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Retrospektive

Pong, Amiga und der Riesen-Joystick: Besuch im Museum für Computerspiele

06.02.2011 13:01 Uhr
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Neu
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In Berlin lockt das neu eröffnete Computerspiele-Museum mit Tausenden Exponaten, Hardware und Spiele ebenso wie Zeitschriften. Wir haben für Sie die Ausstellung besucht und jede Menge Eindrücke und Fotos mitgebracht.

Ötzi, der bekannteste Neandertaler der Welt, liegt im Museum im italienischen Bozen aus. Seine Gebeine sind über 5.000 Jahre alt. Das silberne Pferd, eine zerbrochene Münze aus Russland, findet man im Pergamon-Museum in Berlin. Alter: Knapp 2.000 Jahre. Die Mona Lisa im Louvre? Knapp über 500 Jahre alt. Nein, Sie sind nicht im falschen Artikel gelandet. Lesen Sie bitte weiter.

Museen konservieren Dinge aus alten Zeiten, egal ob Knochen, Münzen oder Kunststücke. Dass man nun die beiden Wörter "Computerspiele" und "Museum" in einem Satz nennen kann, spiegelt die Schnelllebigkeit der Zeit wieder: Was gestern noch hip war, ist morgen schon wieder out und gehört ins Museum. Die Konsolen unserer Jugend findet man heute höchstens noch bei Ebay, zehn Jahre alte Computerspiele sind entweder rosagebrillter Kult oder längst in Vergessenheit geraten. Das Computerspiele Museum in Berlin versucht, auf 670 m² Ausstellungsfläche einen Abriss der Geschichte der Computerspiele darzustellen und diesem vergleichsweise jungen Medium Rechnung zu tragen. Wir waren bei der Eröffnung vor Ort.

Berlin als kluger Standort

Unser Autor Patrick Neef mit dem Riesen-Joystick Unser Autor Patrick Neef mit dem Riesen-Joystick Das Computerspiele Museum liegt direkt an der Karl-Marx-Allee in Berlin Friedrichshain - ein für ein Museum ungewöhnlicher Ort, abseits der Museumsinsel in Berlin-Mitte. Wo früher Erich Honecker zur Ehrenparade aufmarschierte, finden sich nun Cafés, zu Clubs restaurierte sozialistische Gebäude und eben das Computerspiele Museum. Insofern spiegelt die Umgebung des Museums die Schnelllebigkeit unserer Zeit wider. Es passt perfekt hierhin.

Es passt aber nicht nur sehr gut zur Umgebung, es passt auch perfekt zu Berlin. Denn hier hat sich in den letzten Jahren Einiges in Sachen Computerspiele getan. Neben einigen bekannten Entwicklerfirmen ist vor allen Dingen die Games Academy hervorzuheben, Deutschlands erste Spezialschule und Ausbildungsstätte für den Bereich Computerspiele und Videoproduktion, die u.a. von so renommierten Firmen wie Nintendo (DevKits), Crytek (CryENGINE 2), Trinigy (Vision Engine) oder Microsoft unterstützt wird.

Foto-Rundgang durch das Museum (Artikel geht unter der Galerie weiter)

   
Bildergalerie: Retrospektive
Bild 1-3
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Jahrelanges Gerangel um den Standort

Dabei war der Standort Berlin für das Computerspiele Museum lange Zeit unsicher. Bereits drei Jahre nach der Eröffnung 1997 wurde das Museum geschlossen, die Exponate wanderten zwischenzeitlich durch die ganze Welt. Im Nachhinein unterscheidet man zwischen ständiger und Wanderausstellung und will so nicht jedem aufs Butterbrot schmieren, dass der Direktor Andreas Lange 13 Jahre für einen Standort gekämpft hat. Doch jetzt ist alles gut: Mehr als 300 Exponate haben endlich ein sicheres Zuhause gefunden, ganz zu schweigen von den mehr als 2.300 Hardwareexponaten, über 10.000 Magazinen und 14.000 PC- und Videospielen, die sicher im Keller unter dem Museum verwahrt sind.

Tagsüber im Museum (und nicht "Nachts", get it?)

In den ersten Minuten im Museum fällt auf, dass es relativ klein ist. Es besteht eigentlich nur aus einem breiten Gang und den beiden Rückseiten der Ausstellungswände an den Seiten, an denen man ebenfalls entlang laufen kann. Doch es ist erstaunlich, was die Aussteller auf diesen 670 m² unterbringen konnten.

