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  • Die dunkle Seite des Spielers: Der Arschloch-Report
    Quelle: PC Games

    Einmal ein Arschloch sein: Die dunkle Seite des Spielens in DayZ, Rust oder Ark: Surival Evolved (Report)

    Online-Spiele sind ein Schlachtfeld, auf dem Fairness oft zu kurz kommt. Wie aber fühlt man sich eigentlich als Online-Rowdy? Und welche Beweggründe haben Spieler, sich im Netz danebenzubenehmen?

    Moderne Video- und Computerspiele schenken dem Nutzer viele Freiheiten. Dank großer Server-Kapazitäten und leistungsfähiger Hardware bilden die Programme nicht selten nur noch das Grundgerüst - für das eigentliche Befüllen der virtuellen Welten sind mitunter die Communitys selbst verantwortlich. Das wohl bekannteste Beispiel für die exemplarische Darstellung verspielter Kreativität bleibt Minecraft: Der vom schwedischen Indie-Programmierer Markus "Notch" Persson entwickelte Klötzchen-Klassiker gilt als Vorzeigeprodukt der aktuellen Software-Generation. Er stellt nicht sich selbst in den Mittelpunkt, sondern die schöpferischen Fähigkeiten der Spieler.

    Allerdings gibt es eben auch jene Titel, die zwar ähnliche Freiheiten bieten, aber weitaus weniger konstruktiv daherkommen. In den vergangenen Jahren setzten sich Multiplayer-Survival-Spiele wie DayZ, Rust oder Ark: Survival Evolved an der Spitze der Steam-Verkaufscharts fest und sorgten für eine Menge positive wie negative Publicity. Denn die völlige Freiheit geht einher mit kuriosen und teils verstörenden Auswüchsen. Man erinnere sich nur an DayZ-Spieler, die andere zum Singen der Nationalhymne zwangen oder sie anderweitig regelrecht folterten.

    Inzwischen hat jeder in Spielen wie DayZ, Rust oder auch The Division die Chance, die innere Drecksau zu entfesseln und seinen Frust an anderen auszulassen. Aber wie fühlt man sich dabei eigentlich? Mal jemanden zu piesacken, ist ja bekanntlich das eine. Gezielt als Troll durch virtuelle Welten zu lustwandeln, aber das andere. Wir wollten wissen, wie sich das anfühlt.

    Aus zweiter Hand: Der YouTuber "MafuyuX" berichtet

          

    Unser Selbst-Experiment zeigt, dass die Verwandlung zum Online-Rowdy Zeit und auch eine gewisse Form der Hingabe benötigt. Dennis Werth ist Projektleiter des Online-Magazins www.playnation.de und betreibt mit Spielen wie DayZ oder Ark: Survival Evolved den äußerst erfolgreichen YouTube-Kanal "MafuyuX". Mit mehr als 450.000 Abonnenten besitzt er nicht nur eine große Community, sondern hat online in Hunderten von Was der Kollege rechts nicht weiß: Die drei anderen Spieler stecken unter einer Decke und werden ihn gleich fesseln. Was der Kollege rechts nicht weiß: Die drei anderen Spieler stecken unter einer Decke und werden ihn gleich fesseln. Quelle: PC Games Spielstunden schon einiges miterlebt. Regelmäßige DayZ-Sessions mit seinen Fans enden nicht selten im Desaster. "Die Leute sind unfassbar erfinderisch, manchmal schon beinahe krank. Sie denken sich immer neue Methoden aus", sagt Werth. Er erzählt im Interview von gezielten Überfällen: Ein Lockvogel wird vorgeschickt und markiert gegenüber der anderen Gruppe das arme Opfer, dessen Kamerad von Banditen gefangen genommen wurde. "Ich bin bei solchen Typen generell skeptisch. Aber meine Teamkollegen haben ihm geglaubt. Was ist passiert? Wir wurden in einen Wald gelotst und hinterrücks abgeknallt. Es war ein Hinterhalt." Für ihn ist DayZ weit mehr als nur ein Spiel. Dadurch, dass Spieler über Stunden ihren Loot zusammensuchen, kämpfen sie darum, als würde es um ihr eigenes Leben gehen. Auf dem Weg zu der perfekten Ausrüstung scheuen aber manche auch nicht vor miesen Touren zurück.

