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  • This War of Mine angespielt: Zivilisten in Permadeath-Gefahr

    Betten bauen, Wodka destillieren, Freunde opfern um Familienangehörige zu retten. Die erste Überraschung der GDC heißt This War of Mine und ist nicht nur hart und direkt, sondern auch eine in sich geschlossene Wirtschaftssimulation mit Produktionskreisläufen wie DayZ. Wir haben This War of Mine gespielt.

    So minimalistisch sich This War of Mine auch präsentieren mag, so greifbar und unmittelbar wirkt es. Wenn Heckenschützen auf eine Frau anlegen, dann erinnert das an den ersten Mord an einer Zivilistin im syrischen Bürgerkrieg. Eine Geschichte, die damals durch die Medien ging, doch kein Einzelfall blieb und sich erst vor wenigen Wochen auf dem Maidan in Kiew wiederholte. Jeder Krieg ist gleich, erklärt Chefautor Pawel Miechowski. Nichts zählt mehr außer zu überleben. Denn in This War of Mine spielen wir keine Soldaten, sondern Zivilisten, die sich am Tag verstecken und sich nur im Schutz der Dunkelheit raustrauen.

    Die eigene Angst in einem Spiel visualisieren

    Pawel gehörte mal zu den ganz Großen in der Industrie, hat in leitender Position an The Witcher bei CD Projekt gearbeitet und mit dem Tower-Defense-Spiel Anomaly Warzone viel Geld verdient und eine mittelgroße Vitrine mit Awards gefüllt. Doch darum geht es ihm laut eigener Aussage nicht mehr: Wenn Spiele Kunst sein wollen, dann dürfen wir uns auch vor unangenehmen Themen nicht verstecken. Es ist spannend mit diesem Menschen zu reden, weil er aus Polen kommt und die Angst vor einem Bürgerkrieg in der Ukraine ihn sichtlich umtreibt. This War of Mine soll uns als Spielern zeigen, wie die andere Seite aussieht.

    Wie der Krieg ist, wenn man nicht im Schutz von M1 Abrams-Kampfpanzern durch die Straßen fährt und nahezu unendlich Munition in seinem M4-Sturmgewehr hat. Es zeichnet die Geschichte von einfachen Leuten wie Roman, Adriana und Bruno. Aber eigentlich sind deren Namen gar nicht so wichtig, es könnte laut Pawel jeder sein. "Wir überlegen gerade, ob wir euch anbieten ein Foto von euch ins Spiel einzubinden. Die Frage ist jetzt: Was würdest du tun, wenn die Bomben fallen und du deine Familie schützen musst?" Eine Frage, die Pawel in der einstündigen Präsentation immer und immer wieder stellt.

    Die Sims, auf die harte Tour

    This War of Mine basiert auf der massiven Bombardierung einer normalen Stadt im Krieg. Unser Haus wird zerstört, wir werden von unseren Eltern getrennt und fliehen mit unseren Brüdern sowie Schwester in ein Gebäude, das den Bomben standgehalten hat. Ein Blick ins Inventar fühlt sich in etwa so entmutigend an wie in DayZ - das ist nämlich leer. Prinzipiell müssen wir die Bedürfnisse der gesamten Gruppe befriedigen, die sind hungrig, müssen schlafen, haben ein gewisses Sicherheitsbedürfnis und müssen auf ihre Hygiene achten. Da unser Inventar aktuell nichts hergibt, müssen wir priorisieren. Das wichtigste ist Schlaf, ansonsten kann die Gruppe nicht mehr aktiv werden. Spezialfähigkeiten gibt es dabei nicht, jeder kann prinzipiell alles, allerdings dauern die Aktionen länger, wenn die betreffende Person müde ist. Um das Schlafbedürfnis zu stillen, bauen wir ähnlich wie in Die Sims Betten. Aber die lassen sich hier nicht einfach kaufen, wir müssen sie erst aus Holz, Nägeln und Stoffen zusammenbauen. Auch die Perspektive ist ungewöhnlich, wir spielen nämlich aus einer Seitenansicht – wie in einem 2D-Sidescroller -, aus der wir auf vier übereinander liegende Stockwerke in einem großen Gebäude schauen.

