Vorschau: Venetica - Das Spiel vom Tod
Am Konzept der Adventures hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert - außer dass eine Hotspot- Anzeige jetzt Standard ist. Warum sticht Jack Keane trotzdem aus der Masse der Point&Click-Abenteuer heraus? Es sind nicht das überragende Gameplay, richtungsweisende Grafik oder besonders geniale Puzzles.
Mit Booten und Gondeln reisen Sie zwischen den Stadtteilen Venedigs und den Außenarealen.
Nein, den Machern von Deck 13 ist es vielmehr gelungen, eine Geschichte mit guten Charakteren zu erzählen, die auch in Aktion noch menschlich wirken. Dem technisch überlegenen Oblivion gelang das nicht, die Charaktere sahen zwar technisch gut aus, natürlich, ja menschlich wirkten sie jedoch nicht. Ein bekanntes Spielprinzip mit einer guter Erzählung und liebenswerten Charakteren mischen, das können sie, die Frankfurter Entwickler. Und nachdem sie sich in vier sehr guten Adventures (drei Ankh-Spiele und Jack Keane) bewiesen haben, folgt nun ein modernes Rollenspiel, das auf den Namen Venetica hört.
Die Katakomben sind nicht nur Versteck für weitere Gegner wie diesen Gargoyle, sondern oft auch ein alternativer Weg in bestimmte Gebäude.
Es gibt viele Mythen über den Tod. Dass er schwarz gekleidet mit einer Sense herumläuft, vielleicht den Sterblichen gar Eis verkaufen möchte, kurz bevor deren Leben noch einmal als Film vor ihnen abläuft. Davon ist Venetica genauso weit entfernt wie vom üblichen "Ein böses Etwas bedroht die Welt mit Drachen, Orks und Groms"-Setting vieler Fantasy- Konkurrenten. Der Tod hat eine Tocher, sie ist hübsch, heißt Scarlett und ahnt nichts von ihrem Schicksal. Der Tod wählt Menschen aus, die ihrerseits dafür zuständig sind, Sterbende ins Jenseits zu überführen. Der Tod wird überlistet, als der Auserwählte sich lieber okkulter Magie zuwendet und somit das Gefüge aus Leben und Ableben durcheinanderbringt.
Schlimmer noch, Antagonist Victor plant gar die Vernichtung des Todes. Und es ist an Scarlett, also an Ihnen, das wieder in Ordnung zu bringen. Die Tragweite der Geschehnisse lernt Scarlett bereits während des tragischen Anfangs kennen. Venetica ist zwar Deck-13-typisch farbenfroh, aber durchaus dramatisch - denken Sie an Jack Keanes Vorgeschichte und subtrahieren Sie den überschwenglichen Humor. Natürlich bedienen sich die Entwickler überreichlich bei Kulturen und Klischees für die Gestaltung des fi ktiven Venedigs im 15. Jahrhundert. Als Tochter des Todes hat Scarlett einige besondere Fähigkeiten in den Genen, die sie zusammen mit den vier Waffentypen auch einsetzen muss, um Victors Schergen oder auch nur den Banditen in Venedig entgegenzutreten. Die Stadt ist in mehrere Abschnitte geteilt, erlaubt es Ihnen, auf den Dächern herumzusteigen, und verfügt stilecht über Katakomben und Kanäle.
Die Stärken des Beleuchtungssystems kommen in dieser Abendszene auf dem Markt besonders zur Geltung. Beachten Sie auch die Blickrichtung Scarletts.
Die Geschichte Veneticas zeigt bereits, dass die Ankh-Schöpfer sich jenseits ausgetretener Pfade bewegen wollen. Auch der erzählerische Stil des Spiels trägt das weiter. Cinematic RPG - da schrillen die Ohren des Journalisten, der gerade die fünfte Pressemitteilung des Tages mit den Worten "cineastische Inszenierung" gelesen hat. Jedoch: Die Dichte und Dynamik der Zwischensequenzen, die authentischen Gestik- und Mimikdarstellungen, das ist wirklich beeindruckend. Beispiel: Augen, die sich tatsächlich zum jeweiligen Gesprächspartner hinbewegen, haben im Genre Seltenheitswert. The Witcher erhält sie auch erst in der Enhanced Edition.
Geschichte gut, alles gut? Keineswegs, denn statt Rätseln stehen in Venedig jede Menge Quests zum Erfüllen und Schurken zum Erledigen bereit. Im Spielablauf ist Venetica dabei zwischen modernen Rollenspielen wie Oblivion und Action-Spielen wie Diablo 3 oder Titan Quest angesiedelt. Kämpfe laufen mit einer äußerst simplen Mechanik ab: Linksklicks in halbwegs ausgeglichenem Rhythmus sorgen für aufeinander aufbauende, grazile Attacken inklusive kamerabeschwenktem Finishing Move.

