The Elder Scrolls 5: Skyrim (PC)

Release:
11.11.2011
Genre:
Rollenspiel
Publisher:
Bethesda Softworks

The Elder Scrolls 5: Skyrim - Von Drachen, Nordmännern und einer Menüführung direkt aus der Hölle - Leser-Test von RedDragon20

17.11.2011 19:00 Uhr
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Neu
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Seit dem 11.11.2011 steht der neueste Ableger der The Elder Scrolls-Reihe in den Händlerregalen. Skyrim schickt den Spieler in den hohen Norden und in eine harte, kalte Welt, voller Gefahren, Quests und Drachen. Obwohl ich noch lange nicht alles von Skyrim gesehen habe, habe ich die Hauptquest und einige der immens vielen Nebenquests erledigt, was wohl für einen umfangreichen User-Test reichen mag.

Malerische Natur ist typisch für The Elder Scrolls. Malerische Natur ist typisch für The Elder Scrolls. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Ein Holpern weckt mich aus meinem Dämmerschlaf auf. Eiskalter Wind bläst mir ins Gesicht und vor mir sehe ich einen blonden Krieger, der mich anspricht. Offenbar ein Gefangener. Neben ihm sitzt ein Dieb, der zynische Kommentare von sich gibt und diesem Gegenüber ein stummer Recke. Der Soldat, der den Wagen lenkt, weist uns nach einer kurzen Unterhaltung harsch zur Ruhe. Ich sehe mich um. Ein wolkenverhangener Himmel, schneebedeckte Straßen und imposante Nadelbäume ragen weit in den Himmel hinauf. Es geht nach Helgen und alle Anwesenden wissen, was auf uns zukommen wird. Da es ohnehin meine vermeintlich letzten Stunden sind, genieße ich zumindest die Aussicht. Ein Entkommen scheint in diesem Fall sowieso buchstäblich auf Eis gelegt... Weißhaupt, mit der Drachenfeste - Erinnert ein bisschen an Rohan aus Herr der Ringe. Weißhaupt, mit der Drachenfeste - Erinnert ein bisschen an Rohan aus Herr der Ringe. [Quelle: Siehe Bildergalerie]

Ich staune nicht schlecht, als ich die majestätisch in den Himmel empor ragenden Berge in der Ferne sehe und einen Moment beobachte, wie sich der graue Nebel dort oben seinen Weg bahnt. Nicht weit von mir stampfen drei Mammuts in gemächlicher Ruhe an mir vorbei, begleitet von einem Riesen. An einem kleinen Tümpel tummeln sich recht große Krabben und auf einer Anhöhe, mitten in der Tundra, steht die Stadt Weißhaupt, umgeben von kleinen Höfen, Ställen und dicken Mauern. Und über all dem thront die imposante Drachenfeste. Die Stadt gilt es zu erreichen, aber kaum habe ich die Tundra betreten, ertönt irgendwo in der Ferne ein wildes Brüllen, dessen Echo man hört, bevor man den Urheber überhaupt erblickt. Ich sehe mich um. Nichts. Ein wenig Bange wird mir schon, bin ich doch nur ein Hochelf, mit einem alten Schwert und einer alten Lederrüstung, vor kurzem erst aus Helgen entflohen und die dortigen Geschehnisse noch verarbeitend. Nach ein paar Minuten und einer kleinen Keilerei mit einem Wolf sehe ich, wie plötzlich ein Drache brüllend, feuerspeiend und fauchend vom Himmel schießt und fein animiert in eine Gruppe patroullierender Soldaten landet. Feuer bricht aus und die Soldaten kämpfen um ihr Überleben, beharken das Reptil mit Pfeilen und Schwertern. Als angehender Held stehe ich da natürlich nicht nur rum, sondern zücke mein Schwert und ringe die Bestie todesmutig zu Boden. Was bleibt sind ein paar Blessuren, eine arg geschrumpfte Lebensenergieanzeige und ein Haufen riesiger Drachenknochen, aber auch ein Gefühl des Triumphes. Immerhin ist es ein Drache, der da gerade nach zwei virtuellen Toden meinerseits nieder gerungen wurde... So begann mein Abenteuer in der Provinz Himmelsrand, nachdem ich das kleine Dörfchen Flusswald und den imposanten Anfang in der kleinen Stadt Helgen hinter mir gelassen hatte.

