Patrizier 4 (PC)

Release:
18.11.2011
Genre:
Strategie
Publisher:
Kalypso Media GmbH

Patrizier 4 im Test: Gute WiSim mit kleineren Macken - Ab heute im Handel

02.09.2010 15:02 Uhr
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Neu
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Nach Tropico schafft es Kalypso wieder, einem Klassiker neues Leben einzuhauchen. Patrizier 4 ist zwar nicht perfekt, dafür aber zugänglich, gut aussehend und unterhaltend. Der PC Games-Test zu Patrizier 4 zeigt warum.

Patrizier 4 sorgt für eine Wiederbelebung der alten Wirtschaftssimulationen. Patrizier 4 sorgt für eine Wiederbelebung der alten Wirtschaftssimulationen. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Patrizier 4 lässt den Glanz alter Wirtschaftssimulationen jetzt neu erstrahlen. Gaming Minds’ Erstlingswerk ist zwar nicht perfekt, aber ein zugängliches, gut aussehendes und unterhaltsames Spiel geworden. Das Spielgeschehen hält sich eng an die früheren, nun mittlerweile über zehn Jahre zurückliegenden Teile der Serie. Sie starten als kleiner Händler im Lübeck der Hansezeit. Zunächst steht Ihnen nur ein Kontor, ein Schiff und etwas Geld zur Verfügung. Sie erwerben also einige Güter und verschiffen diese in eine Stadt, die mehr dafür bezahlt, als Sie ausgegeben haben. Entwickler Gaming Minds hat für Patrizier 4 ein dynamisches Wirtschaftssystem entworfen, das zu den reizvollsten Eigenschaften des Spiels gehört. Kaufen Sie in einer Stadt also große Mengen einer Ware an, steigt der Preis, da das Gut dort langsam knapp wird. Liefern Sie allerdings Unmengen derselben Ressource an einen Handelsplatz, fällt der Preis dramatisch.

Patrizier 4 hält die Lernkurve flach. Zu Beginn sind die Aufgaben übersichtlich und werden gut erklärt. So fällt auch Neulingen der Einstieg leicht. Patrizier 4 hält die Lernkurve flach. Zu Beginn sind die Aufgaben übersichtlich und werden gut erklärt. So fällt auch Neulingen der Einstieg leicht. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Zudem wird die Gewinnspanne durch zahlreiche weitere Faktoren beeinflusst. Jede Stadt produziert zum Beispiel ab Spielbeginn bestimmte Waren, leidet aber gleichzeitig Mangel an anderen. Lübeck kann mit Eisenwaren dienen, muss Fleisch aber teuer importieren. Außerdem ist die hübsch gestaltete Nordeuropakarte, auf der Sie Ihre Geschäfte tätigen, in acht große Regionen eingeteilt, in denen jeweils ein spezielles Gut produziert wird, das in den anderen Bereichen gar nicht herstellbar ist. Deutschland bietet Bier an, Russland glänzt mit dicken Fellmänteln.

Durch Ihre Handelstätigkeit erlangen Sie in jeder Stadt einige Bekanntheit. Liefern Sie Waren an, die in der Siedlung zuvor nicht vorhanden waren, steigt Ihr Ansehen. Ab einer gewissen Reputationsstufe kaufen Sie im Gildenhaus der Stadt neue Rechte hinzu. So wird Ihnen zugestanden, Gebäude zu bauen oder die regionale Ware zu produzieren. Rohstoffe wie Getreide oder Hanf vor Ort herzustellen, drückt den Preis und steigert gleichzeitig Ihr Ansehen, da Sie für neue Arbeitsplätze sorgen. Gleichzeitig errichten Sie Brunnen, Plätze und Wohnhäuser. Hier kommt bei Patrizier 4 tatsächlich so etwas wie Anno-Feeling auf. Dieser Teil des Spiels ist sehr gut gelungen.

Bauen können Sie grundsätzlich in jeder Stadt, in der Sie ein Kontor unterhalten. In diesem Gebäude stellen Sie auch einen Verwalter ein, der die An- und Abverkäufe automatisiert. Eine echte Erleichterung! Allgemein bemüht sich Gaming Minds um leichte Zugänglichkeit des Spiels. Gebäude richten sich beim Platzieren selbst aus, Straßen werden automatisch angelegt und das Erstellen von Handelsrouten ist dank Drag&Drop-Verfahren sehr viel komfortabler geworden als noch in den Vorgängern. Trotzdem stören einige Details an der Benutzeroberfläche des Spiels. So können Sie zum Beispiel die Geschwindigkeit, mit der die Zeit voranschreitet, nicht ändern, solange Sie ein Menü geöffnet haben. Sie müssen also das Handelsfenster zunächst schließen und dann die Zeit heruntersetzen, um in Ruhe Waren hin- und herschieben zu können.

