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  • Rollercoaster Tycoon World: Ataris Schrott-Strategie - Early-Access-Kolumne
    Quelle: PC Games

    Rollercoaster Tycoon World: Kolumne zu Ataris Schrott-Strategie - miese Early-Access-Geschäfte mit alten Marken

    Für die Early-Access-Veröffentlichung von Rollercoaster Tycoon World und dessen katastrophalen technischen Zustand hagelt es momentan Kritik. Der Schuldige ist für PC-Games-Redakteur Peter Bathge schnell ausgemacht: Publisher Atari. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als Lieferant grauenhafter Schrottspiele erarbeitet.

    "Dieses Spiel befindet sich noch in Entwicklung und wird stetig aktualisiert. Ihr Kauf enthält Zugriff auf die Early-Access-Edition des Spiels sowie alle Gratis-Updates."

    Rollercoaster Tycoon World Early Access Packungsrückseite In winziger Schrift enthüllt die Rückseite der Rollercoaster Tycoon World-Verpackung den Early-Access-Status des Spiels. Quelle: Mike L. Was für ein informativer Text, der Käufer von Rollercoaster Tycoon World darüber aufklärt, was in der Retail-Box steckt, die am 24. März 2016 urplötzlich in vielen deutschen Händlerregalen auftauchte. Es gibt da nur ein Problem: Dieser Text ist so klein auf der Rückseite der Verpackung abgedruckt, dass ihn viele Kunden übersehen dürften. Wer denkt denn auch schon dran, dass er für den Preis von 45 Euro im Einzelhandel nur ein unfertiges Spiel erhält, das noch in der Early-Access-Phase auf Steam steckt? Eben: keiner.

    Was auf den ersten Blick wie eine peinliche Panne des Vertriebs aussieht, hat vermutlich Methode. Denn hinter Rollercoaster Tycoon World steht eine Firma, die dringend Geld braucht und dabei auch nicht vor anrüchigen Geschäftsmethoden zurückschreckt: Atari.

    Aufbausimulation und Themenpark-Manager: Rollercoaster Tycoon und Planet Coaster

    Atari ist nicht mehr Atari

    Atari 2600 Den Namen Atari verbinden immer noch viele mit Kindheitserinnerungen an Hardware wie den Atari 2600 und die darauf veröffentlichten Spiele. Quelle: Atari Der Name Atari besitzt immer noch Strahlkraft, viele heute erwachsene Spieler verbinden damit schöne Erinnerungen an ihre allerste Spielkonsole Atari 2600. Das ist einkalkuliert. Tatsächlich hat das heutige Atari aber nichts mehr mit dieser Zeit zu tun. Schon 1998 wurde die ursprüngliche Firma von Hasbro Interactive gekauft und umstrukturiert, später war dann Infogrames Ataris neuer Besitzer. Die letzten Reste des Hardware- und Software-Herstellers, der vor über 40 Jahren gegründet wurde, gingen spätestens am 21. Januar 2013 unter. Da erklärte die inzwischen neugestartete Firma den Bankrott. Die einstigen Pioniere der Videospielbranche bei Atari hatten das Unternehmen da schon längst verlassen.

    Das neue Atari, das aus der Pleite hervorging, ist kaum mehr wiederzuerkennen. Unter dem neuen Atari-Chef Frederic Chesnais konzentriert sich die Firma unter anderem auf die technische Umsetzung von Online-Casino-Spielen, im März 2014 zählte das Kernteam gerade mal zehn Mitarbeiter. Um nach der Bankrotterklärung Schulden zu tilgen und Rechungen zu bezahlen, verließ sich Atari in der Folge vor allem auf die Zusammenarbeit mit externen Entwicklern - und schaute zu diesem Zweck im Rechtekeller nach, welche beliebte Videospiel-Serien man mit wenig Aufwand zu Geld machen könnte.

    Leichenschänderei mit alten Marken

    2013 versuchte es Atari zuerst mit dem THQ-Ansatz: Parallel zur THQ-Auktion stellte Atari seine wertvollsten Marken zum Verkauf. Wer künftig die Rechte an Spielen wie Total Annihilation, Master of Orion oder Test Drive Unlimited halten würde, darüber entschied das höchste Gebot. Viele Atari-Marken wurden erfolgreich verkauft, Master of Orion ging etwa an Wargaming. Aber es gab auch einige Ladenhüter. Rollercoaster Tycoon wollte partout keiner haben, schon gar nicht für 3,5 Millionen Dollar. Also entschied sich Atari dazu, selbst an Fortsetzungen zu arbeiten, wenn man schon auf den Rechten sitzen geblieben war. Vorhang auf für eine Reihe von Spielen, die ich nur als "Atari-Schrott" bezeichnen kann.

