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  • Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden

    Kaum ein anderes Unterhaltungsmedium setzt so viel auf Realismus wie PC Spiele. Besonders bei Kriegsszenarien müssen die Entwickler jedoch aufpassen, dass sie ihrem Publikum nicht zu sehr auf die Füße treten. Doch was passiert, wenn der Drahtseilakt zwischen Authentizität und Diplomatie missglückt? Im Folgenden stellen wir ihnen Spiele vor, die auf dem politischen Parkett ordentlich für Furore gesorgt haben. Darunter Command & Conquer: Generäle und Ghost Recon: Advanced Warfighter.

    In Deutschland erschien nur die abgespeckte Version Command & Conquer: Generäle. In Deutschland erschien nur die abgespeckte Version Command & Conquer: Generäle. Quelle: PC Games Kunst imitiert das Leben – so ist es auch in Spielen. Schon immer dienen aktuelle Geschehnisse den Spielemachern als Inspirationsquelle. Denn besonders Kriegsspiele müssen vor allem eines sein: Glaubwürdig. Um das zu gewährleisten setzen viele Entwickler drohende Konflikte und aktuelle Krisenherde in spannende virtuelle Szenarien um. Gemeinhin lautet dabei natürlich die Devise, dass keine Politik betrieben, sondern lediglich Unterhaltung geboten werden soll. So lehnen sich die meisten Multiplayer-Strategiespiele oder Ego-Shooter zwar an aktuelle Militärkonflikte an, entscheiden dabei aber nicht, mit welcher Armee der Spieler letztendlich in die Schlacht ziehen soll. Doch nicht jedes Spiel wahrt so viel Distanz. Ein beliebtes Feindbild in Spielen geben beispielsweise die Russen ab. Call of Duty: Modern Warfare und Frontlines: Fuel of War reagierten auf das aktuelle Bild Russlands, als ein erstarkendes Land, das mit seiner florierenden Wirtschaft und seinem fremdartigen Wertesystem ein unberechenbarer Schurkenstaat zu sein scheint. Dennoch sind die in den Games zu erlebenden Szenarien in der Regel Fiktion. Wenn sich die Studios allerdings zu nah am aktuellen politischen Geschehen orientieren, bleibt es natürlich nicht aus, dass sie hin und wieder auch gehörig mit Behörden, Politikern und der Öffentlichkeit aneinander rasseln.

    Command & Conquer: Generals
    Eine besonders starke Anlehnung an aktuelle politische Konflikte fand sich in dem Echtzeit-Strategiespiel Command & Conquer: Generals. Darin ging es um den amerikanischen Kampf gegen den Terror, wobei der Spieler in unterschiedliche Rollen schlüpfen konnte. Unterstützt wurde dieser Eindruck von Charakteren, deren Gesichter vage Anleihen an George W. Bush und Kofi Annan schienen und der im Spiel operierenden Gruppe GLA, die starke Ähnlichkeiten mit Terrororganisationen wie der Al Quaida aufwies. Command & Conquer: Generals zynische Herangehensweise an das Thema Terrorismus brachte dem Spiel rasch den Vorwurf der Kriegsverherrlichung ein. So sollte das Spiel Kämpfe als einzig denkbare Möglichkeit der Konfliktlösung propagieren. Außerdem meinten seine Kritiker, dass das Game die Vermutung nahelege, das irakische Regime sei mit islamischen Terrororganisationen gleichzusetzen. Besonders in der Kritik standen außerdem Missionen, in denen Attentate geplant und Selbstmordattentäter trainiert wurden. Auch der strategische Einsatz von Massenvernichtungswaffen im Spiel wurde angeprangert. Denn deren Einsatz reduziere den Mord an Zivilisten lediglich zu Kollateralschäden. Aufgrund des starken Bezugs zu aktuellen Ereignissen wie dem Irak-Krieg, wurde das Spiel Command & Conquer: Generals in Deutschland zwei Monate nach seiner Veröffentlichung wieder aus dem Verkehr gezogen. Einige Monate später wurde unter dem Namen Command & Conquer: Generäle eine entschärfte Fassung des Spiels speziell für den deutschen Markt herausgegeben.

