichen mit Das Testament des Sherlock Homes bereits den sechsten Teil der Adventure-Reihe rund um den berühmten Meisterdetektiv. In unserem Test berichten wir euch von der neuen Geschichte, die diesmal wesentlich düsterer ausfällt, was sich auch auf den Gemütszustand von Sherlock Holmes auswirkt.
Das Testament des Sherlock Holmes ist bereits seit einiger Zeit erhältlich und schickt den berühmten Detektiv erneut aus einen Fall zu lösen. In unserem Test prüfen wir das klassische Adventure auf Herz und Nieren. Wir ergründen, vor welche neuen Gefahren Sherlock Holmes und sein treuer Gefährte Dr. Watson im neuen Abenteuer gestellt werden und überprüfen, ob die Entwickler von Frogwares es erneut geschafft haben, eine spannende Geschichte rund um den Meisterdetektiv zu erzählen.
In seinem mittlerweile sechsten Point&Click-Abenteuer auf dem PC lernt ihr eine neue Seite von Londons berühmtestem Detektiv kennen. Wahlweise in der Ego- oder Verfolgersicht müsst ihr einen kniffligen Kriminalfall im viktorianischen London lösen – und steht am Ende sogar selbst unter Tatverdacht.
Ermittlungsarbeiten
In der Rolle von Sherlock Holmes oder seinem Assistenten Dr. Watson untersucht ihr Tatorte und kombiniert die gefundenen Hinweise zu neuen Fakten. Eure Aufgaben bestehen meist darin, Gegenstände und Informationen zu sammeln, diese eingehend zu analysieren, Zeugen zu befragen und schließlich auf dem sogenannten Deduction-Board die richtigen logischen Schlüsse zu ziehen. Dieses System ist bereits aus dem Vorgängerspiel, Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper (2009), bekannt. Auf einer Art Storyboard werden die von euch gefundenen Hinweise eingezeichnet. Nun müsst ihr jeweils eine von drei möglichen Schlussfolgerungen aus jeweils zwei Fakten ziehen.
Findet ihr etwa ein schmutziges Seil, das nur an einer Seite extrem abgenutzt ist, ist es naheliegender, dass es verwendet wurde, um Lasten in eine Grube hinabzulassen, als dass es sich bei diesem Strick um einen Herstellungsfehler handelt. Oder ihr kombiniert anhand mühsam zusammengekratzter Indizien folgerichtig, dass eine Leiche, der ein Stück eines Fingers fehlt, der getürmte Typ sein muss, dem ein Mordopfer bei der grausamen Folter vor Schmerzen in die Hand gebissen hat.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Die Hintergrundgeschichte des neuen Holmes-Adventures ist diesmal ganz schön bissig. Hunde, die ihr Herrchen zerfleischen, ein Bischof, der auf brutalste Art und Weise zu Tode gefoltert wird. Ein Journalist, der Holmes' schmutzige Wäsche in aller Öffentlichkeit wäscht und ungewöhnlich viele Details zu laufenden Ermittlungen in der Zeitung breittritt. All das gibt viele Rätsel auf.
Laber, Sack!
Um Licht ins Dunkel zu bringen, untersucht ihr zahlreiche Schauplätze wie ein altes Gefängnis, einen Friedhof, ein Hospital oder auch die Hinterhöfe der schmutzigsten Gassen von London und quatscht mit allerlei Charakteren. So abwechslungsreich die Entwickler die Rätsel auch gestaltet haben, immer wieder wird der Spielfluss durch Aufgaben gehemmt, bei denen ihr nicht wisst, was genau zu tun ist, und auch keine Hinweise auf die Lösung erhaltet – was ewiges Herumprobieren zur Folge hat. Meist sind das Minispiele, die eine Anleitung vermissen lassen und die man oft erst nach zig Versuchen endlich überspringen kann. So generiert das Spiel auch Frustmomente abseits der wirklich tollen Atmosphäre, die durch das lebensechte London und die mit wenigen Ausnahmen gelungene deutsche Sprachausgabe erzeugt wird.
Tja, falsch gedacht!
Zugegeben, auch die bisherigen Frogware'schen Holmes-Abenteuer waren für ihren höheren Schwierigkeitsgrad bekannt. Wer nicht auch mal minutenlang knobeln will, ist hier verkehrt. Dass einem die Ermittlungsergebnisse und deren Zusammenhänge nicht in den Schoß fallen, sondern man auch mal länger überlegen muss, ist auch vollkommen okay. Aber mangels Anleitung und Hinweisen etwa zig Reagenzgläser anklicken zu müssen, um deren Inhalt in eine Schale zu tropfen, und bei den unzähligen möglichen Kombinationen auf einen Glückstreffer zu hoffen, ist eine andere und gleichzeitig auch frustrierende Geschichte.
Gleiches gilt für Situationen, in denen der vorausschauende Spieler bereits im Hinterstübchen über das Ende der aktiv gespielten Rätselkette nachgrübelt – erst recht, wenn es noch verheißungsvolle und aktive Hotspots gibt, wie Holmes sogenannter 6. Sinn verrät. Leider muss man dann oft erleben, dass sich die Rätsel, die man eigentlich erwartet hatte, mit der nächsten Zwischensequenz in Luft auflösen, weil sich dann plötzlich irgendwelche Türen öffnen oder Gegenstände überreicht werden oder, oder, oder. Hier verschenkt der Meisterdetektiv einiges an Spielspaßpotenzial. Dennoch ist der Titel eine Empfehlung für Adventurefreunde, denn noch in keinem Serienteil waren die Ermittlungen so interessant und spannend und die Absichten eines Sherlock Holmes so undurchsichtig.
