Star Trek: Legacy
Da nützt auch die teure Lizenz nichts: Mit halbherzigen Strategie-Elementen und lauer Kampagne bleibt Legacy hinter den Erwartungen zurück.
Romulaner und Klingonen Seite an Seite gegen Borg? Wir wollen ja nicht zu viel verraten. Nur: Vulkanier sind böse.
Seit dem letzten Spiel im Star Trek-Universum ist viel Zeit ins Land gegangen. Entsprechend hitzig vielen die Diskussionen bei der Ankündigung von Legacy aus. Sollte es Ihnen als Trekki vornehmlich darum gehen, mit einer Ambassador-Class ein romulanisches D'Deridex-Kriegsschiff zu pulverisieren, werden Sie mit dem Spiel selig. Alle anderen dürften ob der Umsetzung der erwarteten Features eher verhalten reagieren.
Story hui, Präsentation na ja
Der schwierigen Aufgabe, bei der Story mehrere Star Trek-Generationen unter einen Hut zu bringen, stellten sich Derek Chester (unter anderem Wing Commander: Prophecy) sowie Dorothy Fontana, die schon einige Episodendrehbücher für die Fernseh-serie schrieb. Von der ersten USS Enterprise NX-01 unter Jonathan Archer bis hin zur NCC-1701-E Sovereign-Class flitzen Sie in der Kampagne mit allem, was Rang und Namen hat, durch die Weiten des Weltalls.
Zusammen mit Klingonen, Romulaner und Borg, deren Vehikel Sie im Mehrspielerteil steuern, sind es über 60 Schiffe. Die Hintergrundgeschichte für sich genommen hinkt zwar ein bisschen, ist aber unterhaltsam, was nicht zuletzt den bekannten Sprechern zu verdanken ist. Der Haken: Im gesamten Spielverlauf sind keinerlei Charaktere zu sehen, keine Innenansichten von der Brücke oder Stationen - lediglich kalte Schiffsmodelle und das Weltall. Wie das ursprünglich geplant war, verrät übrigens das Bonusmaterial.
Strategie? Ballern!
Im Verlauf der Kampagne geraten Sie mit verschiedenen Parteien in Streit. Hier beschwert sich ein Romulaner bei Picard.
Die meiste Zeit nehmen Sie Angreifer aufs Korn, schießen per Phaser die Schilde runter und jagen Photonentorpedos hinterher. Für ein gepflegtes Action-Erlebnis ist das Spiel aber zu träge geraten. Und nur weil Sie vier Raumschiffe befehligen, macht das kein Strategiespiel. Aus unserer Sicht hätte aber eine Portion mehr Strategie dem Titel auf die Sprünge geholfen. Denn so geht es im Prinzip nur darum, die Einheiten in einer recht begrenzten Umgebung an den richtigen Ort zu senden, sprich ein großes Schiff konzertiert anzugreifen und gegebenenfalls rechtzeitig aus dem Kampf zu flüchten.
Konkrete Befehle wie Verteidigen oder Begleitschutz sind nicht möglich ebenso wenig wie mehr als einen Wegpunkt vorzugeben. Alles, was darüber hinausgeht, irgendeinen Feind anzugreifen, machen Sie deshalb am besten im Alleingang.
Allerdings erledigen die Schiffe selbst die vorhandenen Kommandos nicht zuverlässig. Befehle werden aus unerfindlichen Gründen unterbrochen, weshalb beispielsweise nur die Hälfte der Flotte den angeordneten Warpsprung absolviert. Es nervt, wenn nur aufgrund dessen eine Mission nach einer halben Stunde scheitert - eine Speichermöglichkeit und Checkpoints fehlen. Zudem sollten Sie eine Wiederholung erwägen, sobald Sie Schiffe verlieren, da diese sonst beim folgenden Auftrag fehlen.
Mehr Motivation, bitte!
Je besser Sie abschneiden, desto mehr Punkte bekommen Sie, mit denen Sie neue Vehikel anheuern - in der Regel kaufen Sie einfach das Teuerste. Lediglich bei einem Einsatz brachte uns der Wechsel auf schnellere, wendigere Schiffe einen Vorteil. Sich einzig dafür anzustrengen und Nebenziele zu erfüllen, motiviert wenig. Orden oder gar Updates für die Schiffe? Fehlanzeige. Sie wissen nicht mal, wie gut Sie abschneiden, es fehlt einfach die Angabe für das Punktemaximum.
Die Kampagne enthält zwar ein paar nette Aufgaben, brillante Einfälle vermissen wir aber. Sie ziehen Verteidigungsplattformen per Traktorstrahl an die richtigen Stellen, schalten Störsender innerhalb kurzer Zeit nacheinan-der aus und bekämpfen Bossgegner. Das ist schon das höchste der Gefühle. Wirklich überlegt vorgehen müssen Sie selbst gegen Oberbösewichte nicht.

