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  • Echtzeit-Strategie in Perfektion.

    Die Untoten müssen Stellung halten, während die Menschen nach vorne drängen und Eisstürme beschwören. Die Untoten müssen Stellung halten, während die Menschen nach vorne drängen und Eisstürme beschwören. Schmaler Kopf, blonde Mähne und markante Nase. Sein leicht arrogant angehauchter Lieblingsspruch: "Eine Verbeugung ist unnötig." Die Rede ist von Prinz Arthas, einem Jüngling wie Anakin Skywalker aus Episode 2: Entschlossen zwar, aber noch grün hinter den Ohren. Sie führen den angehenden König zu Beginn des Spiels in die Schlacht gegen Orks und erleben, wie ein Happy End in weite Ferne rückt. Erste Erfolge steigen dem Held zu Kopf, am Ende führen Sie Krieg, bei dem die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Der Verzicht auf Schwarzweißmalerei hat schon Starcraft ausgezeichnet. Genauso wenig gibt es sie in Warcraft 3. Was es gibt: ausgeprägte Persönlichkeiten in dick aufgetragenen, epischen Geschichten, die sich chronologisch über vier Kampagnen hinweg erstrecken. Die Menschen machen den Anfang, die Untoten folgen, danach kommen die Orks an die Reihe. Das Schlusslicht, oder das "Ende der Ewigkeit", wie es im Spiel bombastisch geschrieben steht, bilden die Nachtelfen.
    Alle vier Rassen spielen sich unterschiedlich. Die Menschen trainieren in Baracken Schwertkämpfer, Ritter und Bombenleger. Die Untoten züchten in bizarren Strukturen Zombies heran. Die sind zwar nicht sehr stark, fallen aber wie ein Zerglingschwarm über alles her, was ihnen in die Quere kommt. Totenbeschwörer lassen gefallene Einheiten auferstehen ­ so entsteht in kürzester Zeit eine Skelettarmee. Die Orks setzen auf Qualität, statt Quantität: Pferdemenschen mit riesigen Holzpflöcken, Schamanen und Speerwerfer kämpfen auf der Seite der Monster. Die Nachtelfen verlassen sich auf Pfeil und Bogen. Und auf ihre Fähigkeit, des Nachts mit der Umgebung zu verschmelzen und unsichtbar zu werden. Trainiert werden die Bogenschützen in Baum-Gebäuden, die sich auf Knopfdruck entwurzeln und mit ihren Ästen auf den Gegner einschlagen.
    Das träge Ressourcen-System wurde in Warcraft 3 entschlackt. Nur zwei Rohstoffe, nämlich Gold und Holz, zählen. Öl und Seeschlachten, im Vorgänger präsent, wurden der Einfachheit halber gestrichen. Ein paar Mausklicks reichen und Bauern verrichten in der hiesigen Mine Ihre Arbeit. Holz kriegen Sie, indem Sie die Knechte zum Hacken in den Wald beordern. Danach nehmen Sie den Aufbau der Basis in die Hand: Gebäude aufstellen und Einheiten ausbilden, das geht ruckzuck. Wenige Minuten reichen, damit eine kleine Armee entsteht.
    Die Hauptaufträge heben sich vom öden "Alles dem Boden gleichmachen"-Schema ab. In einer Mission lenken Sie einen unsichtbaren Späher der Untoten durch eine Stadt, um Wege auszukundschaften: Wo patrouillieren Wachen, welcher ist der sicherste Pfad? Ihren Trupp schicken Sie anschließend nach, an verängstigten Einwohnern vorbei, durch enge Gassen hindurch und bis zum Friedhof vor. Dort murmelt der fies dreinblickende Held ein paar Beschwörungsformeln, woraufhin sich die Gräber regen und Zombies hervorkommen ­ Ihre grausige Armee ist gewachsen. Jetzt ist es an der Zeit, in der Stadt herumzuspuken: Einwohner erschrecken, Soldaten auffressen, weitere Artgenossen befreien. Abwechslungsreiches Programm auch bei den Orks. Die sind auf einem fremden Kontinent gestrandet. Ödland erstreckt sich, so weit das Auge reicht. Ihre Aufgabe ist es, einer Karawane, die von Oase zu Oase zieht, Geleitschutz zu geben. Ein paar Missionen später treffen Sie auf einen Waldgeist, der unermüdlich umherzieht und unbesiegbar wirkt. Ein Spießrutenlauf beginnt. Das Ungetüm verfolgt Sie und vernichtet alles, was sich ihm in den Weg stellt.
