Leser fragen, Rossi antwortet - Heute: RRetro - Gewalt (Ausgabe 02/00)
Frage:
Hallo RR,
falls Du etwas Deiner eh so kurzen Zeit zur Verfügung stellen könntest, habe ich eine Frage: Wird eigentlich jetzt bald mal wieder diese Sch...-Diskussion über gewaltverherrlichende PC Spiele aus den Medien verschwinden oder will die Presse jetzt den Spieleschmieden den Garaus machen? Ja gut, gestern hat man ja in Deggendorf, oder so ähnlich, wieder zwei 14 jährige Schüler festgenommen, die ihre Lehrer umbringen wollten. Schuld sind natürlich wieder die PC-Spiele, die man in der Wohnung fand. Glaubst Du diesen Müll oder ist das wieder reine Schikane? Schreib mir bitte Deine Meinung dazu!
Mfg: Wiphlash
Antwort:
Glaubt man der Regenbogenpresse, stehen uns fürchterliche Zeiten bevor. Und gern, weil bestechend einfach, wird mal wieder den PC-Spielen die Schuld zugeschoben. Eine seriöse Untersuchung, die dies bestätigen könnte, habe ich aber bis heute nicht gesehen. Es ist eben sehr viel einfacher, die Schuld bei den Spielen als im sozialen Umfeld zu suchen. Ich habe mich schon bei den Vorkommnissen in Littleton gefragt, warum man mit Entsetzen feststellte, dass sich im Besitz der Täter Spiele befanden, die bei uns indiziert wurden, aber die Frage, wie Kinder an Waffen und Munition kommen konnten, offenbar keine Silbe der Erwähnung wert war. Die Nachrichtensendung zum Thema Deggendorf trug dazu bei, dass ich fast meinen Fernseher gefressen hätte. Wenn das Thema nicht so traurig wäre, hätte ich schallend gelacht. Diese Kids waren auch durch Gewalt- und Pornovideos zu der Tat (die nie ausgeführt wurde!) aufgestachelt worden. Der Zusammenhang zwischen Pornografie und einer solchen Tat entzieht sich jedoch meiner Kenntnis ebenso wie dem gesunden Menschenverstand. Nimmt man Krieg als extremste Form von Gewalt an, sollte uns zu denken geben, dass in heutigen Kriegsgebieten, von denen es leider immer noch welche gibt, Computerspiele eigentlich kein Thema sind und die Menschen dort eher Interesse an einer geregelten Zufuhr von Nahrung als an Gewaltvideos an den Tag legen. Um Gewalt zu verhindern, sollten wir nicht einen Feldzug gegen Spiele führen, sondern diese Energie in die Erziehung unserer Kinder investieren. Ich unterstelle, dass sich bei den Deggendorfer Kids eher erzieherische Defizite bemerkbar machen, als ein Überschuss an modernen Medien. Aber es ist eben so viel einfacher, den Buhmann bei Anderen zu suchen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da war das Fernsehen der Buhmann. Später hatte man sich auf Video geeinigt. Danach waren die Computerspiele schuld. Bei meinem Großvater waren es wahrscheinlich irgendwelche bösen Bücher. Aber fällt dir was auf? Schuld haben immer die anderen - nie die eigene Erziehung. Ich bin mir sicher, dass der durchschnittliche Schüler ***** spielen kann, ohne danach der Lehrerin an die Wäsche oder ans Leder zu wollen. Das wird auch niemand bestreiten. Wenn es aber Fälle gibt, in denen es doch so ist, sollte man bedenken, dass die Spiele dieselben waren, wie bei nicht auffällig gewordenen Kindern. Kinder kommen nicht als Mörder auf die Welt und durch Spiele werden sie auch nicht dazu gemacht.
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Durchaus, aber diese Politiker werden sich dann mit der Materie auskennen.
Man muss nur an einer beliebigen Stelle das Wort ''Winnenden'' einsetzten, und der Bericht kann morgen in die Zeitung...
Ach ne, der nimmt die Spiele ja in Schutz... sowas kommt bei uns nicht in die Zeitung...