Roma: Filmrezension zum Drama von Alfonso Cuarón
Nach "Gravity" und "Children of Men" widmete sich Alfonso Cuarón einem ganz anderen Film, zu dem er auf spezielle Weise Regie führte. Denn er war der Einzige am Set, der das komplette Skript kannte, und gab den Schauspielern erst am Tag des Drehs selbst ihre Texte. Außerdem erhielt jeder Darsteller andere Anweisungen und Aufgaben. Dadurch entstand ein ungewöhnliches Chaos am Set, was für Cuarón aber genau das Leben ausmacht. So versuchte er, echte Emotionen beim Cast hervorrufen, was er für das Kreieren besonderer Situationen nutzte.
Zuletzt wurde der Mexikaner Alfonso Cuarón für die spektakulären Blockbuster "Children of Men" und "Gravity" gefeiert. Sein neuer Film kommt viel stiller daher, bietet aber nicht weniger filmische Energie. "Roma (jetzt kaufen 12,99 € )" entfaltet sich als anekdotisches Schwarzweiß-Drama im Mexiko der frühen 1970er, das von Cuaróns Kindheit inspiriert ist und persönliche und gesellschaftliche Umbrüche zeigt. Im Zentrum steht das Kindermädchen Cleo, die den Haushalt und die Kinder einer Familie aus Mexiko-Stadt versorgt. Während draußen Studentenunruhen blutig niedergerungen werden, ereignen sich auch im Privaten grundlegende Veränderungen.
Gerade die vom Autorenfilmer Cuarón selbst geführte Kamera, die in langen Einstellungen, Schwenks und Plansequenzen die Räume erkundet, macht "Roma" zum intensiven Erlebnis. Dass der Netflix-Film bereits ab 6. Dezember limitiert im Kino startet (in Deutschland auf rund 40 ausgewählten Leinwänden) und bei dem Streaminganbieter erst acht Tage später zu sehen ist, ist daher begrüßenswert. Wer die Wahl hat, sollte das mit dem Goldenen Löwen von Venedig prämierte Meisterwerk unbedingt im Lichtspielhaus schauen.
FAZIT: Meisterlich: Das audiovisuell, atmosphärisch und schauspielerisch starke Zeitporträt lädt zum Vertiefen ein.
