Serious Sam 3: BFE im Test - Zu viel Call of Duty, zu wenig Serious Sam
Die Gefechte im Koop-Modus von Serious Sam 3 sind hektisch und unübersichtlich, aber auch ein großer Spaß. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Das Shooter-Genre hat sich in den letzten 20 Jahren stark gewandelt. Zwar nehmen Spieler darin immer noch eine virtuelle Knarre in die Hand und pumpen Gegner aus Bits und Bytes mit Blei voll – das Drumherum ist jedoch anders. Wo ihr einst in unübersichtlichen Labyrinthgängen Dämonen umnietetet und nach mehrfarbigen Schlüsselkarten für versperrte Türen suchtet, hetzt ihr heutzutage in engen Levelschläuchen von einer Skriptsequenz zur nächsten, immer auf der Jagd nach vermummten Terroristen oder russischen Soldaten.
Serious Sam 3: BFE widersetzt sich diesem Trend und stimmt eine Ode an die vorgeblich gute, alte Zeit an. Es ist ein Relikt aus den Anfängen des Genres, dessen überzeichneter Held einen Brustkorb wie zwei 100-Liter-Bierfässer hat. BFE spielt vor den Ereignissen von The First Encounter, mit dem die Serie 2001 hirnloses Dauerfeuer in Ego-Shootern wieder salonfähig machte. Daher auch der abgekürzte Untertitel: "Before First Encounter". Die Geschichte dreht sich um eine Zeitmaschine, mit der Held Sam Stone ins antike Ägypten zurückreisen soll, um eine Invasion der Erde durch den außerirdischen Superschurken Mental zu verhindern.
Die Handlung verläuft der Ausgangslage entsprechend hirnrissig, ist aber überraschend seriös inszeniert, mit Zwischensequenzen, Charakteren und Dialogen. Das Problem: Die einen sind langweilig, die anderen überflüssig und die letzten strohdumm. Diese Einschätzung ließe sich zwar auch auf die Vorgänger übertragen, doch die nahmen sich selbst auf die Schippe und streuten immer wieder absurde Begebenheiten in den Spielverlauf ein. Teil 3 versagt in dieser Hinsicht; abgesehen von Sams launigen, aber viel zu seltenen Kommentaren zum Spielgeschehen regt BFE kaum zum Schmunzeln an. Lediglich die völlig übertriebene Gewaltdarstellung sorgt, so grausig und morbide es auch klingt, für zusätzliche Belustigung. Wenn eure Widersacher bei Beschuss explodieren und sich in Tausend blutige Fetzen auflösen, wirkt das so überdreht, dass erwachsene Spieler nicht um ein Grinsen herumkommen.
Screenshots aus der Test-Version von Serious Sam 3. (4) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Die Suche nach zwei Generatoren, welche die Zeitmaschine mit Energie versorgen, führt euch in zwölf Levels quer durch Ägypten. Da Serious Sam 3: BFE in der Moderne spielt, wandert ihr nicht nur durch zappendustere (und öde) Grabkammern, sondern erwehren sich auch in von Mentals Attacken zerbombten Städten der Horden an außerirdischen Gegenspielern. Im Verlauf der sechs bis acht Stunden langen Kampagne trefft ihr auf 15 Gegnertypen, darunter alte Bekannte wie galoppierende Skelette, gehörnte Stiere und natürlich kopflose Kamikazebomber. Diese verarbeitet ihr mit 13 Waffen zu Kleinholz; auch die Ballermänner sind Spielern der Vorgänger geläufig. Neu sind neben einer bedeutungslosen Nahkampfwaffe (dem Vorschlaghammer) moderne Versionen alter Büchsen wie ein Sturmgewehr, das mit seinem Holoprojektor-Zielsystem so auch in Call of Duty: Modern Warfare 3 vorkommen könnte.
Screenshots aus der Test-Version von Serious Sam 3. (7) [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Der moderne Stil beschränkt sich nicht auf die Knarren. Wo Serious Sam 2 durch knallige Farben und abgedrehte Umgebungen punktete, setzt der Nachfolger besonders zu Beginn auf erdige Töne und optisch langweilige Straßenzüge, in denen ihr noch dazu oft Deckung sucht. Denn die Feinde sind zwar gewohnt dämlich und bleiben an Hindernissen hängen, aber wenn sie mit Schusswaffen hantieren, treffen die Opponenten selbst auf große Entfernung präzise. Weil es zu Anfang lange dauert, bis ihr neben der Anfangspistole eine schlagkräftige Waffe erhalten, schraubt das den Schwierigkeitsgrad in die Höhe. Gesundheit und Rüstung eures Recken erhöhen sich serientypisch nur mittels aufzusammelnder Gegenstände, Ihr seid also dazu gezwungen, jeden Quadratzentimeter der verwirrend aufgebauten Levels abzusuchen. Erst spät im Spielverlauf kommt das gewohnte Serious Sam-Gefühl auf, wenn ihr mit Minigun und tragbarem Kanonenrohr auf weitläufigen Ebenen und in riesigen Canyons im Minutentakt Hundertschaften auf euch zuströmender Feinde unter die Erde befördert. Viele Spieler dürften BFE aber bis dahin schon gelangweilt weggelegt haben.
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Seit wann erwarten alle, dass Battlefield nen besonderen Singleplayer zu bieten hat? Hallo, wir reden nicht von CoD…