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  • Watch Dogs im Test : Famoser Open-World-Spielplatz, aber kein Meilenstein

    Nachts dagegen sorgen Regen und Lichteffekte für reihenweise offene Münder. (PC) Quelle: PC Games

    Was bleibt nach dem Hype? Im ausführlichen Test von Ubisofts Open-World-Hoffnung beantworten wir alle Fragen zu Story, Umfang, Grafik und Missionen. Zwei Redakteure haben sich zusammen weit über 80 Stunden lang durch die PC- und PS4-Versionen des Action-Adventures gekämpft und verraten euch, warum Watch Dogs zwar nicht das erhoffte Superspiel, aber dennoch einer der unterhaltsamsten Titel des jungen Spielejahres 2014 ist.

    Manuel Duran, 38, hat einen dritten Nippel. Wir leiden mit ihm. Aus der Distanz. Denn genau genommen kennen wir Manuel gar nicht. Nur seine Krankenakte, seine Sozialversicherungsnummer, seine Internet-Surf-Gewohnheiten, seine Kreditkartenbelege, kurz: seinen digitalen Fingerabdruck. Manuel ist einer von unzähligen Menschen, deren Intimssphäre wir mit nichts als einem Smartphone in der Hand ausspähen. Wir gucken zu, wie er und Millionen anderer Bewohner Chicagos ihrem Leben nachgehen, ein Voyeur in der Menge, eingeweiht in all die schmutzigen, lustigen, tragischen Geheimnisse der Menschen, die uns unser Handy offenbart. Denn wir sind ein Hacker, einer der besten, einer namens Aiden Pearce. Er ist der Star in einem der sehnlichst erwarteten Spiele dieses Jahres: Watch Dogs. Wir haben es durchgespielt. Unser Urteil: Watch Dogs ist eines der momentan besten Open-World-Actionspiele. Markante Schwächen sind nahezu keine zu erkennen. Außer einer. Und die ist so lästig wie ein dritter Nippel.

    Identifikation fehlgeschlagen

    Aidens Schwester und Neffe sollen für emotionale Momente sorgen, wirken aber wie Fremdkörper. (PS4) Aidens Schwester und Neffe sollen für emotionale Momente sorgen, wirken aber wie Fremdkörper. (PS4) Quelle: PC Games Rund 25 Stunden dauert die Einzelspielerkampagne von Watch Dogs, die uns linear eine Mission nach der anderen serviert. Auswahlmöglichkeiten gibt es zwischendurch keine, das Ganze erinnert an einen durchgestylten Action-Thriller aus dem Kino, dramatische Kamerafahrten und exzellent geschnittene sowie stark (englische Version) beziehungsweise gut vertonte Dialoge (deutsche Fassung) inklusive. Im Zentrum der Handlung steht der erwähnte Aiden Pearce. Zu Beginn erleidet er nach einem missglückten Coup einen persönlichen Verlust in der Familie - die Suche nach den Hintermännern des Anschlags treibt im Folgenden den Plot voran.

    Das Potenzial von Aidens Kollegen liegt größtenteils brach, der sympathische Jordi verschwindet etwa für große Teil des Plots. (PS4) Das Potenzial von Aidens Kollegen liegt größtenteils brach, der sympathische Jordi verschwindet etwa für große Teil des Plots. (PS4) Quelle: PC Games Das Problem: Die Geschichte um Rache, Verrat und Intrigen verläuft zwar interessant und wendungsreich, verschenkt aber auch viel Potenzial. Gerade in den ersten beiden der fünf Akte sind die Zusammenhänge undurchsichtig. Erst ab der Mitte des Spiels fügt sich langsam alles zusammen und ein roter Faden ist erkennbar. Das Ende enttäuscht dann durch eine geradezu banale Auflösung und einen überflüssigen Twist. Zudem werden viele Dinge nur kurz angerissen und manches wirkt unlogisch.