    In Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 fielen mexikanische Rebellen in Amerika ein - und spielten dabei mit durchaus realen Befürchtungen der USA. In Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 fielen mexikanische Rebellen in Amerika ein - und spielten dabei mit durchaus realen Befürchtungen der USA. Quelle: PC Games Ghost Recon: Advanced Warfighter 2
    Einen spannenden Plot wollte Ubisoft mit dem taktischen Action-Titel Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 kreiieren: Den Kampf der USA gegen eine mexikanische Rebellion, deren Truppen im amerikanischen Raum schon einiges an virtuellem Boden gewonnen hatten. Dumm nur, dass die Furcht vor eben diesem Szenario die Beziehungen zwischen beiden Ländern seit Jahren erschweren. Nach der Veröffentlichung des Spiels blieb der Sturm der Entrüstung deshalb auch nicht lange aus. In der El Paso Times beklagte der Bürgermeister der mexikanischen Stadt Juárez, dass das Spiel seine Heimat verunglimpfe und äußerte seine Befürchungen, dass die Szenarien zu Spannungen zwischen Mexiko und den USA beitragen, die die wirtschaftlichen Beziehungen belasten würden. Des Weiteren forderte der entrüstete Politiker von der mexikanischen Regierung ein umfassendes Verkaufsverbot. Ubisoft nahm die Vorwürfe gelassen entgegen und verwies die mexikanische Zeitung darauf, dass die Story von GRAW 2 frei erfunden sei. Der Gouverneur von Chihuahua reagierte jedoch prompt und ordnete die Beschlagnahmung aller Exemplare des Spiels an. Für eine ähnliche Reaktion hatte bereits Ghost Recon 2 gesorgt. Die Hintergrundstory des Spiels handelte von einem Krieg zwischen Nord- und Südkorea, der in einer fiktiven Zukunft stattfand. Chef-Entwickler Christopher Allen von Red Storm betonte, dass Ubisoft damit lediglich eine spannende Story auf den Markt bringen wollte. Eine nordkoreanische Zeitung war allerdings überzeugt, dass Ubisoft eine ganz andere Intention mit Ghost Recon 2 verfolgte: „Die Amerikaner haben der Welt ihren Hass auf uns gezeigt. Das mag für sie jetzt nur ein Spiel sein, aber ein Krieg wird später kein Spiel mehr für sie sein. Dort wird sie nur eine erbärmliche Niederlage und ein furchtbarer Tod ereilen.“ Der gleichen Meinung waren auch die Behörden in Südkorea, die kurzerhand anordneten, dass Ubisoft den Titel nicht in Südkorea verkaufen dürfe. In einer Begründung hieß es, die Handlung des Spiels „gehe zu weit“.

    Das Spiel der Schweizer Anti-Minarett-Inititive, in dem die Spieler Minarette wegklicken konnten, brachte die Gemüter der moslemischen Mitbürger zum Kochen. Das Spiel der Schweizer Anti-Minarett-Inititive, in dem die Spieler Minarette wegklicken konnten, brachte die Gemüter der moslemischen Mitbürger zum Kochen. Quelle: PC Games Online gegen Schweizer Minarette
    Auch wenn Entwickler hin und wieder im Kreuzfeuer der Kritik stehen, bewusste Provokationen sind in der Spielwelt eher selten. Anders hingegen das Erzeugnis der Anti-Minarett-Inititive in der Schweiz, in der es darum ging, in Moorhuhn-Manier plötzlich auftauchende Minarette und Muezzins wegzuklicken. „Menschenverachtend“, kommentierte der Präsident der Anti-Rassismuskommission, Georg Kreis, und drängte darauf, zuständige Instanzen auf das Spiel aufmerksam zu machen. Die reagierten auch sofort. So entrüstete sich Saida Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, darüber, dass "die Schamgrenze überschritten ist" und auch Hisham Maizar, Präsident der Föderation islamischer Dachverbände der Schweiz meinte, dass "den Initianten alles recht ist, um die Volksmeinung zu beeinflussen." Walter Wobmann, Präsident des Komitees für die "Anti-Minarett-Initiative", nahm die Kritik jedoch locker und sah jedoch keinen Grund, das Spiel aus dem Netz zu nehmen, da bei dem Spiel schließlich keine Waffen verwendet wurden.