    "Die Leute spielen auch krasse Psychotricks mit einem. Einer benutzte mal Walkie-Talkies und lockte unsere Gruppe damit in einen Zellentrakt. Als wir nachschauten, wo die Stimmen herkamen, fiel er uns in den Rücken", erklärt "MafuyuX" im Gespräch. Regelmäßig spielt er auch gegen die Community: "Wir machen sogenannte Routen-Sessions. Das bedeutet: Wir fünf befinden uns in einem festen Areal auf der Karte und laufen einen bestimmten Weg ab. Die Community darf uns jagen. Bis jetzt sind wir aber immer lebend angekommen."

    Erwischt! Dieser Spieler stopft sich gerade mit Äpfeln voll und hat deshalb nicht aufgepasst. Auf dem Rücken trägt er eine wertvolle M4A1. Die ist er aber auch gleich wieder los ... Erwischt! Dieser Spieler stopft sich gerade mit Äpfeln voll und hat deshalb nicht aufgepasst. Auf dem Rücken trägt er eine wertvolle M4A1. Die ist er aber auch gleich wieder los ... Quelle: PC Games Allerdings gab es in einer vergangenen Runde bereits im Vorfeld Probleme. Zwei Teamkameraden wurden noch vor dem offiziellen Beginn der Session abgeschossen, sodass die Partie verschoben werden musste. Den Grund erklärt "MafuyuX" wie folgt: "Es gibt zwei Leute, die sind extrem eifersüchtig. Die haben früher mal mit einigen meiner Teammitglieder zusammengespielt. Ich habe mit denen gar nichts zu tun. Jedenfalls benutzten diese beiden das Portal gametracker.com, um unseren Server herauszufinden. Auch nach zwei Jahren versuchen die immer noch, unsere Videos zu sabotieren. Beim letzten Mal ist es ihnen sogar zumindest kurzzeitig gelungen."

    DayZ ist ein ungemein zeitintensives Spiel. Entsprechend sind solche Attacken für Dennis Werth umso schmerzhafter. Allerdings kann auch er sich nicht ganz davon freisprechen, hin und wieder mal seine Machtposition auszunutzen. "Wir trafen letztens ein Bambi, das uns mit tschechischem Akzent ansprach. Er bat uns um Hilfe. Ich war mir nicht sicher, ob es nicht wieder eine Falle ist. Die anderen haben ihm vertraut. Ich habe ihn dann geärgert und habe ihn beispielsweise aufgefordert, drei Worte auf Deutsch zu sagen. Später habe ich ihn immer 'Äffchen' genannt, weil er geduckt neben uns her gelaufen ist. Wirklich schlimme Sachen habe ich ansonsten aber nicht gemacht", beschwichtigt der Portalleiter und YouTuber später. Der anfängliche Argwohn erwies sich im Spielverlauf als unbegründet. In einem späteren Feuergefecht kämpfte der Tscheche Seite an Seite mit der Playnation-Crew und opferte sich sogar für das Team. "Ich fand das total cool und hätte echt nicht damit gerechnet", gesteht Werth.

    "Man fühlt sich schlecht"

          

    Von echten Foltermaßnahmen hat er bislang Abstand genommen. Hin und wieder fesselt er andere Spieler und betont, dass dies ausschließlich zum Selbstschutz wäre. Überhaupt scheint der materielle Egoismus eine große Rolle in Spielen wie DayZ, Rust oder Ark einzunehmen. Nur Alleine ist die Festnahme eines anderen Spielers nahezu unmöglich. Zu zweit kann einer Feuerschutz geben und der andere übernimmt die Drecksarbeit. Das arme Opfer wartet geduldig ab, was mit ihm passiert. Alleine ist die Festnahme eines anderen Spielers nahezu unmöglich. Zu zweit kann einer Feuerschutz geben und der andere übernimmt die Drecksarbeit. Das arme Opfer wartet geduldig ab, was mit ihm passiert. Quelle: PC Games wenige agieren ganz bewusst als Banditen, vielmehr verwandelt das Spiel einen irgendwann. Mit jeder negativen Erfahrung wächst eine gewisse Skepsis gegenüber anderen Teilnehmern. Die Angst, die eigene Beute und damit den Spielfortschritt zu verlieren, erzeugt einen grundsätzlichen Verdacht, der meist zu Auseinandersetzungen führt. Zugleich aber entwickelt sich schnell eine Gleichgültigkeit gegenüber jedem Fremden. Denn potenziell ist er sowohl eine Bedrohung als auch eine laufende "Schatztruhe".

