Sniper: Ghost Warrior 2 im Test - Das hat uns nicht gefallen / Fazit
Sniper: Ghost Warrior 2 im Test: Warum Trash-Liebhaber und Fans virtueller Selbstgeißelung ihre Freude an City Interactives durch und durch langweiligem Katastrophen-Shooter haben, klärt unser ausführlicher Test der PC-Version. Dort findet ihr außerdem hochauflösende Screenshots von dem CryEngine 3-Spiel.
Sniper: Ghost Warrior 2 - Das hat uns nicht gefallen
Niedriger Anspruch
Achtung: Wenn ihr in der Vergangenheit auch nur einmal ein Fadenkreuz auf einen Pixelgegner geschubst und die Maustraste gedrückt habt, solltet ihr Sniper: Ghost Warrior 2 sofort im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade spielen. Denn nur in dem sind die penetranten Hilfsanzeigen des Spiels ausgeblendet. Ansonsten zeigt das Spiel nämlich standardmäßig alle Gegner samt deren Blickrichtung auf der stets sichtbaren Minimap an, markiert Feinde noch zusätzlich mit farbigen Markierungen und weist euch mit einem großen Zielscheibensymbol darauf hin, welchen Feind ihr als nächstes zu erledigen habt.
Eine Zielhilfe hilft euch zudem bei Schüssen auf große Entfernung ungefragt dabei, die Windrichtung auszugleichen. Unrealistisch: Der Wind weht entweder von links oder rechts, aber nie von hinten oder vorne. Außerdem sind die Auswirkungen von Winds, Puls der Spielfigur und Distanz ohnehin zu vernachlässigen. Darüber hinaus hält der Protagonist auf Knopfdruck jederzeit die Luft an, wodurch ihr zum einen die Zieloptik eures Gewehrs stabilisiert, zum anderen aber auch einen Zeitlupenmodus aktiviert (selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad). Das senkt die Herausforderung natürlich noch zusätzlich.
Lineare Levels ohne Abwechslung
Die Areale erwecken zuweilen den Eindruck von Weite und Offenheit, doch in Wahrheit handelt es sich dabei um Schläuche mit engen unsichtbaren Grenzen. Wer auch nur ein paar Zentimeter zur Seite ausweicht, den fordert das Spiel schroff dazu auf, in den Missionsbereich zurückzukehren. Wer nicht hört, bekommt flugs den Game-over-Bildschirm zu sehen.
Der Spielverlauf ist stets ähnlich: Geführt von einem skriptgesteuerten KI-Kameraden lauft ihr von einer Level-Ausbuchtung zur anderen, erledigt eine Handvoll Gegner und rennt zur nächsten Kampfstelle. Dabei geht dem langsamen Spielprinzip das ab, was das lineare Geballer beispielsweise in Call of Duty erträglich macht: das rasante Spieltempo und die Abwechslung. Nie fühlt ihr euch durch die (nicht vorhandene) Dramatik der Ereignisse angetrieben, selbst nicht in der Handvoll lachhaft inszenierter Skriptsequenzen, in der die Entwickler beinahe wahllos Explosionen zu beiden Seiten des Spielers platzieren.
Doof: Sniper: Ghost Warrior 2 gibt euch stets vor, welche Waffe ihr zu verwenden habt. Fallen gelassene Knarren lassen sich bis auf die gelegentliche herumliegende Dragonov nicht aufsammeln. Zudem fühlen sich alle Scharfschützengewehre nahezu gleich an. An fest vorgegebenen Stellen packt der Held automatisch ein zweites Scharfschützengewehr aus, woraufhin eine streng durchgeskriptete Sequenz startet, in der ihr die vom Spotter durchgegebenen Ziele erledigt. Die spielerische Freiheit beträgt dabei gleich null. Selbst begabte Hobby-Scharfschützen haben gar keine Möglichkeit, durch gewitzte Kunstschüsse aufzufallen oder Kampfsituationen auf kreative Weise abzuschließen. Das strenge Skript-Korsett des Spiels lässt das nicht zu.
Geringer Umfang
Die Versuchung war groß, diesen Punkt als positiv hervorzuheben: Nach viereinhalb Stunden ist die öde Kampagne von Sniper: Ghost Warrior 2 auch schon wieder vorbei. In dieser kurzen Zeit bereist ihr gerade einmal drei Level-Umgebungen (Philippinen, Sarajevo, Tibet), unterteilt in zehn einzelne Abschnitte. Das ist viel zu wenig, selbst angesichts der Tatsache, dass das Spiel zum Budget-Preis von circa 38 Euro im Laden steht!
