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  • Crysis ist Kunst und Braid nicht? Der ewige Streit, ob Computerspiele Kunst sind

    PC Spiele: Für die einen bedeuten sie den Niedergang der Kultur, für die anderen den dritten großen Medienumbruch der Neuzeit. Die Diskussion um den künstlerischen Wert von Games ist vor allem in Hinblick auf die Killerspiel-Debatte ein heißes Eisen. Doch erzeugen 3D-Engines tatsächlich mehr, als nur digitale Spielwiesen?

    Auch von Crysis ließ sich Jay.Gee bereits inspirieren. Die vollständige Gallerie finden Sie ebenfalls auf pcgameshardware.de. Auch von Crysis ließ sich Jay.Gee bereits inspirieren. Die vollständige Gallerie finden Sie ebenfalls auf pcgameshardware.de. Quelle: PC Games Hardware „Videospiele können niemals Kunst sein“ behauptete Filmkritiker und Pulitzer-Preisträger Roger Ebert kürzlich in seiner Online-Kolumne der Chicago Sun-Times. Und ging sogar noch Schritt weiter, als er das Jump and Run Braid auf dem Niveau eines „besseren Glückskeks“ ansiedelte. Die Kollegen von PC Games Hardware hielten dagegen und veröffentlichten unter dem Titel: „Kunst trifft auf Spielegrafik“ beeindruckende Crysis-Screenshots. Fast scheint es, als ob wir in der Diskussion um den künstlerischen Anspruch von PC- und Videospielen nie zu einer Einigung gelangen würden. Doch woran liegt es, dass PC-Spielen in der öffentlichen Wahrnehmung ihr Platz als eigenständige Kunstform neben Film, Theater, Literatur und Co. noch immer verweigert wird?

    Diese Frage ist der Unterhaltungsbranche schon lange nicht mehr fremd. Denn bereits der große Bruder der PC Spiele, der Film, fristete in seinen Anfängen lediglich ein Schattendasein. Als „minderwertiges“ Unterhaltungsmedien etablierte er sich zunächst lediglich als reißerische Attraktion für die Arbeiterklasse auf Jahrmärkten, während sich die gehobenen Schichten weiterhin in Opernhäusern und Theatern die Ehre gaben. Mit ähnlichem Misstrauen steht die Gesellschaft nun dem PC-Spiel gegenüber. Dabei hat die Geschichte längst gezeigt: Nicht nur historische Kultur ist Kunst, sondern auch Gegenwartsproduktion sind wertvolle kulturelle Güter. Aus diesem Grund können sowohl die Schnelllebigkeit einzelner Spiele, als auch die kurze Tradition der PC-Spiele wohl kaum als Argument, gegen eine Anerkennung des Mediums als Kunst gelten. Für Roger Ebert ist die Sache trotzdem klar: „Ein offensichtlicher Unterschied zwischen Kunst und Spielen ist, dass man ein Spiel gewinnen kann. Es hat Regeln, Punkte, Ziele und ein Ende.“ Film, Tanz und Literatur hingegen sollen Ebert zufolge lediglich erfahrbar sein. Ist Interaktivität also ein Totkriterium für Kunst? Falls das der Fall wäre, ständen wir allerdings bald gänzlich ohne Kunstgüter da. Denn auch Romane, Filme und Bilder lassen Lücken, fordern uns auf Geschichten weiter zu spinnen und per Gedankenkraft zu ergänzen. Denselben Sprung machen wir im Spiel – nur eben nicht im Geiste, sondern auf dem Bildschirm. Und dass auch ein Film oder Buch auf ein sinnvolles Ende zusteuert, wird wohl auch der größte Ignorant nicht bestreiten können. Auch die kommerzielle Ausrichtung der Gamesbranche kann keineswegs als Kriterium gegen eine Anerkennung des Genres als Kunst gelten. Schließlich erkennen wir der Autorin von Harry Potter, J.K. Rowling, auch nicht den Whitbread Book Award ab, obwohl sich die Dame mit der Geschichte um den jungen Zauberer zu einer der reichsten Frauen Großbritanniens getextet hat. Als Ausdrucksmittel, einem nicht unerheblichen Kriterium der Kunst, dienen Games allemal. Denn nicht selten greifen Spiele aktuelles Weltgeschehen auf, interpretieren politische Ereignisse, entführen in phantastische Welten und lassen den Spieler jede Menge Emotionen erfahren.