    26:54
    RollerCoaster Tycoon World: Early-Access im Angespielt-Video
    Spielecover zu Rollercoaster Tycoon World
    Rollercoaster Tycoon World

    Den Anfang machte Rollercoaster Tycoon 4, das zum 15. Geburtstag der Marke erschien und vielen Serienfans wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen musste. Denn Teil 4 war nicht etwa der PC-Nachfolger, auf den die treue Fangemeinde schon ewig gewartet hat und den man hinter einem solchen Namen erwarten könnt. Nein, Atari entschied sich dazu, eine App für mobile Endgeräte entwickeln zu lassen und diese dann auch noch mit frecher Mikrotransaktions-Abzocke der übelsten Sorte vollzupacken. Sogar unsere damalige Chefredakteurin Petra Fröhlich, selbsterklärtes Rollercoaster Tycoon-Fangirl, staunte über solch unverhohlene Gier.

    Aber damit nicht genug, Atari hatte ja noch andere Marken, mit denen es Knete zu machen galt. Alone in the Dark zum Beispiel. Das Reboot der Serie markierte im Sommer 2014 den Beginn einer Reihe von Neuankündigungen. Unter anderem belebte Atari auch das uralte Haunted House von 1982 wieder - auf dem PC. Die Umsetzung war grottig, das Spiel mit dem Untertitel Cryptic Graves ist auf Steam inzwischen nicht einmal mehr käuflich zu erwerben. So manch ein Spieler wäre wohl glücklich, wenn das auch auf das jüngste Alone in the Dark namens Illumination zutreffen würde. Aber das belegt zum Preis von 20 Euro weiterhin Platz im Steam Store. Alone in the Dark: Illumination Alone in the Dark: Illumination ist spielerisch wie technisch ein Machwerk der untersten Schublade. Quelle: Atari

    Die dunkelste Stunde

    Alone in the Dark: Illumination ist - so der Konsensus von Spielern und Kritikern - eines der schlechtesten Spiele des Jahres 2015. Es hat praktisch keinen Sound, die Waffen fühlen sich grottig an, die Aufgaben wiederholen sich andauernd und eine Gegner-KI ist nicht vorhanden. Das Machwerk ist allenfalls unfreiwillig komisch, Spielspaß kommt nicht auf.

    Doch nicht nur die Umsetzung ist ungenügend, allein schon das Konzept wirkt hanebüchen: Aus der atmosphärischen Grusel-Adventure-Reihe Alone in the Dark macht Entwickler Pure FPS im Auftrag von Atari einen actionbetonten Koop-Shooter. Wer denkt sich so etwas aus? Und: Wer winkt so etwas durch? Gerade Atari müsste als Publisher ein kritisches Augenmerk auf die Spiele ihrer externen Entwicklungsstudios legen. Dem Unternehmen sollte - so möchte man meinen - daran gelegen sein, dass der Ruf der Firma und deren Marken nicht durch Produkte schlechter Qualität beschmutzt wird. Doch die Realität sieht anders auf.

    06:51
    Alone in the Dark: Illumination - Düstere Spieleindrücke vom Beta-Event im Video

    Offenbar gibt sich Atari damit zufrieden, seine bekannten Spielemarken zu verramschen. Die Namen, mit denen viele Spieleveteranen schöne Erinnerungen verknüpfen, müssen für - pardon! - jeden Scheiß herhalten. Die Kalkulation dahinter: Ein paar blinde Kunden werden schon auf den Namensschwindel reinfallen und sich beispielsweise ein neues Alone in the Dark unbesehen kaufen - die böse Überraschung kommt dann erst, wenn das Spiel schon installiert und mit einem Steam-Konto verknüpft ist.

    Frühzeitige, mit einer deutlichen Kaufwarnung verbundene Berichterstattung zu Alone in the Dark: Illumination sowie Valves neues Rückgaberecht auf Steam haben letztlich zwar so manchen Spieler vor einem Fehlkauf bewahrt. Dennoch ist anzunehmen, dass Ataris Strategie aufgeht, Schrottspiele ohne Qualitätssicherung rauszuhauen und sich mit den Einnahmen irgendwie finanziell über Wasser zu halten. Denn das Unternehmen hört einfach nicht auf damit!