    Das Game Six Days in Fallujah war in den Augen vieler Amerikaner zu authentisch. Das Game Six Days in Fallujah war in den Augen vieler Amerikaner zu authentisch. Quelle: PC Games Six Days in Fallujah
    Six Days in Fallujah thematisiert die zweite Schlacht um die irakische Rebellen-Hochburg Falludscha im Irak-Krieg 2004. Als US-Soldat soll man sechs Tage des Irak-Kriegs im Spiel nacherleben können. Dabei will der Third-Person-Shooter einen "dokumentarischen Charakter" wahren und sich als Mischung aus Enter- und Edutainment präsentieren - für erwachsenes Publikum. Bereits vor der Veröffentlichung stand das Spiel jedoch im Kreuzfeuer der Kritik. Besonders im Hinblick auf die Angehörigen von Opfern des Krieges und die überlebenden Kriegsveteranen wurde das Spiel als zu aktuell und realistisch empfunden. Der Publisher Konami entschied sich schließlich dafür, den kontroversen Irak-Shooter Six Days in Fallujah nicht zu veröffentlichen. "Wir haben die Reaktionen zu Six Days in Fallujah in den USA zur Kenntnis genommen und uns dafür entschieden, nicht mehr als Publisher zu fungieren", erklärte ein Konami-Sprecher. Das Entwicklerteam Atomic Games soll den Titel allerdings fertiggestellt haben und nun die Veröffentlichung planen.

    Den Krieg der USA gegen den Islam virtuell zu erleben, ist sicherlich nichts Neues. Der Kampf auf islamischer Seite ist jedoch ungewöhnlich. Den Krieg der USA gegen den Islam virtuell zu erleben, ist sicherlich nichts Neues. Der Kampf auf islamischer Seite ist jedoch ungewöhnlich. Quelle: digitalislam.eu Under Siege
    Auch der Islam hat Spiele inzwischen als wirksames Propagandamittel entdeckt. So schildert der Ego-Shooter Under Siege von Afkar Media den Kampf der Palästinenser gegen die israelischen Besatzer, und kehrt dabei das Feindbild der westlichen Shooter ins Gegenteil um: Statt eines bombenbepackten islamischen Selbstmordattentäters stürzt sich in der Eröffnungssequenz ein orthodoxer Jude mit einem Maschinengewehr in eine vollbesetzte Moschee und eröffnet das Feuer auf die unbewaffneten Gäubigen. Dabei beruft sich das Spiel auf reale Gegebenheiten. Die Szene handelt vom Attentat des jüdischen Arztes Baruch Goldstein, der 1994 in der Moschee von Jericho palästinensische Gläubige beim Gebet überraschete, 27 Menschen tötete und über 100 verletzte. Obwohl das Spiel in westlichen Ländern nur schwer erhältlich ist, sorgte sich die amerikanische Regierung, dass über dererlei Spiele das Feindbild Amerika verbreitet werden könne. Außerdem befürchtete die westliche Welt, dass Terror-Organisation wie die Al-Qaida Spiele für ihre Zwecke umprogrammierten, um die amerikanische Jugend zu korrumpieren.

  • Es gibt 10 Kommentare zum Artikel
    Von MrBigX
    Paranoia is schon ne blöde Sache ...
    Von Enisra
    Nicht zuvergessen, um Braunau hat der Inn auch einen Bogen gemacht
    Von MrPropper
    Bei World in Conflict habe ich mich eigentlich auch über das positive Ende gefreut, und wir als Deutsche meckern ja…
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Russland als ständiges Feindbild, Mexiko als Rebellenstaat: Wenn Spiele zum Politikum werden
Kaum ein anderes Unterhaltungsmedium setzt so viel auf Realismus wie PC Spiele. Besonders bei Kriegsszenarien müssen die Entwickler jedoch aufpassen, dass sie ihrem Publikum nicht zu sehr auf die Füße treten. Doch was passiert, wenn der Drahtseilakt zwischen Authentizität und Diplomatie missglückt? Im Folgenden stellen wir ihnen Spiele vor, die auf dem politischen Parkett ordentlich für Furore gesorgt haben. Darunter Command & Conquer: Generäle und Ghost Recon: Advanced Warfighter.
http://www.pcgames.de/Panorama-Thema-233992/Specials/Russland-als-staendiges-Feindbild-Mexiko-als-Rebellenstaat-Wenn-Spiele-zum-Politikum-werden-745909/
26.04.2010
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