    Beispielsweise verschlägt es euch zu einem Menschenhändlerring, wo junge Mädchen zwangsprostituiert werden. Ihr seht das Elend aus nächster Nähe - ein bitterer Moment, der einen unwillkürlich schlucken lässt. Unternehmen könnt ihr aber nichts, weil ihr laut Story dort nur etwas abholen sollt. Ziemlich merkwürdig, spielt ihr doch den von den Medien betitelten Rächer Chicagos. Hier verpasst es Watch Dogs, sein Reputationssystem (gute Taten machen euch beliebt, Tode von Zivilisten sorgen für negative Schlagzeilen) auszunutzen, ein echtes Rollenspiel mit Spielerentscheidungen ist nicht möglich. Watch Dogs will eine geradlinige Gangster-Story erzählen, der Spieler ist nur Zuschauer.

    Die Fokus-Zeitlupe ist im Kampf gegen Polizisten und Söldner mit Körperpanzerung überlebensnotwendig. (PS4) Die Fokus-Zeitlupe ist im Kampf gegen Polizisten und Söldner mit Körperpanzerung überlebensnotwendig. (PS4) Quelle: PC Games Die Charakterzeichnung weist starke Defizite auf. Zwischensequenzen stellen manche Figuren aufwändig vor, nur damit diese kurz darauf für viele Stunden oder gar für den Rest des Spiels von der Bildfläche verschwinden. Motive bleiben im Unklaren, den Gegenspielern mangelt es entweder an Profil oder sie haben viel zu kurze Auftritte. Das größte Problem ist aber Aiden Pearce selbst: Der Hauptcharakter bleibt die komplette Spielzeit über sehr blass, wirkt emotional distanziert und nahezu ausdruckslos. Das Spiel verpasst es zudem, ihm eine glaubwürdige Motivation zu verpassen, indem es eine emotionale Verbindung zwischen dem Spieler und seiner Familie herstellt.

    Das macht sich später negativ bemerkbar, wenn das Spiel auf die Tränendüse drückt und uns durch vermeintlich tragische Ereignisse zum Mitfühlen bringen will. Klappt aber nicht, weil Watch Dogs uns nie Raum gibt, um sich mit den Figuren anzufreunden - stattdessen weist uns das Spiel oder Aiden selbst in einem seiner monotonen Monologe überdeutlich darauf hin, was wir denn bitteschön gerade zu fühlen haben. Wie es besser geht, haben vergangenes Jahr Bioshock Infinite mit Elizabeth und das PS3-exklusive The Last of Us gezeigt.

    Das klingt harsch, doch die Story ist kein Totalausfall. Vor allem Aidens Hacker-Freunde besitzen teils sehr interessante Persönlichkeiten und machen einen charmanten Eindruck. Dazu kommt die filmreife Inszenierung. Es sind jedoch gerade diese gelungenen Ansätze, welche die Fehltriffte umso stärker hervortreten lassen. Warum Watch Dogs als Spiel dennoch funktioniert und uns großen Spaß bereitet hat? Weil der beste Charakter kein Mensch ist, sondern die Stadt selbst. Das virtuelle Chicago ist riesengroß und fantastisch designt, ein sensationeller Spielplatz für Erwachsene.