Worum geht es? - Haupt- und Nebenquests:
Skyrim versetzt den Spieler in den hohen Norden, nach Himmelsrand (engl.: Skyrim), wo die kämpferischen, rauen Nord in ihren Häusern und Tavernen Met trinken und einander zu einer Prügelei mit den Fäusten herausfordern. Aber nicht nur Nord findet man in Himmelsrand. Dunmer (Dunkelelfen) und Kaiserliche sind genauso vertreten, wie die katzenhaften Khajiit oder die magiebegabten Hochelfen. So vielseitig die sonst so harte Provinz Himmelsrand auch sein mag, ist sie eine gefährliche Gegend. Es herrscht Bürgerkrieg und Skyrim ist zwischen den Anhängern des Kaiserreiches und den Aufständischen der Sippe der Sturmmäntel gespalten. Als wäre das nicht schon genug, greifen plötzlich Drachen das Land an und bedrohen Dörfer, Städte und Siedlungen. Die Nacht bietet oft solche traumhaft schönen Motive. Die Nacht bietet oft solche traumhaft schönen Motive. [Quelle: Siehe Bildergalerie]

Der Spieler wird in die Rolle seiner Wahl versetzt. Nachdem ich mich für eine weibliche Hochelfe entschieden habe und für dessen äußerliche Erscheinung gut zwei Stunden in Anspruch genommen werden mussten, geht es nach einem imposanten Einstieg und dem Angriff eines mysteriösen schwarzen Drachens sogleich weiter. Die Handlung führt schließlich nach Weißhaupt, wo ich nach Unterstützung für das kleine Dörfchen Flusswald bitten soll. Aber bevor es dazu kommt, eilt eine Meldung über einen Drachenangriff herein. Der Jarl (Fürst oder Graf einer Region) erteilt mir den Befehl, mich um den Drachen zu kümmern und die örtlichen Krieger zu unterstützen. Nachdem dies geschafft ist, erstrahlt der gefallene Drache, verbrennt und ein magisch aussehender Strom fährt auf mich zu. Kurz darauf donnern düstere Stimmen über Himmelsrand hinweg und der Jarl bittet mich darum, nach Hoch-Hrothgar zu gehen, zu den Graubärten. Ab diesem Zeitpunkt und nach dem doch recht spannenden Anfang beginnt die Karriere als Dovakhiin, als Drachenblut, erst richtig.

Die Hauptgeschichte gewinnt gewiss keinen Preis für die "beste Geschichte im Genre", ist aber weit besser als Oblivions Hauptkampagne und zumindest genauso interessant wie die anderer Genrevertreter. Die Geschichte hat nahezu alles, was eine gute Fantasygeschichte braucht: Drachen, einen Helden, eine uralte Prophezeiung und wackere Gefährten, die den Protagonisten auf dem Weg zum Sieg unterstützen. Alles in allem hinterlässt die Geschichte einen - für The Elder Scrolls ungewohnt guten – Eindruck. Ich war gut 15-20 Stunden mit der Hauptgeschichte beschäftigt bereiste verschiedenste Orte, düstere Dungeons und einige Ruinen, weit im Norden, die mich stark an World of Warcrafts Ulduar (zu finden im Addon Wrath of the Lichking) erinnerten. Allerdings fehlt es mir, der ich von Mass Effect, Dragon Age und The Witcher 2 verwöhnt bin, an einer kraftvolleren Inszenierung und Erzählweise, wie sie sich eigentlich für eine Geschichte rund um monströse Drachen, Weltenfressern und Drachentötern gehören. So wirkt die Geschichte um den Dovakhiin wahrlich etwas spannungsarm und undramatisch. Auch die Gefährten und die vielen Charaktere bleiben, trotz ordentlicher Synchro, mehr oder weniger farblos.

