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  • Liebe auf den ersten Biss

    SCHLANGENBESCHWÖRUNG Nicht mal Fakire würden in dieser Situation Ruhe bewahren. SCHLANGENBESCHWÖRUNG Nicht mal Fakire würden in dieser Situation Ruhe bewahren. Vampire, die bizarren Herren der Nacht: In Nihilistics Gruselwerk ziehen sie unbeschwert kämpfend durch modrige Keller und durchleben eine Geschichte, die Ultima 9 in Sachen Umfang den Rang ablaufen könnte. Dank einer genialen Mehrspieleridee werden die Beißer außerdem neue Design-Standards setzen.
    Im Kern ist Die Maskerade ein stinknormales Rollenspiel mit Hauptfigur samt wechselnden Begleitern - nur um Längen besser. Das Besondere liegt in seiner Balance, die Könner genau wie blutige Anfänger zwangsläufig süchtig machen muss: Actionlastige Streitereien fordern Bisskraft und Reaktionsvermögen wie im Spaßklassiker Diablo; intelligente Monster von Hochhausformat und besondere Vampirfähigkeiten heben die Kämpfe im Vergleich aber auf eine höhere Ebene - zum Beispiel können Sie andere Figuren per Telepathie in Marionetten verwandeln. Durch seine simple Steuerung und Zugänglichkeit dürfte Vampire auch genrefremde Spieler anlocken und wenngleich es zum Anknabbern schön aussieht, kommen darin keine ruckelnden Bildfolgen vor - nach den Erlebnissen mit Ultima 9 ein wichtiger Punkt. Obendrein entwickelt es dank seiner Hintergrundgeschichte einen Facettenreichtum, der bis zum Schluss immer öfter staunen lässt. Kurz: Der Computertanz der Vampire lässt die Minuspunkte aller Mitbewerber beiseite, um sämtliche Vorteile ins Rampenlicht zu rücken. Warum er außerdem verspricht, ein Meilenstein für die Spiele-Entwicklung zu werden, verrät Ihnen unser Extrakasten zum Thema "Storyteller-Modus".
    Vorher jedoch zur Story, einer Mixtur aus Highlander und Dracula: Vorurteile sind bekanntermaßen menschlich. Wenn man plötzlich allerdings zur Zielscheibe der eigenen wird, ist das wie ein herber Schlag in die Magengrube. Christof, der mittelalterliche Hauptdarsteller, macht diese Erfahrung, nachdem eine ganze Gruppe zweibeiniger Blutsauger von ihm gekostet hat. Zunächst verläuft der Wandel noch unbemerkt, nur Kratzer und Zahnabdrucke lassen Schlimmes ahnen. Dann aber kommt schleichend der berühmte Durst auf, die Lust auf nackte Frauenhälse und pulsierende Venen - richtiggehend ekelhaft. Denn, wie man als Mensch stets vorgebetet bekommen hat: Vampire sind von Grund auf böse. Während Christof diese These jetzt neu zu überdenken hat, steigt er vorsichtig ab in eine fremde Nachtschwärmergesellschaft - von Ihnen dirigiert.
    Gottlob muss man nicht die Papierversion des Rollenspiels durchgehechelt haben, um dort Fuß zu fassen; verschiedene Vampirmentoren nehmen einen Kapitel für Kapitel fürsorglich an die Hand und machen die Welt unterm Sternenzelt vertrauter. Darin geistern beispielsweise düstere Clans mitsamt Unterwerfungsplan für die Menschheit umher. Andererseits leben Stämme dort, die Tarnung und Versteckspiel benutzen, einfach um in Ruhe gelassen zu werden; oder hässliche Buckelkreaturen, die zurückgezogen im Wald hausen. Gemeinsam ist allen nur ihre Abhängigkeit von Blutkonserven. Verzichtet nämlich ein Vampir auf das gute Stöffchen, dreht er beizeiten durch und geht selbst engen Freunden an die Gurgel. "Tiere sind wir, um nicht Tiere zu werden" - der Slogan des Spiels blitzt in der unvorhersehbaren Story fortwährend auf und bringt Sie als Titelsauger schnell in die Bredouille: Bei Selbstgeißelung drohen grausame Kurzschlusshandlungen; bitten Sie hingegen zum pausenlosen Aderlass, verliert Cristof alle Skrupel und mutiert zum seelenlosen Blutjunkie.
    In den Startkapiteln strampeln Sie deshalb kräftig, um sichere Antworten zu erhalten. Nach welchen Idealen soll sich Ihre Figur richten? Was überhaupt mit der Ewigkeit anfangen? Sinn und Ziel bekommt das zwiespältige Dasein erst, als Christofs heimliche Liebe, eine - ja, ehrlich - sexy Nonne, verschleppt wird. Um die Holde wiederzufinden, begeben Sie sich auf eine Reise durch die mittelalterlichen Städte Prag und Wien. Dann, nach einer 900-jährigen Verschnaufpause, stapfen Sie mit Schrotflinte und MG durch die Straßen der heutigen Metropolen New York und London. Zeitgleich verändern sich natürlich die Ansprechpartner. Wo einem anfänglich bucklige Schmiede begegnen, warten später Computerhacker in trendbewussten Lack- und Lederkostümen. Markiert werden die Handlungsabschnitte durch Multiple-Choice-Gespräche sowie Zwischensequenzen. Spätestens in denen wird auch offenbar, wie viel Mühe die Entwickler ins Modellieren der Mimiken investiert haben: Beinahe perfekt abgestimmt sind die Lippensynchronität und die menschlichen Bewegungen der Figuren.