    PC-Grafik im Tageszeiten-Vergleich

    before
    after

    Oh, du schönes Chicago

    Das Hacking-Minispiel ist ein Pipemania-Klon. Das war bekanntlich schon bei Bioshock ein Hit unter Fans! (PS4) Das Hacking-Minispiel ist ein Pipemania-Klon. Das war bekanntlich schon bei Bioshock ein Hit unter Fans! (PS4) Quelle: PC Games Die Kampagne mag vielleicht nicht die spannendste sein, dafür entschädigt sie mit abwechslungsreichen Settings. Mal sind wir mitten in der wunderbar ausgeleuchteten Innenstadt unterwegs, ein anderes Mal kämpfen wir uns durch ein von einer Gang besetztes Hochhaus am Stadtrand. Sogar in einen ländlichen Vorort verschlägt es uns. Diese Örtlichkeiten sind mit viel Liebe zum Detail designt, der Feinschliff der Entwickler ist an jeder Ecke ersichtlich. NPCs wuseln durch die Straßen, halten sich bei Regen die Zeitung über den Kopf, spielen (natürlich) an ihren Handys rum und verhalten sich glaubwürdig, wenn Aiden mit gezogener Waffe durch die Menge rennt. Wir dürfen mit der berühmten "El", der erhöhten Straßenbahn fahren und Leuten dabei zugucken, wie sie an den Stationen warten, texten, einsteigen und woanders den Zug wieder verlassen. Im sogenannten Profiling-Modus werden intimste Details zu jeder Figur eingeblendet. Das verleiht den Passanten mehr Individualität als etwa in einem Grand Theft Auto, kommt aber nie über den Status eines Gimmicks heraus. Genau wie bei der Story gibt es hier keine kritische Reflektion der digitalen Überwachung, keine tiefere Bedeutungsebene. Das Profiling ist nur Mittel zum Zweck, gut für einen Lacher zwischendurch, aber abseits der Missionen von keinerlei Bedeutung.

    Watch Dogs Glasscheiben zerbersten in unzählige Splitter; nur eines von vielen pompösen Grafik-Mätzchen. (PS4) Quelle: PC Games Die exzellente Technik reißt viel raus, es macht einfach unglaublich viel Spaß, sich durch die toll gestaltete Welt zu bewegen, die schönen Lichteffekte zu beobachten oder auch nur zu sehen, wie der Regen auf Aidens feintexturierten Ledermantel niederprasselt und ihn dunkel färbt. Keine Frage: Watch Dogs sieht sehr gut aus - wenn ihr über die entsprechende Hardware verfügt, speziell eine Monster-Grafikkarte mit mindestens 3 GB VRAM. Die grafische Opulenz des E3-Trailers von 2012 erreicht das Spiel jedoch auch auf Ultra-Einstellungen nicht ganz. Besonders tagsüber wirkt das virtuelle Chicago recht blass. Nachts dagegen oder in sehenswertigen Örtlichkeiten wie einem von grellen Lichtstrahlen durchzogenen Tanzclub lässt die Engine ihre Muskeln spielen. Auch die Wasserstraßen in und um Chicago sehen fantastisch aus, denn die Wellen sind herrlich animiert und wirken ungemein glaubwürdig. Ob man den Ozean aus Watch Dogs oder den aus GTA 5 bevorzugt, ist da wirklich reine Geschmackssache.

    Watch Dogs: PC-Technik im Video

    06:32
    Watch Dogs: Technik der PC-Version im Video

    Beim Detailgrad hat Watch Dogs jedoch klar die Nase vorn, auf Gesichtern lassen sich teils einzelne Poren erkennen und bei Regen sieht der nasse Asphalt einfach hervorragend aus. Die glaubwürdige Windsimulation des Spiels bleibt zwar stets unauffällig, sorgt aber für schöne Ergebnisse wie einen herrlich in der Brise flatternden Mantel des Protagonisten. Schade, dass die Vegetation im Gegenzug minimal verwaschen wirkt; ein Trip in einen ländlichen Vorort gehört zu den grafischen Schwachpunkten des Spiels, während Auffahrunfälle oder Shoot-outs in der Innenstadt mit ihren verglasten Wolkenkratzern durchweg exzellent aussehen.

    Apropos verglast: Bei den Reflexionen auf Windschutzscheiben und Fensterfronten mussten die Entwickler leider Kompromisse eingehen, um die riesige Spielwelt flüssig darzustellen. So nutzt Watch Dogs bei diesen Spiegelungen lediglich starre Grafiken, auf denen keine Spiegelbilder von vor den Fenstern stehenden Figuren oder Fahrzeugen dargestellt werden. Aidens Spiegelbild sucht ihr in Watch Dogs also vergeblich - vielleicht ist der gute Mann ja ein Vampir? Würde zu seiner (charakterlichen) Blässe passen, hehe.