So interessant die Geschichte auch sein mag und so sehr sich so manche The Elder Scrolls-Fans dagegen wehren mögen: Es hätte dem Spielprinzip bestimmt nicht schlecht getan, wenn man einige der größeren Quests mit Cutscenes eingeleitet und abgeschlossen hätte, um die Geschichte intensiver und spannender zu erzählen. Man "fühlt" einfach nicht, dass man die Welt gerettet und Drachen getötet hat. So ist die Hauptquest lediglich eine (sehr interessante und gute) Questreihe unter vielen anderen Quests, trotz dem ein oder anderen Höhepunkt.

Abseits der Hauptgeschichte findet man überall Quests und Aufträge. Die schiere Fülle an Aufträgen, die man nach und nach bekommt, dürfte den ein oder anderen Anfänger überfordern, fesseln aber über viele, viele Stunden hinweg. Selbst nach der Hauptquest hat man noch längst nicht alles gesehen. Der Umfang der Quests ist gewaltig. Mal geht es in die alte Stadt Markath, wo wir eine Serie von Morden aufklären und dabei einiges über die Vorbesitzer der Region, den sogenannten Abgeschworenen erfahren. Dann geht es in der Gilde der Gefährten damit los, die Kämpfer der Silber-Hand zu zerschlagen. Neben den vielen Questreihen und den Aufträgen, die man von den jeweiligen Gilden bekommt, gibt es allerdings auch genretypische und eher inspirationslose Sammelaufträge, wie etwa "Bringe XXX ein Mammuthorn" oder "Bringe XXX zwei Golderze". Die meisten Quests sind mit Kämpfen verbunden, sodass auch die letztgenannten genretypischen Sammelquests nicht allzu schwer ins Gewicht fallen...wenn man sie nicht allzu häufig erledigt, da sich solche Aufträge oft wiederholen. Zu tun gibt es in Himmelsrand immer etwas. Aber auch hier gilt: Entscheidungsfreiheit gibt es kaum und was für die Hauptquest gilt (fehlende Dramaturgie), gilt auch für die eigentlich tollen Nebenquestreihen.

Grafik, Optik und Technik
Gesichter wirken zwar noch immer etwas steif, dafür aber umso hübscher und wesentlich detaillierter als in Oblivion. Gesichter wirken zwar noch immer etwas steif, dafür aber umso hübscher und wesentlich detaillierter als in Oblivion. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Unter der Haube Skyrims werkelt die Creation-Engine, die zwar starke Ähnlichkeit mit der Gamebryo-Engine besitzt, sich aber vom Art Design stark vom Vorgänger unterscheidet. Himmelsrand wirkt viel düsterer, glaubwürdiger und weit weniger märchenhaft bunt, als Oblivion zu seiner Zeit. Auch die Charaktere wirken weniger hölzern und die Körper viel natürlicher. Auch an den Gesichtern hat sich, trotz karger Mimik, einiges getan. Alles in allem sieht Skyrim um einiges glaubwürdiger aus. Das eher tristere und dreckigere Art Design passt perfekt zum nordischen Setting, lässt aber immernoch zu, dass Skyrim auch optisch wie ein The Elder Scrolls erscheint. Wer glaubt, im hohen Norden gäbe es nur karge Schneelandschaften, der irrt. Auch in Skyrim gibt es verschiedene Gebiete, angefangen von schneebedeckten Bergen, einer weitläufigen Tundra (die ein wenig an das Reich Rohan aus Herr der Ringe erinnert), sowie Sümpfe, heiße Quellen und Nadelwälder. Für Abwechslung ist also geboten. Auch Kinder gibt es diesmal in Skyrim, die teilweise freche Kommentare von sich geben, was die Welt und das wilde Leben in Skyrim glaubwürdiger erscheinen lässt.

