The Witcher
Was für ein böser Kerl Hexer geralt ist, offenbart sich schon im ersten Gasthaus, wo er sich in Faustkämpfe verstrickt und die Niedergeschlagenen um ihr Gold erleichtert.
Die ersten Sekunden des Vorspanns: große Verblüffung. Der Film sieht aus wie von den Künstlern bei Blizzard gebaut. Dann spricht jemand aus dem Off und die Atmosphäre zerbirst in Stücke. Eine basslose Stimme krächzt: "Geralt von Riva" - und man kommt nicht umhin, sich Schmirgelpapier unter Benutzung vorzustellen. Dann ein neuer Versuch, diesmal auf Englisch, denn The Witcher ist multilingual. Beginnender Vorspann, angehaltener Atem, einsetzender Sprecher und ... Erleichterung: Der Erzähler fügt sich ins Bild hinein, Stimmung und Sound gehen im Zusammenspiel auf.
Patch v1.1a lässt die deutsche Sprachausgabe unberührt. Deshalb sollte, wer kann, die englische Fassung installieren. Atari sagt, man wolle einige Passagen des Spiels neu aufnehmen. Mit manch misslungener Artikulation müssen Sie vorerst leben, genauso wie mit all den anderen Kleinigkeiten, die summiert ein Ärgernis ergeben. Gipfel des Negativen ist ein chronisch überfülltes Inventar, mit Gegenständen so klein, dass man sie ohne Mausarbeit kaum findet. Eine Sortierfunktion soll kommen; Anfang Dezember ist als Update-Zeitpunkt geplant.
Dorfbewohner durchschreiten die Nacht mit Fackeln, dahinter dynamische Schatten. Oben leuchtet blass der Mond. Atmosphäre erzeugt The Witcher mit geübtem Händchen.
Auf anderen Design-Wunden klebt das Patch-Pflaster. Vorher blieb Geralt an Ecken und Kanten hängen, als hätte er Leim am Körper. Nun schreitet er aus der Verfolgerperspektive geschmeidig durchs Bild. Es gibt noch weitere Verbesserungen, kleinere und größere. Sie aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Deshalb beschränken wir uns auf die Aussage, dass The Witcher im gepatchten Zustand nicht bestens, aber besser funktioniert. Besser als Gothic 3 und Two Worlds, wie Co-Tester Stefan Weiß und Felix Schütz meinen.
Dialoge und Figuren haben nicht den Anspruch, den man aus Werken von Bioware kennt. In The Witcher sind Texte deutlich, dreckig, auf den Punkt gebracht. Das geht auf Kosten der Charakterprofile, beschleunigt aber den sonst zähen Spielverlauf. Im ersten Kapitel legt Geralt so lange Wege zurück, als spiele man eine Wandersimulation statt eines Rollenspiels. Im nächsten Kapitel besucht er eine Stadt mit einer Menge Häusern darin. Ein Großteil davon lässt sich betreten, was jedesmal eine Ladezeit-Unterbrechung einleitet. Auch beim Verlassen, nur länger, weil die ganze Stadt in den Speicher muss.


Hättest noch bissl länger mit der Antwort gewartet, wär der letzte Beitrag genau 1 Jahr alt geworden
Kann mir da eventuell wer helfen???