    Systemanforderungen (Quelle: PC Games Hardware)
    Minimum: Core 2 Quad Q8400/Phenom II X4 940, 4 GB RAM, Geforce GTX 460/Radeon HD 5850, Windows Vista SP2/Windows 7, 25 GB freier Festplattenspeicher
    Empfohlen: Core i5-2500K/AMD FX 8350, 8 GB RAM, Geforce GTX 770 mit 4 GB/Radeon R9 290

    Mehr zur Technik lest ihr im großen Benchmark-Special der Kollegen von PCGamesHardware.de.

  • Watch Dogs

    Watch Dogs

    Publisher
    Ubisoft
    Developer
    Ubisoft Montreal
    Release
    27.05.2014
    Leserwertung
     
    Meine Wertung
    Es gibt 173 Kommentare zum Artikel
    Von Evermore1982
    ich spiel es grade aufm PC und bin da geteilter Meinung. Es bringt zwar Spaß aber es ist schon wie in fast jedem Open…
    Von Rising-Evil
    Also wenn man das Spiel mal mit allen für PC bislang erschienen Open-World-Titeln vergleicht, so kann man eigentlich…
    Von MichaelG
    Diese repetiven Dinge könnte man auch einer Spieleserie wie GTA vorwerfen. Sind es in GTA III die Pakete waren es bei…

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    • Es gibt 173 Kommentare zum Artikel

      • Von Evermore1982 Neuer Benutzer
        ich spiel es grade aufm PC und bin da geteilter Meinung. Es bringt zwar Spaß aber es ist schon wie in fast jedem Open-World Titel auf dauer immer das Gleiche. Ich habe vorher Mordors Schatten gespielt und dort ist es ähnlich. Die Aufgabenmuster wiederholen sich doch recht fix.
        Wer lust hat, kann ja mal reinschaun.
        https://www.youtube.com/watch?v=oC2EsMXt6is
      • Von Rising-Evil Erfahrener Benutzer
        Also wenn man das Spiel mal mit allen für PC bislang erschienen Open-World-Titeln vergleicht, so kann man eigentlich sagen, dass nur wenige Spiele (GTA IV, Assassins Creed, Mafia 2) eine so realistische Welt darstellen...
        Ich finde das wird hier viel zu wenig berücksichtigt, was für ein enormer Aufwand das…
      • Von MichaelG Erfahrener Benutzer
        Zitat von Jalpar

        Allerdings sind die Anleihen von AC nicht zu übersehen. Die Aussichtspunkte sind hier ctOS-Türme, die man hacken. Man sammelt zwar keine Federn und Banner, dafür jedoch Audiologs und persönliche Daten.
        Diese repetiven Dinge könnte man auch einer Spieleserie wie GTA vorwerfen.…
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Watch Dogs
Test: Famoser Open-World-Spielplatz
Was bleibt nach dem Hype? Im ausführlichen Test von Ubisofts Open-World-Hoffnung beantworten wir alle Fragen zu Story, Umfang, Grafik und Missionen. Zwei Redakteure haben sich zusammen weit über 80 Stunden lang durch die PC- und PS4-Versionen des Action-Adventures gekämpft und verraten euch, warum Watch Dogs zwar nicht das erhoffte Superspiel, aber dennoch einer der unterhaltsamsten Titel des jungen Spielejahres 2014 ist.
http://www.pcgames.de/Watch-Dogs-Spiel-41939/Tests/Watch-Dogs-im-Test-fuer-PC-und-PS4-1122525/
27.05.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/05/Watch_Dogs_Test_01-pc-games_b2teaser_169.jpg
watch dogs,action-adventure,ubisoft
tests