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  • The Tomorrow Children: Der wilde Mix aus Minecraft, Godzilla und The Matrix im Test

    The Tomorrow Children: Der wilde Mix aus Minecraft, Godzilla und The Matrix im Test (1) Quelle: Sony

    The Tomorrow Children ist ein zugegeben einzigartiges, allerdings auch extrem langweiliges Erlebnis, das an den unpassendsten Stellen zur Kasse bittet und mangelnden Anspruch mit fehlenden Erklärungen zu kaschieren versucht.

    Reflexartig wird heutzutage alles gerne mal mit dem Phänomen Minecraft verglichen. So auch The Tomorrow Children, eine Art postapokalyptisches Aufbaustrategiespiel mit UdSSR-Flair. Auf den ersten Blick besteht durchaus Ähnlichkeit - man baut per Spitzhacke, Schaufel und Kettensäge Rohstoffe ab - bald wird aber klar, dass The Tomorrow Children weder in Sachen Charme noch was den Anspruch betrifft mit Notchs Lego-Simulation mithalten kann. Kreativität und Spaß an der Kooperation bleiben ebenfalls auf der Strecke. Dazu kommt ein mehr als fragwürdiges Free2Play-System mit großzügig eingestreuten Mikrotransaktionen: Momentan darf man nur mitmischen, wenn man 20 Euro für Early Access blecht, erst später im Jahr startet der reguläre Free2Play-Betrieb von The Tomorrow Children. Als Dank bekommt man als zahlender Kunde Privilegien wie das Recht, ein Haus zu bauen (und wählen zu dürfen) sowie ein paar Klamotten und eine gewisse Menge der kostenpflichtigen Zweitwährung im Spiel. Die wird an vielen Stellen eingefordert und verschafft Komfort, der eigentlich von vorneherein geboten sein sollte. Ob dieses dreistes Modell, wie es ja zum Beispiel auch auf dem Smartphone-App-Markt bereits eine Weile existiert, vermehrt bei Konsolentiteln Schule macht? Hoffentlich nicht.

    Die Werkzeuge von Eagle Corp. (auf welches Land mag das nur eine Anspielung sein?) kann man auf dem Schwarzmarkt gegen Echtgeldwährung kaufen. Die Werkzeuge von Eagle Corp. (auf welches Land mag das nur eine Anspielung sein?) kann man auf dem Schwarzmarkt gegen Echtgeldwährung kaufen. Quelle: PC Games

    Schöner Schein

    Einige Stunden lang gaukelt The Tomorrow Children dem Spieler mehr oder weniger erfolgreich hohe Komplexität vor, indem es so gut wie keine der Mechaniken erklärt. Die gleiche Verschleierungstaktik wird beim Setting genutzt. Die auf den ersten Blick faszinierende, bizarre Spielwelt entpuppt sich rasch als Zierblende, die notdürftig über ein simples Gerüst gekleistert wurde. Nach einem globalen Experiment ist die ganze Welt im sogenannten Void versunken. Man selbst verkörpert eine 3D-Projektion, die als Arbeitsdrohne beim Wiederaufbau von Städten helfen soll. Seit dem Experiment bevölkern jedoch auch Monster das Void. Praktisch an so einem Void (bedeutet auf Deutsch "die Leere"): Man muss keine unterschiedlichen Umgebungsarten und Wettereffekte programmieren, und damit Spieler nicht einfach in der Gegend herumlaufen, macht man den Boden abseits von Stadt und Inseln einfach zu Treibsand. Was denn nun die Hauptbeschäftigung in diesem Spiel ist? Der Abbau von Rohstoffen und das Transportieren derselbigen, garniert mit ungelenken Kämpfen, faden Rätseln und einer der unbefriedigendsten Aufbaumechaniken aller Zeiten.

    Häusle bauen

    Mit dem Bus fährt man zur Arbeit. Währenddessen (überspringen kann man die Fahrt nicht) lauscht man dem Fernseher und betrachtet die Leere. Spannend. Mit dem Bus fährt man zur Arbeit. Währenddessen (überspringen kann man die Fahrt nicht) lauscht man dem Fernseher und betrachtet die Leere. Spannend. Quelle: PC Games Damit eine Stadt als wiederhergestellt gilt, müssen darin 500 Personen leben - nicht Spieler, wohlgemerkt. Personen generiert man, indem man Matrjoschkas sammelt und zu Menschen umwandelt. Dafür muss die Stadt aber über genug Wohnhäuser und andere Einrichtungen verfügen. Und für die Errichtung der Gebäude braucht man die Rohstoffe. Holz, Kohle, Metall, Kristall. Den Kram findet man auf Inseln, die werden zufällig in der Nähe der Siedlung generiert (es gibt aber nur eine Handvoll Arten, bald hat man also alle gesehen), verschwinden ab und zu wieder und werden mit dem Bus angefahren - auf den man natürlich warten muss und dessen Fahr-Zwischensequenz man nicht überspringen kann. Später fährt man optional mit Skiern oder Schwebepanzern Richtung Inseln, was angesichts der gähnenden Leere im Umfeld verboten wenig Spaß bereitet. Oder man nutzt die sogenannten Void Powers, das sind Buffs. Jede Menge Geduld sollte man auch in Sachen Rohstoffabbau mitbringen, denn die Werkzeuge, mit denen man fix arbeitet, kosten Echtgeldwährung. Genauso wie erweiterter Platz in den Taschen, Lizenzen um Waffen, Werk- und Fahrzeuge überhaupt erst bedienen zu dürfen und so weiter. An erster Stelle beim Spiel-Design stand offensichtlich nicht die Frage, ob das Spaß machen, sondern ob man vielleicht Geld dafür verlangen könnte. Dazu passt auch Folgendes: Gebäude werden in der Stadt an Werkbänken erstellt. Bevor ihr das Haus errichten dürft, müsst ihr aber zunächst ein Schieberätsel meistern. Unter Zeitdruck. Es sei denn, ihr lasst euch die sofortige Lösung etwas kosten ....

