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  • Wilke zum Wochenende: Ich hasse Twitter, StudiVz und Co.

    Meine erste Online-Kolumne hat nichts mit Spielen zu tun. Außer natürlich, mir bietet sich ein adäquater Zusammenhang, eines zu erwähnen. Aber zuerst: Deshalb hasse ich Twitter und Soziale Netzwerke ...

    Es gibt Informationen, die interessieren mich einfach nicht. Die meisten davon stehen in Textfeldern, in die nur 140 Zeichen passen ... Es gibt Informationen, die interessieren mich einfach nicht. Die meisten davon stehen in Textfeldern, in die nur 140 Zeichen passen ... Quelle: PC Games Ich besitze ein Profil bei StudiVZ. Folglich bin ich ein Mensch, der a.) seine Freunde im Internet archiviert und b.) sich im Internet von seinen Freunden archivieren lässt. Wobei der Begriff "Freund" in einem Sozialen Netzwerk vornehmlich überbewertet zu Tage tritt. Persönlich halte ich die Beschreibungen "entfernter Bekannter", "Person, mit der ich seit Jahren kein Wort mehr gewechselt habe" oder "Um Himmels Willen, der lebt noch?!" für treffender. Da wäre zum Beispiel Bernd B.* "Bernd B. möchte Ihr Freund sein", teilte mir StudiVZ vor einigen Wochen mit. Ich musste kurz nachdenken, um herauszufinden, wer Bernd B. ist. Mit Namen hab‘ ich's nicht so. Dann begutachtete ich sein Profil-Foto. Blitzl! Es war Bernd B., der Emo aus der neunten Klasse! Pech-Schwarze Haare, ein paar davon über dem rechten Auge, fest-gewachst wie Beton, Foto von schräg oben, Bernd B. sieht noch genauso aus wie früher, der Arme. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht mehr als 10 Worte mit Bernd B. gewechselt. Aber er will jetzt mein Freund sein. Also klicke ich auf akzeptieren, um seine Gefühle nicht zu verletzten. Und eine Karteileiche mehr oder weniger in meinem Archiv, die kann ich noch verkraften. Im Großen und Ganzen tummeln sich in meiner Freundes-Datenbank (welch fantastische Begrifflichkeit) ohnehin mehr Leichen als Lebende. Metaphorisch gesehen, meine ich. Das erinnert mich an eine ulkige Diskussion in meinem ehemaligen Karate-Verein. Thema: Chatten. Totschlag-Statement, vom Trainer höchstpersönlich: "Wenn ich chatten will, kaufe ich mir einen Kasten Bier und besuche meinen Nachbarn. Dann wird gechattet!". Zwischenmenschliche Kommunikation for the win!

    Wo wir gerade beim Kommunizieren sind: Tolle Idee, das mit den 140 Zeichen, und der einfachen Frage: "Was machst du gerade?". Spontane Gegenfrage: "Wen interessiert's?". Bernd B. ist auch so einer, ein Twitter-Gepeinigter, der im StudiVZ 140-Zeichen-Anekdoten schreibt. "Eben nach Hause gekommen, U-Bahn war voll", steht dann da. Oder "Schönes Wetter heute, mein Fisch wackelt mit der Flosse." Alles klar Bernd B., vielen Dank für die Info! Zwischenzeitlich habe ich mal darüber nachgedacht, auch etwas mehr von meinem Privatleben kundzutun. "Sitze seit 3 Stunden auf dem Klo. Trommelfeuer", könnte ich schreiben, vielleicht ein kurzes Update zu meinem Fußpilz-Problem. Oder dem Auslauf-Problem meiner Oma. Doch bevor ich meine Gedanken in den kleinen Textkasten bringe, peitscht mich der gesunde Menschenverstand. Mir zischt etwas durch den Kopf: Wen interessiert's? Vermutlich niemanden. Und wenn doch, dann teilt er (oder sie) einen Fetisch, den ich nicht unterstützen möchte!

