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  • Der Spaß am Weltuntergang - Warum gerade die Post-Apokalypse so viel Potenzial hat

    Fallout New Vegas kommt und die Welt geht unter - mal wieder. Seit der Popkultur der 60er Jahre verstreicht kaum ein Jahr, in dem uns nicht mindestens ein Spitzentitel die Folgen der Apokalypse vor Augen führt - und sich dabei großer Beliebtheit erfreut. Aber warum ist gerade die Endzeit ein so gern gespieltes Setting?

    Die Untergangs-Industrie blüht – und das schon seit vielen Jahren. Während früher jedoch göttliches Wirken, unvorhersehbare Naturkatastrophen und außerirdische Invasionen als Ursachen für den Super-GAU herhielten, scheinen die Entwickler inzwischen überzeugt, dass letztlich doch der Mensch für seinen eigenen Untergang verantwortlich sein wird. Seit einigen Jahren werden die pessimistischen Settings, trotz ihrer fantastischen Elemente, nicht nur deutlich kulturkritischer, sondern leiten ihre Thematik auch direkt aus dem wahren Leben ab.

    Das Körnchen Wahrheit
    Inspiration für die dystopischen Szenarien finden die Entwickler ja in der realen Welt zuhauf. Hiroschima, Tschernobyl und der 11.September: Solche Ereignisse halten uns nicht nur in Atemnot, sie beflügeln auch die Phantasie. So können wir in Stalker in einer Mischung aus Realität und Fiktion die Folgen des bekannten Reaktor-Unglücks erleben, in dem Dark Future-Rollenspiel The Fall: Last Days of Gaia müssen wir uns den Konsequenzen eines futuristischen Terroranschlags stellen und in Fallout 3 die Folgen eines globalen Atomkriegs ausbaden. Es scheint fast so, als hätte unser Unbehagen an der eigenen kulturellen Entwicklung endlich ein Gesicht bekommen. Zumindest Dmitri Glukhovsky, der Autor des Romans Metro 2033, der als Vorlage für das gleichnamige Spiel Pate stand, versteht sein Werk als wohlgesetzte Warnung: "Ich glaube, der Kalte Krieg kommt gerade zurück", erklärte der Autor gegenüber SF-Fan.de, "Insbesondere zwischen Moskau, London und Washington. Der Atomkrieg ist heute viel wahrscheinlicher als vor der Wende." Umso beklemmender ist es, dass Glukhovskys Szenerie durchaus realistische Wurzeln hat. Denn die Moskauer Metro wurde auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs tatsächlich als riesiger Luftschutzbunker konzipiert, der die Bevölkerung im Falle eines Atomangriffs schützen sollte. Aber auch postapokalyptische Games, deren Macher noch nicht die atomare Katastrophe im Nacken spüren, fungieren mit, durch Menschenhand verschuldeten Naturgewalten, verseuchtem Trinkwasser und aus den Fugen geratenen Bioexperimenten, oftmals als Kulturkritik. Für Entwickler eine Ausdrucksform – für Spieler spannender Thrill. Denn auch wenn sich in Games natürlich eine gute Portion Fiktion mischt, führen sie uns doch vor Augen, was zumindest möglich wäre.

    Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
    Das Paradoxe dabei: Die Endzeit bleibt im Grunde, trotz des mahnend erhobenen Zeigefingers, ein optimistisches Genre. Immerhin wird ja nicht alles Leben von der Erde getilgt. Im Gegenteil. Es werden Helden geboren, die alles daran setzten, die unfruchtbaren Stätten wieder in eine grüne Au zu verwandeln. Für uns ist das schön. Denn ob wir uns nun durch das Moskauer Metro-System schlagen, um die Menschheit vor einer drohenden Gefahr zu warnen, korrupte Megakonzerne zu Fall bringen oder unsere Mitüberlebenden vor gefährlichen Bioschäden bewahren: Wir haben ein sinnvolles Ziel vor Augen. Bei soviel Enthusiasmus, kann man es dann auch in Kauf nehmen, wenn der mutierte Teil der Bevölkerung nicht gerade durch Grazie glänzt.

    Darüber hinaus bieten solche Szenerien etwas, das unsere sichere und allbekannte Welt eben nicht leisten kann: Sie erlauben uns den Neuanfang. Sicher, die Welt ist, zumindest beinahe, untergegangen und hat fast alles was uns bislang so lieb und teuer war, mit in den Abgrund gerissen – und trotzdem richten wir mit unseren Helden, die eben nichts mehr zu verlieren haben, unseren Blick nach vorne. Schließlich ist die Stunde Null nicht nur das Ende, sondern auch der Anbeginn einer neuen Zeit. Und in der werden die Karten gänzlich neu gemischt. Soziale und gesellschaftliche Hierarchien werden aufgebrochen und neu begründet, bislang kritisierte politische Systeme gehören der Vergangenheit an. Gerade in Krisen- und Umbruchs-Zeiten haben Endzeitszenarien Hochkonjunktur. Denn unsere Alltagsprobleme können wir im postapokalyptischen Szenario ad acta legen. Wen kümmert schon die Wirtschaftskrise, wenn wir ohnehin nur noch mit Kronkorken bezahlen? Statt uns also mit dem ermüdend Altbekannten herumzuschlagen, ziehen wir eben einen glatten Strich und wagen stattdessen den Neuaufbau.

