World of Warships: So spielen sich die U-Boote! - Anspielbericht aus St. Petersburg
Wargaming hat Journalisten aus der ganzen Welt ins World-of-Warships-Entwicklerstudio nach St. Petersburg eingeladen, um ihnen dort exklusiv einen ersten Blick auf die kommenden U-Boote zu erlauben. Wir sind der Einladung natürlich gerne gefolgt und konnten uns in einer mehreren Stunden langen Session selber ein Bild davon machen, ob die U-Boote das Spiel bereichern können oder von vorneherein ein Rohrkrepierer sind.
Obwohl Wargaming U-Boote in World of Warships (jetzt kaufen ) lange Zeit kategorisch abgelehnt hat, dürfen wir die lautlose Gefahr aus der Tiefe im kommenden Halloween-Event erstmals in dem maritimen Action-MMO begrüßen. Doch das soll nur der Anfang werden. Sofern die Spielerschaft die neuen Unterwasserfahrzeuge nicht komplett ablehnt, werden wir sie früher oder später auch im regulären PvP-Spiel wiedersehen. Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Denn aktuell stehen die Arbeiten noch am Anfang. Derzeit sind, zumindest offiziell, nur die Steampunk-U-Boote für das Halloween-Event vorhanden und zudem fehlt es noch an diversen Mechaniken, mit denen andere Spieler sich effektiv gegen die U-Boote verteidigen könnten. Die Steuerung der U-Boote an sich ist hingegen bereits implementiert und konnte von uns im Rahmen eines Besuchs des Entwicklerstudios in St. Petersburg ausgiebig getestet werden.
Bei den U-Booten, die wir zum Testen bekamen, handelte es sich um keine historischen Boote, sondern um Steampunk-Modelle. Denn Wargaming will U-Boote nicht einfach so ins Spiel werfen, sondern testet sie vorher ausgiebig im Rahmen des kommenden Halloween-PvE-Szenario. Mehr dazu könnt ihr in unserem Bericht World of Warships: Die U-Boote kommen! lesen.
World of Warships: Navigieren in der dritten Dimension
World of Warships fand bisher nur in zwei Dimensionen statt. Feindliche Schiffe waren immer auf der gleichen Höhe mit uns und unter der Wasseroberfläche befand sich mit Ausnahme der Torpedos generell nichts. Lediglich vereinzelte Berge zwischen und uns den Feindschiffen sowie die Flugkurven der Geschosse sorgten für ein Element Abseits der flachen Oberfläche. Nun geht es aber in die Tiefe. Aus vielen anderen Beispielen wissen nicht nur wir, sondern auch die Entwickler bei Wargaming, dass Navigieren in der dritten Dimension vielen Spielern sehr schwer fällt und oft für Verwirrung sorgt. Daher haben sich die Macher von World of Warships dafür entschieden, dem Kapitän eines U-Boots nicht die volle Bewegungsfreiheit zu geben. Stattdessen könnt ihr euch zwischen vier Tiefen entscheiden.
World of Warships: U-Boot-Kontrolle in Kurzform
Ihr könnt die Tauchtiefe eures U-Boots in vier Stufen bestimmen, die erheblichen Einfluss auf eure Gefechtsleistung haben. Das Gameplay dreht sich außerdem viel um euren Luftvorrat, den ihr immer wieder an der Oberfläche auffüllen müsst, und der unter Wasser langsam verbraucht wird. In den ersten Tests reichte die Luft je nach U-Boot-Typ für etwa 90 Sekunden Tauchfahrt. Danach tauchte das U-Boot automatisch wieder auf, ob wir wollten oder nicht.
- Oberfläche
- Gute Verborgenheit (etwa wie Zerstörer)
- Luft wird aufgefüllt
- Torpedos und Sekundärbewaffnung können abgefeuert werden
- Feindliche Artillerie kann euch treffen
- Seerohrtiefe
- Sehr gute Verborgenheit (etwa 2,5 km)
- Luft wird verbraucht
- Torpedos können abgefeuert werden
- Feindliche Artillerie kann euch treffen
- Noch tiefer
- Unsichtbar (innerhalb von 2km sind auch U-Boote IMMER sichtbar)
- Luft wird verbraucht
- Waffen können nicht abgefeuert werden
- Feindliche Artillerie kann euch NICHT treffen
- Tiefste Tiefe
- Unsichtbar (innerhalb von 2km sind auch U-Boote IMMER sichtbar)
- Luft wird verbraucht
- Waffen können nicht abgefeuert werden
- Feindliche Artillerie kann euch NICHT treffen
- Eigene Sichtweite ist erheblich eingeschränkt
Derzeit macht es keinen Sinn auf die tiefste Tiefe zu gehen. Die Entwickler haben sie dennoch implementiert, da sie später effektiver vor feindlichen Angriffen durch Seeminen oder ähnliche Waffen schützen soll, als es die anderen Tiefen tun.