    Ebenfalls wie in Maxis' Lebenssimulation werden die Profilbilder der drei Protagonisten an der linken Seite angezeigt, daneben mit jeweils kleinen Symbolen und Balken für ihre Bedürfnisse. Der Schlafbalken ist bei zwei Charakteren bereits im roten Bereich, es wird Zeit für ein paar Betten. Bruno wird als verletzt angezeigt, kann ergo nicht arbeiten. Roman legen wir auf die harten Holzbohlen, wo er zwar nur wenig Energie regeneriert, aber besser als nichts. Adriana lassen wir derweil im Schutt nach Nägeln suchen, ein paar Holzbohlen haben wir bereits gefunden. Unter einer dicken Staubschicht findet sich letztlich ein ausgebranntes Sofa. Immerhin können wir ein bisschen was von dem Stoff retten und daraus ein erstes Bett bauen. Abwechselnd legen wir die Charaktere ins Bett, so kann jeder seinen Schlafbalken wieder aufbauen.

    01:20
    This War of Mine: Erster Trailer zum Survival-Spiel
    Spielecover zu This War of Mine
    This War of Mine

    Sauberes Trinkwasser – nur wo herbekommen?

    Die Trinkwasserversorgung ist komplett zusammengebrochen, wir brauchen also dringend Flüssigkeit. Da Pawel uns etliche Stunden nach vorne gecheatet hat, haben wir mittlerweile zwei Betten für drei Personen. Diese Luxussituation entscheiden wir uns zu ändern, denn wir brauchen das Holz von Bett Zwei, um daraus eine Tonne zu basteln, mit der wir Regenwasser auffangen. Kurzzeitig können wir das auch trinken, werden langfristig aber krank davon. Wie in DayZ schert sich der Entwickler nicht besonders darum, Funktionen und Features des Spiels zu erklären, vielmehr ist das Erforschen und Experimentieren Teil des Spielerlebnisses. Es gibt also niemanden, der uns sagt, dass wir kein ungefiltertes Regenwasser trinken dürfen. Wir merken es letztlich erst, wenn eine der Figuren dadurch eine Magenverstimmung erleidet und für einige Zeit als Arbeitskraft ausfällt. Spätestens jetzt sollten wir auf die Idee kommen einen Wasserfilter zu besorgen, nur wo findet man den?

    Wir haben mit einigen Zivilisten gesprochen, die in Kriegsgebieten überleben mussten und darauf basierend versucht eine möglichst realistische Nachstellung zu schaffen", erklärt Pawel. "Wasserfilter sind normalerweise nichts, was man zu Hause hat. Wir sind es ja alle gewohnt gefiltertes, sauberes Wasser in Großstädten zu bekommen." Wir müssen ergo einen Soldaten finden, denn die führen Filter in ihrem Marschgepäck mit. Dazu müssen wir den Schutz der halbwegs sicheren Bleibe verlassen und uns mit einer der drei Figuren auf die Suche machen. Am Tag lauern überall Scharfschützen, wir können ergo nur nachts raus und haben zwei Möglichkeiten an einen Soldaten ranzukommen: Verbandszeug oder Alkohol!

    Wer Wodka destillieren kann, ist der King

    "Soldaten werden von ihren Armeen in der Regel gut versorgt, aber es fehlt an einem ihrer wichtigsten Grundbedürfnisse im Krieg: Alkohol, um den ganzen Scheiß zu vergessen" – wenn Pawel das so sagt, klingt das mehr nach Klischee, scheint aber der Wahrheit zu entsprechen. Er erklärt, dass während des vierjährigen Krieges im Kosowo Wodka die wichtigste Währung war. Geld ist nutzlos, wenn alle Geschäfte zerstört sind. Aber eine Flasche Wodka ließ sich gegen einen Heizofen oder sogar gegen eine Ak-47 eintauschen. Generell ist This War of Mine also auch eine Art in sich geschlossene Wirtschaftssimulation mit Produktionsketten. Quests oder irgendwelche vorgegebenen Checklisten zum Abhaken gibt es aber nicht, stattdessen irren wir durch die schier endlosen Gänge dieses offensichtlich sehr großen Gebäudes und entscheiden uns jeweils, ob wir dem verwundeten Mann einer Frau im zweiten Stock helfen oder lieber unser bisschen Verbandszeug einem Soldaten spenden, der sich dafür mit einem Wasserfilter bedankt.

