Rainbow Six: Vegas
Mit einem weiteren Tastendruck legen Sie dann noch fest, welche zwei Gegner zuerst über den Jordan gehen sollen. Ist alles vorbereitet, stürmen Ihre KI-Kollegen nach Ihrem Befehl los und erledigen die Drecksarbeit. Das Erfolgserlebnis, das ein solcher Zugriff beschert, ist grandios und macht einiges der dichten Atmosphäre des Spiels aus. Diese clevere Vorgehensweise, die sich durch das gesamte Spiel zieht, nennt sich OPA (Observe, Plan, Assault) und ist wohl der wichtigste tak-tische Baustein von Rainbow Six: Vegas.
Duck dich
Trotz dieser Taktik geraten Sie immer wieder in actionreiche und brandgefährliche Feuergefechte. Damit Sie im Kugelhagel eine Chance haben, pressen Sie sich einfach mit gedrückter rechter Maustaste an die nächste Wand, die Kamera schaltet dabei in die Außenperspektive. Von dort aus linsen Sie um die Ecke und schießen zurück.
Wird's besonders bleihaltig, halten Sie einfach Ihre Waffe aus der Deckung und ballern grob in Richtung des Gegners. Das klappt erstaunlich gut, nur selten hockte sich Teamführer Logan ungünstig ins Feindfeuer oder wollte gar nicht mit dem Rücken zur Wand. Gerade in späteren Levels wird diese Taktik zur Pflicht. Ohne Deckung zu feuern bedeutet nämlich das schnelle Aus.
Einen Gesundheitsbalken besitzen Sie und Ihre Kollegen jedoch nicht. Werden Sie getroffen, verschwimmt der Bildschirm, wie zum Beispiel in Call of Duty 2. Eine kurze Verschnaufpause lässt die Sicht wieder klar werden. Gehen Ihre Mitstreiter zu Boden, richten Sie sie mit einer wohl-tuenden Spritze wieder auf.
Schau, wie schlau!
Ihre Widersacher stehen der Intelligenz Ihrer Begleiter in nichts nach. Sie hechten in Deckung, feuern gezielt und treffen gut. Dabei wagen sie sich nur für ein paar kurze Feuerstöße aus der Deckung. Außerdem schreien sie Befehle hin und her oder werfen Ihnen unter anderem Beleidigungen und wüste Beschimpfungen an den Kopf. Einziger Kritikpunkt an den KI-Terroristen: Sie sind zu zahlreich.
Nicht selten legen Sie sich mit einer gigantischen Übermacht an, die aus allen Ecken auf sie feuert. Dazu kommen geskriptete Ereignisse, die eine neue Welle an Gegnern auf Sie loslässt. Hier geht etwas Atmosphäre flöten, die Schurken wirken willkürlich in den Levels platziert. Außerdem scheinen die Bösewichter eine große Klonfamilie zu sein, denn pro Abschnitt gleichen sich die Gegner meist wie ein Ei dem anderen.
Höchst erfreulich: Ihre Feinde nutzen die gleichen Taktiken wie Sie auch. Öfters fliegen Ihnen Blendgranaten um die -Ohren oder die Verbrecher tarnen Ihre Laufwege mit Rauchbomben. So ist es uns passiert, dass wir einen Raum stürmten und sofort von einer Blendgranate außer Gefecht gesetzt wurden. Als wir wieder sehen konnten, seilten sich bereits einige Terroristen vor uns ab und nahmen uns unter Feuer. Einsatz gescheitert, neu laden.
Das Problem dabei: Eine Schnellspeicherfunktion suchen Sie bei Rainbow Six: Vegas vergeblich. Das Spiel erstellt automatisch Speicherpunkte, die allerdings rar gesät sind. Taktisches und vorsichtiges Vorgehen wird somit zur Pflicht. Das ist im -Großen und Ganzen akzeptabel, nur bei manchen extrem knackigen Stellen hätten wir uns zumindest ein paar mehr Speicherpunkte gewünscht.
Die neue Schönheit
Rainbow Six: Vegas ist neben Splinter Cell: Double Agent eines der ersten Spiele, das mit der neuen Unreal-Engine 3 entwickelt wurde. Die Resultate sind verblüffend: Noch nie sahen -Anti-Terror-Einheiten in einem Spiel so detailliert aus. An den Recken erkennt man jeden einzelnen Ausrüstungsgegenstand, die Gesichtszüge verzerren sich beim Schießen und die Bewegungen sind dank aufwendigem Motion-Capturing-Verfahren butterweich und lebensecht gelungen.
Dazu tauchen stimmungsvolle Lichteffekte die Wüstenstadt in ein traumhaftes Licht. Szenen von Schießereien in funkelnden Casinos, mit platzenden Automaten und herumwirbelnden Gegenständen sorgten in unserer Redaktion für offene Münder. In den vollen Genuss der Effekte kommen allerdings nur Zocker mit einem hochmodernen Rechner. Taktikern, die sich an dem beinharten Schwierigkeitsgrad nicht stören, empfehlen wir einen ausgiebigen virtuellen Ausflug nach Las Vegas.