Wie auch Oblivion bietet Skyrim eine beeindruckende, extrem hohe Weitsicht, bei der mir - entschuldigt bitte diese vorpubertäre, aber in dem Fall angemessene Metapher - einer abging. Auch die Beleuchtung kann sich sehen lassen und trägt gerade in den, im Vergleich zum Vorgänger, abwechslungsreicheren Dungeons sehr zur Atmosphäre bei. Da kann es schonmal vorkommen, dass man sich beim Anblick der vielen schönen Gebiete verliert oder man sich in einem Dungeon erschreckt, wenn plötzlich ein hübsch-hässlicher Draugr aus dem Grab steigt und man nur noch eine Axt auf sich zusausen sieht. Hinzu kommen authentische Tag- und Nachtwechsel und herrliche Panoramabilder. Man wird förmlich dazu gezwungen, stehen zu bleiben und den Anblick, den beispielsweise die wunderschönen Polarlichter bei Nacht bieten, auf sich wirken zu lassen. Auffallend und hervorzuheben sind in Skyrim die Drachen. Die imposanten Reptilien sind wunderbar gestaltet worden und bewegen sich geschmeidig animiert durch die Lüfte. Dagegen fällt aber besonders auf, dass die Animationen der Charaktere zwar besser sind, als noch in Oblivion, aber immernoch nicht ganz das Gelbe vom Ei sind. Hin und wieder wirken die Animationen immernoch etwas hölzern und unbeholfen.

Rein optisch macht Skyrim also einiges her und es sieht sehr gut aus. Allerdings gibt es auch hier wieder ebenso Stärken, wie auch Schwächen. So gut die Beleuchtung auch sein mag und so imposant die Weitsicht auch ist, es gibt zwei Dinge, die dem gegenüber etwas fehl am Platz wirken und die man sofort erkennt: Da wären zum einen die grob verpixelten Schatten und zum anderen die teilweise recht niedrig aufgelösten Texturen. Aber auch andere Gebiete können sich sehen lassen. Aber auch andere Gebiete können sich sehen lassen. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Die Schatten bleiben auch auf sehr hoher Detailstufe verpixelt und geradezu hässlich. Glücklicherweise kann man die Auflösung und Distanz der Schatten mittels ein paar Einträger in der ini-Datei des Spiels (SkyrimPrefs.ini) erhöhen, was allerdings auf Kosten der Performance läuft. Wer also keinen potenten PC sein eigen nennt, sollte die Schatten so belassen, wie sie sind, oder sie nur geringfügig verbessern. Ansonsten muss man sich eine ordentliche Ruckelorgie antun. Die Texturen in Skyrim wirken detaillierter, als in Oblivion, sind aber teilweise nicht höher aufgelöst. Oft findet man grausige Matschtexturen, aber auch einige höher aufgelöste Pixeltapeten.

Die Stärken der Engine, die unter Skyrim werkelt, sind ganz klar: enorme Weitsicht, schöne Beleuchtung und Vegetation, viel detailliertere und hübschere Charaktermodelle. Dagegen stehen allerdings detailarme Models in hoher Entfernung, pixelige Schatten und meist grob aufgelöste Texturen. Dafür aber benötigt man kein High End-PC, um ein sauberes und flüssiges Spielen zu gewährleisten, und auch Besitzer von weniger potenter Hardware kommen in den Genuss der hohen oder sehr hohen Detailstufe, wenn man nicht gerade MSAA verwendet und in FullHD spielt.
Ich selbst bekomme auf hoher Detailstufe, der ein oder anderen ini-Veränderung, einer Auflösung von 1440x900 und 2x MSAA gute 30-40fps in den Außenbereichen und höhere Bildraten in Dungeons und Gebäuden zu sehen. Nur selten sackt die Bildrate auf unter 30fps. Und mit einem Athlon II X4 630, 4GB RAM und einer HD5770 kann ich mich wohl kaum mit leistungsstarker Hardware rühmen.

