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  • Special: Die brutale Wahrheit - Die Faszination virtueller Gewalt

    Report: Die brutale Wahrheit - Die Faszination virtueller Gewalt. Quelle: PC Games

    Warum uns virtuelle Gewalt so fasziniert und wie Hersteller dies ausnutzen. In diesem Special werfen wir auf einen Blick auf die Kontroverse Debatte über Gewalt in Videospielen, sprechen über Tabubrüche, die menschliche Psyche und Gewalt als Stilmittel.

    Gewalt umgibt uns. Tagein, tagaus werden wir mit der Brutalität der Welt konfrontiert. Egal ob in den Schlagzeilen der Tageszeitungen über Krieg, Folter und Verbrechen, den sensationslüsternen Einspielern im Boulevard-Fernsehen, den TV-Krimis, bei Sportarten wie dem Boxen oder der Konfrontation im wirklichen Leben. Dass Computerspiele seit jeher gewalttätige Auseinandersetzungen als Spielinhalt nutzen, sollte also niemanden überraschen. Wir begeben uns auf die Suche nach Antworten auf die Frage, warum das virtuelle Blutvergießen für viele Spieler so anziehend ist.

    Konfliktpotenzial

          

    Computerspiele sind von Beginn an untrennbar mit dem Wettbewerbsgedanken verbunden. Egal ob Pong oder Pac-Man: In Spielen geht es fast ausschließlich darum, besser zu sein als jemand anders. Das betrifft nicht nur Mehrspieler-Titel; auch wenn wir lediglich gegen den Computer antreten, treibt uns doch immer der Wille zum Sieg an, zum Triumph gegen alle Widerstände. Dabei ist es unerheblich, ob wir um unser Überleben kämpfen wie in einem der zahlreichen Survival-Spiele Marke DayZ, eine Fußballmannschaft in FIFA 15 zum Titelgewinn führen oder in der Rolle eines Soldaten Kriege ausfechten wie in Call of Duty.

    Was früher mal Anlass für Moraldebatten war (Carmageddon), schockiert heute kaum noch jemanden. Was früher mal Anlass für Moraldebatten war (Carmageddon), schockiert heute kaum noch jemanden. Quelle: PC Games Der Grund für diesen Fokus auf den wie auch immer gearteten Kampf ist simpel: Konflikte sind interessant! Egal ob in Büchern, Filmen oder der Realität. Wenn sich zwei oder mehr Parteien mit unterschiedlichen Zielen gegenüberstehen, entstehen Reibungspunkte. Leben dagegen alle in Harmonie miteinander, gibt es kein Potenzial für Meinungsverschiedenheiten, keine Spannungskurve, keine Überraschungen oder dramatischen Höhepunkte. In anderen Worten: Ohne Konflikte wäre das Leben, wären Computerspiele langweilig.

    Spiele, in deren Zentrum ein Konflikt oder ein Wettbewerb steht, vermögen dem Spieler ohne großen Aufwand eine Motivation für sein Handeln zu vermitteln: Wir gegen die anderen, unsere Mannschaft gegen die Konkurrenz. Nur eine verschwindend geringe, zuletzt aber steigende Anzahl von Spielen verzichtet darauf, diesem ausgetretenen Pfad zu folgen. Sie werden im Internet oft spöttisch als "walking simulators" bezeichnet, als Laufsimulatoren, denn Wettbewerb, Kampf oder Interaktion mit der Umwelt spielen hier keine Rolle. Ein populäres Beispiel: das "Guck die Landschaft an"-Spiel Proteus.

    Von solchen Exoten abgesehen sind Konflikte jedoch ein integraler Bestandteil vieler Spiele, selbst eigentlich friedlicher Aufbausimulationen wie der Anno-Serie. Die Eskalation von Konflikten verschärft die Spannung einer Situation noch, wie euch jeder Schriftsteller und Drehbuchautor bestätigen wird. Und welch größere Eskalation könnte es geben als einen Ausbruch von Gewalt?

    Die menschliche Psyche

          

    In Spielen können wir Dinge
    anstellen, die wir uns im wahren
    Leben nie trauen würden.
    - Przemysław Szczepaniak, Destructive Creations
    Obwohl sich die Gesellschaft ausgiebig mit dem Thema Gewalt beschäftigt, ist die Ausübung derselben tabu. Wer seine Mitmenschen schlägt, misshandelt oder gar ermordet, begeht eine Straftat und wird verurteilt. Das ist nur rechtens und eine Notwendigkeit, geboren aus den Erfahrungen vieler tausend Jahre menschlichen Miteinanders. Denn: In einer Gesellschaft, in der Gewalttaten ohne Repressalien begangen werden, ist kein geordnetes Zusammenleben möglich, die fortwährende Existenz dieser Gesellschaft fraglich. Doch der Mensch ist von Natur aus neugierig. Ihm ist ein Hunger nach neuen Erfahrungen zueigen. Nun hat er aber durch die Tabuisierung von Gewalt keine einfache Möglichkeit, Erfahrungen von Gewalt zu machen. Auf einer unterbewussten Ebene vermisst er dadurch etwas. Hier kommen Computerspiele und andere Medien zum Tragen. Sie liefern ein Ersatzerlebnis - eine Möglichkeit, Gewaltfantasien auszuleben, ohne dass jemand zu Schaden kommt.

    Obacht: Natürlich wollen wir niemandem unterstellen, ein Psychopath zu sein, der mit dem Wunsch durchs Leben geht, andere Menschen zu verprügeln und sich im Blut seiner Opfer zu suhlen. Wir reden lediglich von einem durch wissenschaftliche Studien nachgewiesenen Potenzial im menschlichen Wesen und einer damit verbundenen Neugier. Jeder Mensch besitzt eine bewusste oder unterbewusste Faszination für Dinge, die er im alltäglichen Leben nicht zu sehen bekommt. Computerspiele (ebenso wie Filme und Bücher mit Gewaltdarstellungen) sind ein Ventil für diese Gedanken, nichts weiter. Sie ermuntern nicht zu gewalttätigem Handeln, sondern sprechen lediglich einen Teil unserer Psyche an, der im Alltag aus gutem Grund unterdrückt wird.

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  • Es gibt 13 Kommentare zum Artikel
    Von Herbboy
    Da gibt es noch zig weitere Beispiele, z.B. dass viele Ängste einfach nur eine Schutzfunktion sind, damit man…
    Von Shadow_Man
    Auch wenn wir heute moderne und zivilisierte Menschen sind. Dieses "Urmenschliche" bleibt trotzdem immer Teil von uns…
    Von ten10
    Natürlich spiele ich auch solche Spiele - aber es gibt auch viele Momente, in denen ich mir dabei denke, daß mir es…
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Special
Die brutale Wahrheit - Die Faszination virtueller Gewalt im Report
Warum uns virtuelle Gewalt so fasziniert und wie Hersteller dies ausnutzen. In diesem Special werfen wir auf einen Blick auf die Kontroverse Debatte über Gewalt in Videospielen, sprechen über Tabubrüche, die menschliche Psyche und Gewalt als Stilmittel.
http://www.pcgames.de/Special-Thema-215651/Specials/Special-Report-Brutale-Wahrheit-virtuelle-Gewalt-1161771/
16.06.2015
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/06/die_brutale_wahrheit_0006-pc-games_b2teaser_169.jpg
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