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  • Spieler über 30: Wenn Job und Familie das Gaming verändern - Ü30-Special Teil 1

    Wie wichtig ist Spielen noch, wenn man Beruf und Familie mehr Aufmerksamkeit fordern, als man bislang gewohnt war? Sind berufstätige Spieler mit Kindern überhaupt noch echte Gamer? PC Games-Redakteur und Familienvater Marc Brehme widmet sich der Generation Ü30 in seinem Special und untersucht, wie sich mit zunehmenden Alter das Spielverhalten ändert.

    So… wie war das noch gleich? In welcher Reihenfolge musste Geralt jetzt die vier Totems anzünden, damit die Geister der drei toten Schwestern erscheinen? Und musste ich erst an Vandergrifts Schwert kommen, um Saskia heilen zu können – oder war es doch anders herum? Mist. Alles wieder vergessen. Wann hatte ich das letzte Mal gespielt? Vor zwei Wochen? Oder waren es schon drei? Entnervt öffne ich das Questlog des Spiels und versuche mich mit seiner Hilfe daran zu erinnern, was ich bei meinem letzten Besuch in The Witcher 2: Assassin's of Kings alles erlebt habe und noch erledigen muss. Ich krame in meinem Gedächtnis. Hmm… Wenn es doch nicht so lange her wäre…!

    Als ich nach langen 15 Minuten endlich wieder halbwegs im Spiel bin und weiß, was ich zu tun habe, um die Geschichte weiter voran zu treiben, erledige ich zwei Nebenquests, führe ein Gespräch und … speichere ab und beende das Spiel. So schnell vergehen anderthalb Stunden und – was viel wichtiger ist – das Fußballtraining der G-Jugend ist auch schon wieder um. Ich muss meinen Sohn abholen und damit ist meine verfügbare (private) Videospielzeit für heute auch leider schon wieder vorbei. Okay, dann geht's vielleicht kommenden Dienstagabend weiter. Nee, halt. Dann ist Elternabend. Dann Mittwoch. Ähm… ach nein. Da ist ja bis Freitag Heftabgabe. Na gut, dann aber definitiv nächstes Wochenende! Moment, war da nicht der Familienausflug geplant? Ach, dann eben die Woche drauf. Oder so…

    Verliebt, verlobt, verheiratet
    Kennt ihr das? Wer jetzt zustimmend nickt, könnte gut und gerne – und da lehne ich mich jetzt mit meiner Spürnase einfach mal etwas aus dem Fenster - der Zielgruppe Ü30 - "über 30 Jahre alt" - angehören. Jenem Teil der Spielerschaft, der auch dann noch spielt, wenn er Berufsausbildung oder Studienzeit hinter sich gelassen hat und zum Lebensabschnitt mit Partnerin bzw. Frau weitergezogen ist - vielleicht sogar schon mit Nachwuchs. Die meisten, die dieser Gruppe angehören, spielen schon seit ihrer Kindheit. Und zwar nicht nur gefühlt und im Bekanntenkreis hinterfragt, sondern auch durch Untersuchungen und Befragungen bestätigt.

    Es ist keine besonders gute Idee, etwas spielen zu wollen, wenn der Nachwuchs in der Nähe ist. Unweigerlich wird ein Kampf um 'die Macht' ausbrechen. 'Papa, du hast jetzt genug gespielt. Jetzt bin ich dran! Gib den Controller her!' Es ist keine besonders gute Idee, etwas spielen zu wollen, wenn der Nachwuchs in der Nähe ist. Unweigerlich wird ein Kampf um "die Macht" ausbrechen. "Papa, du hast jetzt genug gespielt. Jetzt bin ich dran! Gib den Controller her!" Eine Studie der Interactive Software Federation Europe (ISFE) aus dem Jahr 2012 nahm das Verhalten von Videospielern zwischen 16 und 49 Jahren in 18 Ländern Europas unter die Lupe. Das Ergebnis enthält einige interessante Zahlen zu diesem Thema. 25% der darin befragten Europäer spielen mindestens einmal pro Woche Videospiele. Dabei ist gut die Hälfte der Spieler (49%) älter als 35 Jahre. Das sind Menschen, die mit Loom von Lucas Arts aufgewachsen sind, die die Schule verschlafen haben, weil sie nachts um 3 Uhr doch noch eine Map von Die Siedler 2 fertig spielen und den Gegner aushungern wollten, die noch über Nullmodem-Kabel gegen ihre Kommilitonen bei Doom-Mehrspieler-Sessions angetreten sind oder ihre Ferienzeit komplett in den pixeligen ersten Ultima-Teilen verbracht haben. Sie sind nicht nur älter geworden, sondern auch nach 10, 15 oder 20 Jahren immer noch eines: Spieler durch und durch. Das hat sich nicht geändert. Ihre Lebensumstände aber schon.