Sound
Wuchtige Männerchöre donnern durch die Boxen, wenn ein Drache vom Himmel schießt und sich toll inszeniert dem Helden stellt. In Dörfern und Städten tummeln sich quatschende Bewohner, untermalt von ruhiger, friedlicher Melodie. Die Rüstung des Helden klappernd und scheppernd munter vor sich hin, während man durch die Welt streift und Metall klirrt, wenn Schwerter auf Schilde treffen. Am Sound und der musikalischen Untermalung gibt es also so gut wie nichts zu meckern. Die musikalische Untermalung reicht von ruhig und unaufdringlich bis hin zu wuchtig und episch, drängt sich dem Spieler aber nicht auf und passt sich hervorragend der jeweiligen Situation an.
Auch die deutschen Synchronsprecher können sich sehen...pardon...hören lassen. Dazu kommt, dass es im Gegensatz zum Vorgänger viel mehr Sprecher gibt. Doch so gut und passabel die deutsche Synchronisation auch sein mag, leider kommt es immernoch vor, dass sich die Sprecher oft wiederholen. So ist mir in Weißhaupt ein Rothwardone begegnet, mit tiefer, volltönender Stimme, bei der ich mir dachte: "Moment mal...hat sich der Nord in Flusswald jetzt in einen Rothwardonen verwandelt?"


Steuerung, Menüführung und Levelaufstieg
Das Favorietenmenü erweitert die Bedienung sinnvoll, wird aber genauso rasch unübersichtlich, wie das Inventar, wenn man es zu sehr voll stopft. Das Favorietenmenü erweitert die Bedienung sinnvoll, wird aber genauso rasch unübersichtlich, wie das Inventar, wenn man es zu sehr voll stopft. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Gesteuert wird unser grimmige Held mittels WASD und der Maus. Ducken, Springen, laufen...eben wie in einem Ego-Shooter. Mit der linken Maustaste führt man Schläge aus. Hält man die Maustaste länger gedrückt, führt man einen starken Hieb aus, der zwar stärker als ein normaler Hieb ist, aber viel Ausdauer kostet. Leichte, normale Hiebe hingegen kosten kaum bis keine Ausdauer. Je nach Richtung, in die man geht, führt die Spielfigur frontale oder seitliche Angriffe aus.

An dieser Stelle kommt eine der Neuerungen ins Spiel. Die rechte Maustaste ist nun nicht mehr nur dazu da, um Angriffe zu blocken. In Skyrim ist es nun möglich, zwei Waffen gleichzeitig zu führen. Auf Wunsch und je nach Bedarf kann man auch jeweils eine Waffe und einen Zauber führen, oder aber auch zwei Zauber gleichzeitig. Hält man beispielsweise zwei gleiche Zauber, verstärkt sich bei gleichzeitiger Benutzung die Wirkung, verbraucht allerdings auch schneller Magicka. Natürlich ist das Tragen eines Schildes weiterhin möglich.

Eine weitere Neuerung ist das Favorietenmenü, für dessen Benutzung man die Q-Taste verwendet und das Spiel pausiert. So kann man auch in hektischen Kämpfen in Ruhe planen. Durch das Favorietenmenü ist es möglich, häufig genutzte Tränke, Zauber und Waffen auf eine Schnellstart-Leiste zu legen (Zahlen 1-8), sodass man raschen Zugriff auf die benötigten und favorisierten Kampfmittel hat. Allzu voll sollte man die Favorietenleiste allerdings nicht packen. Nerviges hoch und runter scrollen und Unübersichtlichkeit sind in Skyrim ohnehin an der Tagesordnung und stören den Spielfluss ein wenig... Klassen gibt es nicht mehr. Stattdessen skillt man seinen Charakter völlig individuell. Klassen gibt es nicht mehr. Stattdessen skillt man seinen Charakter völlig individuell. [Quelle: Siehe Bildergalerie]