    Achterbahnfahrt erzeugt Brechreiz

    Egal ob es sich um lieblos auf den PC portierte Atari 2600-Klassiker handelt oder eben jetzt das neue Rollercoaster Tycoon World - der Name Atari ist auch 2016 weiterhin ein Garant für miese Spiele mit schludriger Technik. Zwar bleibt einem als Außenstehender ein Blick hinter die Kulissen des neuen Ataris verwehrt. Ich weiß nicht, welch enge Restriktionen die möglichen finanziellen Nöte des Unternehmens seinen Mitarbeitern auferlegen, wie Termindruck und von oben verordnete Einschränkungen den bei Atari unter Vertrag stehenden Studios die Arbeit erschweren. Doch die Taten des Unternehmens sprechen eine deutliche Sprache. Gerade der jüngste Spross der Rollercoaster Tycoon-Serie dient als perfektes Beispiel für die fragwürdige Firmenpolitik Ataris.
    Rollercoaster Tycoon World Technik Die Parkbesucher in Rollercoaster Tycoon World sind lächerlich simpel animiert. Trotzdem stockt die Performance. Quelle: PC Games
    Rollercoaster Tycoon World Retail Atari verkauft unterfertige Early-Access-Fassungen von Rollercoaster Tycoon World mit unzureichender Beschreibung als Vollpreisspiele. Was kommt als Nächstes? Quelle: Mike L. Die Technik ist ein Graus, trotz einer Optik aus den frühen 2000er-Jahren kommt es auch auf topmodernen Rechnern zu gravierenden Performance-Problemen. Wild herumzuckende Schatten, Glitches und Clipping-Fehler sind Alltag bei Rollercoaster Tycoon World. Viele Hersteller würden sich schämen, ein Spiel in einem solchen Zustand zu veröffentlichen - selbst ein Early-Access-Spiel! Für Atari ist das aber in letzter Zeit eher die Norm als die Ausnahme.

    Nur höchst selten kommt es vor, dass ein Publisher das komplette Entwicklerteam eines Spiels austauscht - wenn das wie bei Rollercoaster Tycoon World sogar zwei Mal im Laufe von weniger als zwei Jahren passiert, gibt das verechtigten Anlass zur Sorge. Als dann auch noch ein Trailer mit gräuslicher Grafik für einen Shitstorm im Netz sorgte, hakten Marktbeobachter mit Erfahrung das Spiel endgültig ab. Auch mir war spätestens da klar: Das wird schon wieder nichts, Atari bleibt seinen Methoden treu.

    Dass Rollercoaster Tycoon World nun statt als vollwertiges Spiel plötzlich und anscheinend überhastet mit dem (winzigen) Early-Access-Hinweis in den Handel gekommen ist, sollte mich also nicht mehr überraschen. Dass die Firma jetzt auch das teils ohnehin umstrittene Early-Access-Modell weiter unterminiert, ist fast schon konsequent. Aber tatsächlich bin ich jedes Mal aufs Neue fasziniert, welch neue Tiefen Atari dank seiner halbseidenen Unternehmensstrategie noch erreicht.

    • Es gibt 34 Kommentare zum Artikel

      • Von Bonkic Erfahrener Benutzer
        wer early access und/ oder crowdfunding als finanzierungsform nötig hat (weil es andernfalls kein spiel gäbe), soll es tun.
        alle anderen sollen imo die finger davon lassen und betas oder ähnliches abhalten.
      • Von Enisra Erfahrener Benutzer
        Dirt Rally auch und das hatte zu erscheinen schon nen besseres Handling als die "normalen" mit Lizenz
      • Von Spassbremse Erfahrener Benutzer
        Zitat von moon40
        Das war mein erstes EA Spiel und auch mein letztes.
        Das ist schade, weil es durchaus zahlreiche Entwickler gibt, die einen ordentlichen "Early Access" bieten und nicht so ein halbseidenes Manöver, wie jetzt Atari abziehen, um noch ein bisschen Kohle abzugreifen.

        Um mal ein paar, sehr positive, Beispiele anzuführen: Kerbal Space Program, Prison Architect, Subnautica - es gibt aber noch viele weitere. 
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Rollercoaster Tycoon World
Rollercoaster Tycoon World: Kolumne zu Ataris Schrott-Strategie - miese Early-Access-Geschäfte mit alten Marken
Für die Early-Access-Veröffentlichung von Rollercoaster Tycoon World und dessen katastrophalen technischen Zustand hagelt es momentan Kritik. Der Schuldige ist für PC-Games-Redakteur Peter Bathge schnell ausgemacht: Publisher Atari. Die Franzosen haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als Lieferant grauenhafter Schrottspiele erarbeitet.
http://www.pcgames.de/Rollercoaster-Tycoon-World-Spiel-55349/Specials/Kolumne-Ataris-Schrott-Strategie-1191239/
06.04.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2016/04/Rollercoaster-Tycoon-World-Kolumne-Atari-pc-games_b2teaser_169.jpg
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