Die Völker machen sich erneut auf, den Siedler-Thron zu erobern - und scheitern wieder.
Was haben meterhohe Krabbelkäfer, stolze Amazonen und knopfäugige Knuddelmonster gemeinsam? Sie alle siedeln in Jowoods Aufbau-Sequel um die Wette. Gegeneinander und gegen die Konkurrenz von Siedler, Cultures & Co.
Hätte die Menschheit so fleißig Häusle gebaut, wie die digitalen Ebenbilder aus Die Völker 2, würden sich heute wohl selbst auf der Zugspitze Wohnsilos dicht an dicht drängen. Denn siedeln, bauen und erforschen tun sie wie die Weltmeister, die majestätischen Amazonen, der Insektenstamm der Sajiki und die knuffigen Pimmons. Der Städteplaner sind Sie. Aus einem kleinen Dörfchen mit Schule, Wirtshaus, Brunnen und ein paar Reihenhäusern entwickeln Sie nach und nach eine ausgewachsene Kleinstadt, in der Sägewerke brummen, Eisenschmelzen qualmen und Riesenräder die Herzen der Bewohner erfreuen. Im Verlauf Ihrer Karriere als Stammeshäuptling haben Sie die verschiedensten Aufgaben zu bewältigen. Mal gilt es, verbündete Völker zu beschenken, mal soll Ihr Dorf auf 250 Einwohner anwachsen, mal müssen Sie die gleiche Summe Gold erwirtschaften. Was sich in der Theorie abwechslungsreich anhört, ist in der Praxis weit weniger aufregend: Egal, wie die Aufträge auch aussehen mögen, fast immer geht es eigentlich nur darum, eine große Siedlung zu errichten und fleißig Güter zu produzieren. Nur wenn das Missionsziel Eroberung heißt, müssen Sie aufrüsten. Sobald Sie eine Burg errichtet haben, klopfen fahrende Ritter an Ihrer Pforte, die gegen bare Münze in Ihre Dienste treten. Jeder Held bringt seine eigene kleine Armee mit. Mal folgen ihm eine Hand voll Bogenschützen und ein paar Schwertkämpfer, mal befehligt er Bombarden, die gegnerische Gebäude zu Klump schießen können. Da jeder Ritter eine eigenes Schlösschen als Unterschlupf verlangt, gebieten Sie also nie über gewaltige Armeen, sondern schicken meist kleine Stoßtrupps ins Feindesland. Lediglich zur Verteidigung Ihres Dörfchens können Sie ein paar Gardisten ausbilden, die dann auf der Stadtmauer patrouillieren. Entsprechend simpel ist das Kampfsystem der Stärkere gewinnt.
Wer einfach nur in Ruhe siedeln will, wird Die Völker in sein Herz schließen. Wer eine Herausforderung sucht, ist bei Blue Byte besser aufgehoben.
Wer sich aufmacht, Die Siedler 4 und Cultures vom Aufbau-Thron zu stürzen, sollte drei Dinge mitbringen: Ein durchdachtes Wirtschaftssystem, einen hohen Wuselfaktor und spannende Missionen. Die ersten beiden Punkte erfüllt Die Völker 2 summa cum laude: Schnell entstehen schmucke Dörfchen mit Farmen, Bäckern, Sägewerken und allem was dazugehört. Und dank der schnuckeligen Grafik macht es einfach Spaß, die Pimmons, Sajikis und Amazonen bei der Arbeit, dem Einkaufsbummel oder der Partnersuche zu beobachten. Was den Völkern allerdings fehlt, sind wirklich fordernde Aufträge. Egal, ob man nun einen Haufen Gold erwirtschaften, Schnaps eintauschen oder einen bösen Fürsten vertreiben soll: Die Levels spielen sich alle gleich. Da es Baumaterial im Überfluss gibt und kein fieser Feind die Ruhe stört, kommt selten Hektik auf - auf die Dauer allerdings auch keine Spannung. Eine Kampagne lang werden Aufbaufans auf ihre Kosten kommen. Danach stürzt die Motivationskurve aber rapide ab. Die Missionen unterscheiden sich einfach zu wenig voneinander.