    Schöne neue Welt?
    So rosig die angestrebte Zukunft auch ist, so steinig ist im Game jedoch der Weg dorthin. Einen guten Teil unserer Zeit widmen wir der Nahrungssuche, kämpfen uns durch schädliche Chemikalien und laufen auf der Suche nach Luxusgütern kilometerweit durch feindliche Gebiete. Vielfältig ist das Endzeit-Szenario in jedem Fall. Darüber hinaus erlauben desaströse Szenarien den Entwicklern mit einer fantastischen Anzahl von Gegnern aufzutrumpfen. Ob nun Viren die Metamorphose zum Zombie ermöglichen oder Genversuche skurrile Mutationen hervorbringen - über einen Mangel an Zielscheiben können wir uns nicht beklagen, wenn wir im giftigen Nieselregen zerstörte Landschaften erkunden. Zugegeben: Hier langt dann auch der Realismus meist an seinen Grenzen. Der Sprung in die Fantasy ist vermutlich auch gut. Denn meist finden wir uns im Game in einer Welt wieder, in der jede Moral ausgehebelt, jede Ethik vergessen ist und wir so ziemlich alles ohne Reue tun können. Zurückgeworfen auf den urzeitlichen Trieb gilt in der Endzeit eigentlich nur eines - Das Gesetz des Stärkeren. Mag unser Endziel auch noch so heroisch sein, in erster Linie kämpfen wir ums nackte Überleben. Hier erlauben uns postapokalyptische Spiele etwas Besonderes: Das Erkunden von menschlichen Reaktionen auf Extremsituationen. Und die sind nach Meinung einiger amerikanischer Forscher in Games sogar so realistisch umgesetzt, dass sie Spiele als Überlebenstraining empfehlen. Wer demzufolge fleißig Fallout 3 zockt, sollte auf die nächste Post-Apokalypse wohl bestens vorbereitet sein.

    Haben auch Sie Lust auf ein wenig Endzeitstimmung? In der folgenden Bildergalerie finden Sie eine Auswahl aus den schönsten post-apokalyptischen Spielszenarien.

  • Es gibt 17 Kommentare zum Artikel
    Von nikiburstr8x
     Es ist halt nicht die heile Fantasy-Welt, in denen Schwarz und Weiss oder Gut und Böse durch klare Grenzen definiert…
    Von knarfe1000
    Weltuntergangsszenarien - insbesondere solche, die vom Menschen herbeigeführt werden, - strahlen seit je her eine…
    Von nikiburstr8x
     Nimm es uns nicht krumm - Humor ist wenn man trotzdem lacht. =)Zumal dein Verleser doch eigentlich nicht so schlimm…
    • Es gibt 17 Kommentare zum Artikel

      • Von nikiburstr8x Erfahrener Benutzer
        Zitat von knarfe1000
        Weltuntergangsszenarien - insbesondere solche, die vom Menschen herbeigeführt werden, - strahlen seit je her eine besondere morbide Faszination aus. Vor allem dann, wenn man sie als Spieler erleben und mitgestalten kann.
         
        Es ist halt nicht die heile Fantasy-Welt, in denen…
      • Von knarfe1000 Erfahrener Benutzer
        Weltuntergangsszenarien - insbesondere solche, die vom Menschen herbeigeführt werden, - strahlen seit je her eine besondere morbide Faszination aus. Vor allem dann, wenn man sie als Spieler erleben und mitgestalten kann.
      • Von nikiburstr8x Erfahrener Benutzer
        Zitat von crazyboss1990
        Ja sorry... "verlesen"... aber super, dass solche Sachen sofort plattgetreten werden müssen!
        lg
         
        Nimm es uns nicht krumm - Humor ist wenn man trotzdem lacht. =)
        Zumal dein Verleser doch eigentlich nicht so schlimm war. Ich wusste anfangs auch nicht, worauf du hinaus willst, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

        Pate in Metro 2033 umbenennen. :D
        Sowas passiert jedem mal. 
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Der Spaß am Weltuntergang - Warum gerade die Post-Apokalypse so viel Potenzial hat
Fallout New Vegas kommt und die Welt geht unter - mal wieder. Seit der Popkultur der 60er Jahre verstreicht kaum ein Jahr, in dem uns nicht mindestens ein Spitzentitel die Folgen der Apokalypse vor Augen führt - und sich dabei großer Beliebtheit erfreut. Aber warum ist gerade die Endzeit ein so gern gespieltes Setting?
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26.06.2010
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