Halbherzig integrierter Mehrspielermodus
Das Positivste, das wir über den Mehrspielermodus sagen können? Es gibt einen. Der ist mit seinen gerade mal zwei (!) Karten und einem einzigen Spielmodus (Team-Deathmatch) aber eher ein Notnagel. Bis zu 12 Spieler belauern sich über große Distanzen durch das Zielfernrohr eines von sechs Scharfschützengewehre: Ein Traum für Camper! Neben den Online-Gefechten gibt es einen Lan-Modus.
Die Schusswechsel sind einen Hauch spannender als die Kampagne, da unberechenbarer. Vorsichtiges Ausspähen der feindlichen Stellungen ist ein Muss. Allerdings lassen sich Zielhilfen und Minimap nicht ausstellen, es fehlt ein optionaler Hardcore-Modus. Auf ein Levelsystem und die genretypischen Waffenfreischaltungen hat City Interactive verzichtet. Auch fehlen jegliche Individualisierungsoptionen abseits der Waffenwahl.
Kurios: Das in der Kampagne enthaltene Fernglas lässt sich im Mehrspielermodus nicht einsetzen, auch gibt es keinen sich anbietenden Koop-Modus, in dem zwei Spieler als Scharfschütze und Spotter zusammenarbeiten. Teamwork ist so gut wie unmöglich.
Unrealistische Gegner-KI
Die auszuknipsenden Computerfeinde sind durchweg dämliche Pappkameraden, die blind auf eure Position vorstürmen, wenn ihr durch einen unplatzierten Schuss ihre Aufmerksamkeit erregt. Unrealistisch: Alle Gegner in der Umgebung kennen in so einem Fall sofort eure Position, selbst wenn ihr im dicksten Gebüsch hockt. Unrealistisch hoch zwei: Da die Feinde zudem mit einer übernatürlichen Zielgenauigkeit gesegnet sind, treffen sie euch selbst auf mehrere hundert Meter Entfernung mit ihren Sturmgewehren. Unrealistisch, die dritte: Wenn das Skript es so vorsieht, bemerken die Feinde dagegen nicht einmal, wenn fünf Meter neben ihnen ein Kumpane zusammengesackt, getroffen von einer Kugel aus einem Scharfschützengewehr ohne Schalldämpfer!
Vorhersehbare Handlung
Es lohnt sich nicht, viele Worte über die Story des Spiels zu verlieren, denn diese ist ein uninspirierter Brei aus Terrorismus und Verrat, garniert mit einer sich lange vorher ankündigenden "überraschenden" Wendung. Sowohl die gesichtslosen Helden der Erzählung als auch die Retorten-Bösewichte wecken keinerlei Emotionen beim Spieler, wenn sie in niedrig aufgelöste Zwischensequenzen einfallslose Dialogzeilen aufsagen.
Grauenhafte deutsche Sprachausgabe
Die beiden Protagonisten sind zwar noch ganz ordentlich vertont, doch wenn es um die deutsche Sprachausgabe der Bösewichte geht, ist Sniper: Ghost Warrior 2 unfreiwillig komisch. Da sprechen Araber mit einem Akzent, der wirkt wie aus einer Bühnenshow der Komiker Erkan und Stefan entliehen, und englische Sätze werden fehlerhaft ins Deutsche übersetzt. Schrecklich!
Veraltete Optik
Das hier soll die Cryengine 3 sein? Es ist erstaunlich, wie wenig City Interactive aus Cryteks starkem Technikgerüst herausgeholt hat. Abseits mancher hübscher Panoramen befindet sich die Grafik von Sniper: Ghost Warrior 2 stellenweise auf dem Niveau von vor drei Jahren. Selbst Homefront würde sich für den Texturmatsch schämen, der hier als Vegetation durchgeht. Dazu kommen Animationen aus dem letzten Jahrhundert. Besonders wenn Charaktere in den Ingame-Zwischensequenzen miteinander reden, wirkt das reichlich gestelzt. Auch die Bewegungen der Hände des Helden aus der Ego-Perspektive sind nicht mehr zeitgemäß.

Die Grafik ist toll und das Spiel macht auch Spaß. Die KI ist schön knackig so soll es sein. Schade das ihr soviel Lobby-Arbeit ala COD und Co macht aber die haben auch am meisten Geld was. Schämt euch!
Danke für diesen Beitrag, ich musste gut lachen :-B
Oder war der etwa ernst gemeint?
Die Grafik ist toll und das Spiel macht auch Spaß. Die KI ist schön knackig so soll es sein. Schade das ihr soviel Lobby-Arbeit ala COD und Co macht aber die haben auch am meisten Geld was. Schämt euch!
Und trotz der Einlage als normaler Soldat hatte man in Ghost Warrior 1 deutlich mehr Freiheiten eine Mission zu lösen.
Ist trotzdem ein wenig unglücklich und verwirrend.
Kein Widerspruch von mir. Aber "unglücklich und verwirrend" ist ja mehr oder weniger unser Firmenmotto ;)