    Für den Filmkritiker Roger Ebert hat das Spiel Braid nur das Niveau eines Glückskeks. Für den Filmkritiker Roger Ebert hat das Spiel Braid nur das Niveau eines Glückskeks. Quelle: PC Games Etwas leichter im Kampf um künstlerische Anerkennung, werden es wohl jene Spiele haben, die explizit den Anspruch erheben, Kunst sein. Denn wie in vielen Medien, findet sich auch im Genre PC-Spiel eine Zweiteilung der Kunstdebatte. So ist für viele Erzeugnisse der Indie-Szene der kommerzielle Erfolg nebensächlich. Im Vordergrund steht die Kommunikation zwischen Künstler und Spieler, das Schaffen atmosphärischer Settings. So steuert man in dem PC Spiel The Path zwar ebenfalls eine Figur durch eine Spielewelt, jedoch hat das Game der Softwareschmiede Tale of Tales mit populären Titeln darüber hinaus nur wenig gemein. Denn mit dem abgedrehten Horror-Adventure wollen die Entwickler vor allem eines: Verstören. So wird der Spieler jeder Orientierung beraubt, erlebt düster-verwirrende Sequenzen und bahnt sich quälend langsam seinen Weg durch nicht enden wollende Alpträume. Allerdings sprechen auch die Macher von The Path anderen Games ihren Status als Kunst nicht ab. In einem Interview mit derStandard.at betonten die Entwickler: „Alle Spiele sind Kunst. Aber die meisten sind schlechte Kunst. Wir hoffen, dass es in Zukunft mehr Spiele geben wird, die in einer künstlerischen Hinsicht gut sind.“

    Ab ins Museum

    Auch alte Datenträger von Civilization 1 und 2 wurden in der Library of Congress archiviert. Auch alte Datenträger von Civilization 1 und 2 wurden in der Library of Congress archiviert. Quelle: PC Games Über die künstlerische Qualität großer Titel lässt sich natürlich streiten. Sicher ist aber, dass besonders diese PC-Spiele einen gewaltigen gesellschaftlichen Einfluss ausüben und darüber hinaus, mit immer neuen Erzählweisen und grafischen Innovationen aufwarten. Befinden wir uns also, mit Millionen von Spielern, in der kulturellen Abwärtsspirale oder finden populäre PC Spiele aus den „Jahrmärkten“ unserer Zeit endlich Einlass in die Hochkultur? Für letzteres sprach sich bereits 2008 der deutsche Kulturrat aus, als er entschied, den Bundesverband der Entwickler in die Sektion Film und Audiovisuelle Medien aufzunehmen. In der offiziellen Stellungnahme hieß es: „Kunst und Spiele sind keine getrennten Welten. Computerspiele sind ein Kulturgut. Sie müssen als solches behandelt werden und verdienen eine öffentliche Förderung.“ Ein großer Sieg für die Gamesbranche - und bei weitem nicht der einzige. Denn ein ähnlicher Gedanke bewegte auch Spiele-Experten in den USA, als sie 2007 einen Game-Kanon erstellten und eine Reihe spielerischer Artefakte in die Library of Congress, die inoffizielle Nationalbibliothek in Washington, verfrachteten. Grund für die Aktion war die Kurzlebigkeit von Hardware-Datenträgern. Obwohl sich deren digitalen Inhalte problemlos übertragen ließen, standen einige Ur-Typen und Klassiker der Spielgeschichte, kurz vor ihrer physikalischen Auslösung. Konserviert wurden unter anderem Tetris, SimCity, Super Mario Bros.3 und Civilization 1 und 2. Besonders prekär: auch der Shooter Doom fand seinen Platz in dem Spielekanon - also eben eines jener Spiele, die die Befürworter des Killerspiel-Verbots am liebsten auf dem virtuellen Scheiterhaufen sehen würden. Vielleicht liegt hier der Hund begraben. Schließlich verlangen wir im Sinne des Jugendschutzes auch nicht, Van Goghs Selbstportrait das fehlende Ohr hinzufügen und akzeptieren im Namen der Kunst, Bücher wie „Die 120 Tage von Sodom“ dessen Beschreibungen von sexuellen Exzessen und Folterszenen jenseits des in Spielen Denkbaren liegen. Würden sich PC- und Videospiele ebenfalls ihren Platz in den heiligen Hallen der Kunst erkämpfen, hätten Spieler endlich ein schlagkräftiges Argument gegen Verbotsfanatiker in der Hand.

    In der folgenden Galerie zeigen wir Ihnen, welche Games als Kund gehandelt werden:

  • Es gibt 19 Kommentare zum Artikel
    Von Brokensword
    woher ist das 2. Bild?
    Von ElBorbah
    lest mal bitte heideggers "der ursprung des kunstwerks", dann ergeben sich solche artikel.
    Von Enisra
    die Frage ist eher, was ist das erste?Zweimal ein abgebrochener Kupferstab?  naja, Roger Ebert ist zwar einer der…
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Crysis ist Kunst und Braid nicht? Der ewige Streit, ob Computerspiele Kunst sind
PC Spiele: Für die einen bedeuten sie den Niedergang der Kultur, für die anderen den dritten großen Medienumbruch der Neuzeit. Die Diskussion um den künstlerischen Wert von Games ist vor allem in Hinblick auf die Killerspiel-Debatte ein heißes Eisen. Doch erzeugen 3D-Engines tatsächlich mehr, als nur digitale Spielwiesen?
http://www.pcgames.de/Panorama-Thema-233992/Specials/Crysis-ist-Kunst-und-Braid-nicht-Der-ewige-Streit-ob-Computerspiele-Kunst-sind-747870/
31.05.2010
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2010/05/Sims-Adaptionen.JPG
kunst,doom,crysis,braid
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