Peter Molyneux: Die Entwicklerlegende im Profil
Populous
1987 legte Molyneux den Grundstein für seine erfolgreichste Zeit: Er gründete (zusammen mit Les Edgar) die Firma Bullfrog Productions. Das dritte Spiel aus seinem neuen Haus war Populous (1989), ein früher Vertreter des Echtzeit-Strategie-Genres. Populous war innovativ, eine komplexe Wirtschaftssimulation und Begründer der sogenannten Götterspiele. Sie schlüpfen in die Rolle eines Schamanen und führen Ihr Volk in 500 Missionen zu Ruhm, Ehre und Wohlstand. Es gilt, die Völker anderer Götter zu übertrumpfen oder zu unterjochen. Der riesige Erfolg von Populous schlug sich in unzähligen Auszeichnungen und etlichen Portierungen auf andere Plattformen nieder, darunter Super Nintendo und Sega Mega Drive. Ein herausstechendes Feature des Spiels waren die verformbaren Terrains: "Ich war einfach zu faul, die vielen Karten selbst zu designen", erklärte Molyneux später.
Syndicate
Mit Syndicate (1993) und Theme Park (1994) landete Molyneux seine nächsten Geniestreiche unter dem Bullfrog-Label. Syndicate, ein Strategiespiel in einer Cyberpunk-Welt, versetzt Sie in einen Kampf um die Weltherrschaft. Sie führen einen Konzern, steuern bis zu vier Agenten, eskortieren wichtige Männer, eliminieren Zielpersonen und beschaffen wertvolle Gegenstände. Das Spiel geriet aufgrund dessen in Kritik. Der Gewaltanteil war hoch, die Motive moralisch fragwürdig.
Theme Park
Ganz anders: Theme Park, eine kunterbunte Wirtschaftssimulation, in der Sie einen Vergnügungspark zu wirtschaftlichem Erfolg führen. Mit reichlich Humor gespickt, überzeugte das Spiel durch übertrieben detaillierte Einstellungsmöglichkeiten. An der Imbissbude konnten Sie selbst den Salzgehalt der Pommes Frittes festlegen - der Sinn erschließt sich auf den zweiten Blick: Mehr Salz macht mehr Durst, mehr Durst kurbelt den Getränkeumsatz an. Der immense Erfolg des Spiels begründete das Genre der Themenparksimulationen, denen auch die Rollercoaster Tycoon-Serie entspringt.
1995 vollzog sich ein nachhaltiger Wechsel in Molyneux' Entwicklerkarriere. Electronic Arts, unter anderem Publisher für Syndicate, kaufte Bullfrog Productions. Im Nachhinein sind sich Peter Molyneux und John Riccitiello, Chef von EA, einig: Die Einverleibung war ein Fehler, beide seien sich ihrer Schuld bewusst. Zwei Jahre später verließ Molyneux seinen neuen Arbeitgeber und gründete die Lionhead Studios. Im selben Jahr erschien nach vielen Verzögerungen Dungeon Keeper, das zurecht einen Ruf als Meisterwerk genießt.
Dungeon Keeper 2
Dungeon Keeper dreht den üblichen Wir-sind-die-Guten-Spieß um: Sie spielen nicht den Helden, handeln nicht moralisch, bekämpfen nicht das Böse. Sie sind das Böse! Dabei hüten Sie einen Kerker, stellen Fallen auf und befehligen, fiese Kreaturen, alles mit dem Ziel, das Gute aus Ihrer Welt fernzuhalten. Zum Einsatz kommen außerdem diverse Foltermethoden, darunter Verhungern und Schlagen. Im Zuge dessen ist es verwunderlich, dass der deutsche Jugendschutz das Spiel ab 16 Jahren freigegeben hat - andererseits dürfte der humoristische Charakter und das realitätsferne Setting diese Einstufung begünstigt haben. Die hierzulande erhältliche Version wurde lediglich um einige Blut- und Foltereffekte gekürzt.