    Aber es geht auch einträchtig nebeneinander. Gottseidank gibt es ja genügend Titel mit Mehrspielermodus. Aber es geht auch einträchtig nebeneinander. Gottseidank gibt es ja genügend Titel mit Mehrspielermodus. Wo bleibt nur die ganze Zeit?
    Häufig bestimmen ab etwa Mitte 20 Job und Familie den Alltag. Eingezwängt in mehr oder weniger starre Tagesabläufe mit zahlreichen Fixpunkten bleibt traditionell nicht mehr viel Freizeit. Menschen ab etwa dieser Altersklasse spielen nach wie vor Videospiele; die wenigsten Spieler legen das Hobby Games während des Älterwerdens aber ganz zur Seite. Sie spielen weiter. Sowohl allein als auch mit ihren Freunden und ggf. mit ihren Kindern. Aber durch die zeitlichen Einschränkungen und dem durch Beruf und Familie häufig einhergehendem Stresslevel, eben nicht mehr ganz so exzessiv wie vorher. Meist wenden Sie sich auch anderen Genres als bisher zu. Spielen dient jetzt mehr dem gemeinsamen Zeitverbringen und der Entspannung als dem Wettkampfgedanken oder der Achievement- und Ranglistenplatz-Jagd, etwa in Battlefield-3-Mehrspielermatches.

    Meist regieren dann FIFA, Singstar, Autorennen, Wii-Partyspiele oder der Landwirtschaftssimulator anstatt einer Call of Duty-Ranglistenhatz den Bildschirm. Laut oben erwähnter Studie sitzen 30% der spielenden Erwachsenen in Deutschland sogar gemeinsam mit ihren Kindern am Gamepad. Die Gründe dafür sind gleichmäßig aufgeteilt. 40 Prozent antworten auf die Frage nach dem Warum mit "Sie [die Kinder, Anm. d. Red.] haben danach gefragt". 37 % spielen gemeinsam, um Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und 30 Prozent sagen: "weil es einfach etwas ist, das der ganzen Familie Spaß macht".

    Ahoi, browse!
    Neben Manager-, Sport und Denkspielen sind bei den Ü30-Spielern gerade auch Browserspiele sehr beliebt. Deren Nutzer sind laut GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) und dem Branchenverband BIU durchschnittlich 36 Jahre alt. Untersuchungen dieser Institutionen zeigten, dass knapp zwei Drittel aller Spieler von Browsergames älter sind als 30 Jahre. Das liegt zum einen daran, dass man gerade hier schnell einsteigen kann, ohne die Spiele (oder gar Zusatzprogramme oder Patches) erst installieren zu müssen, zum anderen sind die Spiele überall verfügbar, wo es einen Internetzugang samt Browser gibt und eignen sich aufgrund ihres häufig doch eher rudimentären Gameplays sehr gut für eine kurze Partie zwischendurch.

    Egal, ob in der Mittagspause im Büro, beim Warten auf Sohn oder Tochter während Schwimm- und Musikkurs oder auch bei der täglichen Fahrt zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Es gibt kaum noch einen Bus oder Zug in der Rushhour, in dem man niemand mobil eine Partie Angry Birds absolviert oder sogar mal eine Viertelstunde nachschaut, was seine digitalen Schützlinge in Die Siedler gerade so treiben. Mobiles Internet macht es möglich.

