Ruse im Test: Ubisoft sorgt für angenehm frischen Wind im Strategiespiel-Genre
Bei wichtigen Ereignissen läuft am Bildschirmrand ein kleines Filmchen ab. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Unser Test zu Ruse zeigt, dass das Echtzeit-Strategiespiel von Ubisoft und dem französischen Studio Eugen Systems (bekannt für Act of War) das Genre mit klugen Interface-Ideen und taktischer Tiefe wieder zurück zu alter Größe führt. Die Missionen sind fordernd und abwechslungsreich, das Bauen geht flott und unkompliziert von der Hand und das clevere Listen-System erlaubt strategische Spielzüge und Ablenkungsmanöver, die vor allem im gut ausbalancierten und spaßigen Mehrspielermodus für Schadenfreude sorgen.
Positiv
Taktische Manöver wie diese Zangenbewegung nutzen Sie oft im Spiel. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Gutes Spielsystem
Anstatt einen Haufen Gebäude und ungefähr 100 Panzer zu bauen und dann auf die zahlenmäßige Überlegenheit dem Feind gegenüber zu hoffen, errichten Sie in Ruse für jede der sechs Einheitengruppen nur ein Gebäude und müssen dann sehr genau auswählen, welche Fahr- oder Flugzeuge Sie wie einsetzen. Ruse setzt auf ein ausgeklügeltes Stein-Schere-Papier-System. Jede Einheit hat Stärken und Schwächen. Außerdem reicht es nicht, die richtige Einheit nach vorne zu schicken. Sie müssen auch Taktiken wie Hinterhalte und Zangenmanöver einsetzen und durch Aufklärer einen guten Überblick über das Schlachtfeld erlangen. Da Sie von Anfang an alle Bewegungen des Feindes nachvollziehen können (Sie sehen nur nicht, welche Einheiten genau der Gegner schickt) kommt dem coolen Listen-System eine besondere Bedeutung bei. Mit diesen kleinen Spezialaktionen verstecken Sie eigene Einheiten in einem Sektor der großen Karten, gaukeln dem Feind eine Scheinarmee vor oder Beschleunigen die Bewegung der eigenen Mannen.
Die Zwischensequenzen sind schön gerendert, die Dialoge aber nicht gerade spannend. Die Story ähnelt einem Agentenfilm. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Missionen
Im Laufe der Kampagne führt Sie das Spiel durch Afrika, Italien, die Benelux-Staaten und Deutschland und wartet dabei immer mit taktisch anspruchsvollen Missionen auf. Mal müssen Sie eine Wüstenstadt gegen den Angriff der Deutschen verteidigen und dabei Ihre Einheiten strategisch klug platzieren, mal ist es Ihre Aufgabe, mit Flanken- und Punktangriffen die Verteidigungsstellungen rund um Cherbourg so weit zu schwächen, dass Sie schließlich den Tiefseehafen einnehmen können. Die Missionen bieten immer wieder überraschende, aber nie unfaire Entwicklungen und setzen die Spielmechaniken von Ruse konsequent um.
Umfang
Im Vergleich zu anderen Genrevertretern mutet Ruse fast wie ein Umfangsmonster an. Allein die Kampagne birgt Spielspaß für 25 Stunden. Hinzu kommt ein Operationen-Modus mit besonderen Aufträgen, die teils extrem knifflig sind. Obendrauf legen die Entwickler einen Skirmish-Modus mit einer extrem cleveren KI und 23 unterschiedliche Mehrspieler-Karten. Wer tiefer in die Materie eintauchen will, für den hat Eugen Systems eine Rusopedia eingebaut, in denen Sie Details und historische Hintergründe für alle Einheiten nachlesen können. Achievements, Extra-Inhalte und ein internes Benchmark-Programm runden das Paket ab.
Nahe heran kommen Sie mit der Kamera nur an Luftkämpfe. Diese sehen aber für ein Strategiespiel toll aus. [Quelle: Siehe Bildergalerie]
Gutes Interface
Damit die Komplexität von Ruse auch in der Hektik eines Echtzeit-Strategiespiels gut erfassbar und steuerbar bleibt, hat Eugen System das Interface des Spiels extrem entschlackt. Es gibt nur ein einziges, aufklappbares Baumenü mit wenigen Einträgen, das den Bedürfnissen des Spielers aber völlig genüg. Die meisten anderen Informationen können Sie direkt auf dem Spielfeld ablesen. Zoomen Sie heraus, dann werden nahe stehende Einheiten automatisch zusammengefasst und durch Spielchips repräsentiert. So wird es sehr einfach, die eigene Mannstärke mit der des Gegners zu vergleichen. Bewegungspfeile und Anzeigen für Seh- und Schussreichweite kommen hinzu, um Ruse extrem übersichtlich und zugänglich zu machen.
Toller Mehrspieler-Modus
So gut sich Ruse auch im Singleplayer spielt: Seine Stärken spielt Eugens Titel im Mehrspielermodus aus. Hier bekommen Sie sechs Fraktionen an die Hand, die sich zwar recht gleich spielen, aber alle unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. Die Italiener produzieren sehr schnell Panzer, die Briten setzen auf eine starke Luftwaffe. Auf den gut designten Mehrspieler-Karten zeigt sich dann auch, dass sich die lange Multiplayer-Betaphase gelohnt hat. Die Fraktionen sind gut ausbalanciert, die Karten bieten für jeden gleiche Chancen aber auch immer Herausforderungen. Und auch aus fast aussichtlosen Situationen kann sich ein guter Spieler wieder befreien. Auch das Matchmaking funktioniert gut. Meistens kriegen Sie Gegner zugeteilt, die Ihrem Level entsprechen.
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Hier ist mehr Strategie drin als in vergleichbaren Titeln.