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  • Panorama: Der Reiz der Pixel

    Multiplayer-Spaß mit kleinen Pixelfiguren gibt es in TowerFall Ascension zu bestaunen. Quelle: PC Games

    Mit jeder weiteren Hardware-Generation steigen die Möglichkeiten, Spiele noch realitätsnäher zu gestalten. Doch vor ein paar Jahren etablierte sich ein Trend, der das glatte Gegenteil erreichen möchte: Spiele, die bewusst alt aussehen. Oder besser gesagt: pixelig.

    Bevor revolutionäre Werke wie der Rollenspiel-Meilenstein Ultima Underworld mit bunten Texturen jonglierten, bestanden die meisten 3D-Titel aus einfarbigen Polygonen und ruckelten oft kriechend langsam über den Bildschirm. Bunte, flotte Spiele waren nur in den klassischen Seitenoder Vogelperspektiven möglich. Sowohl die Hintergründe als auch die Figuren wurden Pixel für Pixel gezeichnet und per Hand animiert.

    Zugegeben: Es war ein Mittel zum Zweck, denn im Grunde wünschte sich jeder möglichst echt aussehende Grafiken, die man nicht von der Realität unterscheiden kann. Schaut man sich moderne Blockbuster wie The Last of Us an, dann sind wir diesem Ziel verdammt nahe gekommen. Und doch ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, denn seit Jahren besteht ein immer größerer Durst nach alter Pixelgrafik. Und wir wollen hier und heute die Frage erörtern, warum dem so ist.

    In Erinnerungen schwelgen

    Der erste Teil von Actraiser wurde durch Yuzo Koshiros Musik bekannt, der zweite Teil sorgte dank seiner spektakulären Grafik für Furore. Der erste Teil von Actraiser wurde durch Yuzo Koshiros Musik bekannt, der zweite Teil sorgte dank seiner spektakulären Grafik für Furore. Quelle: PC Games Hach, wisst ihr noch? C64? Amiga? Super Nintendo? In einer Zeit, in der die Pixel laufen lernten, sorgte jeder neue Computer und jede frische Konsole für großes Staunen. Mehr Farben, mehr Geschwindigkeit, mehr Effekte auf einem Bildschirm: Besonders klassische Shoot 'em Ups profitierten maßgeblich von dieser Evolution. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich das Genre vom kargen Vanguard über das charmante Gradius bis hin zum freakigen R-Type. Speziell Letzteres ist bis heute für seine ikonischen Endgegner bekannt, die wahren Kunstwerken gleichen – in Pixelform, versteht sich.

    Wer bereits anno 1987 zockte und zum ersten Mal das legendäre Wizball spielte, dem entglitten spätestens in der dritten Welt die Gesichtszüge: Grafiker Jon Hare setzte einfach mal so das berühmte Präsidentendenkmal in einer Auflösung von 160x200 und reduziert auf magere drei Farben um. Das Ergebnis war für die damalige Zeit spektakulär und wirkt selbst heute noch ungeheuer plastisch.

    Mit Amiga, Mega Drive und Super Nintendo stieg sowohl die Anzahl der Farben als auch die Bildschirmauflösung, jedoch sahen Spiele nach wie vor pixelig aus. Ob Technosofts Technikgranate Thunderforce III, Segas putziges Quackshot oder Enix' göttliches Actraiser 2, alle paar Monate wurden Spieler mit neuer Pixelpracht verzaubert.

    Handheld-Grenzen

    Mit der Playstation-Ära und dem Siegeszug der 3D-fähigen Konsolen wurde Pixelgrafik immer seltener. Von Hybriden der Marke Final Fantasy Tactics abgesehen, die Bitmap-Figuren mit Polygon-Landschaften kreuzten, setzten immer mehr Firmen auf Texturen und 3D, schlicht weil die Hardware es ermöglichte. Das galt selbst für Spiele, die auf klassische Spielkonzepte vertrauten – siehe RType Delta oder Gradius V.

    Von 1994 bis 2008 gab es für den Fan von Pixelgrafik nur zwei Optionen: das Neo Geo oder ein Handheld. Ersteres ist eine Konsole, die aufgrund ihrer starken 2D-Fähigkeiten für Furore sorgt. Sie schluckt nur sündhaft teure Module, die heutzutage mehrere hundert (!) Euro pro Stück verbuchen. Dafür erhaltet ihr Actiontitel (beispielsweise Metal Slug) oder Kampfspiele (von King of Fighters bis Samurai Shodown), die zu ihrer Zeit mit Spielhallenautomaten konkurrieren konnten. Der Lohn sind sagenhafte Farben, große Kämpfer und butterweiche Animationen.