Heftige Stürme auf offener See können Ihre Handelsschiffe zerstören. Heftige Stürme auf offener See können Ihre Handelsschiffe zerstören. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Auf der Stadt- und der Europakarte scrollen Sie, indem Sie die Maus an die Bildschirmränder führen. So weit, so normal. Allerdings funktioniert das nicht, wenn ein Menü am Bildschirmrand aufgeklappt ist. Und das ist sehr oft der Fall. So scrollen Sie die meiste Zeit mit den WASD-Tasten.

Während Sie Geld scheffeln, schreiten Sie in der Kampgane mit kleinen Aufträgen voran. Ihnen werden so nach und nach die Feinheiten des Spiels beigebracht. Reichtum anzuhäufen ist nämlich dank automatisierter Handelsrouten und moderatem Schwierigkeitsgrad nicht allzu schwer. Nach einer Weile können Sie sich deshalb auf die politische Karriere konzentrieren. Sie eröffnen Kontore in den verschiedenen Hansestädten, mehren Ihren Ruhm und bauen die Orte zu blühenden Handelszentren aus. Mit steigendem Einfluss können Sie den Stadtrat auch zu großen Bauprojekten wie einem Dom oder einer Universtät überreden. In Ihrer Heimatstadt dürfen Sie sogar zum Bürgermeister aufsteigen, was Ihnen alle Fäden in die Hand gibt.

Mit fortschreitender Spieldauer legen Sie mehr und mehr Handelsrouten an. Ein Kontorverwalter hilft Ihnen, in den einzelnen Städten den Überblick zu behalten. Mit fortschreitender Spieldauer legen Sie mehr und mehr Handelsrouten an. Ein Kontorverwalter hilft Ihnen, in den einzelnen Städten den Überblick zu behalten. [Quelle: Siehe Bildergalerie] Natürlich bekommen Sie nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Im Hinterland jeder Stadt sitzt ein Landesherr, der von Zeit zu Zeit Forderungen stellt. Erfüllen Sie diese nicht, wird der Adlige mit einer Armee angerauscht kommen, um den Stadtsäckel zu plündern. Als Bürgermeister können Sie zur Verteidigung Geschütztürme aufstellen. Großen Einfluss auf die Kämpfe nehmen Sie aber nicht. Die Auseinandersetzungen mit dem Landesherrn dienen also eher als nette Dreingabe denn als vollwertiges Feature.

Einen weit größeren Teil des Spiels nimmt da schon der Seekampf ein, der leider nicht ganz so gut gelungen ist wie der Rest des Spiels. Treffen Sie auf Piraten oder greifen selbst als Freibeuter Handelsschiffe an, lässt Ihnen das Spiel die Wahl zwischen automatischem und manuellem Kampf. Lassen Sie die künstliche Intelligenz den Ausgang der Schlacht berechnen, kommt es aber immer mal wieder zu seltsamen Ergebnissen. So verlieren Sie, obwohl Ihre Flotte eigentlich hätte überlegen sein müssen oder es wird angezeigt, dass Sie verloren haben, der Feind wird aber trotzdem ausgelöscht und Ihre Schiffe bleiben nur leicht beschädigt zurück – hier muss ein Patch her. Greifen Sie hingegen selber in die Schlacht ein, wird die Begegnung auf See schnell zur Geduldsprobe. Zwar können Sie Anfahrtswinkel und Munition Ihrer Kähne selbst festlegen und theoretisch auch feuern, wann Sie wollen. Den ganzen Rest erledigen die Pötter allerdings selbst. Sprich: Die meiste Zeit sehen Sie den elend langsamen Koggen, Kraiern und Schniggen dabei zu, wie Sie umeinander kreisen und ab und an einen Schuss abgeben. Trotzdem ist der Seekampf eine nette Abwechslung.

Im späteren Spielverlauf dürfen Sie die Stadtmauern selbst erweitern. Im späteren Spielverlauf dürfen Sie die Stadtmauern selbst erweitern. [Quelle: Siehe Bildergalerie] In Anbetracht der geringen Teamgröße hat Gaming Minds ein recht gut aussehendes Spiel entworfen. Die Gebäude und Schiffe sind ansprechend und glaubwürdig gestaltet, Wettereffekte wie Schnee und Regen legen sich wunderbar animiert über das Land. Die Übersichtskarte glänzt mit Retro-Charme, genügt aber auch modernen Ansprüchen. In der oberen linken Bildschirmecke erscheinen zudem für besondere Ereignisse kleine Videos, die das Geschehen auflockern. Dort tauchen auch Ihre Gegner immer mal wieder auf, um Sie mit kecken Sprüchen zu reizen oder Warnungen auszusprechen. Dank guter Vertonung hören sich die Kontrahenten in den verschiedenen Regionen auch wirklich unterschiedlich an. Das schafft Atmosphäre. Auch Ihr Onkel, der Ihnen immer wieder Anweisungen gibt, bekam einen passenden Sprecher spendiert. In puncto Musik müssen Sie hingegen Abstriche machen.