… Wobei wir nun auch zum Menü kommen. Eine der negativsten Kritikpunkte ist ganz klar das Menü und ist mit zwei Worten treffend zu beschreiben: fummelig und umständlich. Es ist oft nicht möglich, die einzelnen Menüpunkte mit der Maus anzuklicken, sodass man umständlich mit den WASD-Tasten steuern muss, um zum gewünschten Punkt zu gelangen. Auch beim Inventar dachte ich zuerst an einen verspäteten Aprilscherz, denn schlechter hätte man ein Inventar kaum für den PC umsetzen können. Zwar werden die Statuswerte der Items angezeigt und ein kleiner Pfeil über dem Gegenstandsnamen zeigt an, ob dieses Item eventuell besser als das momentan angelegte ist, aber auch im Inventar muss man sich durch ellenlange Listen scrollen. Auch das Questlog wird, je mehr Quests man erhält, unübersichtlich und man wird förmlich erdrückt. Irgendwann verliert man schlichtweg den Überblick und man muss sich durch endlose Reihen an Quests scrollen. Meinen persönlichen Wunsch, Haupt- und Nebenquests im Questlog voneinander abzutrennen, damit man zumindest dies bezüglich nicht die Übersicht verliert, wurde vom Rollenspiel-Gott nicht erhört.
Bei aller Liebe, die ich dem Spiel gegenüber hege: Der wahre Bösewicht sind nicht die Drachen, sondern die grausige Menüführung, an die man sich zwar irgendwann durchaus gewöhnt, aber dringend durch Modder oder durch einen offiziellen Patch verbessert werden sollte. Hier hat Bethesda definitiv Nachholbedarf.

Eine hübsche Verbesserung ist die Karte. Diese ist diesmal nicht als eher schmucklose flache Fläche in Sepiafarben (wie es in Oblivion der Fall war) dargestellt, sondern diesmal in 3D-Form. Da Straßen und Wege auf der Karte nicht eingezeichnet sind, kann man trotz des Kompasses in aller Seelenruhe seine Route planen und den kürzesten oder, je nach Geschmack, interessanteren Weg wählen. Man weiß aber vorher nicht, ob der Weg nun sicher ist oder ob man sich durch Horden von Getier prügeln muss. Eine feine Neuheit ist auch die Markierung von erledigten Dungeons auf der Karte. So muss man nicht jeden Dungeon abklappern, nur um zusehen, dass man dort schonmal war.

Der Teufel war wohl für das Menü und das Inventar verantwortlich Der Teufel war wohl für das Menü und das Inventar verantwortlich [Quelle: Siehe Bildergalerie] Während das Menü ein Graus ist, hat Bethesda in Sachen Talentsystem einiges besser gemacht. Klassen gibt es nicht mehr. Stattdessen gestaltet man seinen Charakter ganz nach eigenen Wünschen. Primäre und sekundäre Fertigkeiten gibt es nicht mehr. Egal, welche Talente man nutzt, der Levelaufstieg kommt sozusagen von ganz allein. Dass man sich "verskillt" ist nicht möglich. Krieger, Kampfmagier, Dieb oder gar ein Gemisch aus allem ist möglich.
Ein "Gott-Charakter" hingegen ist nun dank des neuen Perksystems nicht mehr möglich. Bei jedem Levelaufstieg bekommt man zwei Aufstiegspunkte. Einmal für die drei Attribute "Magicka", "Gesundheit" und "Ausdauer". Dann einen Fertigkeitspunkt, den man in eine der 18 Fertigkeiten investiert. Ein Allround-Charakter ist somit zwar flexibel und in vielen Bereichen brauchbar, aber nicht so wirkungsvoll, wie etwa ein auf den Nahkampf spezialisierter Charakter. Freilich sind aber weiterhin ungewöhnliche Kombinationen, wie etwa ein heilender Krieger oder ein magiebegabter Dieb möglich.