    Oft können Sie keine fünf Minuten spielen, ohne dass Sie Warcraft 3 an die Hand nimmt und der Handlungsfaden eine Richtung vorgibt. Entweder in Zwischensequenzen, in denen die Helden in hervorragender Sprachausgabe über Freundschaft, Krieg und böse Prophezeiungen sinnieren, oder in den geskripteten Ereignissen. Zu Beginn durchstreifen Sie mit Prinz Arthas ein Menschendorf. Die Einwohner grüßen freundlich, manche brüllen sogar "Nieder mit den Orks!", rennen zum nächsten Waffenständer und schnappen sich ein Schwert. Anschließend haben Sie die Kontrolle über die frisch hinzugekommenen Söldner. Andere, scheinbar harmlose Bürger streifen sich Kapuzen über die Köpfe und ­ Überraschung ­ überfallen Ihren Trupp. Man weiß nur selten, was einen erwartet. Später stapfen Sie durch eine Höhle, betätigen Türmechanismen, Schalter und sammeln Gegenstände auf, als hundert überdimensionale Nägel aus dem Boden schießen. Den Hinterhalt vermeiden Sie, wenn Sie die Falle vorher über eine Bodenplatte deaktivieren. Das sind Szenen, in denen der Rollenspielcharakter von Warcraft 3 durchschimmert. Oft werden Sie vor die Wahl gestellt: Hinter einem Gitter schnaubt ein Steingolem wütend. Sie dürfen das Weite suchen oder die Herausforderung annehmen. Beim Kämpfen heißt es, kühlen Kopf zu bewahren: Sie ziehen angeschlagene Einheiten zurück, schlucken Krafttränke, sprechen Heilmagie im richtigem Augenblick oder betäuben den Gegner mit Schockwellen ­ und das alles ohne Pause. Einsteiger werden sich deshalb vier Hände wünschen. Schnelligkeit mit der Maus und das Erlernen der Hotkeys ist das A und O. Held Cairne Bloodhof zaubert beispielsweise einen Kriegsdonner herbei, der nur diejenigen Feinde verletzt, die in einer Linie stehen. Da kommt es aufs richtige Timing an. Hilfreich ist es, die Spielgeschwindigkeit in kritischen Situationen zu drosseln. Das spart Zeit. Als Belohnung lässt besagter Golem nach seinem Ableben eine Maske fallen, die auf Wunsch im Heldeninventar landet. Der Effekt: Die Mana-Regeneration steigt um 50 Prozent. Solche Utensilien sind nicht nur für die jeweils aktuelle Mission nützlich. Sämtliche Ausrüstungsteile bleiben über die Kampagne hinweg erhalten und sind später genauso hilfreich. Gegenstände kriegen Sie übrigens auch in Goblinstätten. Die liegen kreuz und quer auf der Karte verstreut und werden von Monstern bewacht, die bis zum Rand voll mit Münzen sind. Wenn gerade keine Goldmine zugegen ist, verkloppen Sie diese Widersacher einfach. Den Erlös tauschen Sie in Läden gegen Zauberspruchrollen, Heil- und Manatränke aus. Insgesamt passen sechs Gegenstände in Ihren Rucksack.
    Noch eine Möglichkeit, das Inventar aufzustocken, sind die optionalen Quests. Beispiel: Eine verzweifelte Mutter vermisst ihren Sohn Timmy. Ein paar hinterhältige Kobolde haben den Bub in einen Eisenkäfig gesperrt. Wer ihn rettet, kriegt einen zufällig ausgewürfelten Gegenstand in die Hand gedrückt. Etwa einen Ring des Schutzes, der die Rüstungsklasse aufwertet. Ein anderes Mal klagt ein Händler über den Verlust seines Geschäftsbuches. Banditen haben das gute Stück geklaut, sie dürfen es zurückholen. Irgendwann stoßen Sie auf Zwerge, die Unterstützung bei einer Drachenjagd anfordern. Es lohnt sich, mitzumachen: Der Anführer schmiedet anschließend die Waffen Ihrer Soldaten neu, und die Hauptmission ­ ein Orkhäuptling soll erledigt werden ­ wird dank doppelt scharfer Schwerter kinderleicht. Damit Sie stets wissen, was Sie eigentlich machen müssen, bringt die F9-Taste ein Quest-Tagebuch auf den Bildschirm: Alle Haupt- und Nebenmission sind darin inklusive Beschreibung aufgeführt.
