Spec Ops: The Line im Test - Atmosphärischer Wüstentrip mit starker Story - Ab jetzt im Handel
In unserem Test zu Spec Ops: The Line klären wir, ob sich Yager mit dem Third-Person-Shooter von Genre-Vertretern abheben kann. Lohnt sich der Kauf? [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Spec Ops: The Line im Test für PC - Zwar wirkt der Third-Person-Shooter vom Berliner Entwicklerstudio Yager zunächst wie ein stumpfer Militärshooter, doch während unseres Tests stellt sich heraus, dass hinter Spec Ops: The Line deutlich mehr steckt. Das Actionspiel liefert keine Story über Terroristen und das US-Militär wird nicht als unbezwingbarer Heilsbringer gefeiert - vom patriotischen Gehabe fehlt in Spec Ops: The Line jede Spur. Für die Story von Spec Ops: The Line hat sich Yager von Joseph Conrads berühmter Erzählung "Herz der Finsternis" inspirieren lassen - die diente bereits als Grundlage für den Kino-Blockbuster Apocalypse Now. Spec Ops: The Line präsentiert sich als grundsolider Third-Person-Shooter, der sich mit guter Handlung und dichter Atmosphäre von dem Einheitsbrei abhebt.
Was uns an Spec Ops: The Line besonders gut gefallen hat - und was weniger -, das lest ihr auf dieser und der nachfolgenden Seite unseres Tests. Hinweis: Zwar waren unsere Testexemplare zu Spec Ops: The Line für den Multiplayer-Modus geeignet, allerdings konnten wir vor der Veröffentlichung noch keine Mitspieler finden. Daher werfen wir in den nächsten Tagen noch einmal einen gesonderten Blick auf den Multiplayer-Modus von Spec Ops: The Line, wenn das Spiel im Handel erhältlich ist. Weiterer Hinweis: Yager hat die Kampagne von Spec Ops: The Line ausschließlich für Einzelspieler entwickelt. Die Entwickler und Publisher 2k Games haben jedoch angekündigt, den Modus nach Release um kostenlose Koop-Szenarien zu erweitern. Wann der DLC erscheint, ist bisher nicht bekannt. Sobald ein Termin feststeht, erfahrt ihr das selbstverständlich hier auf pcgames.de.
Spec Ops: The Line - Das hat uns gefallen
Technisch in Ordnung
Die PC-Fassung hinterlässt einen guten Eindruck. Der Steuerung merkt man zwar an, dass sie in erster Linie für Gamepads konzipiert wurde (mehrfach belegte Tasten, ungewohnte Sprint-Mechanik), doch nach ein paar Spielminuten geht auch die Maus-Tastatur-Bedienung völlig in Ordnung. Dank schärferer Texturen und feinerer Lichteffekte sieht die PC-Umsetzung schicker aus als die Konsolenfassungen, zudem lief unser Testmuster jederzeit flüssig. The Line bietet zwar keinen DX11-Support und auch die Grafikeinstellungen sind eher spärlich, doch hässlich ist da Spiel deswegen noch lange nicht: Yagers Grafiker kitzeln schicke Panoramen, schöne Lichteffekte und detailverliebte Levels aus der Unreal Engine 3 heraus. Da verzeiht man auch gern, dass manche Texturen matschig und einige Explosionseffekte recht unfertig wirken.
Gute, ernste Story
Spec Ops: The Line handelt von drei US-Soldaten, angeführt von dem spielbaren "Helden" Captain Walker. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Spec Ops: The Line handelt von drei US-Soldaten, angeführt von dem spielbaren "Helden" Captain Walker. Das Delta-Force-Team hat einen ungewöhnlichen Auftrag: Es soll die Ruinen von Dubai auf Lebenszeichen untersuchen, nachdem die Wüstenmetropole sechs Monate zuvor in einem gigantischen Sandsturm untergegangen ist. Was die drei Männer dort vorfinden, übersteigt jedoch ihre moralischen Grenzen: Die Stadtruine wird von einer Militärverwaltung regiert, Zivilisten wie Soldaten werden hingerichtet, es gibt zahllose Opfer. Das Trio bemüht sich die Lage aufzuklären, gerät aber unter heftigen Beschuss - und zwar nicht etwa von arabischen Terroristen oder dergleichen, sondern von US-Soldaten. Damit hebelt Yager gekonnt das übliche Feindbild-Klischee vieler Actionspiele aus und sorgt immer wieder dafür, dass man die Menschen, die man da beschießt, auch als solche wahrnimmt.