    Auch unsere Mitspieler Sascha Degler und Christof Michalski berichten von ähnlichen Erfahrungen. Selbst wenn man mit einem Fremden längere Zeit kooperiert, bedeutet das nicht, dass dieser kein Freiwild ist. "Wir spielten letztens mit jemandem, der sich uns angeschlossen hatte. Doch als er uns auf den Keks ging, haben wir ihn umgeschossen. Danach fühlte ich mich garantiert für eine Stunde wirklich schlecht", gesteht Degler während einer DayZ-Session. Das von Bohemia Interactive entwickelte Survival-Abenteuer besitzt - zumindest in der aktuellen Version 0.60 - keinerlei alternative Beschäftigungsmöglichkeiten abseits des Kampfes und des Sammelns von Gegenständen. Strafen oder Nachteile für Attacken gibt es nicht. Dadurch entsteht eine Art "Lagerkoller".

    Viel lustiger als das Foltern eines Bambis ist natürlich die Jagd. Nur mit einem Kleid und einem Kinderrucksack bekleidet, sucht der Arme das Weite. Doch er hat keine Chance. Viel lustiger als das Foltern eines Bambis ist natürlich die Jagd. Nur mit einem Kleid und einem Kinderrucksack bekleidet, sucht der Arme das Weite. Doch er hat keine Chance. Quelle: PC Games Das Online-Magazin Kotaku verweist in diesem Zusammenhang auf den sogenannten "Lucifer Effect", den die meisten vermutlich aus dem Gefängnisfilm Das Experiment mit Moritz Bleibtreu und Wotan Wilke Möhring in den Hauptrollen kennen: In Isolation tendieren Menschen dazu, ihre Machtposition auszunutzen. Dies kulminiert schließlich in einem direkten Konflikt mit Unterlegenen und in einem sozialen Ungleichgewicht. Der psychologische Druck entlädt sich in Gewalt - ganz ähnlich wie in DayZ.

    Auch Dennis Werth sieht einen Zusammenhang zwischen dem Videospiel und der eigenen Psyche: "Spieler empfinden durch die virtuelle Waffe eine Art von Macht und nutzen diese aus, um Schwächere zu ärgern oder zu quälen", sagt der 26-Jährige. "Ich habe schon mitbekommen, dass man Gruppen von Bambis um Leben und Tod oder gar um einen Sack Reis kämpfen ließ. Folteraktionen mit verdorbenem Essen oder Demütigungen gibt es natürlich auch. Letztlich gehören zu solchen Aktionen aber auch immer zwei. Schließlich kann sich jeder sofort ausloggen und auf einem anderen Server beginnen." Die meisten Banditen machen sich dabei meist gar keine Gedanken über die Tragweite ihrer Handlungen. Für sie ist es Spaß, für ihre Opfer hingegen eine Art Rollenspiel.

    Das Survival-Game Rust erweitert das Spielprinzip um Funktionen, die in DayZ erst in Zukunft noch implementiert werden sollen. Durch den gezielten Bau einer eigenen Behausung entsteht hier so etwas wie ein territorialer Anspruch: Spieler teilen sich die Welt ein und erschaffen In Rust geht es ähnlich aggressiv zu wie in DayZ. Allerdings haben sich auf einigen Servern schon Territorien für bestimmte Spielertypen gebildet. In Rust geht es ähnlich aggressiv zu wie in DayZ. Allerdings haben sich auf einigen Servern schon Territorien für bestimmte Spielertypen gebildet. Quelle: PC Games Areale, in denen es eher friedlich zugeht und solche, in denen offen miteinander gekämpft wird. Zugleich entwickeln sich in Rust aber auch Auswüchse der realen Zivilisation: Spieler werden als virtuelle Sklaven gehalten und von Anführern zum Arbeiten, Bauen und Jagen angetrieben. Während das noch halbwegs human wirkt, finden sich auf YouTube auch zunehmend Videos, in denen Spieler als virtuelle Sexsklaven gehalten werden. Erneut geht es um die Demonstration von Dominanz. In diesem Fall aber weiten Spieler das Arschlochsein aus und greifen die virtuelle Intimität ihrer Opfer an. Dass daraus natürlich spannende und vor allem emotionale Situationen und Ausbrüche entstehen, ist selbstverständlich. Dennoch muss man sich fragen, ob Spiele derartige Funktionen für die perfekte Simulation haben müssen und welchen Einfluss diese auf die Teilnehmer haben könnten.

