Tomb Raider Legend
Die Legende besagt, dass Lara Croft der heißeste Action-Spiele-Star der Neunzigerjahre war. Beim Comeback wirkt vieles vertraut - dabei ist fast alles anders.
Die Beinkleider sind gut bestückt mit Fernglas, Granaten und der Rolle für das abschießbare Seil.
Wo traditionell Muskelmänner im Einsatz waren, da stand sie als Erste ihre Frau. Sie sorgte mit viel Geschick, zwei Pistolen und überbordendem Busen für Action und Abenteuer in gruftigen, dreidimensonalen, archäologisch interessanten Szenarien. Lara Croft war ein erfolgreicher Spielestar mit glänzendem Vermarktungspotenzial und Aussichten auf große Hollywood-Verfilmungen.
Doch bei der Fließband-Produktion eilig zusammengestückelter Fortsetzungen erodierte die Produktqualität, bis sich Entwicklungsteam Core Design den verbugten Serien-Tiefpunkt Angel of Darkness leistete. "Ein Spiel zu veröffentlichen, wenn es eigentlich noch nicht fertig ist - das ist kein sehr guter Plan", grummelt Lara-Erfinder Toby Gard über Fehltritte der Vergangenheit.
Der Engländer ist selbst so etwas wie ein kostbares Artefakt, ein Überbleibsel aus besseren Zeiten, als Tomb Raider noch frisch und aufregend war. Doch schon nach dem ersten Spiel hatte er seine Koffer bei Core Design gepackt. Fast zehn Jahre später treffen wir ihn einen Kontinent weiter wieder, in den Büros von Crystal Dynamics im kalifornischen Silicon Valley, wiedervereint mit der verlorenen Tochter.
Dass Publisher Eidos reinen Tisch machte und ein neues Entwicklungsstudio mit der Rettung der Serie beauftragte, hatte ihn überzeugt: "Es war interessant für mich zurückzukommen, um zu helfen, das Aussehen des Charakters zu definieren, wer Lara wirklich ist, und die Story zu konstruieren. Die Spieler sollen mehr über sie erfahren und sie besser verstehen."
Neue Engine, alte Tugenden
Der Felsen wird für ein Bodenplatten-Puzzle benötigt. Durch einen Ruck am Magnetgreifer bringen wir sein Podest zum Einsturz.
Zur Imagekorrektur gehört auch das Ende von Frau Crofts Abwegen als Stealth-Großstadtpflanze. Tomb Raider Legend spielt da, wo eine abenteuerlustige Archäologin hingehört, in mit Fallen und Puzzles gespickte Altbauten, die in exotischen Regionen Südamerikas oder dem Himalaja-Gebirge gelegen sind. Die Faszinationselemente der Serienanfänge werden vom neuen Entwicklungsteam beschworen, die zugleich den alten Programmcode komplett ausmistete.
Die Steuerung? Wirkt präziser, feinfühliger und gnädiger, bei Fehltritten gibt es die Chance zum schnellen Ausbessern. Die Grafik? Ein neuer Renderer sorgt für stimmig ausgeleuchtete Schauplätze mit viel Atmosphäre. Die Spielwelt? Detaillierter und interaktiver, eine Physiksimulation beeinflusst das Verhalten der zum Teil zerstörbaren Objekte.
Ein guter Magnet-Griff
"Du hast dadurch viele Gelegenheiten, dich smart zu verhalten", meint Produzent Morgan Gray und zeigt zum Beispiel, wie nach Wegschießen eines Hindernisses ein riesiger Felsen hangabwärts poltert. Das Design der Puzzles setzt stark auf die Physik-Engine, statt wir früher alles voll durchzuskripten. Die passende Gadget-Ergänzung ist ein schwingbares Seil mit einem magnetischen Endstück, das an metallisch schimmernden Oberflächen kleben bleibt.