Die leisen Fanfaren- und Fagottklänge halten sich im Hintergrund. Vielmehr hören Sie ständig das Klimpern von Geld, wenn Ihre Schiffe in den Häfen Handel treiben. Das Geräusch treibt Sie, so beruhigend der damit zusammenhängende Geldsegen auch ist, mit fortschreitender Spieldauer langsam, aber sicher in den Wahnsinn.

Die Kampagne ist in weiten Teilen zu leicht geraten. Schnell hat man ein funktionierendes Handelsnetz und braucht sich um Geld keine Sorgen mehr zu machen. Zum Glück haben die Entwickler für das freie Spiel Schwierigkeitsgrade für Profis eingebaut, in denen Sie auch negative Einflüsse wie zugefrorene Häfen, Seuchen und Stürme beachten müssen. Dort macht es dann auch Sinn, alle Handelsrouten einzeln zu überwachen und per Feinjustierung den ein oder anderen Dukaten mehr herauszuschlagen. Alte Fans der Serie werden zudem schmerzlich einen Mehrspieler-Modus vermissen. Patrizier 4 ist ein reines Singleplayer-Spiel. Vielleicht baut Gaming Minds diesen in eine mögliche Erweiterung ein.

Patrizier 4 (PC)
Spielspaß-Wertung

84 %
Leserwertung
(18 Votes):
65 %
Fängt das Flair der Vorgänger ein
Kampagne zu kurz beziehungsweise zu leicht
Hübsche, zweckmäßige Grafik
Einzelspieler-Modus präsentiert keine wirkliche Geschichte
Dynamisches Wirtschaftssystem
Interface-Probleme (Karten-Scrollen, Zeiteinstellung etc.)
   
Christian Schlütter
Willkommen daheim, Wirtschaftssimulation!
Der oft gezogene Vergleich zu Anno 1404 ist aus zweierlei Gründen nicht fair. Zum einen hat Related Designs für Anno weitaus mehr Geld und Mannstärke zur Verfügung als das kleine Gütersloher Studio Gaming Minds. Und zum anderen handelt es sich bei Anno um ein Aufbau-Strategiespiel, bei Patrizier 4 aber um eine waschechte Wirtschaftssimulation. Und auf diesem lange vernachlässigten Gebiet macht das Spiel seine Sache sehr gut. Es macht Spaß, die beste Handelsroute herauszufinden und Warenpreise miteinander zu vergleichen. Ich habe mich sogar selbst einige Male dabei ertappt, dass ich Warenkreisläufe auf einen Notizblock kritzelte wie damals bei 1869: Hart am Wind. Trotzdem wird Patrizier 4 nicht allen alten Händlern gefallen. Denn auf normalem Schwierigkeitsgrad fällt der Aufbau einer funktionierenden Handelsdynastie eindeutig zu leicht, zumal sich mit dem angehäuften Geld auch politische Ämter erkaufen lassen. Außerdem dürfen die angesprochenen Interface-Fehler in der heutigen Zeit einfach nicht mehr vorkommen. Trotzdem: Patrizier 4 macht vieles richtig, erhält den Flair des Originals und lässt auch Unbedarfte nicht außen vor. Prima!
   
Erfahrener Benutzer
Moderation
02.09.2010 15:02 Uhr
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Dein Kommentar
Benutzer
Bewertung: 0
12.03.2014 13:07 Uhr
Ich werfe einfach mal folgende Frage rein, ohne den Beitrag zu lesen.
Kann man Patrizier 4 oder Patrizier 2 Gold irgendwie über Lan zu 2. spielen?

In eile 
VanDeWolf
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
27.11.2010 19:19 Uhr
Patrizer mit star craft vergleichen?....das sind doch ganz andere spielgenren?...logisch kanns da die gleichen wertungen geben...in ihrem genre sind beide spiele anscheinend herausstechend...das is wie äpfel und birnen vergleichen total überuseder satz aber in dem fall mal wieder vollkommen zutreffend.
Neuer Benutzer
Bewertung: 0
29.10.2010 13:16 Uhr
Anno hab ich 20 Stunden gespielt und es hat mir sehr gut gefallen. Anno sieht besser aus, von mir aus auch ne andere Liga. Aber das Spiel ist oberflächlicher. P4 spiele ich aber schon 40 Stunden und es war 5Euro billiger. Letztlich ist P4 daher für mich das bessere Spiel...