World of Warships: Steuerung wie auf einem Hochseeschiff
Die restlichen Kontrollen sind ähnlich, wie auf jedem anderen Schiff. Ihr dürft die Geschwindigkeit in vier Stufen bestimmen und euer Schiff Richtung Back- und Steuerbord navigieren. Einzig das Feststellen des Ruders war in den ersten Tests nicht möglich, da Q und E mit Auf- und Abtauchen belegt waren. Die Tastatureinstellung, für uns noch vorgegeben, dürft ihr später aber natürlich nach Belieben anpassen.
Da U-Boote keine wirklichen Geschütztürme besitzen, bleiben euch zum Angriff nur eure Torpedos. Diese feuert ihr entweder aus dem Bug oder dem Heck Richtung Feind. Der Richtbereich fällt dabei extrem klein aus. Immerhin habt ihr keinen Schwenkbaren Torpedowerfer, sondern lediglich ein paar Rohre zum Abfeuern der explosiven Schwimmer. Gute Positionierung ist daher extrem wichtig.
Einige der Steampunk-U-Boote verfügten zudem, wie auch einige echte U-Boote, über Bordgeschütze. Diese arbeiten genau wie die Sekundärartillerie auf den normalen Schiffen. Sobald ihr an der Oberfläche unterwegs seid, feuern sie automatisch auf feindliche Schiffe in Reichweite. Letztere ist allerdings ziemlich gering, weswegen die Geschütze wohl nur im Nahkampf zum Einsatz kommen, den ihr mit eurem U-Boot eigentlich unbedingt verhindern wollt.
World of Warships: Perfekte Aufklärer
Quelle: Wargaming
World of Warships: So spielen sich die U-Boote (25)
Das Spielprinzip der U-Boote lässt sich - grob gesagt - auf zwei wichtige Vorgehensweisen runterbrechen. Zum einen seid ihr ein hervorragender Aufklärer. Die U-Boote haben auch an der Oberfläche schon eine sehr gute Verborgenheit und können damit nah an den Feind ran, um ihn für die hinteren Schiffe aufzudecken. Dabei haben sie gegenüber den Zerstörer den Vorteil, dass sie schneller entkommen können, wenn sie per Sonar, Flugzeug oder anfahrendem Schiff doch mal entdeckt werden. Einfach abtauchen und so die Sichtbarkeit des eigenen Schiffs schlagartig extrem reduzieren. Im späteren PvP weiß der Gegner dann zwar, dass ihr da seid, kann euch aber kaum attackieren. Selbst für die derzeit diskutierten Seeminen müssten die Zerstörer in eure Richtung fahren, was eure Kollegen wohl mit massivem Artilleriefeuer beantworten. Seid ihr zu langsam im Abtauchen, oder sind eure Lufttanks noch leer, dann könnt ihr schon mal nach dem Notausstieg suchen. Gerät das U-Boot unter Beschuss, ist es in Sekundenschnelle kampfunfähig und sinkt kurz darauf wie ein Stein zum Meeresgrund. U-Booten fehlt es nämlich an Panzerung, so dass jeder Treffer massiven Schaden zur Folge hat.
Dennoch muss Wargaming hier in unseren Augen noch etwas nachbessern - möglicherweise die Sichtweite des U-Boots nicht erst in der tiefsten Tiefe reduzieren, sondern bereits vorher.