Neu in Skyrim sind auch die Drachenschreie. Mit denen ist es möglich, wuchtige Zauber zu vollführen und eine Gruppe Gegner beispielsweise mehrere Meter weit die Klippen hinab zu schleudern oder innerhalb einer Sekunde mehrere Meter mit einem Mal zu überbrücken. Drachenschreie erlernt man auf mehrere Arten: Einmal durch die in Hoch-Hrothgar lebenden Graubärte und Inschriften, die man häufig auf Tafeln in Dungeons findet. Allerdings muss man, um einen Schrei nutzen zu können, Drachenseelen einsammeln. Drachenschreie verbrauchen keine Magicka, haben aber einen bestimmten Cooldown, der an der Kompassleiste am oberen Bildschirmrand zu erkennen ist. Drachenschreie sind mächtige Zauber, die jeweils in drei Stufen ausbaubar sind und aus drei Silben bestehen, die man allerdings erst finden und lernen muss. Je mehr Silben man findet, desto mächtiger und wuchtiger der Schrei.

Crafting Verschneite Berge sind im hohen Norden natürlich Gang und Gebe. Verschneite Berge sind im hohen Norden natürlich Gang und Gebe. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
In Skyrim ist das Reparieren von Waffen passé. Stattdessen wurde ein umfangreiches Craftingsystem integriert, das aus Schmieden, Verzauberung und Alchemie besteht. Wie jedes andere Talent auch verbessert man sich im Handwerk durch häufige Benutzung und durch den jeweiligen Talentbaum, in den man einen Punkt investiert. Profitabel und nützlich ist jedes der drei Handwerke und in jedem hat man jede Menge Möglichkeiten, Items herzustellen oder zu verbessern. In der Schmiedekunst ist es beispielsweise möglich, Rüstungen aus Drachenknochen oder Schuppen herzustellen. Verzauberungen verbessern die Werte der Waffen und Rüstungen und Alchemie bringt einige interessante Tränke zutage. Natürlich verbrauchen bessere Items mehr oder seltene Reagenzien und Materialien, die man entweder beim Händler, in Dungeons oder in der Wildnis findet.

Balancing und Bugs
Die neuen Finishing-Moves sind hübsch in Szene gesetzt. Die neuen Finishing-Moves sind hübsch in Szene gesetzt. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Der Traum eines wohl jeden TES-Fans wurde erhört: Gegner leveln nun nicht mehr mit. Das heißt...die meisten leveln nicht mehr mit, wohl aber noch ein paar und viele davon auch nur bis zu einem gewissen Grad. Allerdings trifft man im späteren Spielverlauf nun nicht mehr auf einfache Banditen in Deadrarüstung. Trolle, Riesen oder Mammuts bleiben aber weiterhin eine Herausforderung für den Spieler. Das Balancing ist aber in vielen Teilen dennoch nicht perfekt, um nicht zu sagen: teilweise ungewöhnlich unausgewogen. So sind die heimlichen Hauptfiguren des Spiels, die Drachen, überraschend simpel zu erledigen und das Kampfschema wiederholt sich von Drache zu Drache: Mit Pfeilen beharken und vom Himmel holen, mit dem Schwert nachsetzen, gegebenenfalls heilen. Denn die Drachen nutzen, in Form von Flammen oder Eis, ebenso magie, wie andere Gegnertypen. Und da sollte man schon aufpassen. Hat man es mit einem oder mehr Magier in einer Gegnergruppe zu tun, hat man ganz schnell ein dickes Problem. Seltsamerweise gestalten sich die Kämpfe um ein vielfaches weniger herausfordernd, wenn kein gegnerischer Magier in der Nähe ist. Aber auch dann bleiben die Kämpfe herrlich fordernd. Und zur Not ist es möglich, den Schwierigkeitsgrad entweder runter zu schrauben, sollte ein Kampf doch zu schwer sein, oder hoch zu schreiben, wenn das Gegenteil der Fall ist.

Bisher hatte ich ein sauberes und flüssiges Spielerlebnis, bis auf einige kuriose Ausnahmen. So wurde ich im Kampf gegen einen Riesen derart weit in die Lüfte geschleudert, dass ich mich irgendwann am anderen Ende von Himmelsrand wieder fand. Hin und wieder fanden auch kleinere KI-Bugs ihren Weg und ich sah zu, wie ein Mammut von einer Krabbe angegriffen wurde und flüchtete. Größere Bugs, Abstürze oder Queststopper sind mir bisher aber nicht unter die Augen gekommen. Skyrim mag nicht fehlerfrei sein, aber ein Bugdesaster ist es definitiv nicht.