    Viel schlimmer jedoch sich die 140-Zeichen-Diskutierer. "Von Rock am Ring wieder da. Geile Stimmung! @XYZ: Welche Bands hast du gesehen?", schreibt eine von denen aus der "Personen, mit denen ich seit Jahren kein Wort mehr gewechselt habe"-Gruppe. Und XYZ antwortet: "Placebo, The Killers, Mando Diao, Subways, Flogging Molly, Limp Bizkit, Peter Fox, hab' 100 pro was vergessen ...”. Um Gottes Willen, schreibt euch private Nachrichten, verdammt nochmal! Jaja, ich weiß. Eigentlich müsste ich das alles gar nicht lesen. Aber der Mensch tickt nun mal so, dagegen bin ich wehrlos, Verkehrsunfall-Theorie. Man will es eigentlich nicht sehen, schaut aber trotzdem hin. In dieser Theorie liegt meiner Meinung nach die Existenz-Grundlage von Sozialen Netzwerken. Anders kann ich mir das zunehmend extrovertierte Mitteilungsbedürfnis meiner Mitmenschen nicht erklären.

    Ich muss jetzt los. Bernd B. hat mir eine Nachricht geschrieben.

    In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!

    *Name von mir geändert, Datenschutz und so. Sie wissen schon.

    P.S.: Trotz redlicher Bemühungen, vermochte ich keinen Spiel-Bezug herzustellen. Das holt mein Kollege Sebastian Thöing morgen in der ersten Folge von "Thöing teilt aus" nach!

    P.P.S.: Wer jetzt wissen will, ob er Freunde oder Karteileichen archiviert, der löscht sein Geburtsdatum aus dem Profil und wartet seinen nächsten Geburtstag ab ...

  • Es gibt 51 Kommentare zum Artikel
    Von Datamind
    Hehe, also bezüglich deines Fußpilzproblems... Mich interessiert es schon, zumindest wüßte ich gerne deine Schuhgröße.…
    Von norea-x
    Und ich würde nicht bei einer Firma arbeiten wollen, bei der der Personaler oder der Chef so tut als wäre er nie auf…
    Von radinger
    ich musste mein geburtsdatum nichtmal löschen, hat so auch fast niemanden interessiert  
    • Es gibt 51 Kommentare zum Artikel

      • Von Datamind
        Hehe, also bezüglich deines Fußpilzproblems... Mich interessiert es schon, zumindest wüßte ich gerne deine Schuhgröße. Ich habe mich schon immer angestellt, wenn wir bowlen gefahren sind und ich mir dort so alte Treter leihen mußte. Doch nun kann ich die Dame am Empfang mit wissenschaftlichen Fakten zubomben und ggf. mit schlagfertigeren Argumenten kommen 
      • Von norea-x Erfahrener Benutzer
        Zitat von Succer am 14.06.2009 10:45

        Wobei gerade Party-Fotos in S-N nicht gerade ungefährlich sind, ich persönlich würde mich auf sowas nicht verlinken lassen!


        Und ich würde nicht bei einer Firma arbeiten wollen, bei der der Personaler oder der Chef so tut als wäre er nie auf einer Party gewesen (wenn auch nicht öffentlich durch Fotos archiviert).
      • Von radinger Erfahrener Benutzer
        Zitat
        P.P.S.: Wer jetzt wissen will, ob er Freunde oder Karteileichen archiviert, der löscht sein Geburtsdatum aus dem Profil und wartet seinen nächsten Geburtstag ab ...


        ich musste mein geburtsdatum nichtmal löschen, hat so auch fast niemanden interessiert  
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687141
Wilke zum Wochenende
Wilke zum Wochenende #1
Meine erste Online-Kolumne hat nichts mit Spielen zu tun. Außer natürlich, mir bietet sich ein adäquater Zusammenhang, eines zu erwähnen. Aber zuerst: Deshalb hasse ich Twitter und Soziale Netzwerke ...
http://www.pcgames.de/Wilke-zum-Wochenende-Thema-232253/Specials/Wilke-zum-Wochenende-1-687141/
13.06.2009
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