World of Warships: Zuschlagen und verschwinden
Quelle: Wargaming
World of Warships: So spielen sich die U-Boote (27)
Wer sein U-Boot lieber offensiver einsetzen will, der greift auf die Torpedos zurück. Ihr sucht euch ein Ziel aus und steuert darauf zu. Kurz bevor der Feind euch eigentlich entdecken würde, geht ihr auf Seerohrtiefe und reduziert eure Sichtbarkeit auf knapp über zwei Kilometer. So könnt ihr euch unentdeckt enorm nah an das gegnerische Schiff anschleichen. Nun feuert ihr ihm erst die Torpedos aus dem Bug entgegen, dreht dann bei und feuert auf der Flucht die hinteren Torpedos ab. Nach dem Abfeuern könnt (und solltet) ihr dann einfach noch weiter abtauchen, damit ihr, selbst wenn ihr vom aufgeschreckten Feind per Flugzeug, Sonar oder sonstwas entdeckt wurdet, nicht aufs Korn genommen werden könnt. Solche Angriffe sind für allein fahrende Schiffe eigentlich nicht zu verteidigen - besonders da die U-Boote im Spiel deutlich schneller unterwegs sind, als sie es in der Realität waren.
Auch hier muss sich Wargaming fürs PvP noch irgendwas einfallen lassen. Im von uns gespielten PvE-Szenario haben diese unentdeckten Angriffe durchaus Freude gemacht. Als schutzloser Verteidiger käme hier aber schnell Frust auf. Es sei an dieser Stelle aber noch einmal erwähnt, dass Wargaming sich dessen durchaus bewusst ist und für den Fall, dass die U-Boote es ins PvP schaffen, daran arbeiten wird, wie man sich halbwegs effektiv gegen die Attacken verteidigen kann.
World of Warships: U-Boot Gameplay im Video
World of Warships: Philipps Fazit zu den U-Booten
Der Schreiber dieser Zeilen gehörte bisher immer zu den Spielern, denen die Idee von U-Booten in World of Warships eigentlich nicht besonders gefiel - was gleich mehrere Gründe hat. Zum einen waren U-Boote in der Historie eigentlich nie Teil von großen Seeschlachten, sondern hatten gänzlich andere Aufgaben. Mit ihrer sehr niedrigen Geschwindigkeit war es ihnen praktisch unmöglich, mit der restlichen Flotte gemeinsam zu agieren. Sie also nun mit ins Gefecht der Kreuzer, Zerstörer und Schlachtschiffe zu werfen, ist daher historisch nicht wirklich korrekt.
Außerdem ist ein Gefecht in World of Warships in meinen Augen bereits taktisch genug. Noch mehr Tiefgang sorgt dafür, dass der Unterschied zwischen erfahrenen und neuen Spieler anwächst. Das wiederrum birgt großes Frustpotenzial. Im Praxistest jedoch gestaltete sich zumindest das Spielen als U-Boot deutlich angenehmer als erwartet. Durch die geringe Zeit, die man effektiv unter Wasser verbringen kann, muss man sich genau überlegen, wie man sein U-Boot einsetzt. Der Nervenkitzel, den man dabei verspürt, liegt noch einmal deutlich über dem eines Zerstörers im Nahkampf. Wir können zwar per Tauchfahrt nach unserem Angriff wieder abhauen, aber die Luft wird ziemlich schnell knapp. Sind wir per Sonar aufgedeckt, oder haben keine Möglichkeit, rechtzeitig vor dem Auftauchen genug Abstand zur Feindflotte aufzubauen, dann wird es schnell brenzlig. Denn ähnlich wie die Zerstörer dürften U-Boote zu Beginn einer Schlacht das erste und wichtigste Ziel darstellen.
Schafft es Wargaming, andere Schiffe mit effektiven Verteidigungsmethoden (beispielsweise Seeminen oder dergleichen) auszurüsten und ein halbwegs anständiges Balancing hinzubekommen, dann könnten die U-Boote durchaus auch im PvP Spaß machen und das Spiel bereichern. Dieses Vorhaben ist aber nicht mal eben auf die Schnelle umzusetzen, sondern braucht viel Feedback und Zeit. In unseren Gesprächen vermittelten die Entwickler aber eindringlich, dass sie sich dessen bewusst sind und keinesfalls etwas ins Spiel bringen werden, was die Mehrheit der Spieler ablehnt. Ob sie ihr Wort dann auch halten, dass muss sich erst noch zeigen. Immerhin hieß es auch mal "Wir werden niemals U-Boote in World of Warships bringen."