Fazit:
Wie in der Einleitung beschrieben, habe ich noch längst nicht alle Dungeons gesehen, Quests erledigt und Gebiete erforscht. Dafür brauche ich wohl noch einige Wochen oder gar Monate mehr. Wer aber die ersten beiden Absätze des User-Tests gelesen hat, der kann sich gut vorstellen, dass ich von Skyrim beeindruckt bin. Nach gut 20 Stunden Hauptquest, mehreren Stunden Nebenquests, dem Erkunden der Spielwelt und dem sinnlosen Herum stehen und die Landschaft bestaunen, kann ich sagen: Skyrim ist ein Spiel, dass von der ersten Minute an fesselt... solange man darüber hinweg sehen kann, dass es sich um einen (sehr guten) Konsolenport handelt. Die Engine leistet top Dienste und die Welt wirkt glaubwürdig und trumpft mit bisweilen atemberaubend schönen Aussichten. Die Kämpfe sind fordernd und die Neuerungen sind sinnvoll in das Spiel integriert. Der Umfang ist gewaltig und dürfte RPG-Anfänger wohl zuerst ein wenig überfordern.
Doch allen Lobes zum Trotz gibt es auch negative Kritikpunkte, mit denen das Spiel zu kämpfen hat und die den Spielspaß trüben. Das Inventar lässt sich nicht sortieren, das Menü ist fummelig und die Geschichte wird eher lieblos in Szene gesetzt. Grafische Mängel, wie pixelige Schatten und unnötig matschige Texturen stehen ebenso an der Tagesordnung, wie sich oft wiederholende Miniquests, die sich im Grunde nicht voneinander unterscheiden.
Es sei aber folgendes gesagt: So schlimm sich die negativen Kritikpunkte auch lesen mögen, den Spielspaß stören sie nur geringfügig und man gewöhnt sich auch an die konsolige, teuflische Menüführung. Wer damit leben kann, wird mit Skyrim definitiv nicht enttäuscht werden.

Minuspunkte zusammengefasst:
- teilweise recht matschige Texturen (-1)
- grobe Schatten (-1)
- grausames Menü (-4)
- verhältnismäßig simple und einfache Drachenkämpfe (-3)
- sich wiederholende Miniquests (-3)
- unausgewogenes Balancing (-2)
- fehlende Spannung in der Story und flache Charaktere (-4)

06:00
Skyrim im kommentierten Videotest

Spielspaß Singleplayer

Wertung von:
RedDragon20

82%
PC GAMES
Spielspaß-Wertung
91%
Spielspaß Multiplayer
-
Grafik
8/10
Steuerung
10/10
Sound
9/10
Atmosphäre
10/10
Erfahrener Benutzer
Moderation
17.11.2011 19:00 Uhr
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Dein Kommentar
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
06.01.2012 12:41 Uhr
Ganz großes Lob an RedDragon20. Er hat die positiven, wie negativen Eigenschaften treffend beschrieben und sie sogar dementsprechend bewertet.
So sehr wie Skyrim gehypt wurde, umso nüchterner fällt das eigentliche Ergebnis aus. Ein RPG ohne gut erzählte Geschichte oder Charakter hat nun mal keine 90%…
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
14.12.2011 22:26 Uhr
Bethesda übersieht, dass Legospielen nicht Baumeister sein bedeutet und spielerische Freiheit nicht unbedingt ein Charakteristikum von Rollenspielen ist - als alleiniger Geschichtenerzähler habe ich deutlich mehr Freiheit als als Spieler eines Charakters in einem Rollenspiel. Eine Rolle wird eben nicht nur…
Erfahrener Benutzer
Bewertung: 0
05.12.2011 14:47 Uhr
nach ca 40 stunden spielzeit kann ich nur sagen "bethesta bitte lasst tes serie sterben hört auf so ein brei für die zahnlosen konsolenspieler rauszubringen" ......



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