Menschen sterben in The Line, auch Zivilisten geraten ins Schussfeld - hier spart Yager nicht mit schockierenden Szenen, in denen selbst Frauen und Kinder zu Tode kommen. Diese Bilder sind nur schwer verdaulich und verfehlen ihre Wirkung nicht: Man fühlt sich nicht mehr wie ein Held, sondern wie ein Täter. Das ist auch den drei Protagonisten anzumerken: Im Verlauf der sechs- bis siebenstündigen Kampagne verändern sich die "Helden", sie werden kaltherzig, brutal - man erlebt mit, wie die Männer regelrecht an der Gewalt zerbrechen. Und so hinterlässt das Spiel einen bitteren Nachgeschmack - genau das haben Yagers Autoren auch beabsichtigt.
Atmosphärisches Setting
Die Wüstenruine von Dubai ist nicht nur grafisch schön in Szene gesetzt, sondern auch angenehm unverbraucht. Noch dazu hat Yager für genügend Abwechslung gesorgt und zaubert vielfältige Umgebungen auf den Monitor. Zwar bleibt hier auch viel Potenzial ungenutzt, doch in der Summe ist die gespenstische Dubai-Kulisse ein klares Highlight des Spiels.
Grundsolider Shooter
Auch wenn The Line praktisch null frische Ideen hat, geht der spielerische Kern in Ordnung. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Auch wenn The Line praktisch null frische Ideen hat, geht der spielerische Kern in Ordnung: Man schießt, geht in Deckung, sammelt Waffen auf, wehrt die Gegnermassen ab - das alles ist altbewährt, schon zigfach dagewesen. Genau das könnte man wohl aber über die meisten Shooter heutzutage sagen. Der Kritikpunkt "Ideenarmut" findet sich natürlich nicht grundlos in unserer Contra-Liste (nächste Seite). Doch fehlende Innovationen hin oder her, man sollte dem Spiel auch nicht seine Qualitäten absprechen: Spec Ops: The Line ist ein grundsolider Deckungsshooter, der Ballerspaß bringt - und das ist die Hauptsache.
Kleine Entscheidungen
Mehrmals im Spielverlauf gibt's Entscheidungsmomente, in denen man etwa zwischen dem Leben eines Zivilisten oder dem eines Informanten wählen muss. Diese Szenen haben zwar keinen Einfluss auf den Spielverlauf, gauckeln aber zumindest vor, dass man die Geschichte bis zu einem gewissen Grad lenken kann - für's einmalige Durchspielen genügt das schon als Illusion. Erst ganz am Ende kann der Spieler dann wirklich Einfluss ausüben und sich zwischen drei verschiedenen Endsequenzen entscheiden.
Guter Sound
Das Kampfgeschehen wird von abwechslungsreicher Rockmusik untermalt - die ist mal leise und beklemmend, mal laut und treibend. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Das Kampfgeschehen wird von abwechslungsreicher Rockmusik untermalt - die ist mal leise und beklemmend, mal laut und treibend, passt aber in der Regel gut zum Spielgeschehen. Yager verwendet hin und wieder auch lizenzierte Songs, um den Kämpfen eine besonders schaurig-zynische Note zu verleihen. Die deutsche Sprachausgabe gibt dagegen weniger Grund zur Freude: Die Sprecher tragen ihre Texte recht abgelesen vor - da hatten wir von einem Spiel, das in Deutschland entwickelt wurde, schon etwas mehr erwartet. Immerhin: Dank Steam lässt sich jederzeit auch die englische Fassung herunterladen. Und die klingt exzellent - wer also entsprechende Sprachkenntnisse besitzt, sollte den englischen Stimmen den Vorzug geben.
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Ich sehe allerdings keinerlei Zusammenhang zwischen einer realen Kriegssituation und einem Spiel, das man soweit ich das gesehen habe als "hirnloses Ballern" mit übertriebener Gewaltdarstellung in manch einer Situation…
Ich finde es gut das es mal so ein Spiel wie Spec Ops gibt habe genug Leute verloren durch Afghanistan.
Das tut mir wirklich ausgesprochen leid.
Ich sehe…
Probleme von Spec Ops sind wohl wirklich die teilweise Ideenlosigkeit, das Lineare, die kurze Spielzeit, fehlende weibliche Protagonisten (vor allem…