    Konsumenten von Videospielen findet man in allen Gesellschafts- und Altersschichten. Selbst Großväter trauen sich mit ihren Enkeln gemeinsam an die Konsole - entsprechende Titel vorausgesetzt. Konsumenten von Videospielen findet man in allen Gesellschafts- und Altersschichten. Selbst Großväter trauen sich mit ihren Enkeln gemeinsam an die Konsole - entsprechende Titel vorausgesetzt. Zuhause greifen die Mittdreißiger dann bei PC und Konsole auch auf "normale" Verkaufsspiele zurück, die gewisse Bedingungen erfüllen. Das kann ein kurzer, aber knackiger Shooter sein, die dauerpopulären Fußballsimulations-Hits FIFA oder PES, Jump'n Runs wie etwa Giana Sisters oder Rayman, ein Beat'em Up oder auch einer der zahlreichen Simulatoren. Wichtig für ältere Spieler mit wenig Zeit ist dabei neben einem relativ simplen Gameplay und unkomplizierter Steuerung auch, dass gerade die Story-Elemente nicht zu ausufernd sind, damit man auch nach einer längeren Pause (Tage oder gar Wochen) wieder flott ins Spiel findet und Spaß daran hat.
    Habt ihr euch mal überlegt, wie frustrierend es sein würde, vielleicht noch eine Woche nach dem Kauf auf ein noch immer in glänzender Folie verpacktes Assassin's Creed 4 oder Civilization 6 zu schielen, weil man noch immer nicht die Zeit hatte, es überhaupt mal auszupacken und zu installieren? Geschweige denn, vielleicht noch einen riesigen Patch herunterladen zu müssen? Der Day-One-Patch für den MMO-Shooter Defiance beispielsweise war sagenhafte 23,8 Gigabyte groß und benötigte mit meinem mickrigen DSL-3000 fast zwei Tage zum Download. Naja, macht ja nichts. Spielen wir dann eben übernächstes Wochenende mal. Oder so.

    Konsolen und mobile Geräte im Aufwärtstrend
    Will man zwischendurch einmal eine Stunde Freizeit mit Spielen verbringen, anstatt die elterlichen Akkus vielleicht sogar durch eine Mütze Schlaf wieder aufzuladen, liegen Titel auf den Konsolen gegenüber dem PC leicht im Vorteil. Die Kisten sind fix einsatzbereit und ebenso flott wieder aus- oder auf Standby geschaltet. Wer schon einmal einen Windows-PC hochgefahren hat, um "mal schnell" seine Mails zu checken oder etwas zu googeln, der weiß, wovon hier die Rede ist. Eine Playstation, Xbox, Wii (U) oder auch Handheld-Konsolen wie ein Nintendo DS, Playstation Vita & Co. sind im Gegensatz dazu deutlich flotter einsatzbereit. Auch Tablets machen hier eine gute Figur. Zumal gerade diese in letzter Zeit immer leistungsfähiger werden und schon längst nicht mehr nur für Wimmelbild-Spielchen taugen. Beispiele dafür sind etwa mobile Portierungen von Actionkrachern wie GTA: Vice City, GTA 3 oder auch Max Payne, die im Gegenzug zu Casual-Titeln wie der Angry-Birds-Reihe grafisch recht aufwändig sind und sich auch recht gut verkaufen.

    Schluss jetzt mit der Zockerei! Es gibt sogar Zeiten, da wollen die Kinder anders begeistert werden. Analog. Mit Musik zum Beispiel. Schluss jetzt mit der Zockerei! Es gibt sogar Zeiten, da wollen die Kinder anders begeistert werden. Analog. Mit Musik zum Beispiel. Meine persönlichen Erfahrungen zeigen, dass viele Ü30-Spieler im Zweifel für ein spontanes Spielchen zwischendurch eher zu DS, Handy und Tablet greifen, als die Konsole oder gar den Computer einzuschalten. Das gilt erst recht für den Urlaub. Dann ist zwar endlich mal wieder viel Zeit zum Daddeln, aber wer packt schon seinen PC in den Koffer? Dann schlägt die Stunde von iPad & Co., und in der Urlaubsanlage unter Palmen werden der Urlaubsgroschen nicht nur für leckere Cocktails, sondern auch im iTunes- und Google Play-Store auf den Kopf gehauen. Ein weiterer unbestrittener Vorteil von kleinen, handlichen und mobilen Spielekisten: Damit lässt sich auch prima unauffällig außerhalb der Sichtweite von Partner oder Kind ein Spielchen wagen kann – im Keller oder auf dem Speicher beispielsweise. Offiziell räumt man natürlich um oder auf – ein, zwei Stündchen lang. Es soll sogar Zeitgenossen geben, die sich anstelle einer Zeitung auf dem stillen Örtchen ein Videospiel zu Gemüte führen. Studien dazu konnte ich zwar nicht finden, aber repräsentative Umfragen in meinem Bekanntenkreis haben diese Theorie mit überwältigender Mehrheit (84,8%) bestätigt. Namentlich genannt werden wollte bei meiner diesbezüglichen Befragung allerdings niemand.