Die Ausstellung ist in drei Bereiche gegliedert: Der erste Bereich "Der Spielende Mensch" leitet die Besucher ein in die Welt des Spielens, die ihren Ursprung weit vor den Computerspielen hat. Verschiedenen Maschinen laden die Besucher dazu ein, sich auf das ein oder andere Spiel einzulassen.

Das Computer-Spiele-Museum in Berlin zeigt Tausende von Ausstellungsstücken, darunter viel kultige Hardware, Spiele-Klassiker und Magazine. (29) Das Computer-Spiele-Museum in Berlin zeigt Tausende von Ausstellungsstücken, darunter viel kultige Hardware, Spiele-Klassiker und Magazine. (29) Der nächste Abschnitt "Die Erfindung des digitalen Spiels" erfüllt genau die Erwartungen, die man als Museumsbesucher dieser Thematik entgegenbringt. Hier werden die Anfänge der Computerspiele und deren Entwicklung beleuchtet. Eine Hardware-Wand erstreckt sich über die Mitte der Ausstellung und zieht jeden langjährigen Computerspieler sofort in den Bann: Von Atari-Konsolen zum C64, vom Amiga 500 zum ersten Mac, vom Gameboy zur PSP - hier findet man alle typischen Geräte, auf denen man die digitalen Spiele genießen kann und konnte. Auch aktuelle Hardware fehlt nicht: An einer Wand befindet sich ein großer Bildschirm, angeschlossen an einer Playstation 3, auf der wir Wipeout HD in 3D spielen können. Durch diesen Kontrast zwischen alt und neu wird der technische Fortschritt der Computerspiele überdeutlich.

Im dritten Abschnitt geht die Ausstellung aktuellen und künftigen Fragen nach: Wie entwickelt sich das Medium? Wie verbreitet ist es? Wie verhalten sich Gut und Böse in PC Spielen?

Dem Spieltrieb freien Lauf lassen

Doch das Museum ist nicht so rigoros in Abschnitte eingeteilt wie es klingen mag. An vielen Ecken laden Spielmaschinen zum Ausprobieren ein. Da wäre zum Beispiel ein alter PONG-Automat, der für mächtig viel Nostalgie sorgt. Beeindruckt hat uns ebenfalls ein Apparat, bei dem man durch eine Lampe erzeugte Schattenpunkte auf einer Tischplatte durch Umlegen von Holzteilen beeinflusst. Und wer dazu bereit ist, seine Schuhe auszuziehen, darf sich auf den Riesenjoystick stellen und ein paar Aliens abschießen - gar nicht so leicht, wenn man den Joystick Knopf mit dem Fuß drücken soll.

Ein paar Bugs zu Beginn

Das Computer-Spiele-Museum in Berlin zeigt Tausende von Ausstellungsstücken, darunter viel kultige Hardware, Spiele-Klassiker und Magazine. (39) Das Computer-Spiele-Museum in Berlin zeigt Tausende von Ausstellungsstücken, darunter viel kultige Hardware, Spiele-Klassiker und Magazine. (39) Der Unterhaltungswert im Museum für Computerspiele steigt mit dem Nerdigkeitsgrad des Besuchers: Die Freude über längst vergessene und hier wiederentdeckte Leidenschaften kann Herzen höher schlagen lassen. Das macht das Museum zu einem konkurrenzlosen Ort in seinem Metier: Welches Museum kann schon von sich behaupten, dass die Besucher im Laufe Ihres Lebens mit den Exponaten zu tun hatten, nur um sich wenige Jahre später selbige in einem Museum anzuschauen?

Über die Eröffnung selbst waren wir etwas erstaunt: Um Punkt 10 Uhr am ersten Öffnungstag waren höchstens eine Handvoll Menschen vor Ort, an vielen Stellen wurden noch Bohrmaschine und Schraubenzieher angesetzt, ein paar Bier- und Weinflaschen zeugten von der vermutlich "eigentlichen" Eröffnung am Vorabend. Mittlerweile hat das Museum über 2.000 Besucher am ersten Wochenende erlebt. Als Abschluss finden Sie hier alle unsere Fotos aus dem Computerspiele-Museum in Berlin:

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06.02.2011 13:01 Uhr
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Dein Kommentar
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Bewertung: 0
06.02.2011 13:49 Uhr
Wird Zeit die Verwandtschaft in Berlin mal wieder zu besuchen^^

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