    Ein bisschen hat sich Warcraft 3 von Diablo inspirieren lassen: Nach jedem besiegtem Gegner erhalten die Helden Erfahrungspunkte. Je mehr Schlachten Sie schlagen, desto häufiger steigen Ihre Hauptfiguren im Level auf und erlernen neue Zaubersprüche. Sie wählen aus vier Spezialfähigkeiten mit jeweils drei Ausbaustufen. Held Thrall beispielsweise beschwört einen Kettenblitz, der von Gegner zu Gegner springt. Je mehr Punkte Sie in die Fähigkeit "Kettenblitz" investieren, desto mehr Ziele trifft er. Die Prise Rollenspiel harmoniert erstaunlich gut mit der Echtzeit-Strategie, und hat einen angenehmen Nebeneffekt: Man will stets alle schwarzen Flecken auf der Karte aufdecken. Um alle Monster zu besiegen. Um alle Schätze zu finden. Es könnte ja noch irgendwo ein Bonus versteckt sein: Wunderstiefel, mit denen der Held schneller läuft, oder ein Feueramulett, das den Schaden anderer Einheiten im Umkreis erhöht. Das weckt den Sammlertrieb.
    Premiere bei Blizzard: Endlich haben es die Entwickler geschafft, sowohl spielerisch als auch grafisch höchste Güteklasse abzuliefern. Warcraft 3 räumt mit dem Vorurteil auf, die Grafikkarten in Blizzards PCs würden keine Bildschirmauflösung jenseits der 800x600 Pixel schaffen. Doppelt so hoch dürfen Sie gehen! Das Resultat sind weiche Kanten, herrliche Farbübergänge und viel Platz für Liebe zum Detail. Den Sprung in die Dreidimensionalität hat das Echtzeit-Strategiespiel ohne Blessuren überstanden. Das Spielablauf bleibt dank komfortabler Steuerung trotz des kleinen Bildausschnitts übersichtlich, hektisches Kameragefummel fällt weg: Die Draufsicht dürfen Sie nicht zoomen, nur ein bisschen drehen und leicht kippen. Weil die Kamera ein bisschen näher am Geschehen hängt, als man vom Genre gewohnt ist, kommt die Animationsvielfalt zur Geltung. Die Einheiten sehen aus, als wollten sie einen Schönheitswettbewerb gewinnen: Elfen joggen im wehendem Mantel, Soldaten stolzieren mit klappernder Rüstung und untote Monster spurten wie Raubtiere auf allen Vieren. Alles wirkt wie aus einem Guss. Ritter verlagern beim Herumstehen das Gewicht von einem Fuß auf den andern, geschlagene Helden werden von einem goldenen Rauch gen Himmel getragen, Goblins taumeln nach einem Treffer zwei Schritte zurück und fallen auf den Boden, Wasser, in dem Einheiten sterben, färbt sich blutrot ­ die Liste ließe sich lange fortsetzen. Highlights sind die Zaubersprüche: Wenn Schamanen einen Blitzschild herbeizaubern, krachen zwei grelle Strahlen vom Himmel und schlängeln sich um die ausgewählte Einheit. Wo sie hinläuft, leuchtet die Umgebung hell auf ­ ein Effekt, der besonders bei Nacht seine volle Wirkung entfaltet. Auch die Rendersequenzen, die zu Beginn und am Ende jeder Kampagne den Fortgang der Geschichte erzählen, sind schlicht kinoreif.
    Wundervoll in Szene gesetzt ist der Wald der Elfen: Bäume, Büsche und Felsen stehen dicht aneinander, plätschernde Bäche durchziehen das Gelände, und durch die Baumwipfel bricht vereinzelt das Sonnenlicht in glänzenden Strahlen. Wer die Figuren übers Wasser schickt, erzeugt kleine Wellen darin. An manchen Stellen der Karte regnet es sogar. Man fühlt sich in ein fantastisches Bilderbuch hineinversetzt. Unterstützend wirkt die akustische Untermalung. Zauberhafte Flötenmelodien unterstreichen die Naturverbundenheit der Nachtelfen. In der Menschenkampagne tönen heroische Hymnen, bei den Orks rhythmische Posaunenklänge und Kriegsgeschrei. Die Musik der Untoten ist ein harmonisches Durcheinander aus bedrohlichen Klängen. Ein perfektes Zusammenspiel von Grafik und Musik! Kein anderes Echtzeit-Strategiespiel ist derzeit gestylter als Warcraft 3.

    WarCraft 3: Reign of Chaos (PC)

    Spielspaß
    92 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
  • WarCraft 3: Reign of Chaos
    WarCraft 3: Reign of Chaos
    Publisher
    Vivendi
    Developer
    Blizzard
    Release
    05.07.2002
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WarCraft 3: Reign of Chaos
Echtzeit-Strategie in Perfektion.
http://www.pcgames.de/WarCraft-3-Reign-of-Chaos-Spiel-41725/Tests/Echtzeit-Strategie-in-Perfektion-65210/
19.07.2002
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