Scrapland
Sprachfehler
Wenn Sie sich einer Figur nähern, startet auf Knopfdruck der Dialog. Dann wären Sie wieder beim Kinderkanal. D-Tritus beginnt jede Unterhaltung mit einem "Hallo", das er krächzt wie ein 80-jähriger Kettenraucher. Warum wurde die Begrüßung nicht noch einmal aufgenommen, damit sie vernünftig klingt? Ein spannendes Geheimnis. Dann streiten sich Sprecher über -Betonungen: Der eine spricht den Namen Ficus englisch aus, der andere deutsch. Ein dramaturgisches Mittel scheint zu sein, dass Punkte überlesen werden, also ohne Unterlass gesprochen wird - und das in einer gelangweilten, nicht aber monotonen Stimme, wie sie für Roboter vorstellbar gewesen wäre.
Es gibt aber noch mehr Seltsamkeiten: An jeder Ecke des Spiels steht ein Charakter, mit dem man reden kann, doch beinahe alle sagen dasselbe - und zwar exakt dasselbe. Ein Rätsel ist auch, warum man stets perfekt verständliche Funksprüche bekommt, die besagen, dass man bitte zum nächsten Kommunikator fliegen soll, um den Absender des Funkspruchs zu kontaktieren. Das ist, als würden Sie jemanden übers Festnetz anrufen und ankündigen, gleich auf dem Handy anzurufen.
Verwandlungskünstler
D-Tritus verfügt über Fähigkeiten, um die ihn jeder Schauspieler beneiden würde: Er verwandelt sich in 15 Roboter, indem er sich in die große Datenbank hackt. Dann nimmt er beispielsweise die Form des Bürgermeisters an, einer polierten Blechbüchse, die gemächlich durch die Gänge rollt. Oder die von Betty, einer rosa Sekretärin mit ausgeprägten Hüften. Jeder Roboter beherrscht eine Fähigkeit, die Ihnen beim Kämpfen hilft: Der Bürgermeister schwingt, mit den Zangenarmen gestikulierend, politische Reden und versetzt seine Verfolger damit in tiefen Schlaf. Betty rammt ihre Hand wie eine Superheldin in den Boden, während die Perspektive um sie herumkreist: Energiewellen entstehen, die alle Maschinen im Umkreis pulverisieren.
Das hört sich nach Action an, aber Scrapland ist - zumindest in den Innenräumen wie dem Rathaus, der Polizeistation oder dem Tempel - ein gemächliches Spiel. Man muss kaum mehr machen als dem gelben Pfeil zu folgen, um die Zielperson zu erreichen. Weil es patrouillierende Polizisten nicht gerne sehen, wenn jemand die Identität eines anderen Roboters annimmt, kommt es ständig zu Verfolgungsjagden, die ein Ende nehmen, sobald Sie außer Reichweite gelangen. Hüpfeinlagen gibt es nicht, Schusswechsel sind selten. Wenn Sie geschnappt werden, landen Sie im Gefängnis, wo Sie ein Miniroboter begrüßt. Auch dessen Form können Sie annehmen und als winzige Maschine kommen Sie problemlos durch die engsten Lüftungsschächte. Für jedes Problem gibt es die richtige Verwandlung, nur für eines nicht: das der rasch aufkommenden Langeweile.