    Fazit: Wird aus Spaß vielleicht irgendwann ernst?

          

    Ganz egal, ob man sie Trolle, Banditen oder Arschlöcher nennt - das Ausüben virtueller Dominanz auf andere Nutzer ist in komplexen Online-Spielen wie Rust oder DayZ weit mehr als nur ein kleiner Scherz am Rande. Es zeigt, dass bestimmte Konzepte über das normale Videospiel hinausgehen und mit der Psyche der Spieler Schabernack treiben. Denn wo es keine Strafen für Angriffe, Folter, Mord und andere Schandtaten gibt, da will man die Grenzen eben für sich selbst gerne bis zum Äußersten ausloten.

    Sklaverei hat sich zu einem beliebten Berufszweig in der Spielwelt von Rust entwickelt. Bereits besser ausgerüstete Gruppen treiben Einsteiger zur Arbeit an, kümmern sich um Ernährung und Unterkunft. Im Gegenzug bauen diese Ressourcen ab oder gehen auf die Jagd. Sklaverei hat sich zu einem beliebten Berufszweig in der Spielwelt von Rust entwickelt. Bereits besser ausgerüstete Gruppen treiben Einsteiger zur Arbeit an, kümmern sich um Ernährung und Unterkunft. Im Gegenzug bauen diese Ressourcen ab oder gehen auf die Jagd. Quelle: PC Games Im Selbstversuch zeigte sich allerdings, dass man das vielleicht gar nicht unbedingt will. Wer nämlich das virtuelle Arschloch gibt, der muss dies auch mit voller Hingabe tun. Ohne Einsatz und einen Plan funktionieren hinterhältige Aktionen nur noch äußerst selten. Denn durch die Angst, das persönliche Eigentum - in diesem Fall der erbeutete Loot - zu verlieren, wird in den meisten Spielen zuerst geschossen und danach geredet.

    Wer also als Arschloch einen der genannten Titel spielen möchte, muss sich gezielt Strategien überlegen, wie man sich das Vertrauen der Mitspieler erschleicht. Die wichtigste Frage bleibt aber bestehen: Will man das überhaupt? Natürlich macht der PvP-Charakter diese Spiele erst so richtig spannend, aber muss man dabei wirklich an die Grenzen des moralisch Vertretbaren gehen und anderen Teilnehmern wissentlich den Spaß verderben - selbst wenn es rein virtuell ist?

    Wir jedenfalls sind lieber Überlebende, die die Waffe nur dann zücken, wenn es notwendig ist und um die Selbstverteidigung geht. Ganz sicher ist aber, dass in jedem von uns ein kleiner Drecksack steckt - und genau das macht ja letztlich auch den Reiz von Spielen wie DayZ und Konsorten aus.

    06:54
    Rust: Besser als Day Z? Der Steam-Blockbuster im Angespielt-Video
    • Es gibt 20 Kommentare zum Artikel

      • Von l0l Erfahrener Benutzer
        Vielen Dank für die Kollumne bzw. das Special.

        Bestätigt nur meine Vorurteile solcher Spiele gegenüber. 99% langweilig, kurz spannend und dann vorbei.
      • Von huenni87 Erfahrener Benutzer
        Also ausgerechnet MafuyuX dazu zu befragen ist schon irgendwie makaber. Die Community eines Youtubers bemisst sich in der Regel ja an dem Niveau dessen. Die Kommentare unter den Videos von dem sind wirklich unterste Schublade. Jetzt stellt er sich hier also hin und berichtet darüber wie schlimm das doch ist? Er selbst ist in den Spielen quasi die Definition des Artikels.
      • Von Zybba Erfahrener Benutzer
        Zitat von Worrel
        So wie diese hier .... ?
        Alter! Nicht cool!!! 
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Einmal ein Arschloch sein: Die dunkle Seite des Spielens in DayZ, Rust oder Ark: Surival Evolved (Report)
Online-Spiele sind ein Schlachtfeld, auf dem Fairness oft zu kurz kommt. Wie aber fühlt man sich eigentlich als Online-Rowdy? Und welche Beweggründe haben Spieler, sich im Netz danebenzubenehmen?
http://www.pcgames.de/Panorama-Thema-233992/Specials/Die-dunkle-Seite-des-Spielers-Der-Arschloch-Report-zu-DayZ-Rust-und-Ark-1202272/
24.07.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2016/07/arschloch-special01-pc-games_b2teaser_169.jpg
day z,ark survival evolved,rust
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