    Diese Monster heißen Izverg. Grüne leuchtende Exemplare sind vergleichsweise schwach, rote Versionen extrem widerstandsfähig. Diese Monster heißen Izverg. Grüne leuchtende Exemplare sind vergleichsweise schwach, rote Versionen extrem widerstandsfähig. Quelle: PC Games

    In festen, langweiligen Bahnen

    Da die Städte aber alle ohnehin nach dem gleichen Muster errichtet werden und es keine Rohstoffverarbeitung gibt, verpasst man nicht viel, wenn man die Schieberätsel anderen überlässt. Apropos andere: Mitspieler sieht man nur für kurze Zeit als Geisterscheinungen. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl kommt nie auf. Und um noch ein paar Worte zur Technik zu verlieren: Der Look von The Tomorrow Children ist wahrlich einzigartig, die Beleuchtung manchmal sehr schön. Lobenswert, dass die proprietäre Engine von The Tomorrow Children komplett auf globale Echtzeitbeleuchtung mitsamt direkter und indirekter Lichteinstrahlung setzt. Der starke Unschärfeeffekt und die Vignette ums Bild machen all das aber sogleich wieder zunichte . Die Steuerung funktioniert zweckmäßig, gerade die Action-Sequenzen, bei denen man mit Raketenwerfern, Geschützen und Schrotflinten schießt, fühlen sich unglaublich indirekt und lasch an. Und die Übersicht innerhalb der Menüs geht rasch verloren, etwa bei den unterschiedlichen Werten, die man im Stadtmenü aufrufen kann. Wer möchte, kann sich im Internet besser als im Spiel aneignen, welche Werte wie gesteigert werden und auf was das alles Auswirkungen hat. Dann stellt man aber auch fest, wie rudimentär die Aufbausimulationsaspekte eigentlich ausgeprägt sind. Es gibt keine Industrie, keine Produktionsketten, keine Wechselwirkung mit der Umgebung - wie auch, ist ja alles nur weiße Leere. Nicht erwünscht, aber trotzdem anwesend sind dafür einige Bugs. Der Bus clippt auf seiner Fahrt fröhlich durch allerlei Häuser, genau wie Monsterkörper und Gegenstände. Manchmal verhaken sich Schwebepanzer ineinander und werden somit unbrauchbar. Quests, die verlangen, dass man einer bestimmten Stadt hilft, die man aber nicht abschließen kann, weil die jeweilige Stadt bereits komplett wiederhergestellt ist. Kein Bug, aber trotzdem endlos nervig: Man möchte einen Rohstoff aufheben, die Figur bückt sich, doch dann kommt einem ein Mitspielergeist zuvor. Dann doch lieber eine Runde Minecraft.


    The Tomorrow Children (PS4)

    Spielspaß
    50 %
    Leserwertung:
     
    Meine Wertung
    Pro & Contra
    Einzigartiges Setting
    Markanter Grafikstil
    Ein paar toll gestaltete Inseln
    Monotones, seichtes Spielprinzip
    Freche Mikrotransaktionen
    Fehlende Erklärungen gaukeln Tiefe vor
    Lahme Rätsel und blutleere Kämpfe
    Hässliche Unschärfe und Vignette im Bild
    Kaum Rohstoff-, Monster- und Inselarten
    So gut wie kein Spielraum für Kreativität
    Propagandabeschallung nervt
    Busfahrten lange und langweilig
    Prätentiöse Einbindung der UdSSR-Thematik
    Bugs
    Fazit
    Möchtegern-tiefsinniges Langeweilespektakel mit extravaganter Optik.

    08:08
    The Tomorrow Children: Die bizarre Aufbausimulation im Test
  • The Tomorrow Children
    The Tomorrow Children
    Publisher
    Sony Computer Entertainment
    Release
    2015
    Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
    Von Honigpumpe
    Mal wieder: schade. Ich hatte das Projekt am Anfang auf dem Schirm, weil mir der Grafikstil gut gefällt. Kommunismus…

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    • Es gibt 1 Kommentare zum Artikel

      • Von Honigpumpe Erfahrener Benutzer
        Mal wieder: schade. Ich hatte das Projekt am Anfang auf dem Schirm, weil mir der Grafikstil gut gefällt. Kommunismus ist zwar nicht mein Ding, geht als Thema aber immer. Und nun: Viel Rauch um nichts. Das nächste IP vergeigt. (Ja, ich sage "das Property" wie "das Eigentum". Außerdem heißt es "das GUI" und "der URL", so!)
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The Tomorrow Children
The Tomorrow Children: Der wilde Mix aus Minecraft, Godzilla und The Matrix im Test
The Tomorrow Children ist ein zugegeben einzigartiges, allerdings auch extrem langweiliges Erlebnis, das an den unpassendsten Stellen zur Kasse bittet und mangelnden Anspruch mit fehlenden Erklärungen zu kaschieren versucht.
http://www.pcgames.de/The-Tomorrow-Children-Spiel-54753/Tests/bizarr-dreist-monoton-1208434/
21.09.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/12/The_Tomorrow_Children__2_-pc-games_b2teaser_169.jpg
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