    Generell sind wir ständig der Gefahr von Angriffen ausgesetzt, der wir uns ohne Schusswaffe nur mit Fäusten erwehren können. Um ein Sturmgewehr Marke Ak-47 ergattern zu gönnen, brauchen wir allerdings Wodka zum Eintauschen. Den können wir selbst destillieren, aber dafür brauchen wir eine Destille – und die zu bauen ist wiederum eine riesige und sehr langfristige Aufgabe. Das Bausystem funktioniert ähnlich wie in The Last of Us per Drag-and-Drop, ist aber sehr viel kleinteiliger aufgebaut. Um irgendwann mal den Wodka strömen zu lassen, brauchen wir Kartoffeln und Hefe, Trichter, Kupfer-Topf, Reduzierstücke und Temperatur-Korrektoren. Laut Pawel kann das ziemlich lange dauern – wie in DayZ eben.

  • This War of Mine
    This War of Mine
    Developer
    11 Bit Studios
    Release
    14.11.2014
    Es gibt 11 Kommentare zum Artikel
    Von Mothman
    Seh ich auch so. Wenn es wirklich eine "Zivilisten-Simulation" im Krieg sein soll, dann dürfte der Zivilist sich…
    Von golani79
    Ja, es wird die abschrecken, die sich nicht darauf einlassen wollen - aber wenn man sich Filme / Dokus über solche…
    Von Worrel
    Interessanter Ansatz. Nur:Wenn eines der Spielziele ist, eine ak47 zu erhalten, ist man ja nachher doch wieder bei…
    • Es gibt 11 Kommentare zum Artikel

      • Von Mothman Erfahrener Benutzer
        Zitat von Worrel
        Interessanter Ansatz. Nur:
        Wenn eines der Spielziele ist, eine ak47 zu erhalten, ist man ja nachher doch wieder bei einem 08/15 "Shooter" angekommen ...
        Seh ich auch so. Wenn es wirklich eine "Zivilisten-Simulation" im Krieg sein soll, dann dürfte der Zivilist sich garnicht…
      • Von golani79 Erfahrener Benutzer
        Zitat von belakor602
        Naja die Sache ist dass man bei Spielen selbst "arbeiten" muss. In einem Lehrvideo, oder einem Film über so ein Thema, lässt man sich einfach berieseln und tut nichts. In einem Spiel aber muss man selbst arbeiten um mehr von der Story zu erfahren, aber wenn diese…
      • Von Worrel Erfahrener Benutzer
        Interessanter Ansatz. Nur:
        Wenn eines der Spielziele ist, eine ak47 zu erhalten, ist man ja nachher doch wieder bei einem 08/15 "Shooter" angekommen ...
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This War of Mine
This War of Mine angespielt: Zivilisten in Permadeath-Gefahr
Betten bauen, Wodka destillieren, Freunde opfern um Familienangehörige zu retten. Die erste Überraschung der GDC heißt This War of Mine und ist nicht nur hart und direkt, sondern auch eine in sich geschlossene Wirtschaftssimulation mit Produktionskreisläufen wie DayZ. Wir haben This War of Mine gespielt.
http://www.pcgames.de/This-War-of-Mine-Spiel-54142/News/This-War-of-Mine-angespielt-Zivilisten-in-Permadeath-Gefahr-1114231/
20.03.2014
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2014/03/This_War_of_Mine03-pc-games_b2teaser_169.jpg
this war of mine,simulation
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