    Bezüglich der Handhelds schielen wir in Richtung Game Boy Color und Game Boy Advance. Speziell der GBA zauberte problemlos Spiele auf den Bildschirm, die an alte Super-Nintendo-Zeiten erinnerten. Schnell erschienen exklusive Episoden etablierter Serien, beispielsweise Metroid: Zero Mission, Sword of Mana oder mehrere Castlevania-Episoden, die dank der limitierten Hardware auf klassische Pixelkunst bauten. Bereits dort zeichnete sich eine gewisse Zuneigung der altgedienten Veteranen ab, die spätestens ab der Playstation 2 von dem neumodischen 3D-Wahn die Schnauze voll hatten und sich nach alten Zeiten zurücksehnten.

    Pixel reifen besser

    Es können noch so viele Castlevania-Spiele in 3D erschienen, 2D-Episoden wie Symphony of the Night werden wohl auf ewig die begehrtesten sein. Es können noch so viele Castlevania-Spiele in 3D erschienen, 2D-Episoden wie Symphony of the Night werden wohl auf ewig die begehrtesten sein. Quelle: PC Games Eines der ersten Argumente der Pro-Pixel-Fraktion bezieht sich nämlich auf den Alterungsprozess. Jeder kennt das Problem: Ein Ridge Racer mag vielleicht zum Erscheinungszeitpunkt für großes Staunen gesorgt haben, jedoch verlor das Rennspiel mit jedem weiteren Techniksprung an Reiz. Im Gegensatz dazu erzielen 2D-Spiele aus der gleichen Ära bis heute eine ähnlich starke Wirkung wie damals. So sieht ein Chrono Trigger immer noch richtig schnieke aus, obwohl es gerade mal ein Jahr jünger ist als der Namco-Racer.

    Woran das liegt, ist schwer zu erklären. Neue 3D-Spiele sehen aufgrund des unhaltbaren technischen Fortschritts automatisch besser aus als alte. Spiele in Pixelgrafik hingegen haben einen gewissen Stand erreicht, der sich schwer toppen lässt. Natürlich gibt es fortschrittlichere 2D-Titel in hoher Auflösung, die Zeichentrickqualität besitzen. Doch auch denen fehlt der Charme der sicht- wie zählbaren Pixel, weshalb sie keine Steigerung der alten Grafikschule, sondern streng genommen etwas Eigenständiges darstellen.

    Billig, aber effektiv

    Selbst die Grafik von Cave Story stammt aus der Feder des Programmierers Daisuke Amaya und profitiert bei aller Schlichtheit vom Charme der Pixel. Selbst die Grafik von Cave Story stammt aus der Feder des Programmierers Daisuke Amaya und profitiert bei aller Schlichtheit vom Charme der Pixel. Quelle: PC Games 1993 heimste der Amiga-Titel Lionheart viele Preise für seine wunderschöne sowie farbenfrohe Grafik ein. Der Clou: Hinter all der Pracht steckt ein einziger Mann namens Henk Nieborg. Man muss sich das einmal vorstellen: Heute braucht ein AAA-Hit über hundert Grafiker, damals reichte ein einziger Spiele-Enthusiast.

    Das Beispiel soll zeigen: Pixelgrafik kann "billig" sein – und trotzdem grandios aussehen. Durch die Limitierung in Sachen Auflösung muss der betreffende Künstler einzig und allein ein geschicktes Händchen besitzen, mit den gegebenen Einschränkungen etwas Ansehnliches zu zaubern. Besitzt er eine solche Gabe, dann ist er mit seiner Arbeit relativ schnell fertig und benötigt im Idealfall keine zusätzliche Hilfe.

    Bezüglich des Kostenfaktors trumpft die Oldie-Technologie ebenfalls auf: Während Spiele vor 20 Jahren trotz Pixelgrafik gerne an das Limit der gegebenen Technik stießen, stellt das Scrollen von Bitmap-Hintergründen und das Bewegen von Pixelmännchen kein Problem für PlayStation 4, Xbox One & Co dar. Im Gegensatz zum modernen Shooter benötigt man keine brandneue 3D-Engine, die allein für die Lizenz Unmengen an Geld verschlingt.

  • Es gibt 6 Kommentare zum Artikel
    Von Wut-Gamer
    Auch bei Pixelgrafik gibts eben schöne Grafik und solche von der Stange.
    Von Desotho
    Kommt halt drauf an. Es gibt viele Beispiele da wirkt das auf mich auch so. Aber schöne Pixelgrafik kann aufwändiger…
    Von Bevier
    In letzter Zeit frage ich mich immer öfter, ob ich Pixelgrafik noch mag. Ich bin mittlerweile einiges über 30, hab in…
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Der Reiz der Pixel
Mit jeder weiteren Hardware-Generation steigen die Möglichkeiten, Spiele noch realitätsnäher zu gestalten. Doch vor ein paar Jahren etablierte sich ein Trend, der das glatte Gegenteil erreichen möchte: Spiele, die bewusst alt aussehen. Oder besser gesagt: pixelig.
http://www.pcgames.de/Spiele-Thema-239104/Specials/Der-Reiz-der-Pixel-1144180/
20.12.2014
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