    Wichtig war Nihilistic, wie oben angedeutet, die leichte Handhabung ihres Programms: Ein Klick, eine Tat - Christof versteht den Inhalt Ihrer Kommandos situationsbezogen. Liegt eine Rüstung am Boden, greift er sie auf. Findet er eine männlich-markante Waffe beim Händler, steckt er sie ein und blecht dafür. Auge in Auge mit schlecht aufgelegten Nachtkreaturen holt er zum Hieb aus und sobald er einen Freund erblickt, schaltet er um in den Tratschtantenmodus. Das System funktioniert fehlerlos - andererseits bringt das Einfache mit sich, dass Sprungkombinationen und Ausweichmanöver im Action-Adventure-Stil - wie letztens in Ultima 9 - nicht zum Repertoire zählen. Zwei Schlagvarianten existieren. Das muss reichen und das tut es. Mehr Leben kommt dafür durch 65 Vampirdisziplinen ins Getümmel, die ungefähr mit Zaubersprüchen gleichzusetzen und schrittweise erlernbar sind. Als Treib- wie Triebstoff muss Menschenblut herhalten. Nur ein paar Kostproben: Die Vampire können sich unsichtbar machen, sie können Feuerbälle schleudern, Schutzdämonen heraufbeschwören, ihre Reflexe beschleunigen oder eben tumbe Gemüter nach Lust und Laune manipulieren. Um all die Tricks schnell aus dem Ärmel schütteln zu können, dürfen Sie die Funktionstasten passend belegen.
    Logischerweise bleiben die Kämpfe durchweg Ihre Hauptbeschäftigung in Vampire - ab und an müssen nebenher kleinere Rätseln gelöst oder Fallen ausgetrickst werden. Und obwohl die Pfade der Party zeitweise LKW-große Raufbolde kreuzen, wird's nie chaotisch. Ein Plus, das wiederum der Steuerung anzurechnen ist, weil sie das Orientieren gleich mit vereinfacht: Die dritte Person ist als Perspektive grundsätzlich eingestellt, allerdings frei um den aktiven Charakter rotierbar. Damit die Kamera Kreise zieht, müssen Sie per Mauszeiger lediglich sachte den Bildrand berühren. Klicken Sie auf einen Bodenpunkt, trollt sich Ihr Schattenbild kommentarlos dorthin. So einfach geht das. Wenn nützlich, dürfen Sie noch via ALT-Taste in die Ich-Sicht schalten, etwa um krakelige Hinweise an der Wand én detail zu studieren.
    Einen einzigen Kompromiss geht das Spiel grafisch ein: Die Sichtweite ist nicht überwältigend. Zwar kommt die Nachtwelt insgesamt auf eine beachtliche Größe - nur wird sie erst scheibchenweise in den Speicher geladen. Ansonsten demonstriert Nihilistic den Ruckelspezialisten bei Origin, dass Schönheiten nicht stottern müssen, solange sie sauber programmiert sind. Und sogar vom Filmhandwerk scheinen die Amerikaner etwas zu verstehen: Durch geschickte Lichtspiele entstehen in ihrem Vampirreich massenhaft abgrundtief schaurige Orte. Was ist ein schwarzer Raum schon gegen eine Kammer, in der zackige Schattenrisse über die Wände huschen? Eben. Obendrein werden grandiose Vampiranimationen geboten - wie Christofs Mundabwischen nach dem Anzapfen einer knusprigen Bürgerin. Fast erotisch macht er das. Genausolebensecht wirken die Städte mit ihren detaillierten Texturen: Enge und verwinkelte Gassenlabyrinthe prägen Prag, Parallelstraßen vorbei an imposanten Wolkenkratzern durchziehen New York. Pferde scharren im Mittelalterlichen, in den modernen Geschäften herrscht sicht- und hörbar reges Treiben. Und über beiden Zeitaltern schiebt sich der Mond durch ein fantastisch leuchtendes Sternenmeer. Die Inszenierung übertrifft manchen Kinofilm.
    Zuletzt unter uns: Christof wird teils tagaktiv. Wie die ozonlochgeplagten Australier muss er dabei von Schatten zu Schatten hüpfen - eine von vielen Überraschungen im Spielverlauf.

  • Vampire: Die Maskerade - Redemption
    Vampire: Die Maskerade - Redemption
    Developer
    Nihilistic Software
    Release
    01.07.2000
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Vampire: Die Maskerade - Redemption
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07.03.2001
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