    Zeit ist relativ. Eben noch als Niko Bellic in GTA unterwegs, ruft jetzt der Job als Chauffeur zum Fußballtraining. Zeit ist relativ. Eben noch als Niko Bellic in GTA unterwegs, ruft jetzt der Job als Chauffeur zum Fußballtraining. Verändertes Spielverhalten
    Doch zurück zu den gespielten Titeln. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und so wechselt natürlich nicht jeder Ü30-Spieler zu Story-schwachen Titeln, wühlt nach Gründung einer Familie ausschließlich im Simulatoren-Grabbeltisch im Kaufhaus oder zockt simple Casual-Games für Zweifuffzig auf dem Tablet. Viele von ihnen bleiben auch mit steigendem Alter ihrem Genre treu. Sie spielen weiterhin Rollenspiel-Schwergewichte wie ein Skyrim oder auch zeitintensive Online-Rollenspiele. Sogar in Gilden. Aber eben anders. So gibt es beispielsweise World of Warcraft-Spielergemeinschaften, die erst gar keine Spieler aufnehmen, die nicht mindestens 40 Jahre alt und familiär oder jobmäßig stark eingebunden sind. Die weder Jungspunde in ihrer Mitte dulden noch Dauerzocker. Die sich nicht im Level-up-Wettrüsten üben wollen, sondern ein paar entspannte Stunden nach Feierabend gönnen. Inklusive Raids. Gemütlicher Raids. Soweit so etwas eben möglich ist. Die Philosophie einer solchen Gruppe lautet etwa, nur Spieler über 40 Jahre aufzunehmen, "für die in erster Linie der Spielspaß und eine zufriedene Gildenharmonie wichtig sind" und bei denen "ein entsprechendes Niveau mit vernünftigen Umgangsformen eine ganz wichtige Rolle" spielen. Ganz nach dem Motto: "Qualität statt Quantität".

    Ältere Spieler büßen zwar durch ihre veränderten Lebensumstände meist an Freizeit ein, verlieren aber in der Regel nicht ihre Lust am Spielen. Sie leben sie mit steigendem Alter nur anders aus. Gemütlicher. Bewusster. Ruhiger. Was bleibt, ist die Leidenschaft für eines der schönsten Hobbys überhaupt.

    Was mich jetzt brennend interessiert: Wie alt und welcher Spielertyp seid ihr? Hat sich euer Spielverhalten in neuen Lebensphasen wie etwa mit dem ersten Job, der Gründung einer Familie, Hausbau usw. verändert und wie? Ich bin gespannt auf eure Antworten und freue mich auf zahlreiche Kommentare. Wir setzen unser Ü30-Special übrigens in Kürze fort und sammeln empfehlenswerte Spiele für Gamer mit Beruf, Familie und ungebrochenem Spaß an Spielen.

    02:43
    XCOM: Enemy Unknown - iOS-Version im Video angekündigt
    Spielecover zu XCOM: Enemy Unknown
    XCOM: Enemy Unknown
  • Es gibt 263 Kommentare zum Artikel
    Von knarfe1000
    Amen Bruder.
    Von Monalye
    Genauso sehe ich das auch, ihr macht euch als Männer schon Gedanken, wie das rüberkommt, wenn man mit Ü30 "noch"…
    Von Mobie83
      coole antworten eine nacht drüber geschlafen denk ich auch schon wieder anders drüber, also was solls am ende…
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Spieler über 30: Wenn Job und Familie das Gaming verändern - Ü30-Special Teil 1
Wie wichtig ist Spielen noch, wenn man Beruf und Familie mehr Aufmerksamkeit fordern, als man bislang gewohnt war? Sind berufstätige Spieler mit Kindern überhaupt noch echte Gamer? PC Games-Redakteur und Familienvater Marc Brehme widmet sich der Generation Ü30 in seinem Special und untersucht, wie sich mit zunehmenden Alter das Spielverhalten ändert.
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19.06.2013
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